Kalle Blomquist [с иллюстрациями]
- Автор: Линдгрен Астрид
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- ISBN: 3 789 12931 3
- Жанр: Детское действие
Электронная книга - «Kalle Blomquist [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:
Aufgepaßt: Dieses Buch enthält die gesammelten Erfahrungen des großen Meisterdetektivs Kalle Blomquist. Vollzählig. Das ist von unschätzbarem Wert für Euch. Denn ob Ihr nun auf der Suche nach einem verborgenen Schatz seid oder einen exakten Plan ausarbeiten müßt, wie man einen langgesuchten Juwelendieb endlich zur Strecke bringen kann, oder blitzschnell entscheiden müßt, wenn der eigene Blutsbruder plötzlich gekidnappt wird, egal also in welch verzwickte Situation Ihr kommt, Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv, wird Euch den richtigen Tip geben.
Und wer weiß, vielleicht spricht man dann eines Tages von Euch als dem großen Meisterdetektiv …
VERLAG FRIEDRICH OETINGER
HAMBURG
Deutsch von Cäcilie Heinig und Karl Kurt Peters
Bilder von Volker Heydorn
Eine schöne Stadt war es also, strenggenommen, nicht, aber sie hatte die altväterliche gemütliche Ruhe.
Kalle und Anders und Eva-Lotte, die gerade am Ufer des Flusses entlang dem Hauptquartier der Roten Rose entgegentrabten, fragten auch nicht viel danach, ob ihre Stadt schön war oder nicht.
Sie wußten nur, daß sie einen ausgezeichneten Kriegsschauplatz im Krieg der Rosen abgab. Da konnte man in schmalen, winkligen Gassen die Verfolger abschütteln, Zäune gab es zum Übersprin-gen und Dächer, auf die zu klettern sich lohnte, Holzschuppen, in denen man sich verbarrikadieren konnte, und außerdem noch tau-sendundeine Gelegenheit, sich zu verstecken. Solange eine Stadt diese außerordentlichen Vorzüge besaß, brauchte sie nicht schön zu sein. Es war vollauf genug, daß die Sonne schien und die Pfla-stersteine sich unter den nackten Füßen so warm und behaglich anfühlten. Das war wie Sommer im ganzen Körper. Der leicht muffige Geruch vom Fluß, der sich ab und zu mit verirrtem Ro-senduft aus irgendeinem Garten mischte, war auch sommerlich und angenehm. Und die Eisbude hinten an der Straßenecke verschönerte das Stadtbild gerade genug, fanden Kalle und Anders und Eva-Lotte. Mehr Schönheit war hier gar nicht nötig.
Sie kauften sich jeder eine Fünfundzwanzig-Öre-Portion und liefen weiter die Straße entlang.
Hinten von der Flußbrücke her kam ihnen Schutzmann Björk langsam patrouillierend entgegen. Seine Uniformknöpfe blitz-ten im Sonnenschein.
»Hallo, Onkel Björk«, rief Eva-Lotte.
»Hallo«, erwiderte der Schutzmann. »Hallo, Meisterdetektiv«, setzte er noch hinzu und legte Kalle freundlich den Arm um den Nacken. »Keine neuen Fälle für heute?«
Kalle sah ärgerlich aus. Onkel Björk war doch wohl damals dabeigewesen und hatte die Früchte von Kalles Verbrecherjagd im vorigen Sommer geerntet. Er brauchte doch nun gewiß nicht faule Witze zu machen.
»Nein, keine neuen Fälle für heute«, antwortete Anders für Kalle. »Alle Diebe und Mörder haben den Befehl bekommen, ihre Arbeit bis morgen aufzuschieben. Kalle hat nämlich heute keine Zeit für sie.«
»Nein, heute wollen wir den Roten Rosen die Ohren ab-schneiden«, sagte Eva-Lotte und lächelte Schutzmann Björk freundlich an. Sie konnte ihn gut leiden.
»Eva-Lotte, manchmal habe ich so das Gefühl, als müßtest du etwas mädchenhafter sein«, sagte Schutzmann Björk und sah bekümmert auf die schlanke, sonnenverbrannte Amazone, die da an der Bordkante stand und spielerisch mit dem gekrümmten großen Zeh einen Zigarettenstummel aufzuheben versuchte. Es glückte, und mit kräftigem Schwung schleuderte sie den Stummel in den Fluß.
»Mädchenhafter? Ja, an den Montagen«, versicherte Eva-Lotte, und ein helles, strahlendes Lachen lag auf ihrem Gesicht.
»Hej, Onkel Björk, nun müssen wir aber flitzen!«
Schutzmann Björk schüttelte den Kopf und wanderte weiter.
Wenn man über die Brücke ging, wurde man einer schweren Versuchung ausgesetzt. Natürlich konnte man auf die allgemein übliche Weise hinübergehen. Aber da gab es Geländer, recht schmale Geländer. Und wenn man über die Brücke ging, indem man über diese Geländer balancierte, hatte man ein Weilchen einen angenehmen Kitzel in der Magengrube. Es konnte ja passieren, daß man runterfiel. Gewiß, es war trotz ausführlicher Versuche auf diesen Geländern noch nie geschehen, aber ganz sicher war man ja nicht. Und wenn auch das Ab-schneiden der Ohren der Roten Rosen eine recht eilige Angelegenheit war, fanden sowohl Kalle als Anders und Eva-Lotte doch, daß immer noch etwas Zeit für einen kleinen Balanceakt übrig sein mußte. Es war natürlich verboten; aber Schutzmann Björk war schon verschwunden, und auch sonst war kein Mensch zu sehen.
Doch, einer war zu sehen. Gerade als sie, nach allen Seiten sichernd, auf die Geländer geklettert waren und das angenehm kitzelnde Gefühl im Magen sich wieder einzustellen begann, kam auf der anderen Seite der Brücke Gren, der Alte, angetrottet.
Aber um ihn kümmerte man sich nicht. Gren, der Alte, blieb vor den Kindern stehen, seufzte wie gewöhnlich und sagte in seiner üblichen abwesenden Art: »Ja, ja, der Kindheit glückliche Spiele.
Der Kindheit glückliche, unschuldige Spiele. Ja, ja!«
So sagte Gren, der Alte, immer. Die Kinder pflegten ihn nachzuahmen. Selbstverständlich nie so, daß er es hören konnte.
Aber wenn Kalle aus Versehen den Fußball genau in Vater Blomquists Schaufensterscheibe setzte oder Anders vom Fahrrad fiel und dabei haargenau mit dem Gesicht in einem Bren-nesselgestrüpp landete, konnte es sein, daß Eva-Lotte seufzte und sagte: »Ja, ja, der Kindheit glückliche Spiele. Ja, ja.«
Sie erreichten glatt das andere Ende der Brücke. Auch diesmal wieder war keiner ins Wasser gefallen. Anders sah sich um, ob jemand ihr Tun beobachtet hatte. Die Kleine Straße aber war nach wie vor leer. Nur Gren, der Alte, ging dort ganz hinten. Seinen trottenden Gang konnte man nicht verkennen.
»Ich weiß niemand, der so seltsam geht wie Gren«, sagte Anders.
»Gren ist durch und durch seltsam«, meinte Kalle. »Aber vielleicht wird man seltsam, wenn man so allein ist.«
»Der Ärmste«, sagte Eva-Lotte. »Stellt euch vor, in solch einer alten Baracke wohnen zu müssen und keinen Menschen zu haben, der auffegt oder mal Essen kocht und so.«
»Tja, Fegen ist ja nicht unbedingt wichtig«, fand Anders nach kurzem überlegen. »Ein Weilchen allein sein, fände ich auch nicht schlecht. Da schafft man wenigstens etwas an seinen Basteleien.«
Für einen, der wie Anders mit einer Menge von kleinen Geschwistern auf knappem Wohnraum zusammenleben mußte, war es kein übler Gedanke, ein ganzes Haus für sich zu haben.
»Ach, du würdest dabei in einer Woche wunderlich werden«, sagte Kalle, »noch wunderlicher, als du jetzt schon bist, meine ich. Genauso wunderlich wie Gren.«
»Vater kann diesen Gren nicht leiden«, rief Eva-Lotte. »Er sagt, Gren ist ein Prozenter!« Weder Anders noch Kalle wußten, was ein Prozenter ist, aber Eva-Lotte erklärte es schon: »Vater sagt, ein Prozenter ist so einer, der Geld ausleiht – an Leute, die es nötig haben.«
»Ja, aber das ist doch nett von ihm«, staunte Anders.
»Nein, das ist es nicht«, sagte Eva-Lotte. »Das ist so – versteh doch … Nimm doch einmal an, du mußt dir fünfundzwanzig Öre leihen, du mußt die fünfundzwanzig Öre unbedingt für etwas haben …«
»Für ein Eis«, schlug Kalle vor.
»Du nimmst mir das Wort aus dem Mund. Ich fühle direkt schon, wie ich es unbedingt haben muß!« bestätigte Anders.
»Na ja, dann gehst du eben zu Gren«, sagte Eva-Lotte, »oder zu irgendeinem anderen Prozenter. Und der gibt dir dann die fünfundzwanzig Öre …«
»Macht er?« fragte Anders, völlig erschlagen von dieser Möglichkeit.
»Klar. Aber du mußt dich verpflichten, sie in einem Monat zurückzuzahlen«, sagte Eva-Lotte. »Und es reicht nicht, wenn du ihm fünfundzwanzig Öre zurückgibst. Du mußt ihm fünfzig Öre geben.«
»Auf keinen Fall!« empörte sich Anders. »Warum muß ich das?«
»Kindchen«, sagte Eva-Lotte. »Hast du denn noch nie in der Schule Prozentrechnen gehabt? Gren will Prozente für sein Geld haben. Versteh mich doch!«
»Aber er kann sich doch wohl etwas mäßigen«, meinte Kalle.
»Das tun die Prozenter aber nun einmal nicht«, sagte Eva-Lotte. »Die mäßigen sich nicht. Die nehmen immer zuviel Prozente. Und im Gesetzbuch steht, daß man das nicht darf. Wucher heißt es da, glaube ich. Ja, und deshalb kann Vater den Gren nicht leiden.«