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Butler Parker - Der Butler setzt auf Sieg!

Электронная книга - «Butler Parker - Der Butler setzt auf Sieg!». Краткое содержание книги:

Amanda Marbely, eine steinreiche Lady aus London, beerbt ihren überraschend früh verstorbenen Cousin aus Königstein im Taunus. Um das gigantische, jedoch sehr bedeckt gehaltene Firmenimperium des geliebten Verwandten aus Deutschland, in Augenschein zu nehmen, übersiedelt die schrullige Lady ins Siegerland. Zu ihrer Unterstützung engagiert sie einen vornehmen Butler, der neben zahlreichen Spezialausbildungen offenbar auch hochkarätige Geheimnisse verinnerlicht hat.Als Lady Marbely mit ihren neuen Geschäftsführern ein marodes Fabrikgelände in Siegen begutachten möchte, trachtet man ihr nach dem Leben. Ihr Butler ist jedoch bestens vorbereitet und läuft ad hoc zur Höchstform auf.
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„Unsinn“, unterbrach ihn die Lady. „Dann säße er nicht hier, sondern hätte sich längst in Sicherheit gebracht. Auch ihm wurde übel mitgespielt.“

Stefan Obermann starrte stumm auf die matt glänzende Tischplatte.

„Haben Sie einen Verdacht?“, fragte der Butler.

„Nein!“ Der junge Mann schüttelte heftig den Kopf.

Etwas zu heftig, wie der Butler fand. „Ich schlage vor, Sie helfen uns, alle betreffenden Ereignisse zu rekonstruieren. Sie wollen doch freikommen, oder?“

„Natürlich. Ich bin unschuldig. Das Verhältnis zu meiner Stiefmutter war nicht gerade herzlich, doch ich hatte keinerlei Grund, sie zu töten. Ich habe überhaupt niemanden getötet und werde es auch nie tun.“

„Und Sie wollen, dass der wahre Täter gefunden und zur Verantwortung gezogen wird?“, fuhr der Butler fort.

Stefan Obermann stöhnte auf und schwieg. Lady Marbely nahm seine zitternden Hände in ihre und bat ihn, sich zu erinnern. Und schließlich begann der junge Mann zu erzählen. Zuerst langsam, dann schneller, beinahe atemlos. Nur, als er von seiner Fahrt zum Haus der Mutter berichtete, geriet er ins Stocken.

„Sie verschweigen uns etwas, Stefan“, drängte Milady. „Sie wissen viel mehr, als Sie zugeben. Sie haben vom ehemaligen Führerhauptquartier gewusst, Sie …“

„Ich möchte nichts mehr sagen“, gab sich Stefan Obermann entschlossen.

„Ist auch nicht nötig. Sie haben uns bereits genug verraten!“ Der Butler erhob sich.

Lady Marbely blickte nachdenklich in die traurigen Augen des jungen Mannes. Als sie später mit James gemeinsam wieder im Auto saß, meinte sie: „Er hat Angst um seine Freundin. Sie befindet sich in großer Gefahr.“

„Das sehe ich ebenso, Milady“, stimmte ihr der Butler zu.

„Also, was machen wir?“

„Wir suchen Ruth Henschel.“

Lady Marbely sah den Butler von der Seite an. „Was verbergen Sie vor mir?“

„Ich bin mir nicht sicher, Milady, ob Sie das wirklich wissen wollen.“

„Nur Mut, James!“

„An einem anderen Ort. Ich fühle mich hier nicht besonders wohl.“

„Was schlagen Sie vor?“

„Ihr Interesse hier in Deutschland gilt doch den Märchen und Liedern. Ich schlage Ihnen vor, einen Menschen aufzusuchen, der sich damit intensiv beschäftigt.“

„Und wer ist das?“

„Doktor Helga Winter, eine Psychotherapeutin.“

„Und was hat das mit unserem Fall zu tun?“

„Sie ist Ruth Henschels Ausbilderin.“

„Das heißt, sie kann uns helfen, Ruth zu finden.“

„Ich denke schon. Ein Besuch kann jedenfalls nicht schaden.“

*

„Sie kann nur körperlich Gesunde therapieren“, stellte Lady Marbely fest, als sie an der Seite des Butlers die Treppe in das zweite Geschoss des Gründerzeithauses erklomm. „Lassen Sie sich doch Zeit, James! Ich bin ja völlig außer Atem.“

Die Tür zur Praxis von Doktor Helga Winter, lic. Phil. (Dipl.) Psychologin, Klinische Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, wie das blank polierte Messingschild verhieß, stand einen Spaltbreit offen.

Ein angenehmer Duft von Bienenhonig empfing Lady Marbely und den Butler. Die hohen Räume und die edle Einrichtung des Warteraums vermittelten einen beabsichtigt seriösen Eindruck. Auf einem runden Tischchen, neben einigen Fachzeitschriften, stand eine Jugendstilvase mit grün knospenden Zweigen.

Die gepolsterte Tür zum Behandlungsraum öffnete sich, eine dunkelhaarige schlanke Frau, Mitte sechzig, kam der Lady und dem Butler entgegen. Freundlich schüttelte sie ihnen die Hände. „Schön, dass Sie zu mir gefunden haben.“

Der Butler bedankte sich bei der Psychotherapeutin, dass sie sich so kurzfristig Zeit für ein Gespräch nahm.

„Es ist mir ein Vergnügen, über Märchen zu sprechen. Auskünfte über Klienten oder Kollegen kann ich allerdings nicht geben.“ Die Frau steckte sofort klar den Rahmen des Gesprächs ab.

*

„Noch ist nichts verloren, wenn wir entschlossen handeln. Die finanzielle Grundlage befindet sich durch das Testament in Reichweite, allerdings müssen die nötigen Operationen ohne jede Verzögerung anlaufen. Dazu gehört die sofortige Beseitigung der englischen Frau und ihres Begleiters, sowie des Doktors!“

„Jawohl!“, rief der Anführer der Gruppe junger Männer. „Wir werden unser Ziel ohne Skrupel und umgehend ansteuern. Wo befindet sich der Einsatzort?“

„Löhrstraße 40, zweites Geschoss. Die Praxis von Doktor Helga Winter.“

Die Männer stürmten nach draußen und sprangen in einen weißen Kastenwagen.

8.

„Wir sind lediglich therapeutische Laien, die sich für die Bedeutung von Märchen im Zusammenhang mit mehreren Mordfällen interessieren“, begann der Butler. „Lady Marbely und ich bilden ein Ermittlerteam.“

Die Therapeutin nickte bedächtig. „Welches Märchen wollen Sie mit mir analysieren?“

„Die Erzählung von Sleeping Beauty“, rief Lady Marbely fast freudig aus.

„Das Märchen von Dornröschen“, glaubte der Butler ergänzen zu müssen.

„Hm …“ Die Therapeutin griff nach einem alten Buch auf ihrem Schreibtisch. „Ich schlage vor, wir nehmen uns die Geschichte Schritt für Schritt vor.“ Sie klemmte sich eine Brille auf die Nase und studierte kurz das geöffnete Buch. „Die Prinzessin war ein von den Eltern herbeigesehntes Einzelkind, das bis zum fünfzehnten Lebensjahr verwöhnt und verhätschelt wurde. Dann geschah etwas, das das Leben der jungen Frau dramatisch veränderte. Die blühende und duftende Rose wurde zum tödlichen Dornbusch, und zwar durch einen Stich. Sie stach sich an einer Spindel und fiel in einen todesähnlichen Schlaf, hundert Jahre, also drei bis vier Generationen lang.“

„Und mit ihr erstarrte die gesamte menschliche Umgebung“, fügte Lady Marbely hinzu.

„Der Todesschlaf befiel auch Tiere und Gegenstände, sowie die Natur im Umkreis des Schlosses. Doch um das Schloss herum tat sich Erstaunliches. Eine Rosenhecke breitete sich aus, die ein Eindringen in das Gebäude, zur schlafenden Frau, verhinderte. Viele Prinzen versuchten diese Barriere zu durchdringen.“ Frau Doktor zitierte: „Es war ihnen aber nicht möglich, denn die Dornen, als hätten sie Hände, hielten fest zusammen, und die Jünglinge blieben darin hängen, konnten sich nicht wieder losmachen und starben eines jämmerlichen Todes.“ Die Ärztin blickte auf. „Bis der Richtige kommt und die Prinzessin sowie den gesamten Hofstaat erweckt.“

„Mit einem Kuss“, sagte Lady Marbely schwärmerisch.

„Ein fürwahr merkwürdiges Geschehen“, betonte die Therapeutin. „Dornröschen als lebende Tote, die durch eine Art Therapeuten geheilt wird.“

„Nachdem viele andere an ihr gescheitert waren“, ergänzte der Butler.

„Ich glaube“, erklärte Dr. Winter, „dass in diesem Todesschlaf der Kern der Geschichte liegt. Ein Kind, das durch ein dramatisches Geschehen seine Seele verliert, als es gerade zur Frau wird. Ein von diesem Moment an unmenschlich gewordenes Wesen, das einerseits verführerisch wirkt, andererseits allen, die sich ihr nähern, den Tod bringt.“

„Die Spinne im Netz“, warf Lady Marbely ein.

„Die Prinzessin im Dornendickicht“, ergänzte die Therapeutin. „Die Frage ist nun, was die Verwandlung eines harmlosen Mädchens in diese seelisch kranke Frau bewirkt, was mit dem Stich gemeint sein kann, der diesen Menschen zerstört.“

„Im Märchen ist es der Fluch einer weisen Frau“, meinte der Butler. „Es kann sich um ein dramatisches Geschehen psychischer Natur handeln, das einen jungen Menschen verändert, oder ein Angriff auf seinen Körper. Wenn er überlebt, wenn er aus irgendeinem Grund aus dem Koma erwacht, ist er ein völlig anderer.“

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