Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Von Clou, ihrem gewöhnlichen Gehilfen, unterstützt, hatte Cornelia das Frühstück im Handumdrehen bereitet. Man deckte den Tisch in der zweiten Abteilung des Wagens, dem sogenannten Wohnzimmer, dessen Temperatur durch den in der ersten Abteilung befindlichen Küchenherd auf gehöriger Höhe erhalten wurde. Wenn Vater, Mutter und Kinder an jenem Tage - wie übrigens alle Tage - mit bemerkenswertem Appetit aßen, so war das durch die Umstände mehr als gerechtfertigt.
Nach der Mahlzeit schlug Herr Cascabel den feierlichen Ton an, in welchem er seine Reden an das Publikum zu halten pflegte, und sprach sich folgendermaßen aus:
»Morgen, Kinder, verlassen wir die edle Stadt Sakramento mitsamt ihren wackern Einwohnern, die wir nur loben können, ob ihre Farbe nun rot, schwarz oder weiß sei. Aber Sakramento liegt in Kalifornien, und Kalifornien liegt in Amerika, und Amerika liegt nicht in Europa. Und Vaterland bleibt denn doch
Vaterland, und Europa ist Frankreich, und es ist Zeit, daß Frankreich uns wieder in seinen Mauern sehe, nachdem wir so viele Jahre lang von dort abwesend waren. Haben wir ein Vermögen erworben? Eigentlich nicht! Indessen besitzen wir eine gewisse Anzahl von Dollars, die sich in unserer Handkasse recht gut ausnehmen werden, wenn wir sie erst in französisches Gold oder Silbergeld umgesetzt haben. Ein Teil dieser Summe wird uns die Überfahrt über den Atlantischen Ocean auf einem jener schnellen Schiffe ermöglichen, welche die dreifarbige Flagge tragen, die Farbe, die Napoleon einst von Hauptstadt zu Hauptstadt spazieren führte.. Auf deine Gesundheit, Cornelia!«
Frau Cascabel verneigte sich angesichts dieser Freundschaftsbezeigung, welche ihr Gatte ihr häufig erwies, als wolle er ihr auf diese Weise dafür danken, daß sie ihm alkideisch herkulische Helden in seinen Kindern geschenkt habe.
Dann fuhr er fort:
»Ich trinke auch auf eine glückliche Reise für uns. Mögen günstige Winde unsere Segel blähen!«
Er hielt inne, um jedermann ein letztes Gläschen von seinem vorzüglichen Sherry einzuschenken.
»Aber vielleicht meinst du, Clou, daß unsere Kasse nach Deckung der Reisekosten leer bleiben werde?.«
»Nein, Herr Direktor. wenn nicht etwa die Preise der Dampfschiffe im Vereine mit den Preisen der Eisenbahnen.«
»Eisenbahnen, Railroads wie die Yankees sagen!« rief Herr Cascabel. »Aber, du naives und unverständiges Wesen, wir werden ja keine Eisenbahnen benützen! Ich gedenke die Transportkosten von Sakramento nach Newyork zu ersparen, indem ich den Weg in unserem rollenden Hause zurücklege! Einige hundert Meilen werden doch wohl die Familie Cascabel nicht erschrecken, welche daran gewöhnt ist, durch die Welt zu bummeln!«
»Gewiß nicht!« stimmte Jean bei.
»Und welche Freude es für uns sein wird, Frankreich wiederzusehen!« rief Frau Cascabel.
»Unser Frankreich, Kinder,« fuhr Herr Cascabel fort, »das ihr nicht kennt, weil ihr in Amerika geboren seid; unser schönes Frankreich, das ihr endlich kennen lernen werdet! Ach, Cornelia, welch ein Vergnügen für dich, die Proven9alin, und für mich, den Normannen, nach zwanzigjähriger Abwesenheit!«
»Ja, Cäsar, ja!«
»Siehst du, Cornelia, wenn man mir jetzt ein Engagement anböte, und wäre es selbst am Theater des Herrn Barnum, ich würde es ausschlagen! Unsere Rückkehr verschieben, niemals!. Eher ginge ich auf den Händen zurück!. Wir sind eben vom Heimweh befallen und das kann man nur durch die Rückkehr ins Vaterland kurieren. Ich kenne kein anderes Heilmittel dafür!«
Cäsar Cascabel sprach die Wahrheit. Seine Frau und er hatten nur mehr einen Gedanken: nach Frankreich zurückzukehren; und welche Befriedigung, in der Lage dazu zu sein, nachdem es nicht an Geld mangelte!
»Also machen wir uns morgen auf den Weg!« sagte Herr Cascabel.
»Und vielleicht wird das unsere letzte Reise sein!« antwortete Cornelia.
»Cornelia,« versetzte ihr Mann mit Würde, »ich kenne nur eine letzte Reise, diejenige, zu welcher Gott keine Retourkarten ausgiebt!«
»Wohl, Cäsar, aber werden wir uns nicht vor dieser Reise ausruhen, wenn wir ein Vermögen erworben haben?«
»Uns ausruhen, Cornelia? Niemals! Ich mag kein Vermögen, wenn dasselbe uns dem Müßiggange entgegenführt. Glaubst du denn, daß du das Recht besitzest, die Fähigkeiten unbenützt zu lassen, mit welchen die Natur dich so reichlich ausgestattet hat? Meinst du, ich könnte mit den Händen im Schoße leben und die Geschmeidigkeit meiner Gelenke gefährden? Soll Jean seine equilibristischen Übungen einstellen, Napoleone ihr Seiltanzen mit und ohne Balancierstange aufgeben, Xander nicht mehr auf dem Gipfel der lebenden Pyramide figurieren und Clou selber sein halbes Dutzend Ohrfeigen per Minute nicht mehr zur größten Belustigung des Publikums einheimsen? Nein, Cornelia! Sage mir, daß die Sonne im Regen erlöschen, daß das Meer von den Fischen ausgetrunken werden wird, aber sage mir nicht, daß die Stunde der Ruhe je für die Familie Cascabel schlagen könnte!«
Und jetzt waren nur noch die Vorbereitungen zu treffen, um sich anderen Tages, sobald die Sonne am Horizont von Sakramento erscheinen würde auf den Weg zu machen.
Man that dies im Laufe des Nachmittags. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß man die berühmte Handkasse in einem sichern Winkel der innersten Wagenabteilung unterbrachte.
»Auf diese Weise,« sagte Herr Cascabel, »können wir sie Tag und Nacht hüten!«
»Das war entschieden eine gute Idee von dir, Cäsar,« antwortete Cornelia, »und es ist mir nicht leid um das Geld, welches diese Kasse gekostet hat.«
»Sie ist vielleicht etwas klein, liebe Frau, aber wir werden eine größere kaufen. sobald unser Schatz wächst!«
II. Die Familie Cascabel
Cascabel!. Ein in den fünf Weltteilen »und anderwärts« bekannter und sogar berühmter Name, sagte stolz der Mann. der diesen Namen so ehrenvoll trug.
Cäsar Cascabel, gebürtig aus Pontorson inmitten der Normandie, war in allen Kniffen des Normannenlandes wohlbewandert. Aber so schlau und geschickt er auch sein mochte, er war ein ehrlicher Mensch geblieben und man würde unrecht thun, ihn unter die Mitglieder der gewöhnlichen Marktschreiergilde zu zählen. Als Familienvater machte er durch seine persönlichen Tugenden die Niedrigkeit seiner Herkunft und die Unregelmäßigkeiten seines Berufes wett.