Dark Skies - Das Rätsel um Majestic
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 1997
- Язык: немецкий
- Год: vgs
- ISBN: 3-8025-2453-5
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Dark Skies - Das Rätsel um Majestic». Краткое содержание книги:
Ich sprang auf, rannte verzweifelt los und schlug einen Haken, als Brandon das Lenkrad herumriss. Erneut verlor ich das Gleichgewicht und stürzte, sprang aber diesmal sofort wieder auf die Füße und rannte weiter.
»Walt!« schrie ich. »Bach! Hilfe! Er will mich umbringen!« Brandons Truck beschrieb eine so enge Wende, dass ich einen Moment lang hoffte, er würde sich überschlagen. Natürlich tat er mir den Gefallen nicht. Stattdessen machte er einen regelrechten Satz und schoss so schnell auf mich zu, dass er mich diesmal wirklich fast erwischt hätte: der Kotflügel streifte mein Bein. Ich schrie vor Schmerz und Schrecken auf, wurde zu Boden geschleudert und überschlug mich ein halbes Dutzend Mal.
»Walt!« brüllte ich verzweifelt. »Bach!«
Brandons LKW schleuderte schon wieder herum und pflügte ein neues, weit weniger kunstvolles Muster in das Feld.
Ich sprang hoch, rannte ein paar Meter und blieb wieder stehen. Mein Herz jagte, und ich zitterte am ganzen Leib, und trotzdem ging plötzlich eine erstaunliche Veränderung mit mir vor: Ich zeigte alle körperlichen Anzeichen beginnender Panik, aber in meinen Gedanken machte sich eine schon fast unnatürliche Ruhe breit. Nicht jene Art von Paralyse, die oft mit der Angst einhergeht und einen hilf- und wehrlos zurücklässt, sondern etwas anderes, Neues, das ich mir selbst niemals zugetraut hätte. Ich begriff die Gefahr, in der ich mich befand, durchaus, aber ich begriff auch zugleich, dass ich nur eine einzige Chance hatte, sie zu überleben - indem ich die Nerven behielt. Brandons Lastwagen war plump, nicht besonders wendig und alles andere als schnell, aber wir befanden uns im wahrsten Sinne des Wortes auf freiem Feld; wenn ich mich auf ein Wettrennen mit ihm einließ, würde er mich jagen wie einen Hasen und über kurz oder lang erwischen.
Brandons Wagen schlingerte schon wieder auf mich los. Ich rannte vor ihm davon, deutete eine Bewegung nach links an und warf mich dann mit aller Kraft in die entgegengesetzte Richtung. Wie ich gehofft hatte, riss Brandon das Steuer nach links und fuhr weit an mir vorbei. Unter den Reifen seines Trucks schössen Erdreich und abgerissene Halme in die Höhe, als er auf die Bremse trat, aber ich war bereits wieder auf den Füßen, noch bevor er den Wagen ganz zum Stehen bringen konnte.
»Bach!« schrie ich. »Walt! Verdammt, wo bleibt ihr?!«
Brandon wendete seinen Laster und gab so heftig Gas, dass die Räder auf der Stelle durchdrehten und der altersschwache Motor aufheulte, als wolle er auseinander fliegen. Diesmal lief ich jedoch nicht vor ihm davon, sondern rannte dem Wagen ganz im Gegenteil entgegen und warf mich im letzten Moment zur Seite. Ich entkam ihm auch diesmal mit Leichtigkeit, aber ich machte mir nichts vor: Ich würde dieses Spiel nur noch wenige Minuten durchstehen. Meine Kräfte ließen bereits rapide nach.
Endlich tauchte der gemietete Lincoln am südlichen Ende der Straße auf. Der Wagen raste heran, so schnell es nur ging, aber mir kam es quälend langsam vor; Brandon versuchte noch zweimal, mich plattzuwalzen, ehe der Lincoln endlich auf unserer Höhe war und nahezu im rechten Winkel von der Straße abbog.
Der letzte dieser Versuche wäre beinahe von Erfolg gekrönt gewesen. Ich wich dem Truck mit einem waghalsigen Sprung aus, aber ich hatte meine Kräfte wohl überschätzt. Ich fiel, überschlug mich zwei-, dreimal und als ich wieder hochsprang, verspürte ich einen stechenden Schmerz im Knöchel. Ich konnte stehen, aber nur mit Mühe, und an Rennen war nicht zu denken. Als Brandon das nächste Mal heranschoss, rannte ich nicht mehr vor ihm davon, sondern humpelte.
Irgendwie gelang es mir trotzdem, ihm auszuweichen, doch diesmal war es so knapp, dass ich sein Gesicht hinter der verdreckten Windschutzscheibe erkennen konnte, und was ich darin las, das erschreckte mich zutiefst: Leere.
Es war nicht das Gesicht eines Tobsüchtigen, in das ich blickte. Keine Spur von Raserei oder Mordlust. Brandons Züge waren erschlafft, und in seinen Augen schien kein Leben mehr zu sein. In gewissem Sinne kam er mir selbst wie eine Maschine vor.
Ich entging dem heranrasenden Wagen erneut, aber ich hatte das sichere Gefühl, dass es das letzte Mal gewesen war. Der Schmerz in meinem Bein war schlimmer geworden. Ich konnte kaum noch stehen.
Brandons Wagen wendete schon wieder mit durchdrehenden Reifen, aber ich hatte nicht mehr die Kraft, vor ihm davonzulaufen.
Ich musste es auch nicht. Bach musste gesehen haben, wie es um mich stand; entweder das, oder er war auf seine Art genauso verrückt wie Brandon. Der Lincoln schoss heran, schleuderte fast auf der Stelle herum und kam genau zwischen mir und dem heranrasenden Truck zum Stehen. Einen Moment lang sah es so aus, als würde Brandon einfach weiterfahren und den Wagen rammen, dann aber riss er das Steuer herum und wich dem Hindernis im letzten Moment aus.
Der Lincoln gab Gas, raste in einem engen Bogen herum und setzte sich hinter den Truck. Die beiden hinteren Fenster waren heruntergekurbelt, und Steel und Walt hatten sich herausgebeugt und schossen, was das Zeug hielt. Die meisten Kugeln gingen ins Leere, aber ich sah auch zwei- oder dreimal Funken aus den Kotflügeln des Trucks schlagen; offensichtlich wollten sie Brandon nicht töten, sondern seinen Wagen nur zum Stehen bringen.
Erschöpft ließ ich mich auf die Knie sinken, stützte die Handflächen auf meinen Oberschenkeln auf und musste für Sekunden mit aller Kraft darum kämpfen, nicht vollends nach vorne zu sinken. Jetzt, wo die unmittelbare Gefahr vorüber war, schlug die Angst mit aller Macht zu. Vielleicht war ich doch nicht so tapfer, wie ich mir selbst eingeredet hatte.
Plötzlich ertönte ein gewaltiges Krachen und Bersten. Erschrocken riss ich die Augen auf und sah, wie Brandons Truck in einer gewaltigen Explosion aus Staub, fliegenden Trümmern und Glassplittern auseinanderbarst; offenbar, nachdem er sich überschlagen hatte. Der Lincoln wich dem Wagen in respektvollem Bogen aus und umkreiste ihn zwei- oder dreimal, wie ein Raubtier, das eine Beute geschlagen hat, aber nicht ganz sicher ist, ob es sich seinem Opfer wirklich gefahrlos nähern kann.
Mit klopfendem Herzen stand ich auf und näherte mich den beiden Wagen, langsam und auf zitternden Knien. Der Lincoln hielt endlich an. Alle vier Türen wurden geöffnet, und Bach und seine drei Begleiter näherten sich dem Truck; vorsichtig und mit gezückten Waffen. Der Staub hatte sich mittlerweile gelegt, und ich konnte erkennen, dass der Kleinlaster wieder auf den Rädern stand. Ein Teil der Ladefläche war weggerissen und das Dach eingedrückt. Die Windschutzscheibe war geborsten und Brandon reglos über dem Steuer zusammengesunken.
Bach näherte sich dem Wagen als erster. Ich sah, wie er die Tür öffnete und blitzschnell einen Schritt zurücktrat. Die Gestalt hinter dem Lenkrad rührte sich nicht. Brandon war bewusstlos oder tot. Seltsamerweise empfand ich nicht einmal Erleichterung. Ich fühlte mich immer noch wie betäubt. Als ich den Wagen erreichte und Steel auf mich zutrat, musste er mich dreimal ansprechen, ehe ich überhaupt reagierte.
»Ist er ...?«
»Tot«, bestätigte Steel. Er sicherte seine Pistole, steckte sie ein und fuhr mit einem Achselzucken fort: »Keine Angst, Kleiner. Der tut dir nichts mehr.«
Ich schluckte die wütende Bemerkung herunter, die mir auf der Zunge lag, und trat dichter an den Wagen heran. Brandon war über dem Steuer zusammengesunken. Er blutete aus einer winzigen Wunde über dem linken Auge, die vermutlich von einem Splitter der zerborstenen Scheibe stammte. Sein Kopf war auf eine so unmögliche Weise verdreht, dass an der Todesursache kein Zweifel bestand. Auf seinem Gesicht und in den weit geöffneten, gebrochenen Augen lag noch immer dieser schreckliche, leere Ausdruck.
»Das war verdammt knapp, wie?« fragte Bach hinter mir. »Was ist passiert? Was haben Sie getan? Normalerweise reagieren sie nicht so aggressiv.«
»Ich habe nichts getan. Ich habe lediglich ...« Ich stockte, drehte mich auf dem Absatz herum und starrte Bach an. »Was soll das heißen: normalerweise reagieren sie nicht so? Wer - sie?«