Tod im Tal der Heiden
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #6
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Tod im Tal der Heiden». Краткое содержание книги:
Peter Tremayne ist das Pseudonym eines anerkannten Historikers, der sich auf die versunkene Kultur der Kelten spezialisiert hat. In seinen im 7. Jahrhundert spielenden historischen Romanen löst Schwester Fidelma, eine irische Nonne von königlichem Geblüt, auf kluge und selbstbewußte Art die schwierigsten Fälle. Wegen seines großen internationalen Erfolgs wurde Peter Tremayne 2002 zum Ehrenmitglied der Irish Literary Society auf Lebenszeit ernannt.
Die Originalausgabe unter dem Titel Valley of the Shadow erschien 1998 bei Headline Book Publishing, London.
Tatsächlich hat euer Gott gelehrt, wenn jemand einen Menschen auf eine Wange schlägt, dann soll der ihm auch die andere Wange hinhalten, womit er zu weiterer Beleidigung und Unterdrückung einlädt und zu falschem Handeln verleitet. Die Brehons lehren doch wohl, daß diejenigen, die Unterdrückung herausfordern, sich an diesem Verbrechen mitschuldig machen? Wenn die Menschen geistlich arm sind, dann werden die Stolzen und Hochmütigen sie unterdrük-ken. Wenn die Menschen den richtigen Geist besitzen und entschlossen sind, Unrecht zu verhindern, dann nützt das allen Menschen. Bist du nicht auch der Meinung, Bruder Solin?«
Bruder Solin kochte vor Wut. In seinem Zorn stand er kläglich und sprachlos vor der Versammlung. Fidelmahatte erfaßt, daß es eines schärferen Intellekts als Bruder Solins bedurfte, um sich mit dem glattzüngigen Murgal zu messen. Sie schüttelte leicht den Kopf und flüsterte Eadulf zu: »Ein Dreisatz von Ei-reann besagt, es gebe drei lächerliche Menschen auf der Welt: den Eifersüchtigen, den Geizhals und den Wütenden. Bruder Solin ist geradewegs in die Falle gegangen, die Murgal ihm gestellt hat.«
Bruder Solin redete, ohne zu merken, welchen Eindruck er hinterließ.
»Christus sagte: >Selig seid ihr, die ihr hier weinet; denn ihr werdet lachen. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.<«
»Schöne Versprechungen, aber sie sollen erst in der Anderen Welt erfüllt werden«, spottete Murgal. »Für diese Welt ist es eine jämmerliche Lehre. Armut der Person resultiert aus der Armut des Geistes. Diese Religion wurde offensichtlich von einem Tyrannen erfunden, der die Armen weiterhin in Armut halten wollte, während er durch ihr Elend reich und fett wurde.«
»Keineswegs, keineswegs ...«, rief Bruder Solin und verlor vollends die Beherrschung.
Fidelma stand abrupt auf.
Sie sprach kein Wort, doch allein die Tatsache, daß sie sich erhoben hatte, und ihr Schweigen brachten alle nach und nach zum Verstummen, bis im Raum Stille eintrat. Sie wartete, bis sie so vollständig wurde, daß man auch das leiseste Flüstern hören konnte. »Ich bin falsch informiert worden«, begann sie ruhig. »Mir wurde gesagt, es gehe um eine Verhandlung über praktische Dinge, nicht um eine theologische Debatte. Suchtet ihr Vertreter, um mit ihnen über Theologie zu diskutieren, dann hättet ihr das dem Bischof von Im-leach mitteilen sollen, der euch Gelehrte geschickt hätte, die es mit euren Gelehrten aufnehmen könnten. Ich bin nur eine einfache Dienerin des Gesetzes dieses Landes. Ich werde heute nachmittag die Rückreise nach Cashel antreten und die Botschaft mitnehmen, daß der Fürst von Gleann Geis sich außerstande sah, eine Entscheidung in der anstehenden Frage zu treffen. Cashel wird erst dann wieder jemanden nach Gleann Geis entsenden, wenn es sicher sein kann, daß eine Entscheidung gefällt wurde.«
Als sie sich abwandte, erhob sich Eadulf unsicher. Er stöhnte innerlich auf bei dem bloßen Gedanken, in seinem Zustand auf die Reise zu gehen.
»Gibst du dich geschlagen?« rief Murgal. »Gestehst du ein, daß Christen nicht logisch mit einem Druiden argumentieren können?«
Fidelma blieb stehen und sah ihn an.
»Ich nehme an, du kennst die Dreisätze von Ei-reann?«
»Ich wäre ein schlechter Brehon, wenn ich sie nicht kennte«, erwiderte Murgal selbstzufrieden.
»Drei Kerzen erhellen jede Dunkelheit: die Wahrheit, die Natur und das Wissen«, zitierte sie und wandte sich zur Tür.
Diesmal blieb sie selbst dann nicht stehen, als sie Laisre dazu aufforderte.
Mit verlegener Miene trat ihr der Krieger Rudgal in der Tür entgegen, die Hand leicht an den Schwertgriff gelegt. Entschuldigend murmelte er: »Mein Fürst verlangt, daß du bleibst, Schwester. Ihm muß man gehorchen.«
Er fuhr zurück vor dem grünen Feuer, das in Fi-delmas Augen glühte.
»Ich bin Fidelma von Cashel, Prinzessin der Eog-hanacht. Ich bleibe für niemanden!«
Wie sie es fertigbrachte, wußte nicht einmal Eadulf, aber vor der reinen Macht ihrer Persönlichkeit prallte Rudgal einen Schritt zurück, und schon war sie durch die Tür und draußen im Hof. Sie schaute sich nicht um, ob Eadulf ihr folgte, sondern ging rasch über den Hof des rath zum Gästehaus. Drinnen nahm sie einen Krug Wasser und goß sich einen Becher ein.
Eadulf eilte ihr nach und schloß die Tür. Er sah sie nervös an und stellte fest, daß ihr Gesicht von Lach-fältchen durchzogen war. Verwirrt schüttelte er den Kopf.
»Das verstehe ich nicht.«
Fidelma war in bester Stimmung.
»Ob Laisre das beabsichtigt hat oder nicht, diese Ratssitzung war eine Farce. Sie wurde abgehalten, um entweder Zeit zu vergeuden oder uns von der Verhandlung abzulenken, zu der wir hergeschickt wurden. Ich muß noch klären, aus welchem Grunde und wer dafür verantwortlich ist. Außerdem, ob dieser blöde Bruder Solin bei dieser Täuschung mitwirkte.«
»Das verstehe ich immer noch nicht.«
»Statt die Dinge zu besprechen, über die wir hier verhandeln sollten, hat Murgal absichtlich versucht, uns in den Sumpf einer zeitverschwendenden Debatte über unsere unterschiedlichen Anschauungen zu lok-ken. Wenn ich das als Ausgangspunkt akzeptiert hätte, könnten wir uns hier noch wochenlang streiten. Warum? Welchem Zweck sollte das dienen? Es blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich so zu verhalten, wie ich es getan habe, und ihren Schwindel auffliegen zu lassen.«
»Fliegt ihr Schwindel auf?« wollte Eadulf wissen.
Draußen näherten sich Stimmen.
Eadulf blickte aus dem Fenster.
»Es sind Bruder Solin und sein Schreiber. Er scheint nicht gerade in bester Laune zu sein.«
Einen Moment darauf stürmte Bruder Solin in den Raum. Sein Gesicht war noch rot vor Beschämung.
»Wenig genug hast du mich dabei unterstützt, den Glauben zu verbreiten«, fuhr er Fidelma ohne Vorrede an. »Du hast weiter nichts erreicht, als unsere Gastgeber zu beleidigen und alle Wege zu verbauen, auf denen wir den Glauben in dieses Tal bringen könnten.«
»Es ist nicht meine Aufgabe, dir in einer theologischen Debatte beizuspringen«, entgegnete Fidelma, und Solin zuckte zusammen bei ihrem scharfen Ton. Wenn er erwartet hatte, sie werde sich seiner Führungsrolle beugen, wußte er es jetzt besser. Sie wandte sich an Eadulf. »Sattle bitte unsere Pferde, ich komme gleich nach. Ich packe inzwischen unsere Taschen und bringe sie mit.«
Zögernd ging Eadulf an die Ausführung seines Auftrags.
Bruder Solin schaute entgeistert drein.
»Willst du das wirklich tun? Du kannst doch jetzt nicht abreisen!«
Sie sah ihn kalt an.
»Wer will mich daran hindern? Und was geht das dich überhaupt an?«
»Du willst von hier fort, nachdem du den Fürsten und seinen Rat auf diese Art beleidigt hast?«
»Der Fürst und sein Rat haben mich beleidigt, indem sie nicht das besprochen haben, was vereinbart worden war.«
In hilfloser Aufregung breitete Bruder Solin die Hände aus.
»Aber man muß doch in allen Dingen geben und nehmen können? Diese Leute erwarten Versicherungen über unseren Glauben, und es ist unsere moralische Pflicht, sie ihnen zu geben. Jedem etwas vom Glauben und ...«
»Armer Bruder Solin«, sagte Fidelma, und die Härte ihres Tons verriet keinerlei Mitleid. »Du siehst nicht oder willst nicht sehen, daß man dich in eine endlose Debatte hineinzuziehen versuchte, bei der auf kleine theologische Einzelheiten viel Zeit vergeudet werden würde. Ich bin nicht sicher, ob du ein Schurke oder ein Trottel bist. Warum willst du Zeit verschwenden, die woanders besser angewendet werden könnte? Meinst du wirklich, dies wäre der geeignete Moment gewesen für den Versuch, Murgal und seine Anhänger zum Glauben zu bekehren? Du hättest an den weisen Spruch denken sollen: fere libenter homines quod volunt credunt - die Menschen glauben gewöhnlich das, was sie glauben wollen.«