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Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:

Die Fünfundvierzig
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»Euer Unrecht rührt von Eurem unbändigen Stolze her.« – »Ich werde mich demütigen, mein Freund.«

»Von Eurer unverschämten Trägheit.« – »Chicot, Chicot, von morgen an kasteie ich mich, indem ich meine Mönche alle Tage Übungen vornehmen lasse.«

»Eure Mönche Übungen?« versetzte Chicot, die Augen weit aufreißend; »und was für Übungen, mit der Gabel?« – »Nein, mit den Waffen.«

»Waffenübungen?« – »Ja, und das Kommandieren ist ermüdend.«

»Ihr kommandiert die Übungen der Jakobiner?« – »Ich gedenke wenigstens zu kommandieren.«

»Von morgen an?« – »Von heute an, wenn Ihr es verlangt.«

»Und wer hat den Gedanken gehabt, Kuttenträger exerzieren zu lassen?« – »Ich, wie es scheint.«

»Ihr, unmöglich.« – »Noch, ich habe dem Bruder Borromée Befehl gegeben.«

»Wer ist der Bruder Borromée?« – »Ah! es ist wahr, Ihr kennt ihn nicht.«

»Wer ist es?« – »Wer Säckelmeister.«

»Warum, hast du einen Säckelmeister, den ich nicht kenne, Einfaltspinsel?« – »Er ist hier seit Eurem letzten Besuche.«

»Und woher hast du diesen Säckelmeister bekommen?« – »Wer Herr Kardinal von Guise hat ihn mir empfohlen.«

»Sollte es das Hühnergeiergesicht sein, das ich unten gesehen habe?« – »So ist es.«

»Der Mönch, der mich meldete?« – »Ja.«

»Oh! oh!« machte Chicot unwillkürlich; »und welche Eigenschaft hat der vom Herrn Kardinal so warm unterstützte Säckelmeister?« – »Er rechnet wie Pythagoras.«

»Und mit ihm habt Ihr diese Waffenübungen beschlossen?« – »Ja, mein Freund.«

»Nämlich, er hat Euch vorgeschlagen, Eure Mönche zu bewaffnen, nicht wahr?« – »Nein, lieber Herr Ehicot, der Gedanke ist von mir, ganz von mir.«

»Und in welcher Absicht?« – »In der Absicht, sie zu bewaffnen.«

»Keinen Stolz, verhärteter Sünder, der Stolz ist eine Todsünde; dieser Gedanke ist Euch nicht gekommen.« – »Mir oder ihm, ich weiß nicht mehr, ob mir oder ihm der Gedanke gekommen ist. Nein, nein, entschieden mir, es scheint sogar, daß ich bei dieser Gelegenheit ein sehr geistreiches und glänzendes lateinisches Wort gesprochen habe.«

Chicot näherte sich dem Prior.

»Ein lateinisches Wort, Ihr, mein lieber Prior?« sagte er; »und Ihr erinnert Euch dieses lateinischen Worts?« – » Militat spiritu ...«

» Militat spiritu, militat gladio.« – »So ist es, so ist es!« rief Dom Modeste ganz begeistert.

»Gut, gut, man kann sich unmöglich freundlicher entschuldigen, als Ihr es tut, Dom Modeste; ich verzeihe Euch.« – »Oh!« machte Gorenflot voll Rührung.

»Ihr seid stets mein Freund, mein wahrer Freund,« Gorenflot wischte eine Träne ab. »Aber wir wollen frühstücken, und ich will nachsichtig gegen das Frühstück sein,« – »Hört,« sagte Gorenflot begeistert, »ich werde dem Bruder Küchenmeister sagen, wenn das Essen nicht königlich sei, so lasse ich ihn einstecken.«

»Tut das, Ihr seid der Herr.« – »Und wir wollen einige von den Flaschen der erwarteten Dame entpfropfen.«

»Ich werde Euch mit meiner Erleuchtung unterstützen, mein Freund.« – »Erlaubt, daß ich Euch umarme, Chicot.«

»Erstickt mich nicht, und laßt uns plaudern.«

Die Tischgenossen.

Dom Modeste ließ den Bruder Eusèbe rufen, der nicht vor seinem Oberen, sondern vor seinem Richter erschien. Aus der Art und Weise, wie man ihn vorgefordert, hatte er erraten können, daß etwas Außerordentliches bei dem ehrwürdigen Prior vorging.

»Bruder Eusèbe,« sagte Gorenflot mit strengem Tone, »hört, was Robert Briquet, mein Freund, Euch sagen wird. Ihr werdet nachlässig, wie es scheint. Ich habe über schwere Unpünktlichkeiten bei Eurer letzten Kraftsuppe und über eine unselige Unachtsamkeit in betreff der farcierten Ohren klagen hören. Nehmt Euch in acht, Bruder Eusèbe, ein einziger Schritt auf dem schlimmen Weg zieht den ganzen Körper nach sich.«

Der Mönch errötete und erbleichte abwechselnd und stammelte eine Entschuldigung, die nicht angenommen wurde.

»Genug,« sagte Gorenflot, und Bruder Eusèbe schwieg.

»Was habt Ihr heute zu frühstücken?« fragte der ehrwürdige Prior.

Unter scharfer Kritik des gestrengen und wählerischen Abtes wurde sodann als Frühstücksprogramm aufgestellt: Rühreier mit Hahnenkämmen – gefüllte Champignons – Krebse in Madeira – in Sekt gekochter Schinken mit Pistazien – Aal – Thymiancreme.

Eusèbe verbeugte sich und ging hinaus.

Der Bruder Kellermeister folgte auf den Bruder Eusèbe und erhielt nicht minder pünktliche und nicht minder ins einzelne gehende Befehle.

Zehn Minuten nachher saßen die Freunde vor einem mit einem feinen Tuche bedeckten Tisch, in großen, ganz mit Kissen ausgelegten Lehnstühlen begraben, Messer und Gabel in der Hand, wie zwei Duellanten einander gegenüber.

Obgleich groß genug für sechs Personen, war die Tafel doch vollgestellt; dergestalt hatte der Kellermeister Flaschen von verschiedenen Formen und Etiketten aufgehäuft.

Dem Programm getreu, schickte Eusèbe Rühreier, Krebse und Champignons, die die Luft mit einem milden Dampf von Trüffeln und von Butter durchdufteten, wozu sodann der Geruch des Thymiancreme und des Maduraweins kam.

Chicot griff wie ein Hungriger an, der Prior dagegen wie ein Mensch, der sich selbst, seinem Koch und seinem Tischgenossen mißtraut. Doch nach einigen Minuten fing Gorenflot an zu schlingen, während Chicot beobachtete.

Man begann mit dem Rheinwein, dann ging man zu dem Burgunder von 1550 über, man machte einen Ausflug zu einem Eremitage, dessen Alter man nicht kannte, man nippte am Saint-Peray; endlich kam man zum sizilianischen Wein der Dame, eines Beichtkindes.

»Was sagt Ihr dazu?« fragte Gorenflot, nachdem er dreimal gekostet hatte, ohne daß er sich auszusprechen wagte.

»Mild, aber leicht,« erwiderte Chicot; »und wie heißt die Bußfertige?« – »Ich kenne sie nicht.«

»Alle Wetter, Ihr wißt ihren Namen nicht?« – »Wahrhaftig, nein, wir verhandeln durch Botschafter.«

Chicot machte eine Pause, während deren er sanft die Augen schloß, als wollte er den Geschmack eines Schlucks Wein untersuchen, den er im Mund hielt, ehe er ihn durch die Gurgel laufen ließ, in der Wirklichkeit aber, um nachzudenken.

»Ich habe also die Ehre, einem Armee-General gegegenüber zu speisen?« sagte er nach fünf Minuten. – »Oh! mein Gott, ja!«

»Wie, Ihr seufzt, während Ihr dies sagt?« – »Ah! es ist sehr anstrengend.«

»Allerdings; aber es ist ehrenvoll, es ist schön.« – »Herrlich! nur habe ich keine Stille mehr im Haus... und vorgestern bin ich beinahe genötigt gewesen, einen Gang beim Abendessen zu streichen.«

»Einen Gang streichen... und warum?« – »Weil mehrere von meinen besten Soldaten, ich muß es gestehen, die Vermessenheit hatten, das Weinbeermus von Burgund, das man am Freitag als drittes Gericht gab, ungenügend zu finden.«

»Ah! ungenügend... und welchen Grund gaben sie an?« – »Sie behaupteten, sie hätten noch Hunger, und verlangten noch eine Fastenspeise, wie Kriechente, Hummer oder einen schmackhaften Fisch. Begreift Ihr diese Freßgierigen?«

»Verdammt, wenn sie übermäßige Übungen vornehmen müssen, so darf man nicht staunen, daß sie Hunger haben, diese Mönche.« – »Wo wäre denn das Verdienst?« entgegnete der Prior, »gut essen und gut arbeiten kann jedermann. Was zum Teufel! man muß seine Entbehrungen dem Herrn anzubieten wissen,« fügte der würdige Abt bei, indem er eine riesige Portion in den Mund schob.

»Trinkt, Modeste, trinkt,« sagte Chicot, »Ihr werdet ersticken, Ihr seht schon karmesinrot aus.« – »Vor Entrüstung,« erwiderte der Prior und leerte sein Glas, das eine halbe Pinte enthielt.

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