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Ein Kampf um Rom

Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:

Dahn erzählt vom Kampf und vom Untergang der Ostgoten in Italien nach dem Tode des großen Theoderich von Ravenna. Wir erleben das Ringen um die Macht, hören von den Ostgotenkönigen Witiches und Totila bis zu dem denkwürdigen letzten Kampf der Goten unter Teja am Vesuv.
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«Rechtfertigen gegen einen Schatten, ein Gerücht, eine Klage sonder Kläger? Nie!» - «Man wird dich zu zwingen wissen.» Hohn zuckte um des Präfekten schmale Lippen.

«Man kann mich morden auf bloßen Verdacht, ohne Zweifel -wir haben das erfahren, wir Italier! - nicht mich verurteilen. Gegen Gewalt gibt es keine Rechtfertigung, nur gegen Gerechtigkeit.» - «Gerechtigkeit soll dir werden, zweifle nicht. Wir übertragen den hier anwesenden Römern die Untersuchung, dem Senat in Rom die Urteilsfällung. Wähle dir einen Verteidiger.» - «Ich verteidige mich selbst», sprach Cethegus kühl. «Wie lautet die Anklage? Wer ist mein Ankläger? Wo ist er?» - «Hier», rief der König und schlug den Vorhang zurück.

Ein gotischer Krieger in ganz schwarzer Rüstung trat hervor.

Wir kennen ihn. Es war Teja.

Dem Präfekten drückte der Haß die Wimper nieder. Jener aber sprach: «Ich, Teja, des Tagila Sohn, klage dich an, Cethegus Cäsarius, des Hochverrats an diesem Reich der Goten. Ich klage dich an, den verbannten Verräter Albinus in deinem Haus zu Rom zu bergen und hehlen. Es steht der Tod darauf. Und du willst dies Land dem Kaiser in Byzanz unterwerfen.»

«Das will ich nicht», sprach Cethegus ruhig: «beweise deine Klage.» - «Ich habe Albinus vor vierzehn Nächten mit diesen Augen in deinen Garten treten sehen», fuhr Teja zu den Richtern gewendet fort. «Er kam von der Via sacra her, in einen Mantel gehüllt, einen Schlapphut auf dem Kopf. Schon in zwei Nächten war die Gestalt an mir vorbeigeschlüpft; diesmal erkannt' ich ihn. Als ich auf ihn zutrat, verschwand er, ehe ich ihn ergreifen konnte, an der Tür, die sich von innen schloß.» - «Seit wann spielt mein Amtsgenoß, der tapfere Kommandant von Rom, den nächtlichen Späher?» - «Seit er einen Cethegus zur Seite hat. Aber ob mir auch der Flüchtling entkam - diese Rolle fiel ihm aus dem Manteclass="underline" sie enthält Namen von römischen Großen und neben den Namen Zeiche n einer unlösbaren Geheimschrift. Hier ist die Rolle.» Er reichte sie dem König. Dieser las: «Die Namen sind: Silvernus, Cethegus, Licinius, Scävola, Calpurnius, Pompenius. - Kannst du beschwören, daß der Vermummte Albinus war?»

«Ich will's beschwören.» - «Wohlan, Präfekt. Graf Teja ist ein freier, unbescholtener, eidwürdiger Mann. Kannst du das leugnen?»

«Ich leugne das. Er ist nicht unbescholten: seine Eltern lebten in nichtiger blutschänderischer Ehe: sie waren Geschwisterkinder, die Kirche hat ihr Zusammensein verflucht und seine Frucht: er ist ein Bastard und kann nicht zeugen gegen mich, einen edeln Römer senatorischen Ranges.» Ein Murren des Zornes entrang sich den anwesenden Goten. Tejas blasses Antlitz wurde noch bleicher. Er zuckte. Seine Rechte fuhr ans Schwert: «So vertret' ich mein Wort mit dem Schwert», sprach er mit tonloser Stimme. «Ich fordere dich zum Kampf, zum Gottesgericht auf Tod und Leben.» - «Ich bin Römer und lebe nicht nach eurem blutigen Barbarenrecht. Aber auch als Gote: ich würde dem Bastard den Kampf versagen.» - «Geduld», sprach Teja und stieß das halb gezückte Schwert leise in die Scheide zurück. «Geduld, mein Schwert. Es kommt dein Tag.» Aber die Römer im Saale atmeten auf.

Der König nahm das Wort: «Wie dem sei, die Klage ist genug begründet, die genannten Römer zu verhaften. Du, Cassiodor, wirst die Geheimschrift zu entziffern suchen. Du, Graf Witichis, eilst nach Rom und bemächtigst dich der fünf Verdächtigen, durchsuchst ihre Häuser und das des Präfekten. Hildebrand, du verhaftest den Verklagten, nimm ihm das Schwert ab.» - «Halt», sprach Cethegus, «ich leiste Bürgschaft mit all meinem Gut, daß ich Ravenna nicht verlasse, bis dieser Streit zu Ende. Ich verlange Untersuchung auf freiem Fuß: das ist des Senators Recht.»

«Kehr' dich nicht dran, mein Sohn», rief der alte Hildebrand vortretend, «laß mich ihn fassen. »

«Laß», sprach der König. «Recht soll ihm werden, strenges Recht, doch nicht Gewalt. Laß ab von ihm. Auch hat ihn die Klage überrascht. Er soll Zeit haben, sich zu verteidigen. Morgen um diese Stunde treffen wir uns wieder hier. Ich löse die Versammlung.»

Der König winkte mit dem Zepter: in höchster Aufregung eilte Amalaswintha aus dem Gemach. Die Goten traten freudig zu Teja. Die Römer drückten sich rasch an Cethegus vorbei, vermeidend, mit ihm zu sprechen. Nur Cassiodor schritt fest auf ihn zu, legte die Hand auf seine Schulter, sah ihm prüfend ins Auge und fragte dann: «Cethegus, kann ich dir helfen?» - «Nein, ich helfe mir selbst», sprach dieser, entzog sich ihm und schritt allein und stolzen Ganges hinaus.

Zehntes Kapitel

Der heftige Schlag, den der junge König so unerwartet gegen den ganzen Grundbau der Regentschaft geführt hatte, erfüllte bald den Palast und die Stadt mit Staunen, mit Schrecken oder Freude. Zu der Familie des Boethius brachte die erste bestimmte Kunde Cassiodor, der Rusticianen zum Trost der erschütterten Regentin beschied. Mit Fragen bestürmt, erzählte er den ganzen Hergang ausführlich: und so bestürzt oder unwillig er darüber war, auch aus seinem feindlichen Bericht leuchteten die Kraft, der Mut des jungen Fürsten unverkennbar hervor. Mit Begierde lauschte Kamilla jedem seiner Worte: Stolz, stolz auf den Geliebten - der Liebe glücklichstes Gefühl - erfüllte mächtig ihre ganze Seele.

«Es ist kein Zweifel», schloß Cassiodor mit Seufzen, «Athalarich ist unser entschiedener Gegner: er steht ganz zu der gotischen Partei, zu Hildebrand und seinen Freunden. Er wird den Präfekten verderben. Wer hätte das von ihm geglaubt! Immer muß ich daran denken, Rusticiana, wie so ganz anders er sich bei dem Prozeß deines Gatten benahm.»

Kamilla horchte hoch auf.

«Damals gewannen wir die Überzeugung, er werde zeitlebens der glühendste Freund, der eifrigste Vertreter der Römer sein.» -«Ich weiß davon nichts», sagte Rusticiana. - «Es ward vertuscht. Das Todesurteil war gesprochen über Boethius und seine Söhne. Vergebens hatten wir alle, Amalaswintha voran, die Gnade des Königs angerufen: sein Zorn war unauslöschlich. Als ich wieder und wieder ihn bestürmte, fuhr er zornig auf und schwur bei seiner Krone, der solle es im tiefsten Keller büßen, der ihm noch einmal mit der Fürbitte für die Verräter nahe. Da verstummten wir alle. Nur einer nicht. Nur Athalarich, der Knabe, ließ sich nicht schrecken, er weinte und flehte und hing sich an seines Großvaters Knie.»

Kamilla erbebte. Der Atem stockte ihr.

«Und nicht ließ er ab, bis Theoderich in höchstem Zorn emporfuhr, ihn mit einem Schlag in den Nacken von sich schleuderte und den Wachen übergab. Der ergrimmte König hielt seinen Eid. Athalarich ward in den Kerker des Schlosses geführt und Boethius sofort getötet.»

Kamilla wankte und hielt sich an einer Säule des Saales.

«Aber nicht umsonst hatte Athalarich gesprochen und gelitten.

Tags darauf vermißte der König an der Tafel schwer den Liebling, den er von sich gebannt. Er gedachte, mit welch edlem Mut er, der Knabe, für seine Freunde gebeten, als die Männer in Furcht verstummten. Er stand endlich auf von seinem Abendtrunk, bei dem er lange sinnend saß, stieg selbst hinab in den Keller, öffnete die Pforte, umarmte seinen Enkel und schenkte auf seine Bitte deinen Söhnen, Rusticiana, das Leben.»

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