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Электронная книга - «Veronika beschließt zu sterben». Краткое содержание книги:

Slowenien? Wo das liegt? Verärgert über die Borniertheit eines ausländischen Zeitungsartikels beginnt die junge Slowenin Veronika, einen geharnischten Antwortbrief an den Verfasser zu entwerfen. Fast hat sie über ihrem Zorn vergessen, dass sie gerade eine Überdosis Schlaftabletten eingenommen hat und eigentlich auf den nahen Tod wartete, als ihr neben dem Bett dieser Artikel ins Auge fiel. So viel Zeit muss sein. Die Wirkung hat noch nicht eingesetzt und Veronika begann sich ohnehin fast ein wenig zu langweilen, also schreibt sie. Dann schläft sie ein. Als sie wieder erwacht, befindet sie sich in Villete, dem berüchtigten Irrenhaus von Ljubljana. Nicht ohne Humor, dieser Einstieg, und ein sehr gelungenes Porträt der an Ereignislosigkeit und Lebensüberdruss leidenden jungen Frau -sofort ist man ihr ganz nahe.
Coelho brannte dieses Thema schon lange unter den Nägeln, wurde er in den 60er Jahren von seinen Eltern doch selbst dreimal in die Psychiatrie eingewiesen, die Gründe hierfür sind ihm bis heute unklar. Was ihm hingegen klar wurde war, wie dort Begriffe wie Normalität und Verrücktheit auf den Kopf gestellt wurden. Sehr bald merkt Veronika, dass in diesem Kuckucksnest voll überschäumender, fantasievoller Figuren die verschlossen-mürrischen Wärterinnen die eigentlichen Verrückten sind, stumpf und ohne jeglichen Lebensfunken ihre Arbeit verrichtend. Dr. Igor, der Anstaltsleiter, ständig am Erproben fragwürdiger Therapiemethoden und für den Anstaltsalltag kaum zu erwärmen, steigert das Ganze endgültig ins Absurde. Eine Figur, die für einen skurrilen Stimmungsmix aus Zauberberg und Kottan ermittelt sorgt.
Als man Veronika schließlich mitteilt, dass sie eines schweren Herzfehlers wegen nur noch wenige Tage zu leben hat, gewinnt sie wider Erwarten ihren Lebenswillen zurück, überwindet in kurzer Zeit ihr unausgelebtes Dasein und erlebt zudem eine unerwartete Liebe. In diesen Passagen schlägt Coelho Funken, sie machen dieses zarte Buch zu einem absoluten Hochgenuss.
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»Du liebst mich doch, Vater. Das kannst du nicht von mir verlangen, denn du bist mir immer ein Beispiel dafür gewesen, daß man um das, was man will, kämpfen muß. Du kannst nicht von mir wollen, daß ich ein Mann ohne eigenen Willen bin.«

»Ich sagte: im Namen der Liebe. Ich habe das nie zuvor gesagt, mein Sohn, aber ich bitte dich jetzt. Um der Liebe willen, die du für uns empfindest, um der Liebe willen, die wir für dich empfinden, komm nach Hause zurück, nicht nur im physischen Sinne, sondern ganz real. Du machst dir etwas vor, fliehst vor der Realität.

Seit deiner Geburt haben wir unsere ganzen Hoffnungen in dich gesetzt. Du bist alles für uns, unsere Zukunft und unsere Vergangenheit. Deine Großeltern waren Beamte, und ich mußte wie ein Stier kämpfen, um die diplomatische Laufbahn einzuschlagen und dort Karriere zu machen. Das alles nur, um dir den Weg freizumachen, dir die Dinge zu erleichtern. Ich besitze noch den Füllfederhalter, mit dem ich mein erstes Dokument als Botschafter unterzeichnete, und habe ihn voller Zärtlichkeit verwahrt, um ihn dir an dem Tag zu vermachen, an dem du das gleiche tust.

Enttäusche uns nicht, mein Sohn. Wir haben nicht mehr viel Zeit zu leben, wir wollen ruhig sterben im Wissen, daß du deinen Weg im Leben machst.

Wenn du uns wirklich liebst, tu, um was ich dich bitte.

Wenn du uns nicht liebst, mach so weiter wie bisher.«

Eduard blickte viele Stunden lang in den Himmel von Brasilia, schaute den Wolken nach, die wunderschön durch das Blau schwebten, doch keinen einzigen Regentropfen für den trockenen Boden der zentralen Hochebene mit sich führten.

Er war leer wie sie.

Würde er an seiner Wahl festhalten, würde seine Mutter am Leid zugrunde gehen, sein Vater würde die Begeisterung für seinen Beruf verlieren, beide würden sich die Schuld daran geben, bei der Erziehung ihres geliebten Sohnes versagt zu haben. Würde er die Malerei aufgeben, würden die Visionen des Paradieses nie entstehen, und nichts mehr auf dieser Welt würde in ihm Begeisterung oder Freude auslösen können.

Er blickte um sich, sah seine Bilder, erinnerte sich an die Liebe und den Sinn in jedem Pinselstrich und fand sie alle mittelmäßig. Er war ein Betrüger, er wollte etwas, für das er nie erwählt worden war, und der Preis dafür war die Enttäuschung seiner Eltern.

Die Visionen des Paradieses, das war etwas für die erwählten Menschen, die, die in Büchern als Helden und Märtyrer des Glaubens erwähnt werden. Menschen, die schon von Kindesbeinen an wußten, daß die Welt ihrer bedurfte.

Was in dem Buch stand, war pure Erfindung.

Beim Abendessen sagte er seinen Eltern, daß sie recht hätten. Alles wäre nur ein Jugendtraum gewesen, und seine Begeisterung für die Malerei sei auch vorbei. Die Eltern waren zufrieden, die Mutter weinte vor Freude und umarmte den Sohn. Die Normalität war wieder eingekehrt.

Nachts feierte der Botschafter heimlich seinen Sieg mit einer Flasche Champagner, die er allein austrank. Als er ins Schlafzimmer kam, schlief seine Frau schon tief und fest, das erste Mal seit vielen Monaten.

Am nächsten Tag fanden sie Eduards Zimmer verwüstet vor, die Bilder waren mit einem scharfen Gegenstand zerstört worden, und der Junge saß in einer Ecke und blickte in den Himmel. Die Mutter umarmte ihn und sagte, daß sie ihn liebe, doch Eduard antwortete nicht.

Er wollte von Liebe nichts mehr wissen, davon hatte er genug. Er dachte, daß er seinen Traum aufgeben und den Rat seines Vaters befolgen könnte, doch er war in seiner Arbeit schon zu weit fortgeschritten: Er hatte die Schlucht, die den Menschen von seinem Traum trennt, bereits überwunden und konnte jetzt nicht wieder zurück.

Er konnte weder vorannoch zurückgehen. Da war es einfacher, von der Bühne abzutreten.

Eduard blieb noch fünf Monate in Brasilien, wurde von Spezialisten behandelt, die eine seltene, möglicherweise von dem Fahrradunfall herrührende Form der Schizophrenie diagnostizierten. Als in Jugoslawien der Bürgerkrieg ausbrach, wurde der Botschafter umgehend in sein Land zurückgerufen; die Probleme häuften sich derart, daß die Eltern sich nicht um Eduard kümmern konnten. Der einzige Ausweg war, ihn in dem kürzlich eröffneten Sanatorium Villete unterzubringen.

ALS Eduard seine Geschichte zu Ende erzählt hatte, war es dunkel geworden, und beide zitterten vor Kälte.

»Laß uns hineingehen«, sagte er. »Das Abendessen steht schon auf dem Tisch.«

»Als Kind habe ich immer, wenn wir meine Großmutter besuchten, ein Bild an ihrer Wand betrachtet. Es stellte eine Frau dar — die Heilige Jungfrau, wie die Katholiken sie nennen -, die über der Welt schwebte und die Arme zur Erde hin ausgebreitet hatte; aus ihren Fingerspitzen kamen Strahlen.

Am meisten beeindruckt hat mich an dem Bild, daß diese Frau den Fuß auf eine lebende Schlange gesetzt hatte. Ich fragte meine Großmutter: >Hat sie keine Angst vor der Schlange? Fürchtet sie nicht, daß sie sie in den Fuß beißen und sie mit ihrem Gift töten könnte?< Meine Großmutter sagte: >Die Schlange hat Gut und Böse auf die Welt gebracht, wie es in der Bibel heißt. Und die Heilige Jungfrau lenkt Gut und Böse mit ihrer Liebe.<«

»Was hat das mit meiner Geschichte zu tun?«

»Da ich dich erst seit einer Woche kenne, ist es zu früh zu sagen, ich liebe dich. Da ich diese Nacht nicht überleben werde, ist es viel zu spät, es dir zu sagen. Doch die große Verrücktheit von Mann und Frau ist eben gerade diese: die Liebe.

Du hast mir die Geschichte einer Liebe erzählt. Ich glaube ganz ehrlich, daß deine Eltern das Beste für dich wollten, aber diese Liebe hat dein Leben beinahe zerstört.

Wenn die Heilige Jungfrau auf dem Bild meiner Großmutter den Fuß auf die Schlange gesetzt hatte, dann bedeutete das, daß die Liebe zwei Gesichter hat.«

»Ich verstehe, was du damit sagen willst«, sagte Eduard.

»Ich habe den Elektroschock extra herbeigeführt, weil du mich verwirrst. Ich weiß nicht, was ich fühle, und Liebe hat mich schon einmal zerstört.«

»Hab keine Angst. Heute habe ich Dr. Igor gebeten, mich hier heraus zu lassen, damit ich mir einen Platz aussuche, an dem ich meine Augen für immer schließe. Doch als ich sah, wie dich die Krankenpfleger packten, begriff ich, was ich sehen wollte, wenn ich diese Welt verließ: dein Gesicht. Und ich beschloß, nicht wegzugehen.

Als du wegen des Elektroschocks schliefst, hatte ich einen weiteren Herzanfall und dachte, meine Stunde sei gekommen. Ich sah dein Gesicht an, versuchte deine Geschichte zu erraten und bereitete mich darauf vor, glücklich zu sterben. Doch der Tod kam nicht — mein Herz hielt wieder einmal stand, wahrscheinlich, weil ich so jung bin.«

Er senkte den Kopf.

»Schäme dich nicht, weil du geliebt wirst. Ich will nichts von dir. Nur, daß du mir erlaubst, dich zu lieben und, falls meine Kräfte es zulassen, noch eine Nacht für dich Klavier zu spielen.

Um eines möchte ich dich dennoch bitten: Wenn du jemanden sagen hörst, daß ich im Sterben liege, komm in die Krankenstation. Erfülle mir nur diesen einen Wunsch.«

Eduard schwieg eine geraume Weile, und Veronika dachte, er sei in seine Welt zurückgekehrt und würde sie so schnell nicht wieder verlassen. Doch er blickte auf die Berge jenseits der Mauern von Villete und sagte dann:

»Wenn du hinaus willst, bringe ich dich hinaus. Lass mich nur unsere Mäntel und etwas Geld holen. Dann gehen wir beide zusammen weg.«

»Es wird nicht lange dauern, Eduard. Das weißt du.«

Eduard antwortete nicht. Er ging ins Haus und kam kurz darauf mit den Mänteln zurück.

»Es wird eine Ewigkeit lang dauern, Veronika. Länger als alle die gleichförmigen Tage und Nächte, die ich hier verbracht habe, während ich versuchte, die Visionen des Paradieses für immer zu vergessen. Ich hatte sie fast vergessen, aber mir scheint, sie kehren zurück.

Laß uns gehen, Verrückte machen verrückte Dinge.«

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