Indiana Jones und das Geheimnis der Osterinseln
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Geheimnis der Osterinseln». Краткое содержание книги:
Was hinter der ganzen Sache steckt? Nichts besonders Erfreuliches.
Die Nazis haben die Welt mit Krieg überzogen und sind dabei, ein Netz von geheimen Auftankstationen und U-Boot Häfen in der Südsee aufzubauen. Ein amerikanischer Agent, der Top-Secret-Unterlagen der Deutschen in seinen Besitz gebracht hat, ist verschwunden, und Indiana soll herausfinden, wo er geblieben ist.
Seine Suche startet auf dem Atoll Pau-Pau, aber die tropische Idylle täuscht — Polynesien ist eine blumengeschmückte Hölle, und sein Auftrag eine Selbstmördermission.
«Sie werden nicht mit diesen Ohren geboren«, sagte Ganty.
«Die Kinder tragen schwere Anhänger, die ihre Ohrläppchen dehnen, noch ehe sie erwachsen sind.«
Jonas riß die Augen auf. Er wurde ein ganz kleines bißchen blaß.»Sie … Sie meinen, für die Wilden ist sie ein Langohr?«fragte er stockend.
«Mehr als das«, antwortete Ganty.»Ist Ihnen nicht aufgefal len, daß es hier keine Frauen gibt? Nur drei von zehn Kindern, die geboren werden, sind weiblichen Geschlechts. Als sie hierherkamen, da waren sie Tausende. Aber in jeder Generati on werden weniger Mädchen geboren. Deshalb behüten sie ihre Frauen wie einen Schatz. Sie halten sie an einem geheimen Ort versteckt und gehen nur einmal im Jahr zu ihnen, um sie zu befruchten.«
«Alle zusammen?«Nancy Barlowe kicherte und schlug die Hand vor den Mund.»Wie unanständig.«
Sie verstummte abrupt, als sie von einem Dutzend verärgerter Blicke gleichzeitig regelrecht aufgespießt wurde, und Ganty fuhr fort:»Haben Sie den Namen gehört, mit dem Sie sich selbst bezeichnet hat? Mi-Pao-Lo?«
Indiana nickte. Er wußte nicht, was er bedeutete, aber für Ganty war es offensichtlich mehr als nur ein fremdartig klingendes Wort.
«Es gibt eine Legende unter den Vogelmenschen«, fuhr Ganty fort.»Niemand kennt sie genau, denn damals, als sie vor den aufständischen Kurzohren flohen und ihre Heimat verlie ßen, zerstörten sie alle schriftlichen Aufzeichnungen, die sie nicht mitnehmen konnten, aber hier ist sie noch so lebendig wie am ersten Tag. Es war eine Frau, die die Herrschaft der Langohren in ihrer Heimat beendete, indem sie ihren Feinden den einzigen Weg durch den Feuergraben zeigte, der ihr Reich vor allen Angriffen schützte. Und es heißt, daß es eine abtrün nige Frau sein wird, die sie eines Tages wieder zurück in ihre Heimat führen wird, wenn die Zeit der Prüfungen vorbei ist und sich ihr Aufenthalt an diesem Ort dem Ende zuneigt.«
«Und Sie glauben wirklich, Adele Sandstein wäre diese Frau?«
«Natürlich nicht. «Ganty hatte sich jetzt wieder gefangen und sprach mit normaler, fester Stimme und nicht mehr wie in Trance.»Aber ich fürchte, die Langohren glauben es. Alles stimmt. Sie ist eine Frau, die ihr eigenes Volk verachtet, eine Abtrünnige. Die Zeit dieses Ortes geht zu Ende. In jedem Jahr werden weniger Mädchen geboren, und bald werden es gar keine mehr sein. Und noch etwas: ich kenne diese Insel seit dreißig Jahren. In dieser Zeit ist die Lava im Vulkankrater um mehr als zwei Meter gestiegen. Sie mußten die ersten Höhlen bereits aufgeben, weil die Hitze unerträglich wurde.«
«Das kann doch noch Jahrzehnte dauern!«sagte Barlowe.
Aber Ganty schüttelte den Kopf.
«Sie vergessen, wo wir uns befinden«, erklärte er.»Dieser Vulkankrater liegt unterhalb des Meeresspiegels. «Er wies zur Decke hinauf.»Was von hier aus wie ein gewaltiger Berg aussieht, ist nur ein kaum zehn Meter hoher Wall. Die Vogel menschen haben die letzten tausend Jahre daran gearbeitet, jeden Quadratzentimeter dieses Berges auszuhöhlen. Diese Insel ist von Gängen und Stollen durchzogen wie ein riesiger Termitenbau. Eine einzige, heftige Erschütterung, und das Meer strömt in diesen Krater. Wissen Sie, was das bedeutet?«
Niemand antwortete, aber das war auch gar nicht nötig. Von der ganzen Insel würde nicht mehr übrigbleiben als eine Dampfwolke, die vermutlich noch in New York zu sehen sein würde.
Indiana wartete darauf, daß Ganty weitersprach. Als er es nicht tat und Indiana begriff, daß er es auch nicht tun würde, stand er auf und ging zu Delano hinüber. Erst als er sich wieder neben den SS-Mann setzte, fiel ihm auf, daß Delano wieder bei Bewußtsein war. Er hatte jedes Wort gehört.
Während der nächsten drei Tage geschah nichts wirklich Erwähnenswertes — abgesehen von der Tatsache vielleicht, daß Delano allen Voraussagen zum Trotz nicht starb, sondern beständig zwischen Bewußtlosigkeit, Koma und einem halbwachen Zustand hin und her glitt. Er aß nichts und trank sehr wenig, aber etwas in ihm klammerte sich mit verzweifelter Kraft ans Leben, obwohl die wenigen Momente, in denen er wach war, eine einzige, grauenhafte Qual sein mußten.
Nach und nach lernten sie ihre Mitgefangenen kennen. Von den siebzig Elitesoldaten, die Delano begleitet hatten, lebten noch einundzwanzig — und von denen waren allerdings nur elf in einem Zustand, der sie zu einer Hilfe machte.
Was aber nicht viel änderte. Auch hundert Männer hätten ihnen nicht viel genutzt. Die Falle, in der sie saßen, war so simpel wie unüberwindlich: der einzige Weg hinaus war der große Bastkorb, in dem ihre Bewacher zweimal am Tag heruntergeschwebt kamen, um ihnen Essen zu bringen. Ihn zu erobern wäre vermutlich kein großes Problem gewesen — aber großer Blödsinn. Am Ende des dreißig Meter langen Taues, an dem der Korb hing, hockte ein Vogelmensch mit einem gewaltigen Messer, der nur darauf wartete, es zu kappen und den Korb mitsamt seinen Insassen in die brodelnde Lava hinabstürzen zu lassen.
Am Abend des vierten Tages ließ Adele Sandstein Indiana wieder zu sich kommen. Sie erwartete ihn nicht in der Thronhalle, sondern in einem kleineren, tief im Felsen gelegenen Raum, dessen Wände über und über mit Bildern und verwir renden Mustern bedeckt waren. Sie sah sehr viel besser aus als am ersten Tag. Der krankhafte Glanz ihrer Haut war ver schwunden, und sie hockte nicht mehr kraftlos in sich zusam mengesunken da, sondern kam ihm mit kleinen, energischen Schritten entgegen und lächelte. Wären nicht der schreiend bunte Federmantel und der schwächer gewordene, aber immer noch sichtbare Schimmer des Wahnsinns in ihren Augen gewesen, hätte man sie für nichts anderes halten können als eine nette, alte Lady. Indiana nahm sich vor, auf der Hut zu sein und sich jedes Wort, das er sagte, sehr genau zu überlegen.
«Dr. Jones!«Adele Sandstein trat ihm freudestrahlend entge gen, ergriff seine Hände und wich dann wieder einen Schritt zurück, um ihn eingehend von Kopf bis Fuß zu mustern. Was sie sah, schien sie zufriedenzustellen, denn sie lächelte noch herzlicher.
«Wie schön, Sie gesund und unverletzt wiederzusehen«, sagte sie in einem Ton, als hätte sie nicht wirklich damit gerechnet.»Wie fühlen Sie sich?«
«Gut«, antwortete Indiana verwirrt. Was sollte das? Mit einem flüchtigen Lächeln fügte er hinzu:»Die Unterbringung läßt zu wünschen übrig. Der Zimmerservice ist miserabel, und das warme Wasser in meinem Zimmer funktioniert nicht.«
Sandstein lachte lange und herzhaft, dann wandte sie sich um, ging mit kleinen trippelnden Schritten zu einem steinernen Tisch und winkte Indiana, ihr zu folgen. Auf dem Tisch waren verschiedene Speisen und Getränke in hölzernen Gefäßen aufgebaut. Sandstein forderte ihn mit Gesten auf, sich zu bedienen, aber Indiana lehnte dankend ab.
«Aber Dr. Jones!«sagte sie und drohte ihm spöttisch mit dem Finger.»Sie haben doch nicht etwa Angst, daß ich Sie vergif te?«Sie lachte, aber dann wurde sie von einer Sekunde auf die andere wieder ernst — so plötzlich, daß Indiana beinahe erschrak.
«So etwas Törichtes würde ich bestimmt nicht tun, Dr. Jo nes«, sagte sie,»denn ich brauche Ihre Hilfe. Ihre Hilfe als Wissenschaftler. «Sie setzte sich und forderte Indiana mit Gesten auf, das gleiche zu tun. Nach kurzem Zögern gehorchte er.
«Sie sind Archäologe, nicht wahr?«
Indiana nickte. Er war verwirrt, nicht nur über die Frage. Das wahnsinnige Feuer in Sandsteins Augen war beinahe erloschen. Er schien einer völlig anderen Person gegenüberzusitzen als der, der er vor drei Tagen begegnet war. Der bunte Umhang und der barbarische Thron, auf dem sie Platz genommen hatte, ließen sie noch immer beeindruckend und größer erscheinen, als sie war — aber da war fast nichts mehr von der grausamen, verrückten Göttin, der er in einem anderen Teil dieser unterir dischen Welt begegnet war. Diese Veränderung hätte ihn beruhigen müssen, aber sie tat es nicht. Im Gegenteiclass="underline" sie machte ihm angst.