Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie lächelte unverbindlich, und Jared stieß ein kurzes Lachen aus und griff nach seinem Brandyglas. Man hatte uns Wassergläser gebracht, um zwischendurch den Gaumen zu spülen, und mit der anderen Hand zog er jetzt eines zu sich hin.
»Nun, ein Trinkspruch!«, rief er aus. »Auf unsere Zusammenarbeit, Vetter – und auf Seine Majestät!« Er hob das Brandyglas zum Salut, führte es dann demonstrativ über das Wasserglas hinweg und hob es an die Lippen.
Ich beobachtete dieses merkwürdige Verhalten überrascht, doch für Jamie schien es eine Bedeutung zu haben, denn er lächelte Jared an, ergriff seinerseits das Glas und hob es über das Wasser.
»Auf Seine Majestät«, wiederholte er. Dann sah er, dass ich ihn verwundert anstarrte, lächelte und erklärte: »Auf Seine Majestät – über dem Wasser, Sassenach.«
»Oh?«, sagte ich, dann dämmerte es mir. »Oh!« Der König über dem Wasser – König James. Was natürlich einiges dazu beitrug zu erklären, warum sich plötzlich alle Welt in dem Bemühen überschlug, Jamie und mich in Paris unterzubringen, was normalerweise unglaublicher Zufall gewesen wäre.
Wenn Jared Jakobit war, war auch seine Korrespondenz mit Abt Alexander höchstwahrscheinlich mehr als zufällig; es war gut möglich, dass Jamies Brief, der unser Eintreffen ankündigte, zusammen mit einem Brief von Alexander gekommen war, in welchem dieser König James’ Ansinnen erklärte. Und wenn unser Aufenthalt in Paris Jareds persönlichen Plänen entgegenkam – umso besser. Von plötzlicher Anerkennung für das komplexe jakobitische Netzwerk erfüllt, hob auch ich mein Glas und trank auf Seine Majestät jenseits des Wassers – und auf unsere neue Partnerschaft mit Jared.
Jared und Jamie ließen sich nun zu einer Erörterung des Weingeschäftes nieder und waren bald Kopf an Kopf in tintenbeschriebene Papiere vertieft, offenbar Frachtbriefe und Transportrechnungen. In der kleinen Kajüte roch es nach Tabak, Brandydunst und ungewaschenem Seemann, und allmählich wurde mir wieder ein wenig flau im Magen. Da ich vorerst wohl nicht mehr gebraucht wurde, erhob ich mich lautlos und begab mich an Deck.
Ich achtete darauf, dem Streit aus dem Weg zu gehen, der immer noch an der hinteren Ladeluke tobte, und bahnte mir meinen Weg zwischen zusammengerollten Seilen, Gegenständen, die vermutlich Belegnägel waren, und Bergen aus zusammengesunkenem Segeltuch hindurch zu einer ruhigen Stelle am Bug. Von hier aus konnte ich ungehindert über den ganzen Hafen hinwegblicken.
Ich setzte mich auf eine Truhe an der Reling und genoss den salzigen Windhauch und die Teer- und Fischgerüche der Schiffe und des Hafens. Es war zwar noch kalt, doch ich hatte den Umhang fest um mich gezogen, und er hielt mich warm. Das Schiff wiegte sich langsam, während es von der steigenden Flut angehoben wurde; ich konnte sehen, wie sich die Algenbärte an den Dockpfählen wirbelnd hoben, so dass die glänzenden schwarzen Muschelansiedlungen dazwischen verschwanden.
Der Gedanke an Muscheln erinnerte mich an die gedünsteten Muscheln mit Butter, die ich gestern Abend gegessen hatte, und plötzlich hatte ich Hunger. Die absurden Extreme der Schwangerschaft schienen mein Augenmerk immer wieder auf meine Verdauung zu richten; wenn ich mich nicht gerade übergab, hatte ich Bärenhunger. Der Gedanke an Essen brachte mich wiederum auf Speisekarten, was mich auf Jareds Wunsch brachte, dass ich die Gastgeberin spielte. Abendgesellschaften, hm? Es schien zwar eine merkwürdige Methode zu sein, mit der Rettung Schottlands zu beginnen, doch etwas Besseres fiel mir auch nicht ein.
Zumindest konnte ich Charles Stuart im Auge behalten, wenn er mir bei Tisch gegenübersaß, dachte ich und lächelte innerlich über meinen Scherz. Und wenn er Anstalten machte, ein Schiff nach Schottland zu besteigen, konnte ich ihm etwas in die Suppe tun.
Oder vielleicht war das gar nicht so komisch: Dieser Gedanke brachte mich auf Geillis Duncan, und mein Lächeln erstarb. Die Frau des Fiskalprokurators von Cranesmuir hatte ihren Mann umgebracht, indem sie ihm bei einem Bankett Zyanidpulver ins Essen streute. Kurz darauf hatte man sie der Hexerei bezichtigt und sie verhaftet, während ich bei ihr zu Besuch war; auch ich war vor Gericht gestellt worden, und Jamie hatte mich gerettet. Die Erinnerungen an die Tage in der kalten Dunkelheit des Diebeslochs von Cranesmuir waren noch allzu frisch, und der Wind erschien mir plötzlich eisig.
Ich erschauerte, jedoch nicht nur vor Kälte. Ich konnte nicht an Geillis Duncan denken, ohne dass es mir kalt über den Rücken lief. Weniger der Dinge wegen, die sie getan hatte, sondern vielmehr der Frage wegen, wer sie gewesen war. Ebenfalls eine Jakobitin; eine, deren Unterstützung für die Stuarts mit einem Hauch von Irrsinn versetzt gewesen war. Schlimmer noch, sie war, was auch ich war – eine Reisende durch die Steine.
Ich wusste nicht, ob sie wie ich durch Zufall in die Vergangenheit gelangt war oder ob sie ihre Reise mit Bedacht unternommen hatte. Genauso wenig wusste ich mit Gewissheit, woher sie kam. Doch das letzte Bild, das ich von ihr hatte, als sie den Richtern, die sie zum Scheiterhaufen verurteilen würden, ihren Trotz entgegenschrie, war das Bild einer hochgewachsenen, blonden Frau mit hochgereckten Armen, auf deren einem Arm der unverwechselbare runde Fleck einer Impfnarbe prangte. Automatisch tastete ich unter den wärmenden Falten des Umhangs nach der kleinen erhöhten Stelle auf der Haut meines eigenen Oberarms und erschauerte, als ich sie fand.
Von diesen unglücklichen Erinnerungen wurde ich abgelenkt, weil sich auf dem Nachbardock Unruhe regte. Eine große Gruppe Männer hatte sich am Landesteg eines Schiffs gesammelt, und es herrschte beträchtliches Geschrei und Geschiebe. Kein Kampf; ich hielt mir die Hand über die Augen, um einen Blick auf den Streit zu werfen, doch ich sah keine Fäuste fliegen. Stattdessen schien man bemüht zu sein, einen Weg durch das Gemenge zu den Toren eines großen Lagerhauses am Ende des Docks freizuräumen. Die Menge widersetzte sich diesen Bemühungen hartnäckig und strömte nach jedem Vorstoß wieder zurück wie die Flut.
Jamie tauchte plötzlich hinter mir auf, dicht gefolgt von Jared, der in Richtung der Menschenmenge unter uns blinzelte. Ich war so gebannt von dem Geschrei gewesen, dass ich sie gar nicht hatte kommen hören.
»Was ist da los?« Ich erhob mich und lehnte mich mit dem Rücken an Jamie, um mich gegen das zunehmende Schwanken des Schiffsdecks abzustützen. So dicht bei ihm war ich mir seines Geruchs bewusst; er hatte im Wirtshaus ein Bad genommen und roch sauber und warm mit einem schwachen Hauch von Sonne und Staub. Anscheinend zählte auch ein geschärfter Geruchssinn zu den Nebenwirkungen der Schwangerschaft; ich konnte ihn selbst inmitten der Masse von Gestänken und Gerüchen des Seehafens riechen, so wie man manchmal eine nahe, leise Stimme aus einer lauten Menge heraushört.
»Ich weiß es nicht. Anscheinend ein Problem auf dem anderen Schiff.« Er legte mir eine Hand auf den Ellbogen, um mich festzuhalten. Jared wandte sich um und bellte einem der umstehenden Matrosen auf Französisch einen Befehl zu. Der Mann war mit einem Hüpfer über die Reling, und sein geteerter Pferdeschwanz baumelte auf das Wasser zu, als er dann an einem der Seile zum Dock hinunterglitt. Wir sahen vom Deck aus zu, wie er sich der Menge anschloss, einen anderen Seemann in die Rippen stieß und unter ausdrucksvollen Gesten eine Antwort bekam.
Jareds Stirn war gerunzelt, als der Mann mit dem Pferdeschwanz durch das Gewimmel auf der Landebrücke zurückkehrte. Der Seemann sagte etwas in demselben rollenden Französisch zu ihm, zu schnell, als dass ich ihm hätte folgen können. Nach einigen weiteren Worten fuhr Jared abrupt herum und stellte sich neben mich. Seine schlanken Hände packten die Reling.
»Er sagt, an Bord der Patagonia ist eine Krankheit ausgebrochen.«
»Was denn für eine Krankheit?« Ich hatte natürlich nicht daran gedacht, meine Arzneitruhe mitzubringen, deshalb gab es ohnehin nur wenig, was ich tun konnte, aber ich war neugierig. Jareds Miene war sorgenvoll und unglücklich.