Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
Lynley bat ihn ins Haus. Er stellte erst sich vor und dann Barbara Havers, die gerade herunterkam, als Wiley zaghaft ins Zimmer trat. Der alte Herr sah sich um, blickte zur Treppe, hob die Augen dann zur Zimmerdecke, als hoffte er zu ergründen, was Barbara Havers im oberen Stockwerk gesucht und vielleicht gefunden hatte.
»Was ist denn passiert?« Wiley machte keine Anstalten abzulegen.
»Sie sind ein Freund von Mrs. Davies?«, fragte Lynley.
Wiley antwortete nicht gleich. Es schien beinahe, als überlegte er, was genau das Wort Freund im Rahmen seiner Beziehung zu Eugenie Davies bedeutete. Schließlich sagte er mit einem Blick von Lynley zu Havers und wieder zurück zu Lynley: »Ihr ist etwas zugestoßen. Sonst wären Sie nicht hier.«
»Die letzte Nachricht auf Mrs. Davies' Anrufbeantworter war von Ihnen, nicht wahr? Sie sprachen von Plänen für heute Abend«, sagte Barbara, die an der Treppe stehen geblieben war.
»Wir wollten -« Wiley verbesserte sich abrupt. »Wir wollen heute Abend zusammen essen. Sie sagte - Sie beide sind von der Londoner Polizei, und sie ist gestern Abend mit dem Wagen nach London gefahren. Es ist ihr offensichtlich etwas zugestoßen. Bitte sagen Sie es mir.«
»Nehmen Sie doch erst einmal Platz, Major Wiley«, meinte Lynley. Wiley wirkte nicht gebrechlich, aber man konnte nicht wissen, wie es um sein Herz oder seinen Blutdruck stand. Lynley wollte kein Risiko eingehen.
»Gestern Abend hat es in Strömen geregnet«, bemerkte Wiley, sich erinnernd. »Ich habe mit ihr darüber gesprochen, wie unangenehm es ist, bei starkem Regen Auto zu fahren. Und bei Dunkelheit. Dunkelheit allein ist schon übel genug. Regen macht es noch schlimmer.«
Barbara entfernte sich von der Treppe und trat zu Wiley. Sie nahm ihn beim Arm. »Setzen Sie sich doch, Major.«
»Es ist was Schlimmes«, sagte er.
»Leider ja«, bestätigte Lynley.
»Auf der Schnellstraße? Sie hat mir versprochen, vorsichtig zu sein. Sie sagte, ich solle mir keine Sorgen machen. Wir wurden heute Abend miteinander reden. Sie wollte mit mir reden.« Er hielt den Blick auf den Couchtisch vor dem Sofa gerichtet, auf das Barbara ihn sanft, aber bestimmt hinuntergedrückt hatte. Sie setzte sich neben ihn, auf die äußerste Kante.
Lynley nahm den Sessel. »Es tut mir Leid, Ihnen das mitteilen zu müssen«, sagte er behutsam, »aber Eugenie Davies ist gestern Abend ums Leben gekommen.«
Wie in Zeitlupe drehte Wiley den Kopf, um Lynley anzusehen.
»Die Schnellstraße«, sagte er. »Der Regen. Ich wollte nicht, dass sie fährt.«
Lynley ließ ihn fürs Erste in dem Glauben, sie sei das Opfer eines Unfalls auf der Schnellstraße geworden. Die BBC hatte in den Morgennachrichten von der Fahrerflucht berichtet, aber Eugenie Davies' Name war nicht erwähnt worden, da ihr Leichnam zu diesem Zeitpunkt noch nicht amtlich identifiziert und ihre Familie noch nicht ausfindig gemacht worden war.
»Sie ist also nach Einbruch der Dunkelheit losgefahren?«, fragte Lynley. »Wissen Sie, um welche Zeit?«
»Halb zehn, glaube ich«, antwortete Wiley tonlos. »Wir kamen von der Kirche -«
»Abendgottesdienst?« Barbara hatte ihr Heft herausgezogen und notierte sich die Angaben.
»Nein, nein«, entgegnete Wiley. »Um die Zeit war kein Gottesdienst. Sie war hineingegangen… um zu beten, vermute ich. Genau weiß ich es nicht, weil…« Er nahm plötzlich die Mütze ab, als befände er sich selbst in der Kirche, und hielt sie in beiden Händen. »Ich bin nicht mit ihr hineingegangen. Ich hatte meinen Hund mit, meinen Golden Retriever. P. B., so heißt sie. Wir haben auf dem Friedhof gewartet.«
»Im Regen?«, fragte Lynley.
Wiley drehte die Mütze zusammen. »Hunden macht Regen nichts aus. Und sie musste noch mal raus. P. B., meine ich.«
»Können Sie uns sagen, warum Mrs. Davies nach London fahren wollte?«, fragte Lynley.
Wiley drehte die Mütze noch fester zusammen. »Sie sagte, sie hätte eine Verabredung.«
»Wissen Sie, mit wem? Und wo?«
»Nein. Sie sagte nur, wir würden heute Abend miteinander sprechen.«
»Über die Verabredung?«
»Ich weiß es nicht. Lieber Gott, ich weiß es doch nicht.« Ted Wileys Stimme drohte zu brechen, aber er war nicht umsonst ein ehemaliger Major. Innerhalb von Sekunden hatte er sich wieder im Griff. »Wie ist es passiert?«, fragte er. »Wo? Ist sie ins Schleudern gekommen? Mit einem Lkw zusammengestoßen?«
Lynley teilte ihm die Fakten mit. Er sagte Wiley, wo und wie sie ums Leben gekommen war, aber von Mord sagte er nichts. Und Wiley ließ ihn ausreden, ohne zu fragen, warum zwei Beamte der Londoner Polizei das Haus einer Frau durchsuchten, die allem Anschein nach einem alltäglichen Autounfall, wenn auch mit Fahrerflucht, zum Opfer gefallen war.
Aber Lynley hatte kaum zu Ende gesprochen, da wurden Wiley, vermutlich bereits aufmerksam geworden durch gewisse seltsame Beobachtungen - zum Beispiel, dass Barbara Havers Latexhandschuhe trug, als sie die Treppe herunterkam, und beide Beamte sich so eingehend für Eugenie Davies' Anrufbeantworter interessierten -, die Ungereimtheiten bewusst, und er sagte: »Das kann kein Unfall gewesen sein! Weshalb sollten Sie beide eigens aus London hierher kommen…« Sein Blick wurde unscharf, als sähe er durch sie hindurch in die Ferne, und er sagte: »Der Mann gestern Abend. Auf dem Parkplatz. Es war kein Unfall, nicht wahr?«
Mit diesen Worten stand er auf.
Barbara stand mit ihm auf und drängte ihn, sich wieder zu setzen. Er kam zwar ihrer Aufforderung nach, aber er war plötzlich wie verwandelt, wie von einem nur ihm bekannten Vorsatz beherrscht. Er drehte seine Mütze nicht mehr rastlos in den Fingern, sondern schlug sie hart auf seine offene Hand und forderte im Befehlston: »Sagen Sie mir, was Eugenie Davies zugestoßen ist!«
Die Gefahr einer Herzattacke oder eines Schlaganfalls schien gering, darum eröffnete Lynley ihm ohne weitere Umschweife, allerdings auch ohne auf Einzelheiten einzugehen, dass sie in einer Mordsache ermittelten, und sagte: »Erzählen Sie von dem Mann auf dem Parkplatz«, was Wiley ohne Zögern tat.
Er war zum Sixty Plus Club gegangen, wo Eugenie arbeitete. Er hatte P. B., seinen Hund, ausgeführt und war zum Altenklub gegangen, um Eugenie dort abzuholen. Bei seiner Ankunft hatte er eine Auseinandersetzung zwischen ihr und einem Mann beobachtet. Einem Fremden, nicht aus dem Ort, sagte er. Aus Brighton.
»Aus Brighton?«, fragte Lynley. »Hat Mrs. Davies Ihnen das gesagt?«
Wiley schüttelte den Kopf. Er habe das Kennzeichen gesehen, als der Wagen abgebraust war. Nur flüchtig, aber die Buchstaben habe er klar erkannt: ADY. »Ich war beunruhigt, wissen Sie. Sie war in den letzten Tagen irgendwie sonderbar gewesen. Darum habe ich die Buchstaben im Kennzeichenverzeichnis nachgeschlagen und gesehen, dass ADY für Brighton steht. Der Wagen war ein Audi. Dunkelblau oder schwarz. Ich konnte es im Dunklen nicht erkennen.«
»Sie haben so ein Verzeichnis auf dem Nachttisch liegen?«, erkundigte sich Barbara. »Ist das ein Hobby von Ihnen?«
»Nein, nein, ich habe es in der Buchhandlung bei den Reisebüchern. Hin und wieder verkaufe ich eines an Leute, die auf längeren Autofahrten ihre Kinder beschäftigen wollen, zum Beispiel.«
»Ah.« Barbara musterte Wiley neugierig.
Lynley kannte dieses »Ah« von Havers. Er sagte: »Sie haben nicht eingegriffen, als Sie die Auseinandersetzung zwischen Mrs. Davies und dem Fremden beobachteten, Major Wiley?«
»Ich habe nur noch das Ende mitbekommen, als ich auf den Parkplatz kam. Es fielen einige laute Worte - von ihm -, dann ist er in seinen Wagen gestiegen und abgefahren, ehe ich überhaupt nahe genug war, um etwas zu sagen. Das war alles.«
»Und wer war dieser Mann? Hat Mrs. Davies Ihnen das gesagt?«
»Ich habe sie nicht danach gefragt.«
Lynley und Barbara tauschten einen Blick, und Barbara fragte: