Die wahre Lehre - nach Mickymaus. Internationale Science Fiction Erzählungen.
- Автор: Jeschke Wolfgang
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die wahre Lehre - nach Mickymaus. Internationale Science Fiction Erzählungen.». Краткое содержание книги:
Fabiola ist von einer Gruppe Racheengel gefunden worden, einem Teil des Kampfverbandes, der dem Komplott der Jeffersonisten das Rückgrat gebrochen hat. Cristo, Tess Turncoat. Aus Christen sind Rationalisten geworden. Aus Seelenrettern Seelenmörder. Und ich habe nie Verdacht geschöpft. Donnie Dumb. Ich glaubte, daß ihre Mutter sich vor den Schnellzug geworfen hat und zur Hölle gefahren ist, hat Fabiolas Verstand ziemlich durcheinander gebracht und deshalb habe sie vor dem Kokosnußstand wie Nelly Nuthouse geredet.
Einen Augenblick lange frage ich mich, ob Fabiola sich wirklich selbst umgebracht oder ob jemand dafür gesorgt hat, daß es so aussieht. Klebt ihr Blut an meinen Händen? Ich meine, ich war ein Stevie Stoolpigeon. Ah, oh, sage ich. Michael Melodram. Die Wahrheit läßt sich einfach zusammenreimen und ist so ein Connie Cliche – Fabiola hat ihren Glauben verloren, ist in schlechte Gesellschaft geraten und hat ihr Leben weggeworfen. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Gott ist Liebe, aber verrate Ihn, und er wird dich auslöschen.
Ich möchte nicht mehr darüber nachdenken. Die ganze Sache ist einfach Danny Depressing, also verbanne ich sie aus meinem Kopf, so schnell ich kann. Mein Geist braucht eine Auffrischung, und was Angela mir erzählt, ist genau das Richtige dafür.
Es gab eine Menge Geschrei gegen Ende des letzten Jahrhunderts, daß Christus zum Ausgang des zweiten Jahrtausends wiederkehren würde. Aber das Jahr zweitausend kam und ging, und die Welt lief weiter wie bisher. Eine Menge Leute waren enttäuscht. Nun erzählt mir Angela, daß Theologen der Regierung, die im Priesterseminar der Paulskathedrale arbeiten, ein großes biblisches Forschungsprojekt abgeschlossen haben, aus dem hervorgeht, daß frühere Berechnungen auf fehlerhaften Übersetzungen beruhten, so daß die Ergebnisse um ein glattes Jahrhundert danebenlagen! Minnie Mistake, was? Das wahre Tausendjährige Reich wird Punkt Mitternacht am einunddreißigsten Dezember im Jahr des Herrn 2099 anbrechen. Dann werde ich noch am Leben sein. Tatsache. Die offizielle Bekanntmachung wird noch diese Woche erfolgen.
An diesem Tag werden alle Toten – alle, die jemals lebten, von Adam bis in die Gegenwart – zum Jüngsten Gericht wieder auferweckt werden. Und dann werden die Gerechten gepriesen und die Sündhaften dem ewigen Feuer überantwortet werden.
»Du wirst am Jüngsten Tag gerade dreiunddreißig Jahre alt sein, Liebling«, sagt Angela in einem plötzlich ehrfurchtsvollen Flüstern, das mir eine Gänsehaut verschafft. »Genauso alt wie Jesus, als Er starb …«
Wir denken einen Augenblick darüber nach. Genauso alt wie Jesus. Für alle Ewigkeit. Cristo, das kommt mir wirklich wichtig vor. Das kann nicht bloß ein Calvin Coincidence sein.
Meine Kehle zieht sich zusammen, und ich huste ein paarmal. Dieser Smoghusten, den ich allmählich entwickle, ist wirklich lästig.
He, es gibt noch andere Ähnlichkeiten. Ich rette Seelen. Ich helfe, die Toten zu erwecken, nicht? »Du wirkst Wunder«, flüstert Angela. Ich höre das gern. Wie mein Namensvetter Johannes der Täufer[2] bringe ich Seelen zu Gott – er durch Wasser, ich durch Eis.
»Denk darüber nach«, sagt Angela. »Der Tag der Auferstehung. Du … und Jesus …!«
Ich drücke ihre Hand. Mein Bauch zieht sich ein, als fingen sie und ich an, uns zu lieben. Und mein Herz beginnt zu rasen. Ich bin eins mit Gott und – zack – ich bin Howie Happy.
Fabiola hat ihre Chance vertan. Aber nicht ich. Ich habe meine Orientierung gefunden.
Originaltiteclass="underline" ›Soulsaver‹
Copyright © 1983 by James Stevens
(erstmals erschienen in ›Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine‹, September 1983)
mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur Luserke, Friolzheim
Copyright © 1991 der deutschen Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Michael K. Iwoleit
Renato Pestriniero
Souvenir
Paulus Seymour gab das Signal, und in der Projektionsfläche des Holovideos erschien das scharf geschnittene Gesicht Yuris.
»Hier Man’s Pride«, sagte Seymour. »Herzlich willkommen, Panglobal.«
»Freut mich, zurück zu sein, Man’s Pride. Hallo, Pau. Mach mir in den Silos Platz, denn wir sind zum Bersten voll. Die Tanks laufen schon fast über, und damit meine ich auch die beiden gravitatorischen. Schick außer den Jungs bitte auch die RE runter.«
»Mach dir keine Sorgen, Yuri: Es stehen dir sowohl die RE als auch die Jungs zur Verfügung. Wir haben hier noch einen Teil der Ladung der Multitank Holsatia, die vorgestern bei uns eintraf, aber Platzprobleme gibt es nicht. Ist bei euch an Bord alles in Ordnung?«
»Nur zwei leichte Vergiftungen.«
»Schön. Deine voraussichtliche Ankunftszeit: drei siebenunddreißig. Wie ist es dort oben gewesen?«
»So schlimm wie immer. Bin froh, daß auch diese Charter erledigt ist. Sie haben dir doch wohl nicht schon die nächste vorgelegt?«
»Du hast einen Monat Zeit, dich auszuruhen und die Panglobal in Ordnung zu bringen, sollte es zu Schäden gekommen sein.«
»Vier Wochen? Wunderbar! Nein, Schäden gibt es keine – abgesehen von einigen Kratzern. Die Einzelheiten kannst du dem Logbuch entnehmen. Wohin geht’s das nächstemal?«
»Nach Miranda.«
»Dort bin ich noch nie gewesen. Was gibt’s an dem Steinbrocken denn Besonderes?«
»Ich habe die Frachtliste noch nicht vorliegen. Aber wie ich hörte, wirst du auf dem Hinflug ein paar Tonnen Ausrüstungsgüter für die schwedische Basis befördern. Offenbar haben sie da oben Probleme mit ihren Anlagen. Übrigens dürfte es Bunyon sein, der dich verabschiedet, denn in fünfzehn Tagen, nach der Ankunft der Interplanetaren Helena, fliege ich ebenfalls runter.«
»Ich gratuliere. Nachforschungen bezüglich deines Buches?«
»Die letzten. Dann habe ich das komplette Material. Diesmal nehme ich mir das alte Europa vor. In Ordnung, Yuri, ich übergebe die Kontrolle jetzt an den Computer. Macht euch an den Papierkram; wir hier kümmern uns darum, euch sicher heimzubringen. Wir sehen uns bei minus dreißig wieder. Du kannst nun die Annäherungslichter einschalten.«
»Schon erledigt, Pau. Man könnte uns fast mit einem Weihnachtsbaum verwechseln. Bis bald. Aus und Ende.«
Drei Stunden und einundzwanzig Minuten später machte die Panglobal Einheit Drei – das Schiff kam von den Trojanischen Asteroiden und transportierte eine aus Erzen und verschiedenen Ausrüstungsgütern bestehende Ladung – am scherzhaft ›Waikiki‹ genannten Dock B der amerikanischen Raumstation Man’s Pride fest, die in einer Höhe von neunhundertsiebzig Kilometern die Erde umkreiste.
Damit begann für Paulus Seymour die Aufgabe, die Entladearbeiten zu überwachen. Daran anschließen würde sich der langweiligste Teil des Dienstes – der verwaltungstechnische. Nach vielen Jahren der Tätigkeit an Bord der Raumstation war die Kontrolle der Annäherung, des Anlegens und der Entladung der aus allen Teilen des Sonnensystems kommenden Frachter und Transporter zur Routine geworden.
Auf den Bildschirmen vor Seymour waren nun die Roboteinheiten und Bioniker zu sehen, und er beobachtete, wie sie mit extrem rationalem – und auch rationellem – Eifer durch die gewaltigen Luken hasteten. Über die Monitore daneben wanderten die Daten, die nicht nur Aufschluß gaben über die einzelnen Entladeoperationen, sondern auch, was noch wichtiger war, die Ausführungszeit angaben und das voraussichtliche Ende der Arbeiten kalkulierten – wobei letzterem eine besondere Bedeutung bei der Berechnung eines Überliegegeldes oder einer Gebührenrückerstattung infolge einer vorzeitigen Löschung der Ladung zukam.[3]