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Der Zauber des Dunkels. Die Jäger der Wüste

Электронная книга - «Der Zauber des Dunkels. Die Jäger der Wüste». Краткое содержание книги:

Eigentlich könnte sich Flint, der Zwergenschmied, freuen. Denn in Solace herrscht Ruhe und Frieden, nicht zuletzt, weil Tolpan Barfuß der nervenraubende Kender, der ununterbrochen Geschichten erzählt und alle möglichen Dinge in seinem Beutel verschwinden läßt, auf Reisen ist. Doch als Tolpan und seine Freunde mehr als zwei Monate überfällig sind, beginnt auch Flint, sich Sorgen zu machen. Denn er weiß, daß der Kender den unwiderstehlichen Drang hat, sich immer wieder auf die gefährlichsten Abenteuer einzulassen. Und eines Tages könnte es sein letztes sein...
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Deshalb beantwortete Tolpan die Frage nicht, und die Minotauren quälten ihn schon tagelang.

Die armen, blöden, häßlichen, schmutzigen Rindviecher! Sie brauchten viel Nachhilfe bei ihren Foltertechniken. Aus Tolpans Sicht waren sich die minotaurischen Folterknechte höchst uneinig über die Frage, wie viele Schmerzen sie ihm zufügen durften, damit er ihnen sagte, was er wußte, ohne ihn schwer zu verletzten oder zu töten. Wenn sie Tolpan umbrachten oder in den Wahnsinn trieben, ohne die erwünschte Antwort zu erhalten, würde sich jemand namens Nachtmeister furchtbar aufregen.

»Vorsicht, ihr Dummköpfe!« mahnte Clief-Eth immer wieder während der Folterungen. »Der Nachtmeister hat strenge Anweisung gegeben, daß der Kender am Leben bleiben muß, bis er redet!«

Das bedeutete, daß sie ihm nicht die Zunge herausreißen konnten – was wirklich schade war, wie Tolpan überlegte, denn das wäre eine ziemlich wirksame Maßnahme gewesen.

Nachdem ihn die Henkersknechte einige Tage lang getreten und verprügelt hatten, ohne einen anderen Erfolg zu erzielen als Beulen und Blut, versuchte der Kender, Clief-Eth und seinen Untergebenen mit einfallsreichen Vorschlägen auszuhelfen.

»Warum hängt ihr mich nicht an meinem Haarknoten irgendwo auf?« riet er ihnen.

Clief-Eth hielt das für eine gute Idee. Also baumelte Tolpan einen ganzen Tag und eine Nacht, in der er nicht viel Schlaf bekam, an seinem Haarschopf von einem Haken in der Decke. Sein Gesicht lief knallrot an, und er erstickte beinahe. Tolpan mußte zugeben, daß es wirklich wehtat. Er gratulierte Clief-Eth zu seiner ausgezeichneten Foltermethode, doch auch sie erbrachte nicht das von den Minotauren gewünschte Resultat.

»Schneidet mir meinen Haarknoten ab, damit ich mich schäme«, schlug Tolpan spontan vor. »Ein Kender mit kurzen Haaren wird wie ein Aussätziger behandelt, wie eine Kuh ohne Hörner.«

Clief-Eth fand, daß es einen Versuch wert war, also schnitten die minotaurischen Folterknechte Tolpans Haare direkt an der Kopfhaut ab. Tolpan schämte sich außerordentlich – ungefähr fünf Minuten lang. Danach fiel ihm ein, daß die einzigen, die seinen geschorenen Kopf zu sehen bekamen, diese stinkenden Minotauren waren. Außerdem beschloß er, daß das Ergebnis gar nicht so unpraktisch war. Vielleicht sollte er seine Haare öfter abschneiden. Jedenfalls gratulierte er den Minotauren überaus höflich zu ihren Fähigkeiten als Folterer und ihrer Bereitschaft, neue Methoden auszuprobieren.

Natürlich hatten Clief-Eth und seine Minotauren auch ein paar eigene Ideen. Tolpan mußte zugeben, daß ein paar davon durchaus effektvoll waren.

Sie versuchten, ihn auszuhungern, obwohl Tolpan ihren Gefängnisfraß sowieso verabscheute. Die einzige Folter am Hungernlassen war, daß er Dogz nicht zu sehen bekam, den er inzwischen richtig gern hatte. Aber wenn Dogz das Essen brachte, tat er dies neuerdings unter dem wachsamen Blick von Clief-Eth und riskierte daher kein Wort an Tolpan.

Die minotaurischen Folterknechte brachen Tolpan alle Finger einer Hand, einen nach dem anderen, einmal mit einem Steinhammer, einmal durch Zurückbiegen, bis der Finger knackte und so weiter. Das tat ziemlich weh. Aber die langen, schlanken Kenderfinger sind wie die Knochen eines Menschenbabys. Sie schmerzen, doch sie heilen rasch. Das wußte Tolpan, und er gab sich größte Mühe, den Schmerz so ehrenhaft zu ertragen, wie es seinem Freund Sturm wohl gelungen wäre.

Wo waren Caramon und Sturm überhaupt? Ob sie tot waren? Während der Folter konzentrierte sich Tolpan darauf, sich um seine beiden Freunde zu sorgen. Bestimmt mußte man sie retten. Wenn er aus seiner gegenwärtigen Lage entkommen war, würde er auf jeden Fall versuchen, sie zu finden.

Die minotaurischen Folterer tauchten Tolpan versuchsweise in eiskaltes Wasser. Drei der gehörnten Unmenschen waren nötig, um seinen wildgewordenen Kopf unter die Oberfläche einer riesigen Badewanne zu drücken. Sie hielten ihn lange, lange fest. Tolpan hielt so lange den Atem an, bis es einfach nicht mehr ging. Er mußte zugeben, daß er fast ertrunken wäre. Das dürfte wohl die beste Foltermethode gewesen sein, wenn er sie nach Effektivität wertete. Aber der Kender sagte Clief-Eth immer noch nicht, was der Minotaurus wissen wollte.

Clief-Eth wiederholte immer dieselben Fragen: »Bist du ein Zauberer? Wozu wolltest du diese Zutaten haben? Wenn du kein Zauberer bist, für wen arbeitest du dann?«

Natürlich konnte Tolpan diese Fragen nicht beantworten, weil er dadurch Raistlin einen Haufen Schwierigkeiten eingebrockt hätte. Der arme Raistlin… auch wenn er vielleicht nicht gerade jemand war, den man zum Geburtstag einladen würde. Aber Tolpan mochte ihn und wußte, daß der Magier eine solche Situation nicht so gut wie er durchhalten würde.

Dann hörten die Torturen plötzlich auf.

Tagelang blieb Tolpan allein. Sein einziger Besucher war Dogz. Am ersten Tag nach dem Ende der Folter war Dogz die Treppe heruntergekommen, um den Kender die erste Schale Suppe zu bringen, die man ihm seit einer ganzen Weile zugestanden hatte. Der Minotaurus stellte sie vorsichtig vor Tolpans Zelle ab und schob sie mit dem Fuß unter den Gitterstäben hindurch.

Da Tolpans rechtes Auge zugeschwollen und das andere von Blut und Schmutz verklebt war, und da ihm sowieso nicht sehr nach Essen war, sprang er nicht auf. Er sah noch nicht einmal auf und sagte auch nichts zu Dogz. Deshalb bemerkte er nicht, wie Dogz ihn anschaute.

Mit niedergeschlagenen Augen trollte sich der Minotaurus. Erst Stunden später, nachdem er längst fort war, als der Kender endlich beschloß, die Suppe zu probieren, erkannte Tolpan, daß die Schüssel nicht den üblichen Schleim enthielt. Es war Kleiesuppe, inzwischen abgekühlt, aber gar nicht so schlecht, wenn man bedachte, daß sie von Minotauren gekocht worden war. Dieser Dogz!

Danach brachte Dogz mehrere Tage lang heiße Kleiebrühe, und Tolpan erholte sich allmählich. Seine Schnitte und Blutergüsse würden bald heilen, und an der Stelle, wo sein Haarknoten gewesen war, sproß schon wieder Flaum.

Er und Dogz unterhielten sich wieder. »Warum haben sie aufgehört, mich zu foltern, Dogz?« fragte der Kender.

Dogz blickte über die Schulter zur Treppe, die nach oben führte. »Ich weiß nicht, ob ich dir das verraten darf«, knurrte der Minotaurus.

»Wieso nicht?« fragte Tolpan unschuldig. »Du erzählst mir doch sonst alles. Ich weiß schon von deinem Bruder, der bei einer Kneipenschlägerei umgekommen ist, und von deinem Onkel, der dem Obersten Rat angehörte, ehe er als Gladiator in der Arena starb, und von der Frau deines Vetters, die mit einem Schmied in Streit geriet, der ein Messer zog und… He, ist dir je der Gedanke gekommen, daß deine Familie unter einem Fluch stehen könnte? Alle werden umgebracht.« Tolpan machte eine Pause, um genüßlich die Suppe von dem Holzlöffel abzulecken. Inzwischen wußte er, daß er aufhören mußte zu reden, um eine Antwort aus Dogz herauszulocken.

»Also, warum haben sie aufgehört, mich zu foltern?«

»Weil der Nachtmeister einen wichtigen Gesandten schickt, der dich befragen soll«, grollte Dogz.

»Einen was?«

»Einen der wichtigsten Adepten seines Kults.«

»Oh. Ist das gut oder schlecht?«

Dogz legte das Gesicht nachdenklich in Falten. »Ich weiß es nicht«, gab er ehrlich zu. »Aber es ist eine große Ehre für Lacynos, ihn aufzunehmen. Es kommt selten vor, daß der Nachtmeister einen der Hohen Drei den ganzen Weg von Karthay hierher schickt. Ich kann mich nicht erinnern, wann es das letzte Mal geschehen ist.«

»Warum kommt er nicht selbst?« fragte Tolpan.

Dogz stieß ein langes, tiefes Kichern aus und bleckte dabei seine gelben Zähne. »Der Nachtmeister verläßt Karthay selten«, antwortete Dogz. »Sein Reich ist Karthay.«

»Hast du ihn je gesehen?«

»Natürlich nicht«, schnaubte Dogz.

»Woher weißt du dann, daß es ihn überhaupt gibt?«

Dogz wurde zornig. »Das ist überhaupt nicht lustig, Freund Tolpan. Er ist der höchste Priester unserer Religion. Er ist die direkte Verbindung zu Sargonnas, dem Gott, den wir verehren.«

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