Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
Der Stoß, mit dem das eine Schiff das andere getroffen hatte, mußte mit furchtbarer Gewalt erfolgt sein. Der trotz des Nebels mit größter Fahrgeschwindigkeit dahineilende Dampfer war gleich einem Riesengeschosse durch den Rumpf des Dreimasters gedrungen, vielleicht sogar ohne ernsthaftere Beschädigungen zu erleiden, die ihn an der Fortsetzung seiner Fahrt gehindert hätten. Ob er hatte stoppen, seine Boote aufs Meer setzen und einige Schiffbrüchige hatte retten können. das blieb eine ungelöste Frage.
Bis zum Knie im Wasser watend, durchsuchten die beiden Brüder nebst Nat Gibson und Vin Mod die gemeinschaftliche Kajüte.
In ihrer Kabine fanden Karl und Pieter Kip noch verschiedene, mehr oder weniger beschädigte Gegenstände, darunter Kleidungsstücke, Leibwäsche, Toilettengeräte und auch zwei Paar Schuhe. Auf ihren übereinanderliegenden Lagerstätten befand sich ferner noch das Bettzeug, das zusammengerafft und nach dem Boote gebracht wurde.
Sehr wünschenswert wäre es gewesen, wenn die beiden Brüder auch ihre Papiere hätten wiedererlangen können, vorzüglich die, die auf das Kontor in Amboina und auf das Geschäftshaus in Groningen Bezug hatten. Der Verlust dieser Schriftstücke erschwerte ja sehr empfindlich die Ordnung ihrer geschäftlichen Angelegenheiten. Leider fand sich davon keine Spur mehr; das Wasser, das ja zeitweise auch hier eingedrungen war, hatte sein Zerstörungswerk schon vollendet. Ebenso war es mit einer Summe von tausend Piastern, die Pieter Kip gehörten, aber verschwunden waren, da der Zusammenstoß das Wandschränkchen, worin sie aufbewahrt waren, völlig zertrümmert hatte.
»Nichts. hier findet sich nichts mehr!« sagte der jüngere Kip.
Während der Durchsuchung der Hauptkajüte durchstöberte Vin Mod, getrieben von seiner raubsüchtigen Natur, schon alle Winkel und war dabei auch in die Kabine der beiden Brüder gekommen.
Da entdeckte er unter der unteren Lagerstatt in einem Schubkasten einen Gegenstand, den die beiden Brüder bei ihrer Nachsuchung übersehen hatten.
Es war ein Dolch, wie ihn die Malaien führen, ein sogenannter Kriß mit Sägezähnen, der bei dem Unfalle zwischen zwei auseinander gewichene Bretter geraten war. Die bei den Bewohnern der pacifischen Inseln sehr verbreitete Waffe hatte übrigens keinen besonderen Wert und hätte höchstens zur Vervollständigung einer Ritterrüstung in der Sammlung eines Liebhabers dienen können.
Ob sich Vin Mod bei der Aneignung dieser Waffe von einem geheimen Gedanken leiten ließ, wer hätte das sagen können? Jedenfalls ergriff er den Kriß, steckte ihn, ohne von jemand beobachtet zu werden, unter seine Jacke mit der Absicht, ihn bei der Rückkehr nach der Brigg in seinem Sacke aufzubewahren.
Hätte er statt dieser Handwaffe Pieter Kips tausend Piaster gefunden, so würde er sie sicherlich ohne Gewissensbisse ebenso entführt haben.
An Bord des verunglückten Fahrzeuges war nun nichts mehr zu bergen. Alle Dinge, Kleidungsstücke, Leibwäsche und Bettausrüstung, wurden in das Boot geschafft. Das Wrack mußte übrigens binnen kurzem gänzlich auseinanderbrechen. Der vom Wasser halb zerstörte Bodenbelag der gemeinsamen Kajüte gab schon unter dem Fuße nach. Nur noch einmal schlimmeres Wetter, und es trieben nur noch formlose Bruchstücke auf dem Meere hin.
Die Brigg lag gegengebraßt seitwärts von dem Wracke, glitt mit der Strömung aber schon langsam weiter. Dazu frischte der Wind etwas auf der Seegang wurde lebhafter, es empfahl sich also, bald an Bord zurückzukehren. Wiederholt hörte man auch das Sprachrohr des Bootsmannes, der die Leute im Boote zur Umkehr antrieb.
»Man ruft uns zu, zurückzukommen, sagte Nat Gibson, und da wir hier alles geholt haben, was noch zu holen war.
- Wollen wir dem Rufe folgen, fiel Karl Kip ein.
- Du arme, arme 'Wilhelmina'!« murmelte Pieter Kip.
Beide Brüder suchten die Empfindungen, die sie jetzt
bestürmten, gar nicht zu verhehlen. Hatten sie vorher noch gehofft, einen Teil von dem, was sie besaßen, wiederzufinden, so mußten sie jetzt auf jede derartige Hoffnung verzichten.
Das Boot warf sein Halteseil los. Nat Gibson setzte sich aus Steuer, während Karl und Pieter Kip, mit dem Gesicht nach rückwärts gerichtet, die Überreste der »Wilhelmina« betrachteten.
Sobald das Boot wieder in seinen Dävits befestigt war, entfaltete die Brigg ihre Segel, und von günstiger Brise getrieben, fuhr sie in nordöstlicher Richtung weiter.
Fünf Tage lang wurde die Fahrt ohne jeden Zwischenfall fortgesetzt, und am Morgen des 14. meldete die Deckwache die ersten sichtbaren Anhöhen von Neuguinea.
Neuntes Kapitel.
Durch die Louisiaden
Am folgenden Morgen, am 15. November, hatte der »JamesCook« seit dem gestrigen Abend nur einige dreißig Seemeilen nach Nordosten zurückgelegt. Als es zu dunkeln angefangen hatte, war die Brise schon wieder fast eingeschlafen. Die Passagiere verbrachten die stille, warme Nacht auf dem Verdeck. In den Kabinen hätte bei der erstickenden Temperatur niemand auch nur eine Stunde schlafen können.
Das Schiff befand sich obendrein jetzt in gefährlichem Fahrwasser, das eine unausgesetzte Wachsamkeit erforderte.
Gibson hatte vor dem Deckhause von den Stützen der Schanzkleidung aus ein Zelt herstellen lassen, unter dessen Schutze alle Mahlzeiten in angenehmerer Weise als in der Kajüte eingenommen wurden.
Am heutigen Morgen drehte sich das Gespräch um die Louisiadeninseln, zwischen denen die Brigg den gefahrvollsten Teil ihrer Fahrt zu überwinden hatte. Gegenwärtig befand sie sich noch etwa vierhundertfünfzig Seemeilen von der Inselgruppe Neuirlands entfernt; nach vier Tagen sollte sie, wenn keine völlige Windstille eintrat - was in der warmen Jahreszeit zwischen dem Wendekreise und dem Äquator freilich keine Seltenheit ist - auf der Reede von Port-Praslin vor Anker gehen.
»Sie haben den Archipel der Louisiaden schon öfters befahren? wandte sich Pieter Kip fragend an den Kapitän.
- Ja, zu wiederholten Malen, wenn ich nach Neuirland ging, um Fracht einzunehmen, antwortete Gibson.
- Ist die Fahrt hier nicht recht schwierig? setzte Karl Kip hinzu.
- Ja freilich, das ist sie, Herr Kip. Sie haben also wohl nie Gelegenheit gehabt, diesen Teil des Großen Ozeans zu besuchen?
- Niemals, Herr Gibson; über die Breite von Papuasien bin ich bisher noch nicht hinaufgekommen.
- Nun, erklärte Gibson, ein Kapitän, der unklugerweise die Augen hier nicht stets offen hielte, liefe Gefahr, mit seinem Schiffe auf den unzähligen Klippen und Bänken dieser Gegend aufzulaufen. Bedenken Sie nur, daß es hier madreporische Bänke gibt, die in der Länge zweihundert und in der Breite fast hundert Seemeilen messen. Ohne die nötige Erfahrung kann man hier sehr leicht seine Rumpfbekleidung, ja das ganze Schiff einbüßen.