Paganinis Fluch
- Автор: Кеплер Ларс
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Переводчик: Paul Berf
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Paganinis Fluch». Краткое содержание книги:
Penelope stößt gegen eine Tischplatte und sieht gleichzeitig, dass die Klinke langsam heruntergedrückt wird. Schnell geht sie ins Badezimmer, dreht die Wasserhähne auf und ruft mit lauter Stimme.
»Herein! Die Tür ist offen!«
Björn zuckt zusammen, die Pulsschläge pochen in seinem Kopf, er hält das Messer vor sich ausgestreckt und ist bereit, sich zu verteidigen oder anzugreifen, als er sieht, dass der Verfolger die Klinke vorsichtig wieder loslässt. Die Silhouette verschwindet vom Fenster, und wenige Sekunden später hören sie auf dem Steinplattenweg neben dem Haus Schritte. Penelope kommt aus dem Badezimmer. Er zeigt auf das Fenster im Wohnzimmer, und sie verziehen sich in die Küche und hören den Mann über die hölzerne Veranda gehen. Die Schritte führen am Fenster vorbei und erreichen die Verandatür. Penelope fragt sich, was der Verfolger sehen kann, ob er die herumliegenden Schuhe im Flur und Björns Blutspur auf dem Fußboden aus diesem Winkel und in diesem Licht erkennen kann. Die Holzfläche draußen reibt sich knarrend an der Treppe, die auf die Rückseite hinunterführt. Der Mann geht um das Haus herum, ist auf dem Weg zum Küchenfenster. Björn und Penelope legen sich auf den Boden, rollen sich direkt unter dem Fenster dicht an die Wand. Sie versuchen, still zu liegen, lautlos zu atmen. Sie hören ihn ans Fenster treten, seine Hände wischen über das Fensterblech, und sie begreifen, dass er in die Küche sieht.
Penelope entdeckt, dass sich das Fenster in der Glasscheibe der Ofenluke spiegelt, und kann in dem Spiegelbild sehen, wie der Verfolger suchend den Blick durch den Raum schweifen lässt. Er könnte ihren Augen begegnen, wenn er auf die Luke sähe. Bald wird ihm klar sein, dass sie sich in diesem Haus verstecken.
Das Gesicht am Fenster verschwindet, und sie hören erneut Schritte auf der Holzterrasse, diesmal entfernen sie sich in Richtung des Plattenwegs, der auf die Vorderseite führt. Als die Haustür geöffnet wird, bewegt sich Björn schnell zur Küchentür, legt leise das Messer fort, dreht den Schlüssel, der im Schloss steckt, stößt die Tür auf und läuft aus dem Haus.
Penelope folgt ihm in den kühlen Morgen hinaus. Sie laufen über den Rasen, am Komposthaufen vorbei und in den Wald hinein. Dort ist es noch dunkel, aber das flache Licht der Morgendämmerung findet mehr und mehr den Weg zwischen die Bäume. Die Angst holt Penelope ein, stößt sie voran, wirbelt die Panik in ihrer Brust wieder auf. Sie weicht dickeren Ästen aus, springt über flache Sträucher oder Steine. Schräg hinter sich hört sie Björn, seine heftigen Atemzüge. Und hinter ihm ahnt sie unvermindert den anderen, den Mann, der ihr wie ein Schatten vorkommt. Er folgt ihnen, und sie weiß, dass er sie töten will, sobald er sie gefunden hat. Sie erinnert sich an etwas, was sie einmal irgendwo gelesen hat. Es ging um eine Frau in Ruanda, die den Völkermord der Hutu an den Tutsis überlebte, indem sie sich in den Sümpfen versteckte und jeden Tag lief, während all der Monate lief, die der Völkermord andauerte. Ihre früheren Nachbarn und Freunde verfolgten sie mit Macheten. Wir haben die Antilopen nachgeahmt, hatte die Frau in dem Buch erklärt. Wir Überlebenden im Dschungel ahmten die Flucht der Antilopen vor den Raubtieren nach. Wir liefen, entschieden uns für unerwartete Wege, teilten uns auf und wechselten die Richtung, um unsere Verfolger zu verwirren.
Penelope weiß, dass es vollkommen falsch ist, wie Björn und sie fliehen. Sie laufen planlos, gedankenlos, und das gereicht nicht ihnen, sondern ihrem Verfolger zum Vorteil. Sie und Björn laufen ohne List. Sie wollen nach Hause, sie wollen Hilfe suchen, sie wollen die Polizei anrufen. All das weiß ihr Verfolger, ihm ist bewusst, dass sie nach Menschen suchen werden, die ihnen helfen können, dass sie den Weg zu Ortschaften, zum Festland suchen werden, um nach Hause zu kommen.
Penelope reißt sich an einem heruntergefallenen Ast ein Loch in ihre Trainingshose. Sie stolpert einige Schritte, läuft aber weiter, nimmt den Schmerz bloß als brennende Schlinge um ihr Bein wahr.
Sie dürfen nicht stehen bleiben, sie hat Blutgeschmack im Mund, Björn stolpert durch ein Dickicht; an einem großen umgestürzten Baum, in dessen erdigem Schlund Wasser steht, schlagen sie eine andere Richtung ein.
Während sie neben Björn läuft, lässt ihre Angst jäh und unerwartet eine Erinnerung aufblitzen, in der ihre Furcht genauso groß war wie jetzt. Plötzlich muss sie an ihre Zeit in Darfur denken, die Augen der Menschen, den anderen Blick all jener, die traumatisiert waren, die nicht mehr konnten, im Gegensatz zu denen, die noch kämpften, die sich weigerten aufzugeben. Niemals wird sie die Kinder vergessen, die eines Nachts mit einem geladenen Revolver nach Kubbum kamen. Niemals wird sie die Angst vergessen, die sie damals empfand.
Spende Boerse
21
Der Staatsschutz
Die Zentrale des Staatsschutzes befindet sich in der dritten Etage des großen Landespolizeiamts mit Eingang in der Polhemsgatan. Auf dem Pausenhof des Untersuchungsgefängnisses, der auf dem Dach desselben Gebäudes liegt, ertönt eine Trillerpfeife. Der Leiter der Abteilung für Sicherheitsmaßnahmen heißt Verner Zandén. Er ist ein großer Mann mit spitzer Nase, kleinen, pechschwarzen Augen und einer sehr tiefen Stimme. Er sitzt hinter seinem Schreibtisch mit weit gespreizten Beinen auf einem Bürostuhl und hält beruhigend eine Hand hoch. Durch das kleine Fenster zum Innenhof fällt bleiches Licht herein. In dem ungewöhnlich tristen Raum steht eine junge Frau namens Saga Bauer. Sie ist Kommissarin und hat sich auf Terrorismusabwehr spezialisiert. Saga Bauer ist erst fünfundzwanzig Jahre alt und hat grüne, gelbe und rote Stoffbändchen in ihre langen blonden Haare geflochten. Sie trägt eine Pistole größeren Kalibers in einem Schulterhalfter unter einer offenen Trainingsjacke mit Kapuze und einem Aufdruck des Boxvereins Narva.
»Mehr als ein Jahr habe ich den Einsatz geleitet«, sagt sie flehend. »Ich habe gefahndet, ich habe Wochenenden und Nächte darauf verwandt …«
»Aber das hier ist etwas anderes«, unterbricht ihr Chef sie lächelnd.
»Bitte, bitte … Du kannst mich nicht schon wieder einfach übergehen.«
»Übergehen? Ein Kriminaltechniker der Landeskripo ist schwer verletzt worden, ein Kommissar wurde angegriffen, die Wohnung hätte explodieren können und …«
»Das weiß ich alles, deshalb muss ich da jetzt hin …«
»Ich habe Göran Stone geschickt.«
»Göran Stone? Ich arbeite hier seit drei Jahren, ich habe nichts zu Ende bringen dürfen, dabei ist das mein Spezialgebiet. Göran hat von so was doch überhaupt keine Ahnung und …«
»In der Kanalisation hat er sich gut geschlagen.«
Saga schluckt.
»Das war auch mein Fall, ich habe die Verbindung zwischen …«
»Aber die Sache wurde gefährlich, und ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.«
Saga wird rot, senkt den Blick, sammelt sich und versucht, ruhig zu sprechen.
»Ich schaffe das schon, genau dafür bin ich ausgebildet worden …«
»Mag sein, aber ich bin nun einmal zu einer anderen Einschätzung gelangt …«
Er zupft an seiner Nase, seufzt und legt die Füße auf den Papierkorb unter dem Schreibtisch.
»Du weißt, dass ich nicht das Ergebnis eines Gleichstellungsplans bin«, erklärt Saga langsam. »Ich bin nicht wegen irgendeiner Frauenquote hier, sondern weil ich bei allen Tests die Beste in meiner Gruppe gewesen bin, ich war die Beste Scharfschützin, die es jemals gab, ich habe zweihundertzehn verschiedene Fälle …«
»Ich mache mir doch nur Sorgen um dich«, sagt er schwach und begegnet dem Blick ihrer hellblauen Augen.
»Aber ich bin kein Püppchen, ich bin keine Prinzessin oder Elfe.«
»Aber du bist so … so …« Verner errötet heftig und hebt die Hände in einer hilflosen Geste. »Okay, verdammt, dann machen wir es eben so, du leitest die Ermittlungen, aber Göran Stone bleibt dabei und passt auf dich auf.«