Himmel in Flammen
- Автор: Хеннен Бернхард
- Серия: Drachenelfen #5
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Himmel in Flammen». Краткое содержание книги:
Mit letzter Kraft flohen die Menschen aus dem ewigen Eis zurück in die südlicheren Gefilde Nangogs - besiegt und gedemütigt von den Kriegern der Daimonen. Erst als ein einzigartiger Wolkensammler mit einer mysteriösen Fracht über Volodis Palast vor Anker geht, schöpfen der Unsterbliche und sein bester Freund Aaron wieder Hoffnung. Es gibt eine Waffe gegen die scheinbar unbesiegbaren Drachen!
Doch auch die mächtigen Himmelsschlangen sind auf diese Waffe aufmerksam geworden. Während sie eine Armee von Zwergen in die Hafenstadt Asugar senden, um die Menschen endgültig zu schlagen, soll einer einzigen Drachenelfe, Nandalee, das Unmögliche gelingen: noch vor den Menschen die Waffe finden und bergen. Aber wird es Nachtatem, ihrem Herrn, wirklich gelingen, die Elfe noch einmal für seine Ziele in den Kampf zu schicken? Dieselbe Elfe, die ihm nahe kam wie niemand sonst und die zugleich sein Ende bedeuten könnte? Als aus dunklen Prophezeiungen Gewissheit wird, zeigt sich: Das Schicksal aller wird sich auf der magischen Welt Nangog entscheiden …
Sie traten an einen Platz, wo einer der Lichtpfeiler den Höhlenboden berührte. Sie standen mitten in einem Gemüsebeet. Zarah genoss die Wärme auf ihrer Haut und ließ den Blick über die kleine Stadt schweifen. Tiefwasser war die kleinste Stadt, die sie bisher in Tarkons verborgenem Reich besucht hatte. Auf den Terrassen vor der Stadt lagen Gemüse- und Reisfelder. In der Ferne hörte sie das Rauschen des Weißen Schlundes. Feiner Sprühnebel stieg hinter der Stadt auf, dort, wo der Schwarzgürtel in einen bodenlosen Abgrund stürzte. Das Sonnenlicht zauberte dort mehrere Regenbögen. Die Stadt mit ihren bunt bemalten Häusern war hübsch. Jetzt, wo das Sonnenlicht stark war, leuchteten all die Farben auf. Keine zwei Häuser waren gleich. Sie schienen in ihrer Farbenpracht wie Stein gewordene Regenbögen zu sein.
Tarkon hatte den Befehl gegeben, das Leben in seinen Städten so bunt wie möglich zu halten. Und das meinte er wortwörtlich. Nie zuvor war Zarah an einem Ort gewesen, an dem so verschwenderisch mit Farben umgegangen wurde. Und doch half es nur wenig. Sobald die Sonne wieder hinter den Wolken verschwand, herrschte nur noch Zwielicht in den unterirdischen Städten, und alles erschien grau.
Zarah war sich bewusst, dass sie verstohlen beobachtet wurde. Sie, die geheimnisvolle Priesterin, die neue Frau an der Seite von Tarkon Eisenzunge. Es geschah nicht sehr viel, was den eintönigen Alltag in den verborgenen Städten unterbrach. Jede Neuigkeit, jedes Gerücht machte mit erstaunlicher Geschwindigkeit die Runde. Zarah schloss ihre Augen und wandte ihr Gesicht dem Spalt in der weiten Höhlendecke zu. Die Sonne liebkoste ihre Haut. Wie gerne würde sie einen Blick in den blauen Himmel riskieren, doch Tarkon hatte sie eindringlich gewarnt. Zu lange ins Licht zu sehen konnte das Augenlicht kosten.
Sie lebte davon, makellos zu sein. Sie würde ganz gewiss keine unnötigen Risiken eingehen.
Seine Hand schloss sich um ihre Rechte. Er drückte sie sanft. Wie stets fühlte sich seine Haut kühl und ein wenig feucht an. Seine Berührungen waren ihr unangenehm. Er hatte etwas an sich – sie konnte es nicht in Worte fassen. Aber er war anders als all die anderen Männer, die sie je berührt hatte. Sie kannte die Geschichten über ihn. Er war schon mehrfach gestorben und wieder zurückgekehrt. Vielleicht lag es daran.
Die kalte, feuchte Hand drückte ein wenig fester zu. »Ich liebe dich«, hauchte er in ihr Ohr.
Sie führte seine Hand hinauf unter ihre linke Brust. »Ich dich auch«, flüsterte sie. »Spürst du es? Mein Herz schlägt nur für dich.«
Die einfachen Bauern und Handwerker, die dicht bei ihnen in dem weiten Kreis aus Licht standen, mussten das gesehen haben. Jene, die am nächsten standen, hatten vermutlich sogar gehört, was sie beide flüsterten. Sie hielten sie für ein Paar, dabei war sie wieder einmal nur eine Gefangene in einem goldenen Käfig. Ihr Herz gehörte ihm nicht. Das gehörte ihr ganz allein. Es schlug nur für sie. Doch er war der beste Mann, den man in diesen verborgenen Städten abbekommen konnte, der Schlüssel zu größtmöglicher Freiheit. Und sie würde ihm dafür die Illusion der Liebe schenken. Er gierte danach …
Und wenn sie dafür bezahlen musste, dann war auch das so wie immer. Jede ihrer Leidenschaften hatte bisher einen Preis gehabt. Sie würde es überwinden, dass sie nachts manchmal an seiner Seite wach wurde und das Gefühl hatte, mit einer Leiche zusammen im Bett zu liegen. Einer Leiche, die die Hand nach ihr ausstreckte. Die nicht genug von ihren gemeinsamen Liebesnächten bekommen konnte.
Sie öffnete die Augen und sah ihn an. Er war nur ein Mann. So wie all die anderen, die sie zuvor gehabt hatte. Er behandelte sie gut. Er trug sie auf Händen.
»Weitergehen«, ertönte die wohlklingende Stimme des Hüters des Lichtes.
Alle öffneten jetzt die Augen. Sie machten zwei Schritte nach links, folgten der sich langsam bewegenden Lichtsäule.
Aus den Augenwinkeln sah Zarah Ilmari. Er war mit ihr an Bord des Wolkensammlers gewesen, der Barnaba und all die anderen fortgetragen hatte. Ein Gläubiger war er nicht. Sie nickte ihm kurz zu. Er erwiderte ihren stummen Gruß mit einem Lächeln.
Neben ihm ging ein widerlicher Glatzkopf. Selten hatte sie einen Mann gesehen, der so fett war. Fast alle Bewohner der sieben Städte waren schlank, ja, oft sogar hager. Sie lebten hier nicht im Überfluss.
Der Dicke nickte ihr auch zu. Dabei schwabbelten die Fettringe um seinen Hals. Zarah erwiderte diesen Gruß nicht. Sie drückte erneut Tarkons Hand. Sie hatte es gut getroffen, redete sie sich ein. Er war ein starker Mann. Das über seinen Tod war nur dummes Gerede. Sie musste das überwinden. Alles war gut!
Als seine feuchtkalte Hand sanft über ihren Arm strich, schauderte ihr. Alles war gut, ermahnte sie sich erneut in Gedanken. Er ist ein guter Mann. Und mit ein wenig Glück würde sie kein Kind von ihm bekommen. Sie hatte wohl zu viele Kinder fortmachen lassen, denn seit zwei Jahren war sie nicht mehr schwanger geworden. Noch ein Preis für das Leben, das sie gewählt hatte. Dennoch, ein Mann, der gestorben war, konnte doch gewiss kein Leben mehr schenken. Und sie war kein fruchtbarer Acker mehr. Sie würde nicht von ihm schwanger werden. Ganz gewiss nicht. Wieder überlief sie ein Schauer. Ein Kind von ihm in sich zu tragen wäre mehr, als sie erdulden könnte.
Das Ende des Tunnels
Es war vollkommen dunkel. Manchmal schloss Ilmari die Augen. Es spielte keine Rolle, ob er sie offen hatte oder nicht, er konnte nichts sehen. Diese Tunnel zwischen den Städten, sie waren wie ein Pfeilschuss durch den Fels. Schurgerade mit glatten Wänden und einem Boden ohne die geringste Unebenheit. Die Große Göttin musste sie angelegt haben. Das konnte nicht das Werk von Menschen sein. Und auch nicht von irgendwelchen Geschöpfen, denen er bislang auf Nangog begegnet war.
Die einzige Unregelmäßigkeit bestand aus Kristallpfeilern, die manchmal aus den Wänden wuchsen. Nicht so weit, dass sie den Handkarren störten, den er hinter sich herzog. Doch sie waren deutlich zu sehen, wenn sie im Licht seiner Öllampe auftauchten. Kristalle, dick wie sein Arm, die entlang der Tunnelwand verliefen. Sie waren von einem schönen Grün. Er hatte versucht, einen aus der Wand zu brechen, es aber bald wieder aufgegeben. Genauso gut hätte er versuchen können, mit seinem schlichten Bronzemesser ein Stück gewachsenen Fels aus der Tunnelwand zu brechen. Es war aussichtslos.
Ilmari summte leise vor sich hin. Er mochte die Einsamkeit der Tunnel. Nur wenige Bewohner wanderten zwischen den Städten. Die meisten fürchteten sich vor diesen endlosen Gängen. Es hieß, hier gäbe es Geister. Er lächelte verächtlich. Die einzigen Geister, denen man hier begegnen konnte, waren jene, die man in sich trug.
Auf seinen langen Wanderungen hatte er viel Zeit gehabt, über sein Leben nachzudenken. Über all die Morde, die er begangen hatte. Und über den, den er noch begehen würde. Muwatta hatte ihm eine fürstliche Belohnung dafür versprochen, wenn er den Unsterblichen Aaron tötete. Und er hatte ihm einen ganz besonderen Dolch gegeben, der die Rüstung Aarons durchdringen konnte. Nun war Muwatta tot. Hingerichtet durch Išta, deren Günstling er so lange gewesen war. Aber änderte das etwas daran, dass er Muwattas Auftrag angenommen hatte?
Ilmari hatte es geschafft, Aarons Vertrauen zu gewinnen. Er würde vorgelassen werden, wenn er eine Audienz verlangte. Er würde zweifellos nahe genug an Aaron herankommen, um den Dolch zu benutzen. Nur, dass er ihn leider nicht mehr hatte …
Der Meuchler dachte an den Bauern Narek. Sie beide waren Kameraden gewesen, als sie sich auf der Hochebene von Kush auf die Schlacht gegen Muwattas Heer vorbereitet hatten. Sie hatten zusammen gekämpft, aus demselben Wasserschlauch getrunken. Narek war der einzige Tote, den er bedauerte. Der Bauer hatte unmittelbar hinter dem Unsterblichen Aaron gestanden und die Löwenstandarte hochgehalten. Narek hatte gesehen, wie er den Dolch zog. Der Bauer hatte erraten, was er hatte tun wollen, und so war ihm nichts anderes übrig geblieben, als ihn zum Schweigen zu bringen. Die erste Gelegenheit, Aaron zu töten, war damit verstrichen. Doch er hatte den Tod des Unsterblichen versprochen, und er hielt immer sein Wort.