Engelsblut
- Автор: Kasprzak Andreas
- Серия: Die Chronik von Ancaria #1
- Язык: немецкий
- ISBN: 3-8332-1149-0
- Переводчик: Andreas Kasprzak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Engelsblut». Краткое содержание книги:
Seit den Tagen König Aarnums I. herrscht Frieden in Ancaria, doch während in vielen Gebieten des Reichs der Wohlstand regiert, versinken andere in bitterer Armut, darunter auch das Dorf Moorbruch, das von einer unheimlichen Bestie heimgesucht wird. Die letzte Hoffnung der verängstigen Menschen ist Zara, halb Mensch, halb Vampirin, bestrebt, gutes zu tun, und doch beseelt vom Durst nach Blut. Gemeinsam mit dem Dieb Falk macht sich Zara daran, das Geheimnis der Bestie zu ergründen, und kommt dabei einer Verschwörung auf die Spur, die Ancaria in Verderben stürzen könnte...
Verfolgt vom Trappeln schneller, krallenbewehrter Pfoten, lief Svenja aus dem Schatten des Teufelsfelsens heraus und auf den Waldrand zu. Dahinter lagen die Hütten und Häuser von Moorbruch. Sie presste eine Hand fest in ihre Hüfte, um das Seitenstechen zu lindern, doch ohne Erfolg; die Pein, die sich bei jedem Schritt durch ihren Leib fraß, trieb ihr die Tränen in die Augen. Alles, woran sie denken konnte, war, dass sie leben wollte; sie wollte ihr kleines bescheidenes Leben im Kreise ihrer Familie führen, denn gleichgültig, wie armselig und hart das auch war, es war immerhin ein Leben und damit allemal besser als der Tod. Alles war besser als der Tod ...
Vor ihr tauchten aus dem Zwielicht der Abenddämmerung die Lichter von Moorbruch auf, verschwommene Flecken aus Helligkeit vor dem dunklen Hintergrund des Waldes. Nur noch vierhundert Meter, dann hatte sie es geschafft, bloß noch vierhundert Schritte ...
Hinter ihr wurde der rasselnde Atem ihres Verfolgers immer lauter. Jetzt war das Geräusch der trappelnden Pfoten dicht hinter ihr, und obwohl ihr Verstand ihr befahl, es nicht zu tun, warf die junge Frau beim Laufen einen flüchtigen Blick über die Schulter – genau in dem Moment, als sich der wuchtige, gedrungene Schatten des Dings hinter ihr vom Boden löste und einen riesigen Satz nach vorn machte. Plötzlich war die Kreatur nur noch zehn Schritte hinter ihr, beinahe so groß wie ein Bär, und als das Wesen erneut mit einem aggressiven Knurren zum Sprung ansetzte, wurde Svenja mit grauenvoller Klarheit bewusst, dass sie nicht entkommen würde, egal, wie schnell sie lief.
Sie hatte Recht.
Als die Lichter von Moorbruch noch dreihundert Schritte entfernt waren und sich am Rande des Orts bereits die Umrisse von Svenjas Heim aus dem Dämmerlicht schälten, schwoll das dumpfe Knurren der Kreatur zu einem lauten hungrigen Fauchen an. Svenja glaubte, einen warmen, nach altem Fleisch stinkenden Atemhauch im Nacken zu spüren. Dann nahm sie einen leichten Luftzug wahr, als das Ungetüm direkt hinter ihr auf dem Boden aufsetzte. Im nächsten Augenblick traf sie ein brutaler Hieb in den Rücken, der ihr schlagartig alle Luft aus ihren pfeifenden Lungen trieb. Sie hatte nicht einmal mehr Atem zu schreien, als sie wie eine Strohpuppe nach vorn geschleudert wurde.
Der Aufprall war hart. Ihr verschwitztes Antlitz presste sich schmerzhaft in die feuchte, stinkende Moorerde neben dem Pfad, und für einen Moment wurde ihr schwarz vor Augen. Benommen wälzte sich Svenja auf den Rücken, nur halb bei Sinnen. Torf und Kiefernnadeln klebten auf ihren schmutzigen Wangen, in die ihre Tränen weiße Bahnen des Kummers wuschen. Durch einen trüben roten Schleier starrte sie zum Himmel empor, und es dauerte eine Weile, bis sie wieder klar genug im Kopf war, um sich zu erinnern, was vorging, und gemeinsam mit der Erinnerung schwappte die Hysterie über sie hinweg wie eine dunkle, alles mit sich fortreißende Woge.
Panisch richtete sich Svenja auf und spähte in die Dunkelheit, während sie, noch halb am Boden liegend, auf allen vieren rückwärts krabbelte. Ihre weit aufgerissenen Augen glitten suchend hin und her; die Furcht zerriss den Nebel der Benommenheit und schärfte ihre Sinne, doch die Kreatur war nirgends zu sehen.
Der Pfad lag verlassen da.
Svenja ließ ängstlich den Blick schweifen, aber von dem Wesen, das sie eben angegriffen hatte, fehlte jede Spur. Zögernd fasste die junge Frau wieder Hoffnung. Vermutlich hatte die Nähe von Moorbruch das Geschöpf verjagt oder irgendetwas anderes, doch egal, was es gewesen sein mochte, Svenja war dankbar dafür.
Sie rappelte sich hastig auf, wandte sich um – und sah gerade noch, wie eine riesige Pranke auf sie zuschoss.
Es war das Letzte, was die junge Frau in ihrem Leben sah. Sie schaffte es nicht einmal zu schreien ...
Dafür erhob sich die Kreatur über ihrem Opfer, legte den massigen Schädel weit zurück in den Nacken und heulte den Mond an, ein schauerliches, düsteres Triumphgeheul, das wie ein unheilvolles Vorzeichen über das Land hallte und verkündete, dass der Tod nach Moorbruch gekommen war, um jene mit sich zu nehmen, die für Größeres bestimmt waren.
Der Winter der Bestie war angebrochen ...
1. Teil
Hohenmut