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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Doch es gab keine Kiltträger, die sich auf dem Rathausplatz herumdrückten oder in den umliegenden Läden einkauften. Allerdings waren diverse andere Leute unterwegs, zum Großteil Hausfrauen wie Mrs. Baird, die ihre täglichen Einkäufe erledigten. Sie waren gesellig und gesprächig, und ihre bodenständigen, in bedruckte Stoffe gekleideten Gestalten erfüllten die Läden mit einer gemütlichen Wärme; eine Festung gegen den kalten Morgennebel im Freien.

Da ich selbst noch keinen Haushalt hatte, gab es auch nicht viel, was ich hätte kaufen müssen. Doch ich hatte auch so meine Freude daran, einfach nur die frisch gefüllten Regale zu durchstöbern. So vieles war schon so lange rationiert, so lange waren wir ohne die einfachen Dinge wie Seife oder Eier ausgekommen, länger noch ohne den einen oder anderen kleinen Luxus wie mein Parfum, L’Heure Bleue.

Mein Blick blieb an einem Schaufenster mit Haushaltsgegenständen hängen – bestickten Küchenhandtüchern und Teewärmern, Krügen und Gläsern, einem Stapel ganz normaler Kuchenbleche und drei zueinander passenden Vasen.

Ich hatte in meinem Leben noch keine Vase besessen. Während der Kriegsjahre hatte ich natürlich in spartanischen Schwesternquartieren gewohnt, zuerst in Pembroke, später im Feld in Frankreich. Doch auch vorher hatten wir nie lange genug an einem Ort gelebt, um den Kauf eines solchen Gegenstandes zu rechtfertigen. Hätte ich als Kind eine Vase gehabt, hätte Onkel Lamb sie längst mit Tonscherben gefüllt, bevor ich dazu gekommen wäre, mich ihr mit einem Strauß Gänseblümchen überhaupt nur zu nähern. Quentin Lambert Beauchamp. »Q« für seine Archäologiestudenten und seine Freunde. »Dr. Beauchamp« für die akademischen Kreise, in denen er sich bewegte, in denen er lehrte und lebte. Doch für mich immer Onkel Lamb.

Er war der einzige Bruder meines Vaters, und er war mein einziger lebender Verwandter gewesen, als ich mit fünf Jahren meine Eltern durch einen Autounfall verlor und er mich plötzlich am Hals gehabt hatte. Er hatte damals unmittelbar vor der Abreise in den Nahen Osten gestanden und gerade so lange mit seinen Vorbereitungen innegehalten, wie er benötigte, um die Beerdigung zu organisieren, den Besitz meiner Eltern zu verflüssigen und mich in einem anständigen Mädcheninternat anzumelden. Welches zu besuchen ich mich strikt geweigert hatte.

Mit der Notwendigkeit konfrontiert, meine runden Fingerchen mit Gewalt von seiner Autotür zu lösen und mich die Schultreppe hinaufzuzerren, hatte Onkel Lamb, der jede persönliche Auseinandersetzung hasste, entnervt aufgeseufzt und schließlich schulterzuckend seine Vernunft gemeinsam mit meinem funkelnagelneuen, internatstauglichen Strohhut aus dem Fenster geworfen.

»Dämliches Ding«, brummte er, als er ihn im Rückspiegel fröhlich davonrollen sah, während wir mit durchgetretenem Gaspedal über die Auffahrt dröhnten. »Konnte Frauen mit Hüten sowieso noch nie leiden.« Er hatte auf mich hinuntergeblickt und mich streng angesehen.

»Eines nur«, sagte er in furchterregendem Ton. »Du wirst nicht mit meinen persischen Grabfiguren Puppen spielen. Alles, aber das nicht! Verstanden?«

Ich hatte zufrieden genickt. Und hatte ihn in den Nahen Osten begleitet, nach Südamerika, zu Dutzenden von Studienstätten auf der ganzen Welt. Hatte mit Hilfe seiner Entwürfe für Magazinartikel lesen und schreiben gelernt, hatte gelernt, Latrinen zu graben und mein Wasser abzukochen und eine ganze Reihe anderer Dinge zu tun, die sich für eine junge Dame von anständiger Herkunft nicht gehörten – bis ich dem eleganten, dunkelhaarigen Historiker begegnet war, der Onkel Lamb aufsuchte, um ihn zu einer Frage zu konsultieren, die sich mit einer möglichen Verbindung zwischen französischer Philosophie und ägyptischen Religionspraktiken befasste.

Auch nach unserer Hochzeit hatten Frank und ich das Nomadendasein eines Fakultätsmitglieds geführt, das sich zwischen Kontinentalkonferenzen und vorübergehenden Mietwohnungen bewegte – bis der Ausbruch des Krieges ihn in die Offiziersausbildung und zum MI6 verschlug und mich in die Schwesternausbildung. Obwohl wir schon sieben Jahre verheiratet waren, würde das neue Haus in Oxford unser erstes richtiges Zuhause sein.

Ich klemmte mir fest die Handtasche unter den Arm, marschierte in den Laden und kaufte die Vasen.

Ich begegnete Frank an der Kreuzung der High Street und der Gereside Road, in die wir dann zusammen einbogen. Angesichts meiner Einkäufe zog er die Augenbrauen hoch.

»Vasen?« Er lächelte. »Wunderbar. Vielleicht hörst du ja dann auf, mir Blumen in meine Bücher zu stecken.«

»Das sind keine Blumen, das sind Forschungsobjekte. Du warst es doch, der vorgeschlagen hat, dass ich mich mit Botanik befasse. Um mich zu beschäftigen, nachdem ich mich ja nicht mehr um Kranke und Verletzte kümmern muss«, rief ich ihm ins Gedächtnis.

»Stimmt.« Er lächelte amüsiert. »Aber mir war nicht klar, dass mir daraufhin jedes Mal Grünzeug in den Schoß fallen würde, wenn ich ein Referenzbuch aufschlage. Was war denn dieses fürchterliche braune Krümelzeug, das du in den Tuscum und Banks gelegt hast?«

»Giersch. Gut gegen Hämorrhoiden.«

»Du triffst wohl schon Vorbereitungen für mein unmittelbar bevorstehendes Greisenalter. Wie fürsorglich von dir, Claire.«

Wir schoben uns lachend durch die Vorgartentür, und Frank blieb stehen, um mich zuerst auf die schmale Eingangstreppe zu lassen.

Plötzlich ergriff er meinen Arm. »Pass auf! Tritt lieber nicht darauf.«

Ich stoppte und hob meinen Fuß vorsichtig über einen großen, bräunlich roten Fleck auf der oberen Stufe.

»Wie komisch«, sagte ich. »Mrs. Baird schrubbt die Stufen doch jeden Morgen sauber; ich habe sie schon dabei gesehen. Was meinst du, was das sein kann?«

Frank beugte sich über die Stufe und roch vorsichtig daran.

»Spontan würde ich sagen, es ist Blut.«

»Blut!« Ich hüpfte einen Schritt auf den Eingangsweg zurück. »Wessen Blut denn?« Ich warf einen nervösen Blick ins Haus. »Meinst du, Mrs. Baird ist etwas zugestoßen?« Ich konnte mir nicht vorstellen, dass unsere porentief reine Gastwirtin auf ihrer Türschwelle Blutflecken trocknen ließ, wenn nicht etwas ganz Furchtbares passiert war, und ich fragte mich flüchtig, ob das Wohnzimmer womöglich einen irren Axtmörder beherbergte, der sich just in diesem Moment bereit machte, sich mit markerschütterndem Geschrei auf uns zu stürzen.

Frank schüttelte den Kopf. Er stellte sich auf die Zehenspitzen, um über die Hecke in den Nachbargarten zu spähen.

»Ich glaube nicht. Die Collins haben den gleichen Fleck auf ihrer Schwelle.«

»Wirklich?« Ich trat dichter an Frank heran, sowohl um einen Blick über die Hecke zu werfen als auch um mir moralische Unterstützung zu holen. Es schien mir zwar nicht wahrscheinlich, in den Highlands einem Massenmörder zu begegnen, aber ich bezweifelte gleichzeitig, dass sich solche Personen ihre Tatorte nach logischen Kriterien aussuchten. »Das ist ja … widerlich«, stellte ich erschauernd fest. Aus dem Nachbarhaus drang kein Lebenszeichen. »Was meinst du, was passiert ist?«

Frank runzelte die Stirn und überlegte, dann kam ihm offensichtlich eine Idee, und er schlug sich mit der Hand ans Hosenbein.

»Ich glaube, ich weiß es! Warte kurz hier.« Er eilte zum Törchen hinaus und trabte die Straße entlang, während ich mit einem mulmigen Gefühl verloren an der Eingangstreppe zurückblieb.

Er war schnell zurück und strahlte, weil er anscheinend seine Bestätigung hatte.

»Ja, das ist es, das muss es sein. Jedes Haus an der Straße hat es.«

»Hat was? Besuch von einem irren Mörder?«, fragte ich etwas scharf, denn ich war immer noch nervös, weil er mich so abrupt in Gesellschaft eines Blutflecks allein gelassen hatte.

Frank lachte. »Nein, ein rituelles Opfer. Faszinierend!« Er hockte auf Händen und Knien im Gras und betrachtete den Flecken neugierig.

Das alles klang für mich allerdings kaum besser als ein irrer Mörder. Ich hockte mich neben ihn und verzog die Nase über den Geruch. Es war zwar noch zu früh für Fliegen, aber ein paar große Highlandmücken zogen bereits langsam ihre Kreise um den Fleck.

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