Das Eulenhaus
- Автор: Marlitt Eugenie
- Год: 1888
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические любовные романы
Электронная книга - «Das Eulenhaus». Краткое содержание книги:
Es zuckte unsicher in seinem Gesicht. »Gut, Klaudine, ich werde für jetzt mich bescheiden«, fuhr er fort, »nur die eine Bitte noch, sagen Sie mir, lieben Sie einen anderen?«
Sie schwieg. Eine Purpurglut floß über ihr Antlitz. Stumm senkte sie das blonde Haupt.
»Sagen Sie ›nein‹!« flüsterte der Herzog leidenschaftlich.
»Hoheit wünscht, Fräulein von Gerold möge mit den Aventiureliedern von Scheffel in das Schlafzimmer kommen, um Hoheit vorzulesen«, sagte Frau von Katzenstein eintretend.
Klaudine war erschreckt zusammengefahren und sah ihn an, wie um Erbarmen flehend.
»Ja – oder nein, Klaudine, ist Ihr Herz schon gebunden?« flüsterte er.
Sie trat zurück und verbeugte sich tief. »Ja!« sagte sie fest und schritt hochaufgerichtet an ihm vorüber, in der Hand das Buch, das sie mechanisch vom Tisch genommen hatte. Vorlesen jetzt? Sie war halb betäubt.
Die Herzogin lag in ihrem mächtigen französischen Himmelbette, dessen schwere seidenen Purpurvorhänge zurückgenommen waren. Das ganze Gemach zeigte das tiefe satte Rot, die Lieblingsfarbe seiner Bewohnerin. Unter der Decke hing eine Ampel aus Rubinglas. Neben dem Bette stand ein niedriges, mit roter Seide bezogenes Tischchen, darauf eine Lampe mit ebenfalls rotem Lichtschirme; in einem zusammenlegbaren Juchtenrahmen die Photographie des Herzogs und der Prinzen. An der gegenüberliegenden Wand hing in schweren Goldrahmen eine wundervolle Kopie der Madonna della Sedia, der erste Blick der Erwachenden mußte dieses schöne Bild treffen.
Die fürstliche Frau schien sich ganz erholt zu haben, sie lag mit einer gewissen Behaglichkeit unter ihrer Purpurdecke und lächelte der Eintretenden entgegen. »Setzen Sie sich auf den Hocker hier und lesen Sie mir die Thüringer Lieder, liebe Klaudine. War der Herzog noch bei Ihnen?« fragte sie dann, »ist er sehr geängstigt über den Hustenanfall? Es tut mir so leid, wenn ich in seiner Gegenwart husten muß. War er sehr traurig?«
Die Kranke sah forschend in die bewegten Züge des schönen Mädchens, welches nicht wußte, was sie antworten sollte. Sie nahm Platz und bückte sich nach ihrem Taschentuch zur Erde, um Zeit zu gewinnen. Wie furchtbar war doch ihre Lage!
»Klaudine«, sagte die Herzogin, »ich glaube, ihr haltet mich alle für sehr krank, für kränker, als ich bin. Lesen Sie nur, ich will keine Antwort. Dort, wo das Zeichen liegt.«
Und Klaudine las mit bebender Stimme:
»Hören Sie?« unterbrach die Herzogin, »hören Sie? Auch ich werde hier genesen! Und morgen wird die Sonne scheinen, und wir wandern hinaus in die Tannen und atmen Gesundheit, Oh meine geliebte Heimat!«
Als Klaudine abends die Treppe hinabstieg, um heimzufahren, trat ihr Herr von Palmer entgegen und begleitete sie vollends hinunter. Er gab hinter Klaudines Rücken der Kammerfrau einen Wink, die sogleich verschwand.
»Mein gnädiges Fräulein«, begann er mit einer geflissentlich zur Schau getragenen Ehrfurcht – »Seine Hoheit hat mich mit dem schmeichelhaften Auftrage betraut, ein Schreiben in Ihre Hände zu legen, was ich hiermit tun möchte.«
Er hielt ihr ein Briefchen hin, mit dem herzoglichen Wappen gesiegelt. »Es betrifft Ihre Hoheit, die Frau Herzogin, und Antwort sei nicht nötig, sagten Hoheit. Darf ich bitten?«
Sie mußte es nehmen, obgleich sie die Hand des Menschen am liebsten zurückgestoßen hätte. Wie konnte der Herzog so unvorsichtig sein, ihr durch diese Kreatur einen Brief, einen verschlossenen Brief zu senden! Sie riß den Umschlag in seiner Gegenwart auf und las. Es waren nur wenige Zeilen:
»Klaudine!
Sie sind ein ungewöhnlicher Charakter und werden dementsprechend auch das Ungewöhnliche richtig beurteilen. Nach Ihrem letzten Wort – habe ich nur noch eine Bitte: bleiben Sie der Herzogin auch trotzdem eine Freundin, geben Sie meinem Bekenntnis nicht die Folge, Altenstein zu meiden! Sie haben es nicht nötig, Klaudine! Bei meinem Wort, Sie dürfen mir vertrauen!