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Das Kind der Prärie

Электронная книга - «Das Kind der Prärie». Краткое содержание книги:

Diese Erzählung aus der Zeit der Landnahme im Wilden Westen schildert den Kampf der Siedler, die jeden Fußbreit Boden gegen den roten Mann erkämpfen mussten.
Der Text der hier vorliegenden digitalen Ausgabe wurde nach der ersten Buchfassung von 1901 erfasst. Die alte Schreibweise wurde beibehalten, einzig offensichtliche Fehler wurden korrigiert und unterschiedlich geschriebene Eigennamen vereinheitlicht. Die vier Farbtafeln der Buchausgabe sind im Text enthalten.
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    "Sehr zur rechten Zeit, kleiner Herr", warf Stone ein, "kalkuliere, rösteten sonst unsre Skalpe an einem Kiowafeuer, ohne dies."

    "Nun, und dann kam ich und holte dich, Oheim; das Unwetter hat uns der liebe Gott geschickt", fuhr Puck, ohne Stones Worte zu beachten, fort, "es hüllte uns in Nacht ein, und machte die Feinde blind und taub."

    "Wußte ja, daß mein Junge kommen und den Alten und Paul nicht sitzen lassen würde."

    "Nein, Oheim, wenn du stirbst, sterbe ich mit", sagte der Zwerg mit ergreifender Einfachheit.

    Dem Alten wurde das Auge feucht, er räusperte sich etwas gewaltsam, um seine Rührung zu verbergen, und sagte dann: "Aber wie kamst du von dem Felsen herunter, nachdem dich die Kiowas entdeckt hatten?"

    Puck lachte. "Ich war zwei Tage durch die Felsen gekrochen und geklettert und kannte jeden Spalt und jede Höhle darin, die Kiowas wußten von nichts, sie sind keine Freunde von Felspartien. Als ich geschossen hatte und dadurch meine Anwesenheit verraten war, erstiegen bald einige von ihnen, es mochten wohl zwanzig sein, von seiten der Prairie her die Felsen. Ich hatte an verschiedenen Stellen Steine aufgehäuft und ließ diese, als die Krieger hoch genug hinaufgelangt waren, hinabrollen. Dies brachte sie mit dem Verluste einiger der Ihren zu raschem Rückzug. Ich ließ mich dann am Lasso an Stellen herab, die nie ein Menschenfuß von unten erreichen konnte, und verbarg mich, bis es Zeit war aufzubrechen, in den Felsspalten. Den Kiowas, welche unten auf mich lauerten, mußte es scheinen, als habe mich die Erde verschlungen. Als es dunkel war, holte ich mein gut verstecktes Floß hervor und fuhr zu euch hinab. Gott hat geholfen."

    "Segne meine Seele, seid ihr ein gewaltiger und schlauer Krieger, Sir", äußerte in aufrichtiger Bewunderung der Büchsenmacher.

    "Meine lieben Kinder", sagte der Trapper, und reichte Puck und Paul die Hände, "und ihr, teurer Sir, wie soll ich euch für eine Liebe danken, die euch in Todesgefahren trieb, um mir die Freiheit zurück zu gewinnen."

    Puck und Paul erwiderten den Händedruck des väterlichen Freundes herzlich.

    "Hm, Sir", äußerte Stone, "bin ein Mann des Friedens, Sir, ist ein Fakt, hasse Streit, bringt nichts ein, bin fürs Geschäft. Aber habt meines Vaters Sohn von den Prairiedieben errettet, bleichten sonst längst meine Knochen auf weiter Ebene, konnte nicht umhin, mußte euch auch heraushelfen. Klare Rechnung, Sir, ehrlich Geschäft."

    Der Trapper lächelte über des Kentuckyers Weise. "Seid ein braver Geschäftsmann, Sir, bezahlt die Schulden mit Zinsen, ist auch ein Fakt."

    Sie langten dann wohlgemut zu dem Braten und sättigten sich.

    Als sie geendet, sagte Stone: "Unsre Büchsen sind sämtlich durchnäßt, will darangehen, sie wieder schußfähig zumachen." Und alsbald machte er sich mit einigem kleineren Werkzeug, welches er stets in der Tasche führte, an die Arbeit. Puck hatte auch noch Pauls Büchse mitgeführt und aus ihr den dritten Schuß auf den Fels abgegeben, so daß sie reichlich bewaffnet waren.

    "Also zunächst, Puck, sind wir hier sicher?" fragte der Trapper.

    "Denke so, Oheim. Die Roten können nicht wissen, wo wir geblieben sind; daß wir die Stromschnellen hinabgegangen sein könnten, ist für sie undenkbar, und alle Spuren hat der Regen verwischt. Ich habe Thunder und Blitz hier, Oheim, sie stehen nebenan in der Höhle."

    "Alle Wetter, Junge, das ist herrlich. Den Thunder? Aber wie bekommen wir Pferde für Paul und Stone?"

    "Ich werde sie von den Kiowas holen", meinte Puck trocken.

    "Traue dir's zu, Puck, bist der geborene Prairiekrieger und Jäger, traue dir's zu."

    "Werden auch noch von Cayugas zu hören bekommen, Oheim, wird schon in der Prairie erscheinen."

    "Sitzen wir auf flinken Rossen, Junge, die Büchsen in der Hand, mag der ganze Stamm der Kiowas hinter uns herstürmen, wir wollen ihnen die Zähne zeigen."

    Er erhob sich und ging, von Puck geführt, in die nebenan liegende Höhle, wo die beiden Pferde standen, und liebkoste die Tiere.

    Der Zwerg hatte, für alles sorgend, trockenes Gras in der Höhle aufgehäuft, und alle suchten nach ereignisreichem Tage den Schlaf, Stone erst, nachdem er sämtliche Büchsen in brauchbaren Stand versetzt hatte.

Sechstes Kapitel

In den Teilen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche sich der Zivilisation erst erschließen, geht man sehr freigebig mit der Bezeichnung Stadt um.

    Hunderte von "Städten" stehen in wohl ausgearbeiteten Plänen, mit imponierenden Straßenfluchten, Kirchen, Schulen, Universitäten u.s.w. auf dem Papiere, und die paar ärmlichen Hütten, welche in Wirklichkeit bestehen, bilden nur eine erheiternde Persiflage auf die glänzenden Entwürfe.

    Diese Städte entstehen, man giebt ihnen irgendeinen wohlklingenden Namen, und die meisten verschwinden eben so rasch, wie sie aufgekeimt sind. Wenigen ist ein weiteres Emporwachsen und eine längere Dauer vergönnt.

    Die wildeste Spekulation macht sich hierbei geltend, und der Auswurf unter den Bewohnern der Union giebt so lange den Ton in jenen an der Grenze der Wildnis gelegenen Distrikten an, bis die nachfolgende bessere Bevölkerung mit nachsichtsloser Strenge dem Gesetze zur Geltung verhilft, und es oftmals selbst ausübend in die Hand nimmt.

    Wie in den älteren Staaten der "Richter Lynch" den Verbrechern zu Leibe ging, wenn dem Staatsgesetze die Macht dazu fehlte, so in jenen, in die Prairie vorgeschobenen Gemeinwesen die Vigilanzkomitees, welche mit eiserner Faust den anständigen Leuten Ruhe vor Dieben und Mördern schafften.

    In beiden Fällen übten die Bürger das Richteramt aus.

    Wie die Lynchjustiz in den weiter östlich gelegenen Staaten, so war die des Vigilanzkomitees in den westlichen von der Verbrecherwelt gefürchtet.

    Das Städtchen Garfield, am Ufer des Kansas gelegen, rings von der Prairie umgeben, existierte erst seit wenigen Monaten. In den Zeitungen angepriesen als die Stadt der Zukunft, deren rasches Emporblühen zur Handelsmetropole des Westens nur die Frage einer kurzen Zeit sei, und die bereits jetzt glänzende Straßen, Kirchen, Verwaltungsgebäude, gastliche Hotels, ein Opernhaus ec. besitze, zeigte sie in Wirklichkeit nur ein wirr durcheinanderstehendes Konglomerat von Holzhäusern, Bretterhütten und Zelten.

    Dennoch zählte das Städtchen fünf- bis sechshundert Einwohner, und es waren bereits bemerkenswerte Versuche gemacht, den fruchtbaren Steppenboden zu bebauen.

    Das ließ darauf schließen, daß ein Teil der Bewohner seßhaft war, während der wahrscheinlich größere Teil, bestehend aus Handelsleuten und Spekulanten aller Art, gewiß jederzeit bereit war, Garfield den Rücken zu kehren, sobald sich erwies, daß es keine Zukunft habe, um ein andres keimendes Stadtwesen, welches einen Schritt weiter in die Wüste hineingedrängt war, mit ihrer Gegenwart zu beglücken.

    Ein lebhafter und für die weißen Händler recht vorteilhafter Handel wurde mit den benachbarten Indianerstämmen getrieben, welche ihre erbeuteten Büffelfelle, die von ihnen erzogenen oder erjagten Pferde hier gegen Stoffe, Waffen, Rum und nichtigen Tand, wie Glasperlen u.s.w., umtauschten. Die Cheyennes, Kiowas und Arrapohoes wurden in Garfield häufig gesehen.

    An einem ziemlich umfangreichen Bretterverschlage, der mit geteerter Leinwand bedacht war, stand mit großen Buchstaben "Union Hotel" angeschrieben, und der wüste Lärm, der aus seinem Innern herausdrang, ließ auf lebhaften Besuch dieses unbedingt ersten Gasthofes von Garfield schließen. Einige gesattelte Pferde waren in seiner Nähe angebunden.

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