Das Schicksal der Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Schicksal der Zwerge». Краткое содержание книги:
Ein Lächeln legte sich auf Tungdils Gesicht. »Du wirst es gleich erleben. Halte dich bereit.«
»Und wenn es harmlose Wanderer sind?«
»Die im Kalten sitzen? Die sich seit Umläufen nicht vor die Tür begeben haben?«, konterte Tungdil überlegen.
»Sie...« Ingrimmsch wusste nicht, was er dagegenhalten sollte. Alles, was ihm einfiel, ergab kaum Sinn.
Die Reittiere blieben mit ein wenig Abstand vor der Unterkunft stehen, die Zwerge stiegen ab.
»Was jetzt?«, wollte Boindil wissen und band seine Ponys mit einem Lederriemen an einer eisernen Halterung vor der Hütte an. Dabei zog er den Knoten nicht zu, um ihn jederzeit lösen zu können. »Stürmen wir rein?«
»Nein«, sagte Tungdil entschieden und zog Blutdürster. »Du klopfst.« Er pochte feixend gegen den Kopf des Krähenschnabels. »Damit.« »Schön! Endlich gehts los!« Ingrimmsch legte die Pfeife neben der Tür auf den Boden, damit sie im Kampf nicht zu Schaden kam, zog die geliebte Waffe und schlug damit kräftig gegen die Tür. Splitternd riss das Schloss aus dem Holz, und die Tür flog mit solcher Kraft auf, dass die Angeln herausbrachen. Rumpelnd krachte sie auf den Boden. Ingrimmsch ließ es sich nicht nehmen, mit einem lauten Ruf als Erster hineinzuspringen - und starrte auf leere Bänke und Tische; es war eisig kalt in der Hütte, und nirgends gab es Anzeichen, dass sich jemand hier aufhielt oder vor Kurzem aufgehalten hatte.
»Na, so etwas«, murmelte er enttäuscht. »He, Gelehrter! Da haben dich deine Sinne zum Narren gehalten! Komm und sieh es dir an!«
Hinter ihm blieb es ruhig.
Boindil drehte sich um, doch Tungdil war verschwunden. »Was, bei Vraccas, geht denn nun schon wieder vor sich?«, polterte er, als er hinter sich ein Geräusch vernahm. Er schnellte herum und hob den Krähenschnabel, spähte mit zusammengekniffenen Augen umher. »Gelehrter?«
Schritt für Schritt bewegte er sich in den Raum hinein.
Im Vorbeigehen sah er nach der Asche im Kamin, nach Fußabdrücken auf dem Holzboden oder nach anderen Spuren. Nichts.
»Ein Spuk der Berggeister«, sagte er leise zu sich selbst. Sein Blick fiel auf eine einsame Dauerwurst, die pendelnd über dem Herd hing. »Gelehrter? Wo steckst du? Nicht, dass ich dich aus Versehen angreife, wenn du um die Ecke gesprungen kommst!« Vorsichtig ging Ingrimmsch weiter und erreichte die Kochstelle. Der Herd war mit einer dicken Schicht Reif überzogen. Hier war schon lange kein Mahl mehr zubereitet worden.
Die Schnur, mit der die Wurst am Querbalken festgemacht war, knirschte leise. Verwundert stellte der Zwerg fest, dass es keinen Luftzug gab, aber sie stärker vor und zurück schwang als vorher.
Bei genauerem Hinsehen erkannte er, dass sich die Deckenbalken darüber leicht bewegten, und er grinste. Da steckt die Ratte! Wer auch immer auf sie lauerte, er hatte sich auf dem Heuboden verkrochen, um die Zwerge in Sicherheit zu wiegen. »Gelehrter?«, rief er nochmals, bevor er einen Satz auf die Ofenplatte machte und mit dem langen Dorn des Krähenschnabels durch die Deckenbretter hackte. Er sprang in die Höhe und hieltsich mit beiden Händen am Griff fest, sodass die Holzdielen über ihm unter dem Gewicht barsten.
Getrocknete Grashalme fielen in die Kammer und bedeckten Boindil, der Staub raubte ihm die Sicht. Aber er glaubte, in dem Regen aus Heu einen Schatten bemerkt zu haben. Da er annahm, dass sich Tungdil bemerkbar gemacht hätte, schlug er gnadenlos danach.
Sein Hieb wurde pariert, Metall stieß gegen Metall. Plötzlich wurde der Krähenschnabel zur Seite gedreht, und Ingrimmsch benötigte seine ganze Kraft, um die Waffe nicht aus den Fingern gerissen zu bekommen.
Umgeben von rieselndem Heu und umherschwebenden Schmutzflöckchen, unternahm er einen weiteren Angriff gegen seinen Widersacher, den er noch immer als schwarzen Umriss sah. Der Größe nach handelte es sich um - einen Zwerg!
»Gelehrter, bist du das?«, fragte er vorsichtshalber und hielt seinen Schlag ein Blinzeln lang zurück.
Ein Fehler.
Eine sehr schmale Klinge, die mehr an einen fingerdicken Eisenstab erinnerte, tauchte vor ihm auf, und es gelang Boindil gerade noch, den Oberkörper nach rechts zu drehen, sonst wäre ihm die schräge, angeschliffene Spitze durch die Brust gefahren; stattdessen fand sie einen Weg durch den Mantel, die Ringe des Kettenhemdes und das gefütterte Untergewand ins Schlüsselbein. Ein stechender Schmerz durchzuckte ihn. Ingrimmsch knurrte wütend, da wurde die Waffe bereits zurückgezogen. Er spürte das Blut warm aus der Wunde laufen, doch er befand, dass sie harmlos war. Schulter und Arm ließen sich bewegen, Luft bekam er auch noch.
Grollend packte er den Griff mit beiden Händen und sprang durch das Heu gegen den Gegner. Dabei vollführte er kreiselnde Angriffsschläge; irgendwann, so dachte er sich, würde er ihn erwischen. »Versteck dich nicht, du Feigling!«, rief er wütend und verließ die Wolke aus Halmen und Staub. Dennoch musste er husten, seine Augen tränten. Er sah eine Gestalt vor der Tür.
»Halt! Bleib stehen!« Er spurtete los und folgte dem Unbekannten hinaus ins Freie. Doch kaum stand er im Schnee, war der Angreifer verschwunden. »Wie, bei Tions widerlichen...« Ingrimmsch bekam einen Schlag gegen den Hinterkopf, der Helm fing die Wucht ab, doch es genügte, ihm einen ordentlichen Schwindel zu bescheren. »Hinterrücks, ja, das kannst du!«, tobte er in seinem Zorn, und vor seine ohnehin verschleierte Sicht schob sich ein roter Schein. »Ho, stell dich endlich!« Der Kampfwahn wollte ihn übermannen.
Neben der Tür verharrte der Gegner. Er trug einen geschlossenen schwarzen Lederhelm mit zahlreichen Ornamenten aus Nieten und Silberdraht. Seinen Leib schützte er mit einer gleichfarbigen Lederrüstung, an der verzierte Tioniumplatten angebracht waren, und die Beine verbargen sich unter einem rockähnlichen Schutz aus geschwärzten Eisenplättchen, wie ihn die Dritten gern anfertigten.
»Sieh an: ein Zwergenhasser. Was hat dich denn hierher verschlagen?« Boindil wischte sich über die Augen. Unter den Füßen des Angreifers sah er seine Pfeife. Zertreten. »Schau dir das an! So ein Orksfott! Wie soll ich jetzt gemütlich schmauchen?« Er biss die Zähne zusammen und schnaubte doppelt vor Wut. »Einerlei: Ich weiß, wer dich gleich schlagen wird!«
Tungdil erschien über ihnen auf dem Dachfirst, Blutdürster in der Rechten haltend. Ein eindrucksvoller Anblick, wie Ingrimmsch von Neuem bemerken musste. »Was viel wichtiger wäre: Wie ist er durch das Braune Gebirge und vorbei an der Festung der Vierten gelangt? Diese Lücke sollten wir finden, bevor es weitere tun.« »Warte, Gelehrter. Ich löcher ihn gern mit Fragen!« Ingrimmsch hob den Krähenschnabel. »Deswegen habe ich den ja dabei.« Er stürmte gegen den Zwerg, der in der einen Hand einen runden Schild und in der anderen eine schwertähnliche Waffe trug. Im unteren Teil war sie dick geschmiedet worden, um schwere Hiebe zu überstehen, dann verjüngte sie sich zu einer langen dünnen Spitze. Damit war es ein Leichtes, durch Lücken in Panzerungen zu stechen. »Ich breche dir dein Stäbchen entzwei!«, versprach er brüllend und drehte sich halb in den Angriff hinein, um ihn für den Gegner unparierbar zu machen.
Der Dritte dachte gar nicht daran, sich dem heransurrenden Krähenschnabel in den Weg zu stellen. Er sprang zur Seite und hob blitzartig den Arm mit dem Schild. Boindil bemerkte zu spät, dass etwas nach ihm geworfen wurde. Eine schwarze Pulverwolke quoll vor ihm auseinander, in die er unwiderruflich hineinwirbelte. Seine Augen brannten auf der Stelle feuergleich, und die Tränen schössen ihm derart ein, dass er nichts mehr sah. Jeder Atemzug schmerzte, er musste husten und bekam keine Luft mehr.
Doch der Kampfwahn war entflammt, ließ ihn blind und sinnlos um sich schlagen. Die Kräfte schwanden mehr und mehr, bis er keuchend und krampfend in den Schnee fiel. Die Raserei fiel von ihm ab, das Weiß taute durch seine Körperwärme und spülte die Augen aus; als er den Kopf hob, sah er wenigstens wieder etwas. Er spie aus. Sein Speichel hatte sich wie der Schnee unter seinem Gesicht schwarz gefärbt. Tungdil und der Unbekannte droschen aufeinander ein, das Klirren der aufeinanderprallenden Schneiden folgte in schneller Reihung, und die Bergwände warfen das Scheppern zu ihnen zurück, während sich die beiden bei ihrem tödlichen Messen umkreisten. Die wirbelnden Bewegungen und Manöver, die sie dabei machten, hatten nichts mit herkömmlichen Kämpfen zu tun. So etwas sah Ingrimmsch das erste Mal.