Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
»Unter einer Bedingung,« fügte Cornelia hinzu.
»Und welcher denn?«
»Daß Sie alles Nötige thun werden, um Ihre Gesundheit wieder zu erlangen. ohne Widerrede!«
»Da stelle ich auch eine Bedingung; nämlich, daß ich als Ihr Reisegefährte zu den Reisekosten beisteuern darf.«
»Wie es Ihnen beliebt, Herr Sergius!« antwortete Herr Cascabel.
So war denn die Sache zu allseitiger Befriedigung geordnet. Aber das Familienoberhaupt glaubte seinem Plane nicht entsagen zu sollen, einige Vorstellungen auf dem großen Platze von Sitka zu geben, - was ihm Ruhm und Profit zugleich eintragen mußte. Die ganze Provinz feierte die Annexion und die Belle-Roulotte hätte zu keiner günstigeren Zeit eintreffen können.
Selbstverständlich hatte Herr Cascabel das an Herrn Sergius verübte Attentat zur Anzeige gebracht, woraufhin der Befehl erteilt worden war, der Karnossschen Bande eifriger nachzuspüren.
Am siebzehnten Juni konnte Herr Sergius zum erstenmal ausgehen. Er befand sich viel besser und seine Wunde war dank der Behandlung des Doktor Harry zugeheilt.
Nun lernte er die übrigen Künstler der Truppe kennen: die beiden Hunde, die sich leise an seinen Knieen rieben, Jako, der ihn mit den ihm von Xander einstudierten Worten. »Wie geht's, Herr Sergius?« begrüßte, und endlich John Bull, dessen schönste Grimassen er freundlich entgegennahm. Sogar die beiden alten Pferde, Vermout und Gladiator, wieherten freudig, als er sie mit Zuckerstückchen regalierte. Von nun an zählte Herr Sergius zur Familie, so gut wie die junge Kayette. Er hatte bereits den ernsten Charakter, den emsigen Geist, die über seinen Stand hinausstrebenden Neigungen bemerkt, welche den ältesten Sohn auszeichneten Xander und Napoleone bezauberten ihn durch ihre Anmut und Lebhaftigkeit. Clou amüsierte ihn mit seiner gutmütigen ehrlichen Dummheit. Was Herrn und Frau Cascabel betrifft, so hatte er deren häusliche Tugenden bereits schätzen gelernt. Es waren entschieden Leute von Herz, mit denen er da zu thun hatte.
Man beschäftigte sich eifrig mit Vorbereitungen zur nahen Abreise. Man durfte nichts unterlassen, um den Erfolg dieser Reise auf einer Strecke von fünfhundert Meilen von Sitka bis zur Beringstraße zu sichern.
Das ziemlich unbekannte Land bot allerdings keine großen Gefahren, weder von wilden Tieren, noch von wandernden oder ansässigen Indianern; und man würde bei den verschiedenen, von den Beamten der Pelzgesellschaften bewohnten Faktoreien Halt machen können. Die Hauptsache war, sich mit dem täglichen Lebensbedarfe zu versehen, da die Hilfsquellen des Landes mit Ausnahme der Jagd gleich Null sein mußten.
Selbstverständlich besprach die Familie diese Fragen mit Herrn Sergius.
»Vor allem,« sagte Herr Cascabel, »müssen wir den Umstand im Auge behalten, daß wir nicht während der strengen Jahreszeit zu reisen brauchen.«
»Das ist ein Glück,« antwortete Herr Sergius, »denn der alaskische Winter ist grausam unterm Polarkreise.«
»Dann reisen wir auch nicht blindlings ins Land hinein,« fügte Jean hinzu. »Herr Sergius muß ein tüchtiger Geograph sein.«
»O,« erwiderte Herr Sergius, »in einem unbekannten Lande findet auch ein Geograph sich schwer zurecht. Aber mein Freund Jean hat sich mit seinen Landkarten bis hierher recht gut aus der Sache gezogen und so hoffe ich, daß wir auch zu zweien Erfolg haben werden. Überdies habe ich eine Idee, die ich Ihnen später mitteilen will.«
Sobald Herr Sergius eine Idee hatte, konnte es nur eine vortreffliche sein, und man ließ ihr volle Zeit, zu reisen, um sie dann in Ausführung zu bringen.
Da es ihm nicht an Geld gebrach, erneuerte Herr Cascabel seine Vorräte an Mehl, Schmalz, Reis, Tabak und insbesondere an Thee, welcher in Alaska in großen Mengen konsumiert wird. Dann kaufte er auch in der Niederlage der russischamerikanischen Gesellschaft Schinken, Rauchfleisch, Zwieback und Konserven ein. Angesichts der Zuflüsse des Youkon würde es unterwegs nicht an Wasser fehlen; aber dasselbe konnte durch einen kleinen Zusatz von Zucker und Cognac, oder eigentlich, »Wodka«, einer Art Branntwein, welche bei den Russen sehr beliebt ist, nur an Güte gewinnen. Daher versah man sich reichlich mit Zucker und Wodka. Was den Brennstoff betrifft, so nahm die Belle-Roulotte, trotzdem die Wälder denselben zu liefern hatten, eine Tonne vortrefflicher Vancouverkohle mit; nur eine Tonne, denn man durfte sie nicht zu schwer belasten.
Unterdessen hatte man in der zweiten Wagenabteilung einen Aushilfsverschlag angebracht, mit dem Herr Sergius sich begnügen wollte und der mit gutem Bettzeug versehen ward. Man kaufte auch Decken ein, sowie jene Hasenpelze, deren die Indianer sich im Winter soviel zu bedienen pflegen. Und für den Fall, daß man unterwegs genötigt wäre, das eine oder andere anzuschaffen, versah Herr Sergius sich mit jenen billigen Glasperlen, Kattunstoffen, Messern und Scheren, welche die gangbare Münze zwischen Händlern und Eingeborenen bilden.
Da man bei dem in jenem Landstriche herrschenden Überflusse an Damwild, Renntieren, Hasen, Auerhähnen, Gänsen und Rebhühnern auf die Jagd rechnen durfte, wurden Pulver und Blei in genügender Quantität angekauft. Herr Sergius konnte sich sogar zwei Flinten und einen Karabiner verschaffen, welche das Arsenal der Belle-Roulotte vervollständigten. Er war ein guter Schütze und würde sich ein Vergnügen daraus machen, in Gesellschaft seines Freundes Jean zu jagen.
Zudem durfte man nicht vergessen, daß die Karnoffsche Bande vielleicht in der Umgebung von Sitka ihr Unwesen trieb, daß man vor einem Angriffe dieser Übelthäter auf der Hut sein und sie gegebenen Falles nach Verdienst empfangen mußte.
»Denn,« bemerkte Herr Cascabel, »auf die Anforderungen, welche diese indiskreten Leute an uns stellen könnten, wüßte ich mir keine bessere Antwort, als eine Kugel vor die Brust.«
»Wenn nicht etwa vor den Kopf!« bemerkte Clou-de-Girofle scharfsinnig.
Mit einem Worte, dank dem Handel, welchen die Hauptstadt von Alaska mit den verschiedenen Städten Kolumbias und den Häfen des Stillen Oceans betrieb, vermochten Herr Sergius und seine Gefährten die zu einer langen Reise durch die Wildnis notwendigen Gegenstände zu nicht allzu übertriebenen Preisen zu erwerben.
Diese Vorkehrungen waren erst in der vorletzten Woche des Juni beendet und die Abfahrt wurde definitiv auf den sechsundzwanzigsten festgesetzt. Da man die Beringstraße nicht eher passieren konnte, als bis sie vollständig zugefroren war, hatte man reichlich Zeit, dahin zu gelangen. Nichtsdestoweniger war es angezeigt, mit möglichen Verzögerungen und unvorhergesehenen Hindernissen zu rechnen; und jedenfalls kam man besser zu früh als zu spät an. In Port-Clarence, welches auf dem Küstengebiete der Meerenge gelegen ist, würde man Rast halten und den günstigen Augenblick abwarten, um auf die asiatische Küste hinüber zu gelangen.
Und was machte während dieser Zeit die junge Indianerin? Nichts absonderliches. Sie ging Frau Cascabel sehr intelligent bei den verschiedenen Reisevorbereitungen zur Hand. Diese ausgezeichnete Frau hatte eine mütterliche Zuneigung zu ihr gefaßt; sie liebte sie ebenso sehr wie Napoleone und schloß sich täglich fester an ihr neues Kind an. Jedermann hatte Kayette auf seine Weise lieb gewonnen, und ohne Zweifel genoß das arme Mädchen jetzt eines Glückes, welches sie unter den wandernden Stämmen in den Zelten der Indianer nie gekannt. So würde man denn mit großer Trauer den Augenblick nahen sehen, wo Kayette sich von der Familie trennen sollte. Aber mußte sie, die jetzt allein in der Welt stand, nicht in Sitka bleiben, da sie doch dahin gekommen war, um ihren Lebensunterhalt als Dienerin, wahrscheinlich unter elenden Verhältnissen, zu erwerben?