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SCHKID. Die republik der strolche

Электронная книга - «SCHKID. Die republik der strolche». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: Республика ШКИД.
Übersetzung aus dem Russischen von Lieselotte Remane.
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„He, das ist die Pastetenverkäuferin ja schon wieder. Hau ab, sonst bringen wir dich zur Miliz“, rief Zigeuner.

Schielauge saß daneben, pfiff einen Walzer vor sich hin und blinzelte behaglich in die Sonne. Schließlich wurde es oben in der Schule still.

Alle Sachen, die während des Sommeraufenthalts gebraucht wurden, waren auf die Straße geschleppt. Nun konnte die Straßenbahn kommen.

Sie warteten den ganzen Tag. Vikniksor führte endlose, zornige Telefongespräche, aber der Personen- und der Güterwagen kamen erst spätabends, nachdem der Straßenbahnverkehr in der Stadt eingestellt war. Eilig luden sie auf, stiegen ein, und die Republik Schkid siedelte um. Am Narwa-tor mußten sie in eine kleine Vorortbahn mit Oberleitung umsteigen. Der Platz wurde knapp, und einige Jungen kletterten in den Güterwagen.

Die Räder summten, die Schienen knirschten, und die jungen Strolche fuhren weiter.

Im Güterwagen hockten die Großen. Über ihnen pfiff die Oberleitung, während die Holzhäuser der Vorstadt an ihnen vorüberzogen.

Die ganze Gesellschaft flegelte sich auf die Stufen.

Schon lag das letzte Gebäude am Stadtrand, das früher den eindrucksvollen, merkwürdigen Namen „Rote Schenke“ getragen hatte, hinter ihnen. Nun sausten sie durch grüne Felder.

In gleichmäßigen Abständen holperte die Bahn über die Schienenverbände. Pausenlos raste sie weiter.

Die Schkider fühlten sich so wohl, daß sie Lust zum Singen bekamen. Das Gelächter verstummte, und zum gleichmäßigen Rattern der Räder stimmte einer an:

Die Vögel singen hoch über dem Feld im strahlenden Sonnenlicht. Ich kam als Waisenkind auf die Welt und kenn' meine Mutter nicht…

Spatz war es, der da sang. Sein schwermütiges, stilles, getragenes Lied ging im Geratter unter.

Im Winter, als schlafend beim Sternenschein ich lag, an den Zaun gepreßt, da fand mich der Wächter, ins Kinderheim schleppte er mich, dort nahm man mich fest.

Langsam strömte die Melodie dahin. Jankel war ernst geworden. Er stimmte ein, und auch Zigeuner sang mit.

Die Mutterliebe erlebte ich nie, im Kinderheim war ich verhaßt. Ich wurde verlacht, wenn ich weinte und schrie, verprügelt, weil ich eine Last.

Auch die Gespräche der anderen Jungen waren verstummt. Selbst Japs, der unverwüstliche Radaubruder, drückte sich in eine Ecke und sang hingerissen, wenn auch nicht gerade wohltönend, mit.

Die Felder flogen an der niedrigen Brüstung des Güterwagens vorüber, manchmal blitzte ein erleuchtetes Fenster auf, dann waren wieder nur Weite und Nebel ringsum.

Der Sommer ist da, und die Blumen, sie blüh'n, und die Vögel singen im Feld, mein Leben aber muß einsam verglühn, denn das Waisenhaus ist meine Welt.

Nun aber Schluß mit der Schwermut! Jankel sprang auf und übergrölte Spatzens leisen Tenor:

In dem hellen Sonnenschein woll'n wir alle lustig seinl Dort ist ein tiefer Graben voll Milch, um uns zu laben.

Ein Dutzendstimmen fiel ein und übertönte dasGeratter der Bahn. Das wilde Gebrüll zerriß die Luft, und Fetzen der Melodie sprangen über Felder, Häuser und Wälder.

Zuckerzeug, soviel du magst, und Brot, damit du nicht verzagst, die harten, schwarzen Kanten, die kriegen die alten Tanten!

„Das ist ein Lied!“

„So singt man in der Schkid!“

Langsam kroch die Bahn einen Berg hinauf.

Vom Personenwagen schrie Elanljum etwas herüber, aber die Jungen hörten sie nicht.

Ihr rotblondes Haar flatterte im Wind. Sie fuchtelte mit den Händen, aber der Wind trug ihre Worte davon. Schließlich begriffen die Jungen.

Sie waren kurz vor Strelna.

Als die Bahn hielt, reckte Jankel den Hals, sprang auf und johlte: „Leute! Ein Kloster! Ein richtiges Kloster!“

„Na, und?“

„Frag doch nicht so dumm. Ein Jahr hab' ich in einem Kloster gewohnt, ein ganzes Jahr!“ Jankel war tief gerührt. Als er aber sah, daß seine Kameraden nur mit spöttischer Skepsis reagierten, winkte er enttäuscht ab.

„Geht zum Teufel. Ihr habt keine Ahnung. Ein Kloster hat doch einen Friedhof mit Gräbern. Das ist schön. Überall Kreuze.“ „Und kleine Leichen!“ ergänzte Japs.

„Mit Knöchelchen und Schädelchen“, sekundierte Zigeuner. Er fand den sentimentalen Jankel reichlich komisch. Wütend spuckte Jankel aus. „Wir sind da!“

„Jungen, ladet bitte möglichst schnell das Gepäck ab. Es ist schon spät!“ rief Elanljum, während die Schkider schon eifrig dabei waren. Sie wollten alles schleunigst hinter sich haben, um ihren neuen Besitz noch in Augenschein nehmen zu können.

Ihre glattgeschorenen Anstaltsköpfe träumten insgeheim schon von dem fernen Herbst und den verführerischen Kartoff ein aus denStrelna-Gärten. Aber als erstes wollten sie die Umgebung kennenlernen.

Doch daraus wurde nichts. Bis in die Nacht hinein mußten die Jungen die Sachen ins Haus schleppen und auspacken.

Als der Morgen graute, wurden den verschiedenen Klassen die Schlafräume zugewiesen. Die Jungen stellten notdürftig die Eisenbetten auf und sanken sofort in tiefen Schlaf.

Es war ein großartiges Erholungsheim.

Es war ein großartiges Erholungsheim, fast unberührt von der Zeit, vom Zerfall der vergangenen Jahre. Die Ortseinwohner hatten die Villa, die einem Grafen oder Fürsten gehört haben mochte, offensichtlich zwar mehrfach heimgesucht, sich dabei aber mit einigen ausgehängten Türen und Fenstern sowie abgeschraubten Kupferklinken begnügt. Alles andere war erhalten geblieben — sogar ein verstaubtes, verstimmtes Klavier stand noch in einem Zimmer.

Schnell gewöhnten sich die Schkider an ihr neues Heim. Es stand auf einer Anhöhe. Auf der einen Seite führten die Schienen der Oranienbaumer Straßenbahn vorbei. An den anderen Seiten wurde das Grundstück von einem Park begrenzt und von einem Wald, der sich bis ins Tal hinabzog.

In der Nähe lag ein Teich — ein Hauptanziehungspunkt im Sommer. Die Schkider badeten vom Morgen bis zum späten Abend, zuweilen sogar nachts, wenn ihnen die Hitze besonders zugesetzt hatte. Dann schlichen sie heimlich, auf Zehenspitzen, zum Teich und tauchten in das warme, aber erfrischende Wasser.

Auch hier versuchte Vikniksor, ein bestimmtes System einzuführen. Gleich in den ersten Tagen stellte er einen Plan auf: morgens Gymnastik im Freien, dann Unterricht bis zum Mittagessen, danach Baden, Freizeit und abends noch einmal Gymnastik.

Doch der Plan scheiterte an der Gymnastik. Die Schkider durften aus Sparsamkeitsgründen im Sommer keine Stiefel tragen und weigerten sich, barfuß Gymnastik zu machen, weil überall Glassplitter herumlagen.

Der Unterricht fand zwar statt, aber die Lehrer wurden dauernd mit Bitten bestürmt, wie: „Darf ich austreten?“ — „Ich kann das Stillsitzen nicht mehr aushalten!“

Wurde der Betreffende weggelassen, dann rannte er zum Teich, zog sich unterwegs Hemd und Hose aus und badete stundenlang, alles um sich her vergessend.

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