Die Klinik
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:
»Ah, Adam«, sagte sie zwischen Küssen. »Adam Silver-stone, wer bist du jetzt? Wer bist du wirklich?«
»Finde es heraus und laß es mich wissen«, sagte er.
Die Stechmücken trieben sie an Land. Er half ihr die Dek-ke zu falten, und sie verstauten sie in ihrem Wagen, einem arg mitgenommenen blauen Plymouth Convertible Baujahr 1963, der abseits vom Storrow Drive geparkt war. Sie gingen in eine Cafeteria in der Charles Street, saßen an einem Tisch an der Wand und tranken Kaffee.
»War es ein Unfall, der dich im Krankenhaus festhielt?«
Er erzählte ihr von Grigio. Sie war eine gute Zuhörerin und stellte intelligente Fragen.
»Ich fürchte mich nicht vor Feuer oder Ertrinken«, sagte sie.
»Das heißt, daß du dich doch vor etwas fürchtest.«
»Wir hatten viele Krebsfälle in der Familie, auf beiden Seiten. Meine Großmutter ist vor kurzem daran gestorben.«
»Das tut mir leid. Wie alt war sie?«
»Einundachtzig.«
»Auf das würde ich mich einlassen.«
»Nun ja, ich auch. Aber meine Tante Louisa zum Beispiel. Eine junge, schöne Frau. Ich will nicht sterben, bevor ich wirklich alt bin«, sagte sie. »Sterben sehr viele Patienten in dem Krankenhaus? Eine hohe Ziffer, meine ich?«
»In einer Abteilung wie der unseren monatlich ein paar. Wenn auf unserer Station ein Monat ohne Todesfall vergeht, gibt der Oberarzt oder der Fellow ein Fest.«
»Feiert ihr viele Feste?«
»Nein.«
»Ich könnte das nicht tun, was du tust«, sagte sie. »Ich könnte den Schmerzen und dem Sterben nicht zusehen.«
»Es gibt viele Arten zu sterben. Auch in der Psychologie gibt es Leiden, denen man zusehen muß, nicht?«
»Sicher, in der klinischen. Das ist auch der Grund, warum ich dabei landen werde, süße kleine Jungen zu testen, um zu sehen, warum sie nicht unter dem Bett hervorkommen.«
Er nickte lächelnd.
»Wie ist das, jemanden sterben zu sehen?«
»Ich erinnere mich an das erste Mal ... Ich war noch Student. Da war dieser Mann ... Nun, ich sah ihn auf meinen Visiten. Er war einfach prima, lachte und riß Witze. Während ich seine I. V. fixierte, blieb sein Herz stehen. Wir versuchten alles nur mögliche, um ihn zurückzuholen. Ich erinnere mich, wie ich ihn ansah und mich fragte: Wohin ist er gegangen? Was war es, das fortging? Was hat ihn von einem Menschen in . das hier verwandelt?«
»Gott«, sagte sie. Dann: »Ich habe so einen Knoten bekommen.«
»Was?« sagte er.
Sie schüttelte den Kopf.
Aber er hatte es doch gehört. »Wo?«
»Das möchte ich lieber nicht sagen.«
»Um Christi willen«, sagte er, »ich bin doch Arzt, nicht?« Wahrscheinlich die Brust, dachte er.
Sie schaute weg. »Bitte. Es tut mir leid, daß ich es erwähnt haben. Ich bin überzeugt, es ist nichts. Ich gehöre zu der Sorte, die sich pausenlos Sorgen macht.« »Warum meldest du dich dann nicht bei einem Arzt zu einer Untersuchung an?«
»Ich werde es tun.«
»Versprichst du es mir?«
Sie nickte, lächelte ihn an und wechselte das Thema, erzählte ihm von sich. Eltern geschieden; Vater wiederverheiratet und Kurdirektor in einem Ort in den Berkshires, Mutter mit einem Viehzüchter in Idaho wiederverheiratet. Er erzählte ihr, daß seine Mutter Italienerin gewesen und gestorben, und sein Vater Jude war, vermied es aber sorgfältig, mehr von sich zu erzählen. Sie merkte es und drängte ihn nicht.
Als jeder drei Tassen Kaffee getrunken hatte, bestand sie darauf, ihn zum Krankenhaus zurückzufahren. Er gab ihr keinen Gutenachtkuß, teils weil sie am Eingang zum Krankenhaus nicht ungestört waren, teils, weil er zu müde war, um Sorbas oder Odysseus oder sonst jemand sein zu wollen, außer einer schlafenden Gestalt auf einem Bett in dem Zimmer im obersten Stock.
Dennoch ließ er den Lift im zweiten Stock anhalten und ging wie von einem Magnet angezogen zu Zimmer 218. Nur einmal schnell nachsehen, versprach er sich, dann würde er zu Bett gehen.
Helen Fultz lehnte steif über Joseph Grigio.
»Was tun Sie da?«
»Die Schwester von elf bis sieben ist nicht aufgetaucht.«
»Nun, jetzt bin ich hier.« Sein Schuldgefühl äußerte sich in Ärger. »Bitte gehen Sie schlafen.« Wie alt sie wohl war, fragte er sich. Sie sah erledigt aus, ihr graues Haar hing in Strähnen über das zerfurchte Gesicht mit den verkniffenen Lippen.
»Ich gehe nicht. Es ist zu lange her, seit ich altmodischen Schwesterndienst verrichtet habe. Schreibarbeiten verwandeln einen in einen Beamten.« Ihr Ton duldete keine Widerrede, aber er suchte sie doch zu überreden. Schließlich schlossen sie einen Kompromiß. Es war kurz nach Mitternacht. Er sagte, sie könne bis ein Uhr bleiben.
Die Anwesenheit eines Zweiten, fand er, machte einen großen Unterschied. Sie hüllte sich zwar weiterhin in ihr neurotisches Schweigen, braute jedoch einen Kaffee, der heißer war als Gabys Fleisch und schwärzer als Robinsons Haut. Sie wechselten einander beim Auflegen der Verbände ab, wenn ihre Hände durch das ständige Eintauchen in die eisgekühlte Salzlösung steif wurden.
Joseph Grigio atmete weiter. Diese alte Schraube, diese stumme graue Hexe, diese müde, alternde Frau hatte ihn am Leben erhalten. Mit Hilfe eines Chirurgen erholte er sich jetzt vielleicht doch und würde sich als Esel erweisen. Shakespeare.
Um zwei Uhr früh vertrieb er sie trotz ihrer bösen Blicke. Allein war es schwerer. Die Augenlider fielen ihm zu, in seinen verkrampften Rückenmuskeln meldete sich ein leiser Schmerz. Das linke Bein seiner einst weißen Hose war vom tropfenden Salzwasser der Naßpackungen feuchtkalt.
Das Krankenhaus war still.
Still.
Mit Ausnahme gelegentlicher kleiner Geräusche. Schmerzensschreie, unterdrücktes hohles Trommeln von Urin in Leibschüsseln, das Klopfen von Gummiabsätzen auf Linoleumböden; alles verschmolz mit dem Hintergrund wie Grillenzirpen und Vogelrufen auf dem Land, mehr erahnt, als tatsächlich gehört.
Zweimal döste er kurz ein und riß sich wach, um hastig die Eiswasserpackungen zu wechseln.
Entschuldigen Sie, Mr. Grigio, sagte er stumm zu der auf dem Bett liegenden Gestalt.