Verneig dich vor dem Tod
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Verneig dich vor dem Tod». Краткое содержание книги:
Schwester Fidelma und Bruder Eadulf sind seit kurzem verheiratet. Allerdings gibt es nach altirischem Brauch dafür ein Probejahr. Beide wurden von einem Freund Eadulfs in die Aldreds Abtei eingeladen. Als sie dort eintreffen, finden sie den Freund ermordet. In der Abtei gehen seltsame Dinge vor: Die Totenmesse für Eadulfs Freund wird durch einen weiteren Zwischenfall gestört, im nahen Moor spukt der Geist einer toten Frau. Dieser Geist soll sogar der fieberkranken Fidelma erschienen sein. Einer der Klosterbrüder hat es mit eigenen Augen gesehen. Im Kloster wird es zunehmend gefährlich, zudem der Abt Fidelma nun auch noch der Hexerei anklagt.
Aus dem Englischen von Friedrich Baadke.
Die Originalausgabe unter dem Titel »The Haunted Abbot« erschien 2002 bei Headline Book Publishing, London.
Der Abt betrachtete Eadulf mit einem Blick, in dem sich Abneigung mit etwas anderem mischte. Plötzlich wurde Eadulf klar, daß Furcht in den Augen des Mannes zu lesen war. Abt Cild hatte tatsächlich Angst vor ihm.
»Du gehst in das Gästezimmer zurück und bleibst dort, bis ich dich holen lasse. Das wird geschehen, sobald ich so weit bin, die Anklage in aller Form anzuhören und das Urteil zu sprechen.«
Eadulf war entsetzt. »Und was ist mit meinem Recht, Schwester Fidelma und mich zu verteidigen?«
»Dieses Recht bekommst du zu gegebener Zeit.«
»Aber habe ich denn kein Recht auf Freiheit, damit ich Nachforschungen anstellen und die Verteidigung vorbereiten kann?«
Abt Cilds Augen verengten sich. »Du hast jetzt kein Recht auf Freiheit mehr. Nach dieser Entweihung hast du das Recht auf Freiheit verloren. Wäre ich ein weniger nachsichtiger Mensch, hätte ich euch beide sofort festnehmen und verbrennen lassen für das Unheil, das ihr über diese Abtei gebracht habt.«
Eadulf klappte den Mund zu. Er begriff, daß das verstockte Gemüt dieses Mannes nicht zu bewegen war. In dem Moment wurde ihm klar, daß Bruder Higbald wahrscheinlich recht hatte. Er mußte Fidelma so schnell wie möglich in Sicherheit bringen. Aber nach so einem Fieberanfall wäre es in höchstem Maße unvorsichtig, sie in die kalte, tief verschneite Welt hinauszuführen, ohne daß sie ein paar Tage Zeit gehabt hätte, sich zu erholen.
»Nun gut, Abt Cild«, sagte er langsam. »Ich merke, daß du darauf aus bist, dein Vorgehen gegen uns weiter zu betreiben, so blind und böswillig es auch ist. Ich werde erst wieder aus der Tür des Gästezimmers herauskommen, wenn ich dazu aufgefordert werde. Du beschuldigst uns, Unheil gestiftet zu haben, aber es ist die reine Bosheit, auf die du dich da eingelassen hast. Ich appelliere an den Rest Menschlichkeit in dir und habe nur eine Bitte: Fidelma von Cashel wird noch ein paar Tage brauchen, um sich von ihrer Krankheit zu erholen. Im Namen des Gottes, den du zu vertreten behauptest, gib uns diese Zeit für ihre Genesung, ehe du sie hervorzerrst, um deine blinde Grausamkeit zu üben.«
Eadulf sprach in ruhigem Ton, aber in seiner Stimme lag eine Leidenschaft, die Abt Cild stutzen ließ.
»Ich bin nicht unmenschlich«, verteidigte sich der Abt. Eadulf merkte, daß die Furcht nicht aus seinem Blick gewichen war. »Doch ich kann nicht zulassen, daß noch weiteres Unheil diese Abtei heimsucht. Die Frau erhält zwei Tage, um sich zu erholen - mehr nicht. Dann könnt ihr euch auf eure Verteidigung vorbereiten.«
Er wandte sich um und bemerkte, daß der dominus, Bruder Willibrod, mit mehreren Mönchen, die Eimer und Bürsten trugen, zurückkam und den Hochaltar säubern wollte.
»Bruder Willibrod, du bringst Bruder Eadulf wieder ins Gästezimmer. Er bleibt dort und wartet meine weiteren Befehle ab.«
Der dominus verneigte sich und machte seinen Begleitern ein Zeichen, daß sie ihre Arbeit aufnehmen sollten, während der Abt die Kapelle verließ. Dann sah er Eadulf entschuldigend an und ging neben ihm her.
»Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Bruder«, murmelte er. »All diese Ereignisse sind seltsam beunruhigend.«
»Du glaubst doch wohl nicht, daß der Schatten von Gelgeis in diesen Mauern umgeht, oder?« fragte Eadulf. »Was hier passiert, ist Menschenwerk.«
Bruder Willibrod zuckte die Achseln. »In deiner gestrigen Beschreibung der Frau, die du vor der Kapelle gesehen haben willst, erkannte ich Gelgeis.«
»Ich merkte, daß du verstört warst«, gab Eadulf zu.
Bruder Willibrod preßte die Lippen zusammen.
»Es hörte sich wirklich wie Lady Gelgeis an. Und was der junge Redwald sah, scheint diese Meinung zu bestätigen.«
»Also glaubst du, daß der Geist von Gelgeis den Abt verfolgt? Warum?«
Bruder Willibrod verzog das Gesicht, doch Eadulf konnte seine Miene nicht deuten.
»Ich würde sagen, das ist genau das, was Gelgeis tun würde, wenn es in ihrer Macht stünde.«
»Das verstehe ich nicht.«
Bruder Willibrod verhielt den Schritt und sah sich plötzlich verschwörerisch um.
»Ich will dir die Wahrheit gestehen. Lady Gelgeis war alles andere als eine gefügige Frau. Sie war hart, herrschsüchtig und rücksichtslos. Ich könnte es so-gar verstehen, wenn Cild sich so weit vom richtigen Weg getrieben fühlte, daß er sie sich vom Halse schaffte.« Er zögerte und wurde rot. »Ich will damit nicht behaupten, daß er es tat«, fügte er rasch hinzu. »Ich glaube auch nicht, daß er es getan hat. Aber Lady Gelgeis war gehässig und sittenlos.«
Eadulf starrte ihn überrascht an.
»Kanntest du sie gut?«
»So gut es mir in meiner Rolle als dominus möglich war.«
»Wie lange bist du hier dominus?«
»Ich war schon in der Abtei, als Cild und Gelgeis herkamen.«
»War sonst noch jemand deiner Meinung über ihren Charakter?«
Willibrod schnaubte verächtlich.
»Danach mußt du die anderen selber fragen, obgleich die meisten sie nicht so lange und so gut gekannt haben wie ich. Ich habe meine Meinung. Das entspricht nicht der von Abt Cild, deshalb möchte ich nicht, daß du ihm enthüllst, wie wenig ich seine Frau schätzte.« Er brach ab und deutete mit einem Kopfnicken den Gang entlang, wo Bruder Beornwulf, die mächtigen Arme über der Brust gekreuzt, auf einem dreibeinigen Schemel saß. »Du bleibst in eurem Zimmer, wie der Abt es befohlen hat. Es tut mir leid, daß es so weit gekommen ist, Bruder Eadulf.«
Er drehte sich um und eilte davon.
Eadulf kehrte in Fidelmas Zimmer zurück und empfand kalte Furcht. Geister wandelten umher, der Hochaltar wurde entweiht, und Leute, die die Frau des Abts zu ihren Lebzeiten gekannt hatten, schworen, daß es ihre Gestalt war, die ihn verfolgte. Trotz seiner Befürchtungen ging er zuerst zu Fidelma und stellte fest, daß sie tief in gesundem Schlaf lag.
Er setzte sich auf seinen Stuhl und versuchte seine wirren Gedanken zu ordnen.
Im Augenblick war keine Entscheidung zu treffen. Sie mußten Bruder Higbalds Vorschlag annehmen. Ihre Sicherheit war wichtiger als die Lösung des Rätsels. Den Kopf voller widersprüchlicher Gedanken, sank er wieder in einen unruhigen Schlaf.
Als er erwachte, wurde der Raum von strahlendem Morgenlicht erhellt. Er begriff, daß er durch den Eintritt Bruder Redwalds geweckt worden war, der ein Tablett mit zwei dampfenden Schüsseln, Brot und ein paar Äpfeln trug.
Der junge Mann lächelte entschuldigend. Er schien verlegen.
»Ich habe das Frühstück für die Schwester und für dich gebracht, Bruder.«
Eadulf musterte ihn vorsichtig.
»Wie geht es dir jetzt?« fragte er.
Redwald stellte das Tablett ab.
»Ich bitte um Verzeihung für meinen Zustand gestern abend. Ich war wirklich erschrocken. Heute morgen habe ich mich beruhigt und kann meinen Pflichten wieder nachkommen.« Er verneigte sich unsicher und ging zur Tür. »Wenn ihr noch etwas braucht, Bruder Beornwulf ist hier draußen.«
Er zögerte unentschlossen. Dann lächelte er Eadulf rasch zu.
»Du warst sehr rücksichtsvoll zu mir, Bruder. Es tut mir leid, daß du in dieser schwierigen Lage bist. Ich hoffe, daß nicht etwas, was ich getan habe, dazu geführt hat. Doch ich habe Lady Gelgeis wirklich gesehen, das schwöre ich. Wenn sie ein Geist war, wollte sie mir aber wohl nichts tun, deshalb bedaure ich es, wenn Schaden daraus entsteht.«
Eadulf suchte ihn zu beruhigen.
»Mach dir keine Sorgen, Redwald. Du kannst nichts für die Handlungen anderer.«
Als der junge Mann gehen wollte, hielt Eadulf ihn zurück.
»Hattest du Lady Gelgeis gern?« fragte er.
Einem Moment sah der junge Mann verwirrt drein, schließlich nickte er.
»Sie war nett zu mir. Ich sagte schon, daß sie mich pflegte, als ich krank war.«
»Ich weiß. Du warst ein Junge und gerade erst in die Abtei gekommen. Also mochtest du sie?«