Indiana Jones und der Stein der Weisen
- Автор: МакКой Макс
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und der Stein der Weisen». Краткое содержание книги:
Autor - Max McCoy, preisgekrönter Journalist und Autor mehrerer Romane, lebt in Pittsburg, Kansas
»Bitte, hören Sie mir zu«, begann er. »Es ist äußerst wichtig, daß ich Alistair finde, weil es durchaus möglich ist, daß er sich in Gefahr befindet, wegen seines Interesses an einem Schriftstück, das die Bezeichnung Voynich-Manuskript trägt. Vielleicht könnten Sie mir eine Adresse oder Telefonnummer geben?« »Es tut mir leid, aber das ist unmöglich.« Indys Blick kehrte zu ihr zurück. Alecia Dunstin hatte zu weinen begonnen, ihre Stimme klang aber noch so sachlich, als ginge es darum, einen Besucher darüber zu informieren, daß ein bestimmtes Buch nicht verfügbar war.
»Es tut mir leid«, meinte Indy. »Ich wollte Sie bestimmt nicht aufregen.«
»Auf Ihr Mitleid kann ich verzichten«, erwiderte sie und wischte mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen. Langsam zeichneten sich rote Flecken auf ihrem Gesicht ab. »Alistair ist nicht im Urlaub. Ich habe Ihnen doch schon gesagt, daß er verschwunden ist. Warum lassen Sie mich nicht endlich in Ruhe?« »Wollen Sie damit sagen, daß er entführt wurde?« »Ich weiß es nicht. Er ist einfach spurlos verschwunden. Jedermann ist der Überzeugung, daß er sich mit diesem verdammten Manuskript auf und davon gemacht hat. Aber ich kenne Alistair zu gut, um so etwas zu glauben. Wir sind Zwillinge, müssen Sie wissen.« »Und Sie meinen nicht, daß er es gestohlen hat?« »Warum erzähle ich Ihnen das alles?« fragte sie. Diesmal war sie es, die lauter wurde. »Wer, zum Teufel nochmal, sind Sie? Ihr Amerikaner seid die unmanierlichsten Menschen, mit denen ich je zu tun hatte. Wir sind uns noch nicht mal vorgestellt worden und schon stellen Sie mir Fragen über mein Privatleben. Und das Komische daran ist, daß ich Sie Ihnen beantworte.«
Die Menschen im Saal hoben den Blick von ihren Büchern, um zu sehen, was sich am Schreibtisch abspielte. Alecia lächelte und führte achselzuckend den Zeigefinger an den Mund.
»Vielleicht brauchen Sie jemanden, mit dem Sie darüber sprechen können«, schlug Indy vor.
Ihr Blick wurde weicher.
»Ich bin Indiana Jones«, stellte er sich vor.
»Der Archäologe?« fragte sie. »Ich habe schon von Ihnen gehört.«
»Tatsächlich?« fragte er.
»Um ehrlich zu sein, ich habe Ihr berufliches Fortkommen verfolgt«, verriet sie ihm. »Ich vermute, ich bin die einzige hier, die diese langweiligen alten Archäologie-Fachzeitschriften wirklich liest, bevor sie katalogisiert werden. Sie verfügen über Elan, und das bewundere ich. Es tut mir leid, daß ich über Ihr wissenschaftliches Werk nicht das gleiche sagen kann. Verraten Sie mir, hat der Kalif von Bagdad wirklich gedroht, Sie in siedendes Öl zu werfen?«
»Das war ein Mißverständnis.«
»Wie es scheint, müssen Sie des öfteren Mißverständnisse aus dem Weg räumen«, entgegnete sie. »Von den Fachzeitschriften werden Sie nicht gerade freundlich behandelt. Ihnen eilt der Ruf voraus, so etwas wie ein -«
»Sagen Sie es nicht«, bat Indy und zuckte zusammen. »Ich weiß, man schimpft mich einen Grabräuber.«
»Nun«, hakte sie nach, »ist es etwa nicht so?«
»Nein«, verteidigte er sich.
»Dann ist also auch diese ganze Grabräuberei nichts als ein großes Mißverständnis?«
»Ja, das stimmt.«
»Klingt mir stark nach einer bequemen Ausrede«, fand sie. »Sagen Sie mir, mein mißverstandener Amerikaner, was hat das alles mit Alistair zu tun?«
»Das ist eine lange Geschichte. Es wäre mir lieber, wenn wir uns in einem privateren Rahmen unterhalten könnten.
Ist es vielleicht möglich, daß wir zusammen zu Mittag essen?«
Wieder runzelte sie die Stirn.
»Es tut mir leid, Dr. Jones«, sagte sie nach längerem Überlegen. »Ich treffe mich nicht einfach so mit Männern, und selbst wenn es so wäre, würde ich auf die Begleitung einer Anstandsdame bestehen.«
»Ich bitte Sie ja nicht um eine Verabredung«, entgegnete Indy irritiert. »Ich muß mit Ihnen über Ihren Bruder sprechen. Und das ist doch für uns beide wichtig. Ich versuche nur zu helfen, Miss Dunstin, oder scheint Ihnen das völlig abwegig zu sein?«
Diesmal schaute sie weg.
»Ja, ich fürchte, das ist es.« Ihre Stimme klang hohl.
Indy setzte seinen Fedora auf und verließ sie.
Als er schon einige Meter weit weg war, rief sie ihn zurück.
»Mr. Jones«, sagte sie und eilte ihm hinterher. »Hier ist die Schlagwortnummer des Buches, nach dem Sie sich erkundigt haben. Tut mir leid, daß ich Ihnen Umstände gemacht habe.«
Sie reichte ihm einen Notizzettel.
Darauf stand eine mit Bleistift notierte Adresse und Uhrzeit - 2 Uhr nachmittags.
Die fensterlose und einem Verlies nicht unähnliche Bank of England lag im Herzen von London. Indy wurde von einem mürrischen Bankangestellten namens Edward Trimbly in Empfang genommen, der hier seit dreißig Jahren arbeitete und stolz darauf war, daß seinem aufmerksamen Blick bislang nie etwas entgangen war.
»Nun, Dr. Jones«, sagte Trimbly. »Sie müssen sich aus-weisen, damit diese Transaktion durchgeführt werden kann. Ihr Paß dürfte in jedem Fall ausreichen.«
Indy grinste.
»Mein Paß?« fragte er. »Nun, es tut mir sehr leid, aber ich habe keinen.«
»Oh?« Der Bankangestellte hob skeptisch die Augenbrauen. »Wie - um alles auf der Welt - sind Sie in dieses Land gekommen?«
»Ich kam an Bord eines Luftschiffs der U.S. Marine«, führte Indy aus. »Der Macon.«
»Und Peter Pan war ebenfalls an Bord?« höhnte sein Gegenüber.
»Nein, eigentlich nicht«, antwortete Indy gelassen. »Nun, um ehrlich zu sein, nach London bin ich nicht mit der Macon gekommen, jedenfalls nicht direkt. Ein Jagdflugzeug hat mich auf diesem kleinen Flugplatz auf dem Land abgesetzt, und von dort aus hat mich ein Milchwagen mit in die Stadt genommen. Die Frage nach dem Paß ist bislang nicht aufgetaucht.«
»Ich verstehe«, meinte der Bankangestellte. »Kein Paß also. Aber vielleicht eine Geburtsurkunde?«
»Auch keine Geburtsurkunde. Ich habe alles zurückgelassen. Ich bin sehr plötzlich aufgebrochen.«
Der Bankangestellte kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe.
»Na gut. Dann vielleicht einen Brief, eventuell sogar auf Museumspapier, der für die Behörden der Isle of Wight bestimmt ist, mit denen Sie ja zwangsläufig zusammenarbeiten werden?«
Indy schüttelte den Kopf.
»Ein Flugticket oder ein Gepäckschein?«
»So was gibt die Marine nicht aus.« »Eine Visitenkarte?«
»Habe ich nicht bei mir.«
»Ein Brief von Ihrer Mutter?«
»Sie ist tot«, sagte Indy. »Tut mir sehr leid. Sollte das ein Scherz sein?«
»Es tut mir leid. Dr. Jones -«
»Nennen Sie mich Indy.«
»Lieber würde ich mir die Zunge rausreißen lassen«, entgegnete Trimbly. »Hier gibt es bestimmte Vorgehensweisen, an die sich jedermann halten muß, auch wenn das nicht Ihrem amerikanischen Sinn für Ungezwungenheit entsprechen mag ... Es fällt mir schwer, das zu fragen, Dr. Jones, aber was haben Sie dabei, um sich auszuweisen?«
Indy durchsuchte seine Taschen und fand nur einen Fusel. Dann machte er seinen Ledersack auf. Der Griff seiner Webley war deutlich zu sehen.
»O Gott«, entfuhr es dem Bankangestellten. »Soweit ist es doch hoffentlich nicht gekommen.«
»Schon in Ordnung«, beruhigte Indy ihn. »Ich suche ja noch. Aha!« Er fand den Umschlag mit den Akten vom Militärischen Geheimdienst und öffnete ihn. »Nein, tut mir leid, die darf ich Ihnen nicht zeigen. Sind geheim.« Er verstaute die Akten wieder im Sack.
»Selbstverständlich«, meinte Trimbly. »Zweifelsohne die Entlassungspapiere einer Irrenanstalt.«
»Es muß doch etwas zu finden sein.« Indy kramte seine Brieftasche hervor, in der er - einer Eigenart der Amerikaner entsprechend - allen möglichen Krimskrams aufbewahrte: abgerissene Kinokarten, eine Reinigungsquittung, alte Notizen, die er vor Ewigkeiten gemacht hatte und die ihm nun nichts mehr sagten. Der Schwur der Pfadfinder, den er seit seiner Kindheit aufbewahrte. Und ein Bibliotheksausweis.