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Zwei Esel auf Sardinien

Электронная книга - «Zwei Esel auf Sardinien». Краткое содержание книги:

Das Buch
Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden – so heißt es in einem italienischen Sprichwort. Denn genau so hätte sich die Geschichte dieses Buches ereignen können: Als Bruno Maccallini von seinem italienischen Cousin zu einer Hochzeit nach Sardinien eingeladen wird, ist die Freude groß. Schon immer wollte er seiner Lebensgefährtin Jutta Speidel die Trauminsel im Mittelmeer zeigen – weiße Sandstrände, azurblauer Himmel, Berge wie im Märchen und eine einfache, aber unverwechselbare Küche. Doch schon bei ihrer Ankunft in Cagliari werden sie mit der ersten Katastrophe konfrontiert. Schafhirten und Bauern haben einen landesweiten Streik ausgerufen und blockieren den Flughafen. Wie sollen die beiden da bloß nach Gesturi, einem kleinen Ort im wildromantischen Hinterland, gelangen, wo die Trauung von Maurizio und Guilia in einer mehrtägigen Zeremonie stattfinden soll? Nur gut, dass das deutsch-italienische Duo vor Einfällen sprüht und seit seiner wagemutigen Tour über die Alpen sattelfest geworden ist. Denn wie Jutta und Bruno rasch feststellen, erwartet sie auf Sardinien ein wunderbares Abenteuer der anderen Art …
Die Autoren
Jutta Speidel ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie wurde in München geboren, lebt dort und hat zwei erwachsene Töchter. Sie ist Gründerin der Stiftung HORIZONT, die sich für obdachlose Kinder und ihre Mütter einsetzt. www.horizont-ev.org
Bruno Maccallini stammt aus Rom und ist in Italien ein erfolgreicher Theaterschauspieler, Regisseur und Fernsehproduzent. In Deutschland wurde er als »Cappuccino-Mann« in verschiedenen Werbekampagnen berühmt (»Isch abbe gar kein Auto, Signorina!«). Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Jutta Speidel spielt er auch in deutschen Fernsehfilmen.
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Marie Julienne: »Sie werden eingeflochten, so kann man sie einknüpfen und wieder entfernen, alles ganz sauber und umweltfreundlich. Eine afrikanische Technik.«

Jutta: »Und wie geht das?«

Marie Julienne: »Du bestellst ein Bündel Echthaar in der Farbe, die dir gefällt, und ich flechte sie dann direkt in dein Kopfhaar ein. Dabei braucht man keinen von diesen Klebstoffen, die die Kopfhaut angreifen …«

Jutta: »Ich habe das einmal in München mit Keratin an einzelnen Strähnen versucht …«

Marie Julienne: »Um Gottes willen, trau keinem Friseur, der mit Silikon, Laser und anderem Mist arbeitet. Dann nimm lieber noch diese Teile zum Stecken, auch wenn das etwas unbequem ist, weil man sie zum Haarewaschen immer rausnehmen muss …«

Ich wusste doch, dass da was nicht stimmen konnte. Die beiden reden natürlich nicht über Oliven und Ernte, sondern über Extensions! Da ruft mich Yassouf zur Arbeit, er erwartet mich mit einem drei Meter langen Teleskopstab an der Baumreihe. Es ist eine Art ausziehbarer Kamm. Das Kernstück dieses merkwürdigen Geräts ist ein kleiner tragbarer Motor, den man mir über die linke Schulter hängt. Bei diesem besonderen System zum Übertragen der Vibrationen auf den Baum wird das Gerät nicht fest an einem Zweig verankert. Das ginge zwar schneller, könnte aber die Rinde ernsthaft beschädigen.

Dazu muss ich kurz erzählen, was mir unlängst in der Kochshow »Lafer! Lichter! Lecker!«, in der ich mit Jutta zu Gast war, passiert ist. Dass ich mit Küchengeräten nicht gerade vertraut bin, ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, doch ich hatte es schlichtweg versäumt, die Verantwortlichen der Sendung darüber zu informieren. Nun sollte ich mit einem elektrischen Handrührgerät ein Ei verquirlen. Aber keiner aus der Redaktion hatte es für nötig gehalten, mich über die Funktion der beiden Schalter am Griff des Gerätes aufzuklären. Jedenfalls habe ich den falschen Knopf gedrückt, und einer der beiden Metallquirle sprang heraus und flog einem Zuschauer mitten ins Gesicht! Wenn Sie mir nicht glauben, schauen Sie doch bei YouTube nach! Auch damals durfte ich nicht auf Juttas Solidarität hoffen.

Ironie des Schicksals, auch der Rüttelkamm besteht aus mehreren Teilen. Er wird über eine Art Fernbedienung neben dem Griff gesteuert, und hier kann ich mich nicht einmal herausreden, dass ich die Beschriftung nicht verstehe, denn es steht alles auf Italienisch drauf. Als Yassouf mir die kleine Steuerkonsole mit dem Display zeigt, steht sie auf »Pause«, ich muss also nur noch auf die Taste drücken, um den Rüttelvorgang zu starten. Er warnt mich jedoch nicht vor, dass man dies auf keinen Fall tun sollte, während man gleichzeitig den kleinen Hebel des Joysticks nach unten drückt, weil sich dann der Kamm komplett ausklinkt. Es kommt, wie es kommen musste, ich stütze mich mit dem Ellenbogen auf dem Joystick ab, während ich den Knopf drücke, der Kamm löst sich aus der Verankerung und schießt wie ein Sputnik nach oben. Dadurch schüttelt der Kamm die Zweige des Baums so heftig, dass mir gleich zwei Kilo Oliven auf den Kopf prasseln, fliegt am Stamm vorbei, nachdem er ihm beinahe die halbe Rinde abgefetzt hat, zerbricht die höchsten Äste und landet schließlich in Marie Juliennes wunderschöner Frisur! Und auch wenn die Zähne des Kamms aus Karbonfaser sind und der Vorderaufsatz aus Ultraleichtmaterial, hat er scharfe Spitzen. Zum Glück federt die dichte Haartracht der schönen Ivorerin den Aufprall ab, so dass er sanft auf dem Boden landet. Und ich – mittlerweile Ziel des allgemeinen Spotts – stehe mit dem immer noch vibrierenden Stab des Rüttelgeräts in der Hand da. Ein Bild, das Jutta, Yassouf und die anderen zu ausgiebigen Kommentaren ermuntert!

Um diese Jahreszeit nehmen die Bäume die schönsten Farben an. Wenn es aufklart, scheinen alle zu lächeln; die Blätter, die bereits ihre herbstliche Färbung wie von überreifen Trauben angenommen haben, leuchten in einem goldenen Rot, und je nachdem, wie sie das Sonnenlicht hindurchlassen, ergeben sich immer neue Lichtspiele. Jetzt widme auch ich mich der Handernte, die eine gewisse therapeutische Wirkung auf mich ausübt. Während man die Zweige schlägt, ist man wirklich ganz mit sich allein. Am Anfang schart sich die ganze Gruppe um einen Baum, und zwischen den Oliven hört man fröhliches Geplauder. Doch dann verstummen die Rufe allmählich, alle verteilen sich auf der Suche nach einem eigenen Baum. So entspinnen sich lange stumme Gespräche … Und kein Olivenbaum wird je verraten, was ihm anvertraut wurde.

Mistral

Jutta

Signore Marchese Geraldo Valdes kommt um kurz nach vier, um seine Arbeiter samt den gepflückten Oliven abzuholen. Von weitem hört man das herannahende Brummen eines Lastwagens.

Augenblicklich unterbrechen die Männer ihre Arbeit, und die Frauen sortieren in Windeseile die Oliven. Die Körbe werden bis zum Rand gefüllt und die schlechten Früchte auf einen Haufen geschüttet. Unseren Eseln legen sie die abgeschlagenen Äste vor die Füße, bis dato wusste ich nicht, dass Maultiere auch Oliven fressen. Hier auf Sardinien scheint alles anders zu laufen. Der sardische Gourmetesel frisst wahrscheinlich auch Spaghetti.

Angesichts des Lastwagens, der schaukelnd zwischen Bäumen und Furchen heranrumpelt, bezweifle ich, dass wir beide mit unseren Mulis Platz darauf finden.

Zwischen emsigem Aufladen und dem Verstauen der Körbe, den Frauen und Männern, die auf die Ladefläche klettern, sehe ich für uns keine Chance. Auch hier können alle nur stehend mitfahren. Wo bitte sollen da noch zwei Esel Platz haben? Ich und auch Bruno könnten uns irgendwie noch dazwischenquetschen, aber die Tiere müssen dringend zu Claudio und Anna zurückgebracht werden.

Eine Diskussion zwischen Bruno und dem Gutsbesitzer scheint eine Lösung gebracht zu haben, denn Bruno, der fleißige Olivenpflücker, kommt strahlend auf mich zu.

»Binde die Esel wieder fest«, sagt er zu mir, »wir müssen noch ein bisschen warten. Der Marchese bringt jetzt die Arbeiter nach Hause und kommt später mit einem Pferdeanhänger, um uns abzuholen. Alles wird gut!«, meint er, während er mein skeptisches Gesicht streichelt.

Nun gut, so binde ich unsere beiden mir liebgewordenen Tiere wieder an den Baum.

Aus tiefstem Herzen wünsche ich mir nur, nicht noch eine Nacht hier draußen verbringen zu müssen. Aber Bruno beruhigt mich. Spätestens in einer Stunde würden wir abgeholt, das wäre so sicher wie das Amen in der Kirche.

»Dein Wort in Gottes Gehörgang«, sage ich auf Deutsch, was er eh nicht versteht.

»Tuo parole al oriecchi di dio«, versuche ich zu übersetzen, aber er sieht mich verständnislos an.

»Your word in the ear of god«, sag ich halt jetzt auf Dinglisch!

»Aha«, meint er und schaut mich nicht weniger verständnislos an.

Manchmal ist es ja vielleicht auch gar nicht so schlecht, wenn einen der andere nicht versteht, denke ich resigniert. Ist ja nun wirklich momentan auch wurscht.

»Now it is really sausage«, würde unser allseits beliebter Loddar Maddäus sagen.

Ich setze mich neben mein Eselchen und reiche ihm ein schönes Blatt, das er dankbar frisst.

»Gell, wir zwei verstehen uns«, flüstere ich ihm ins Ohr.

Bruno möchte sich ein bisschen bewegen und schlägt einen kleinen Spaziergang vor. Der Sonnenuntergang scheint wunderschön zu werden, total windstill ist es und ganz lau die Luft, fast ein bisschen zu warm. Da ich keine Lust habe, mich noch mal zu verirren, bestehe ich darauf, dass wir uns nicht zu weit wegbewegen.

Mit der langsam sinkenden Nachmittagssonne kommt Wind auf. Erst bewegt er freundlich die Zweige der Bäume, um sich dann schließlich auf die trockene Erde zu stürzen. Staub wirbelt auf. Wir gehen zurück zu den Eseln. Sie werden zunehmend unruhiger und treten tänzelnd von einem Bein aufs andere. Ich rufe laut nach Bruno, den ich aus den Augen verloren habe, schreie, er solle augenblicklich zurückkommen. Ferru schlägt nach hinten aus und zerrt an seinem Strick. Ich versuche ihn zu beruhigen, befürchte aber, dass er mir einen schmerzenden Tritt versetzen wird. Gerade als er sich mit einem Ruck losreißt und mit lauten »Iiiii-Aaaaas« die Flucht ergreift und ich gerade noch rechtzeitig meinen Esel bremsen kann, erscheint Bruno.

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