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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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An meinen Bruder Charles.

Zuerst und vor allen Dingen verheimliche meinen Tod vor unserer Mutter so lange wie möglich.  

›Ist er gestorben, ohne zu wissen, dass unsere arme Mutter ihm in das Grab vorausgegangen ist?‹, fragte mein Bruder.

›Nein‹, sagte Charles, ›ich habe es ihm gesagt.‹

Mein Bruder sah wieder auf den Brief und las weiter:

Ich wurde in Berchem gefangen genommen. Mein Pferd brach zusammen und begrub mich unter sich. Ich konnte mich nicht wehren.

Ich warf meinen Säbel weg, und vier Republikaner befreiten mich.

Man brachte mich auf die Festung Auenheim, um mich dort zu füsilieren; wenn kein Wunder geschieht, kann mich nichts mehr retten.

Mein Vater hatte dem König sein Wort gegeben, für die royalistische Sache zu sterben, und er hat es gehalten.

Ich gab meinem Vater mein Wort, für dieselbe Sache einzustehen, und werde sterben.

Du hast mir Dein Wort gegeben. Nun ist die Reihe an Dir. Wenn Du stirbst, wird Hector uns rächen.

Bete am Grab meiner Mutter.

Gib Hector einen väterlichen Kuss.

Adieu

LÉON DE SAINTE-HERMINE

P.S. Ich weiß nicht, wie ich Dir diesen Brief zukommen lassen kann, Gott wird es einrichten.

Mein Bruder küsste den Brief, reichte ihn mir, damit auch ich ihn küsste, und drückte ihn an sein Herz. Dann sagte er zu Charles: ›Und du hast seinem Tod beigewohnt?‹

›Ja!‹, erwiderte Charles.

›Nun, dann erzähle es mir in allen Einzelheiten.‹<

›Das ist nicht schwer‹, sagte Charles. ›Ich war auf dem Weg von Straßburg zum Hauptquartier des Generals Citoyen Pichegru in Auenheim, als ich kurz hinter Sessenheim von einem kleinen Trupp Infanteristen eingeholt wurde, ungefähr zwanzig Soldaten, die ein Hauptmann zu Pferde befehligte. Die zwanzig Männer marschierten in zwei Reihen.

Mitten auf der Straße ging zu Fuß ein Kavallerist, was an den Sporen seiner Armeestiefel leicht zu erkennen war; von Kopf bis Fuß war er in einen weiten weißen Mantel gehüllt, der nur seinen Kopf sehen ließ, ein junges, intelligentes Gesicht, das mir undeutlich bekannt vorkam; er trug eine Polizeimütze, was in der französischen Armee nicht üblich ist.

Der Hauptmann sah mich neben dem jungen Mann im weißen Mantel gehen, und da ich noch jünger aussehe, als ich es bin, fragte er mich wohlwollend:

„Wohin des Weges, mein junger Citoyen?“

„Zum Hauptquartier des Generals Pichegru; ist es noch weit?“

„Noch ungefähr zweihundert Schritte“, erwiderte der junge Mann im weißen Mantel. „Sehen Sie, am Ende des Weges, auf den wir eingebogen sind, befinden sich die ersten Häuser von Auenheim.“

Ich wunderte mich, dass er mir das Dorf mit einer Kopfbewegung wies statt mit einer Geste.  

„Danke“, sagte ich und beeilte mich, schneller zu gehen, um ihn von meiner Gegenwart zu befreien, die ihn zu stören schien, doch er rief mich zurück.

„Meiner Treu, junger Freund“,sagte er, „wenn Sie es nicht allzu eilig haben, sollten Sie mit uns gehen, denn dann könnte ich Sie bitten, mir Neuigkeiten aus Ihrer Gegend zu berichten.“

„Aus meiner Gegend?“fragte ich überrascht.

„Zum Kuckuck!“, sagte er, „sind Sie etwa nicht aus Besançon oder zumindest aus der Franche-Comté?“

Ich sah ihn erstaunt an; seine Sprache, sein Gesicht, seine Haltung – alles weckte in mir Kindheitserinnerungen. Offenbar hatte ich diesen schönen jungen Mann früher einmal gekannt.

„Aber vielleicht wollen Sie Ihr Inkognito wahren“, sagte er lachend.

„O nein, Citoyen“, entgegnete ich. „Ich musste nur daran denken, dass Theophrast, der ursprünglich Tyrtamos hieß und den die Athener den Schönredner nannten, nach fünfzig Jahren in Athen von einer Obstverkäuferin als Mann aus Lesbos wiedererkannt wurde.“

„Sie sind ein gebildeter Herr“, sagte mein Reisegefährte; „das ist in den gegenwärtigen Zeiten ein Luxus.“

„O nein“, sagte ich wieder. „Ich bin auf dem Weg zu General Pichegru, der selbst sehr gebildet ist, und ich hoffe, dank eines Empfehlungsschreibens von ihm als Sekretär angestellt zu werden. Und du, Citoyen“, fügte ich neugierig hinzu, „gehörst du zur Armee?“

Er begann zu lachen. „Nicht genau“, sagte er.

Ich sagte: „Dann bist du der Verwaltung attachiert.“

Attachiert“, wiederholte er lachend. „Meiner Treu, so kann man es wahrhaftig bezeichnen, Monsieur. Allerdings bin ich nicht der Verwaltung attachiert, sondern mir selbst.“

„Aber Sie siezen mich und sagen laut Monsieur zu mir“, sagte ich leise. „Befürchten Sie denn nicht, dass Sie das Ihre Stellung kosten kann?“

„Oho, Hauptmann, haben Sie das gehört?“rief der junge Mann im weißen Mantel lachend. „Der junge Citoyen befürchtet, ich könnte meine Stellung verlieren, weil ich ihn sieze und Monsieur zu ihm sage. Wüssten Sie jemanden, der meine Stellung gern hätte? Ich würde sie ihm jederzeit abtreten!“

„Armer Teufel!“murmelte der Hauptmann schulterzuckend.

„Sagen Sie, junger Mann“, fragte mein Reisegefährte, „da Sie aus Besançon kommen, denn daher kommen sie, nicht wahr?“

Ich nickte.

„Dann kennen Sie sicher eine Familie namens Sainte-Hermine.“

„Ja“, antwortete ich, „eine Witwe und drei Söhne.“

„Drei Söhne, ganz genau; ja“, fügte er seufzend hinzu, „noch sind es drei. Danke. Wann haben Sie Besançon verlassen?“

„Vor sieben oder acht Tagen.“

„Dann können Sie mir Neuigkeiten berichten?“

„Gewiss, aber traurige Neuigkeiten.“

„Erzählen Sie.“

„Am Tag vor meiner Abreise waren mein Vater und ich auf der Beerdigung der Gräfin.“

„Oh!“, rief der junge Mann und richtete den Blick zum Himmel. „Die Gräfin ist tot!“

„Ja!“

„Umso besser!“

Und aus seinen Augen rollten zwei große Tränen.

„Wie können Sie so sprechen!“, rief ich. „Die Gräfin war eine wahre Heilige!“

„Umso besser“, wiederholte der junge Mann, „dass sie ihrem Leiden erlegen ist und nicht vor Kummer sterben muss, wenn sie erfährt, dass ihr Sohn erschossen wurde.“

„Was sagen Sie da?“, rief ich. „Der Graf von Sainte-Hermine wurde erschossen? “

„Noch nicht, aber er wird erschossen werden.“

„Und wann?“

„Sobald wir das Fort von Auenheim erreicht haben werden.“

„Befindet sich dort der Graf von Sainte-Hermine?“

„Nein, er ist auf dem Weg dorthin.“

„Und man wird ihn erschießen?“

„Sobald ich angekommen sein werde.“

„Sind Sie für die Hinrichtung zuständig?“

„Nein, aber ich werde das Zeichen für das Feuer geben. Diese Gunst wird einem tapferen Soldaten, den man mit der Waffe in der Hand überwältigt hat, nicht verweigert, selbst wenn er ein Emigrant ist.“

„Großer Gott!“, rief ich voller Entsetzen. „Dann sind Sie...?“

Der junge Mann lachte schallend. „Jetzt wissen Sie, warum ich lachen musste, als Sie mir zur Vorsicht rieten. Und warum ich meine Stellung jedem abgetreten hätte, der sie haben wollen könnte, denn ich musste nicht befürchten, sie zu verlieren; wie Sie so richtig sagten, bin ich attachiert.“

Und erst da schüttelte er seinen Mantel mit einer Bewegung seiner Schultern, und ich sah, dass ihm Hände und Arme gebunden waren.

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