Zwei Esel auf Sardinien
- Автор: Speidel Jutta, Maccallini Bruno
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Zwei Esel auf Sardinien». Краткое содержание книги:
Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden – so heißt es in einem italienischen Sprichwort. Denn genau so hätte sich die Geschichte dieses Buches ereignen können: Als Bruno Maccallini von seinem italienischen Cousin zu einer Hochzeit nach Sardinien eingeladen wird, ist die Freude groß. Schon immer wollte er seiner Lebensgefährtin Jutta Speidel die Trauminsel im Mittelmeer zeigen – weiße Sandstrände, azurblauer Himmel, Berge wie im Märchen und eine einfache, aber unverwechselbare Küche. Doch schon bei ihrer Ankunft in Cagliari werden sie mit der ersten Katastrophe konfrontiert. Schafhirten und Bauern haben einen landesweiten Streik ausgerufen und blockieren den Flughafen. Wie sollen die beiden da bloß nach Gesturi, einem kleinen Ort im wildromantischen Hinterland, gelangen, wo die Trauung von Maurizio und Guilia in einer mehrtägigen Zeremonie stattfinden soll? Nur gut, dass das deutsch-italienische Duo vor Einfällen sprüht und seit seiner wagemutigen Tour über die Alpen sattelfest geworden ist. Denn wie Jutta und Bruno rasch feststellen, erwartet sie auf Sardinien ein wunderbares Abenteuer der anderen Art …
Die Autoren
Jutta Speidel ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie wurde in München geboren, lebt dort und hat zwei erwachsene Töchter. Sie ist Gründerin der Stiftung HORIZONT, die sich für obdachlose Kinder und ihre Mütter einsetzt. www.horizont-ev.org
Bruno Maccallini stammt aus Rom und ist in Italien ein erfolgreicher Theaterschauspieler, Regisseur und Fernsehproduzent. In Deutschland wurde er als »Cappuccino-Mann« in verschiedenen Werbekampagnen berühmt (»Isch abbe gar kein Auto, Signorina!«). Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Jutta Speidel spielt er auch in deutschen Fernsehfilmen.
Wie nur kann ich mich verdrücken, ohne dabei den Hausherrn zu kompromittieren? Ich warte eine kleine Weile, um mich in ein Gedankenloch der beiden einzuklinken.
»Ich bin hundemüde, ich möchte mich gerne verabschieden, bitte erfinde etwas, damit ich gehen kann«, wende ich mich an Bruno. Oje, hoffentlich hat er das verstanden! Sicherheitshalber klappe ich ein paarmal die Augendeckel zu, um zu signalisieren, dass ich müde bin. Irgendwie hat er wohl kapiert, was ich möchte, denn er erklärt unserem Gastgeber, wie stanca die Signora ist und dass sie sich ein wenig male fühlt.
Der Marchese darauf in entzückendem Deutsch: »Ick vastehe, und wir wolle alle nickte, dass fallen der Signora ihre Kopfe in Teller.«
Die Legende vom Granatapfel
Bruno
»Das ist ja mal eine gute Nachricht, Maurizio! Es müssen insgesamt drei Gepäckstücke sein. Mein Koffer, Juttas Koffer und ein in Noppenfolie eingeschweißtes Paket. Aber pass auf, das musst du wirklich vorsichtig behandeln, denn es ist zerbrechlich. Du musst gleich doppelt achtgeben. Es ist dein Geschenk! Ja, ja, uns geht es gut. Wir sind ein bisschen müde, aber das erzählen wir dir alles morgen, wenn wir uns sehen. Speicher vorsichtshalber mal die Nummer ab, die du jetzt auf dem Display hast. Das ist die Handynummer von Marchese Valdes. Ja, ich rufe dich gerade von unterwegs aus seinem Pferdetransporter an … Nein, na ja, das erzähle ich dir später, wir sind auf zwei Eseln geritten … Das ist eine lange Geschichte … Wir übernachten bei ihm, ja … Sehr, sehr nett … Ja, ich werde es ihm ausrichten, aber ich glaube nicht, dass er Zeit hat. Auf jeden Fall wird er uns ein Fahrzeug leihen, damit wir nach Gesturi kommen … Was? Ich bitte dich, keine Angst, wir werden gleich nach dem Frühstück aufbrechen. Es sind doch nur gute zwanzig Kilometer, oder? Das werden wir doch in einer halben Stunde schaffen … Die Trauung beginnt doch erst um zwölf. Nur die Ruhe, Maurizio. Kümmere du dich um deine Sachen. Wir fahren vorher bei Giulias Eltern vorbei, um die Trauringe zu holen und uns umzuziehen … Sagen wir mal, wir sind dann so um elf da. Maurizio, bitte mach du dir nicht auch noch Sorgen! Ich hab dir doch gesagt, es ist alles in Ordnung! Und wie geht es Giulia? Und dir, altes Haus? Mit wem feierst du denn deinen Junggesellenabschied, hmm? O ja, die ›Freunde‹ möchte ich sehen. Oder sollte ich besser ›Freundinnen‹ sagen? Schon gut … Amüsiert euch … Ja, ich grüße sie von dir … Ganz bestimmt. Bis morgen, Maurizio. Ciao, ciao.«
Nachdem wir das Anwesen erreicht haben, fängt der Marchese sogleich an, uns über seine Familiengeschichte zu unterrichten.
»Valdes ist ein für Südsardinien typischer Nachname und ursprünglich spanisch, wie Sie bestimmt schon bemerkt haben. Ich habe ihn von meiner Mutter Giuditta geerbt … Ach, Jutta ist ja eine deutsche Variante des Namens meiner Mutter, Gott hab sie selig … Ist das nicht seltsam? Ich habe lieber ihren Nachnamen angenommen, weil er hier verbreiteter ist. Ihre Familie kam aus dem Fürstentum von Asturien im Norden Spaniens, aber möglicherweise floss bereits italienisches, vielleicht ligurisches Blut in ihren Adern. Die Ärmste, sie ist erst vor einem Jahr gestorben. Seitdem lebe ich hier allein mit meinen Hunden, meinen Pferden, dem Stallknecht und der legendären Lenardedda, meiner Haushälterin, die Sie gleich kennenlernen werden. Mein Vater war ein Fernando Sanchez, ein Nachfahre jener Eleonore d’Albuquerque, Tochter des Infanten Sancho Alfonso von Kastilien, Graf von Albuquerque, und von Beatrix von Portugal und Gemahlin von König Ferdinand dem Ersten von Aragon …«
Während wir den weitläufigen zentralen Innenhof betreten, kann ich ein Gähnen nicht unterdrücken, das ich sofort mit einem höflichen Lächeln zu kaschieren versuche, aber Jutta folgt sofort meinem Beispiel mit einem noch längeren Gähnen.
»Verzeihen Sie bitte, Don Geraldo, Ihr Haus ist wunderschön, aber wir sind doch recht müde«, entschuldige ich mich bei ihm, tatsächlich fühlt sich mein Mund so rau und trocken wie Schmirgelpapier an, ich langweile mich und bin hungrig.
»Aber das verstehe ich nur zu gut! Willkommen in meinem bescheidenen Heim. Lenardedda, wir sind es. Komm her, meine Liebe, ich stelle dir meine neuen Freunde vor, Signora Speidel und Dottore Maccallini. Bitte, richte ihnen doch das Gästezimmer her. Hast du schon das Bad eingelassen? Sehr gut … Bruno, lassen Sie sich ruhig Zeit, das Abendessen wird frühestens in einer Stunde serviert.«
»Vielen Dank, Marchese, aber das war doch nicht nötig. Wir sind auch mit einem Teller Suppe zufrieden …«
»Aber ich bitte Sie, Suppe! Es gibt Ravioli mit Artischocken und Safran und ein gutes Stück Schafsbraten! Muy bien, Lenardedda, begleite die Herrschaften nach oben …«
»Ich dusche nur schnell und bin gleich wieder bei Ihnen, Marchese«, sage ich.
»Perfettu, dann zeige ich Ihnen den Weinkeller, und Sie können l’olio noeddu, das neue Öl, verkosten …«
Ehe wir die herrschaftliche Treppe in den zweiten Stock hinaufgehen, gibt uns Lenardedda Filzpantoffeln, damit wir den wunderschönen gebohnerten Fußboden nicht schmutzig machen, aber vor allem nicht darauf ausrutschen. Sie ist eine von diesen Hausdamen, wie man sie heutzutage eigentlich nicht mehr findet, und sorgt nicht nur für den Marchese, sondern schmeißt den gesamten Haushalt. Sie wirkt mürrisch und verärgert, würdigt uns keines Blickes und spricht die ganze Zeit kein einziges Wort. Jutta meint, dass sie so eifersüchtig über ihren Herrn wache, dass sie der ganzen Welt misstraue. Mit offensichtlichem Unwillen öffnet sie die Tür zu unserem Schlafgemach. Von dem Geruch, der uns entgegenschlägt, könnte einem übel werden, und das ist noch milde ausgedrückt. Es riecht abgestanden, darüber ein leichter Schimmelgeruch von dem Stapel alter Bücher auf dem Nachttischchen. Und dazu die Feuchtigkeit, die aus der Gewölbedecke mit dem Familienwappen austritt. Lenardedda lässt die Hand auf dem Türgriff liegen und bedeutet uns einzutreten. Das Parkett ächzt unter unseren Füßen, ein Hund bellt in der Ferne, wir entdecken ein vergilbtes altes Schwarzweißfoto von einem kleinen Kind mit laufender Nase, das fünf Kerzen auf einer Torte ausbläst, und auf dem Bett liegen der Schlafanzug und das Nachthemd, die wer weiß wie viele Jahre in einem Schrank mit Mottenpulver eingelagert waren. Juttas Gesicht hat sich zu einer Grimasse verzerrt. Lenardedda lehnt die Tür an und geht. Im Bad riecht es zwar ziemlich streng nach Mückenkerzen, dafür ist die Badewanne voller Schaum. Der Hahn in der Duschkabine ist völlig verrostet, und ich habe Mühe, ihn aufzudrehen. Als es mir schließlich gelingt, ist das Wasser natürlich erst einmal gelb, und ich muss es eine Weile laufen lassen. Dafür finde ich ein schönes neues Stück Seife, zwei Handtücher aus Leinenbatist für das Bidet und zwei große Frotteeduschtücher, die zusammengefaltet neben dem Waschbecken liegen. Schade, dass sie so nach Mückenmittel riechen! Ich habe zwar einen Dreitagebart, aber ich möchte mich erst morgen früh rasieren. Daher dusche ich nur kurz und trockne mich eilig ab, schlüpfe in den Bademantel aus Waffelpikee mit den ineinander verschlungenen, handgestickten Initialen »GV« und überlasse Jutta ihrem warmen Bad. Es muss ihr wohl wirklich guttun und sie entspannen, denn ich habe schon seit zehn Minuten keine Klagen mehr von ihr gehört. Mit neuer Energie laufe ich die herrschaftliche Treppe hinunter. Auf Höhe des ersten Stockes befinden sich zwei Nischen. In der rechten halten zwei Putten ein Medaillon mit Ahnenporträts, zu meiner Linken entdecke ich ein Gipsrelief von Don Geraldo zu Pferde. Ich fühle mich wie ein König. Und da kommt auch schon der Marchese, um mir voller Stolz sein Haus zu zeigen.
»Meine hochverehrte Mutter erzählte mir immer, dass ihre Urururahnin, die einige umstrittene Liebesaffären mit verschiedenen jungen Liebhabern hatte, in Vollmondnächten mit ihrem jeweiligen Auserwählten in den Keller hinabstieg und hier ihre Leidenschaft auslebte … Selbstverständlich ohne das Wissen ihres Gatten, der auf Reisen war. Doch die edle Dame gab sich nicht jedem hin. Der Auserwählte musste einen Granatapfel verspeisen können, ohne dass ein einziger Kern zu Boden fiel. Erst dann belohnte sie ihn mit ihrem reichen Schatz. Diese Geschichte heißt daher auch die Legende vom Granatapfel. Und das hier ist der berühmt-berüchtigte Weinkeller. Kommen Sie nur, Bruno, ich gehe voran …«