In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Cadsuane Sedai geht im Sonnenpalast ein und aus, als würde er ihr gehören«, sagte Dobraine mit wohl überlegten Worten, »aber wie hätte sie die Frauen ungesehen herausbringen sollen? Und warum? Ailil ist Torams Schwester, doch sein Anspruch auf den Sonnenthron ist nichts mehr wert, falls er überhaupt jemals einen Wert hatte. Und eine hochrangige Atha'an Miere festzuhalten ... Zu welchem Zweck?«
Rand ließ seine Stimme unbeschwert klingen, als wäre es ihm egal. »Warum hält sie Lady Caraline und den Hochlord Darlin als ihre ›Gäste‹ fest, Dobraine? Warum tun Aes Sedai überhaupt etwas? Ihr werdet sie dort finden, wo ich sagte. Falls sie Euch den Zugang gewährt und nachsehen lässt.« Dobraines Fragen waren nicht dumm gewesen. Er wusste darauf nur keine Antwort. Natürlich repräsentierten Caraline Damodred und Ailil Riatin die letzten beiden Häuser, die den Sonnenthron innegehabt hatten. Und Darlin Sisnera war der Anführer der Adligen von Tear gewesen, die ihn aus ihrem kostbaren Stein hatten vertreiben wollen.
Rand runzelte die Stirn. Er war davon überzeugt gewesen, dass sich Cadsuane auf seine Person konzentrierte, auch wenn sie nach außen hin stets einen anderen Eindruck hinterließ, aber was war, wenn dies gar kein Täuschungsmanöver war? Es wäre eine Erleichterung gewesen, wenn es sich so verhielt. Natürlich. Das Letzte, was er jetzt brauchen konnte, war eine Aes Sedai, die glaubte, sich in seine Angelegenheiten einmischen zu können. Das Allerletzte. Vielleicht richtete Cadsuane ihre ungefragte Einmischung in andere Richtungen. Min hatte gesehen, wie Sisnera eine seltsame Krone trug; über diese Vision hatte er viel nachgedacht. Im Gegensatz zu anderen Dingen, die sie gesehen hatte, in denen es um ihn und die Grüne Schwester gegangen war. War es möglicherweise ganz einfach? Glaubte Cadsuane, sie könnte bestimmen, wer sowohl über Tear wie auch Cairhien herrschte?
Einfach? Beinahe hätte er gelacht. Aber so verhielten sich Aes Sedai nun einmal. Und Shalon, die Windsucherin? Sie in ihrer Gewalt zu haben würde Cadsuane möglicherweise ein Druckmittel gegen Harine, die Herrin der Wogen, in die Hand geben, aber er vermutete vielmehr, dass sie einfach zusammen mit Ailil aufgegriffen worden war und man zu verschleiern versuchte, wer die Adlige entführt hatte. Man würde Cadsuane eines Besseren belehren. Es war bereits entschieden worden, wer über Tear und Cairhien herrschte. Das würde er ihr sagen müssen. Später. Das stand ganz weit unten auf der Liste seiner Prioritäten.
»Dobraine, bevor ich gehe, muss ich Euch...« Die Worte erstarben auf seiner Zunge.
Auf dem Hof hatte der Kahlköpfige auf dem Wagen einen Hebel bewegt, und plötzlich hob sich das Ende einer langen horizontalen Stange und senkte sich wieder, dabei trieb sie eine kürzere Stange in ein in die Ladefläche geschnittenes Loch. Und der ganze Wagen vibrierte, bis er scheinbar kurz vor dem Auseinanderfallen stand, und der Schornstein spuckte Rauch aus, und dann setzte sich das Gefährt ruckelnd in Bewegung; die Stangen hoben und senkten sich, zuerst langsam und dann immer schneller. Der Wagen fuhr, ohne Pferde!
Rand war sich nicht bewusst, dass er es laut ausgesprochen hatte, bis ihm die Vorsteherin antwortete.
»Ach, das! Das ist Mervin Poels Dampfwagen, wie er ihn nennt, mein Lord Drache.« Ihre hohe, überraschend jugendliche Stimme troff vor Missbilligung. »Behauptet, er könnte mit diesem neumodischen Apparat hundert Wagen ziehen. Aber zuerst muss er mal dafür sorgen, dass er weiter als fünfzig Schritte fährt, ohne dass Teile brechen oder festklemmen. Meines Wissens nach ist ihm das erst einmal gelungen.«
Tatsächlich kam der — Dampfwagen? — keine zwanzig Schritte von seinem Ausgangsort entfernt ruckelnd zum Stehen. Ruckelnd war das richtige Wort; er schien sich bei jedem Herzschlag stärker geschüttelt zu haben. Die meisten der Männer stürzten sich wieder auf ihn, einer von ihnen kurbelte mit einer tuchumwickelten Hand wie wild an etwas herum. Plötzlich schoss Dampf aus einem Rohr und das Schütteln nahm ab und hörte schließlich ganz auf.
Rand schüttelte den Kopf. Ihm war wieder eingefallen, dass er diesen Mervin schon einmal gesehen hatte, und zwar mit einem Apparat, der auf einer Tischplatte vor sich hinruckelte, sonst aber nichts tat. Und dieses Wunder dort unten war daraus entstanden? Er hatte gedacht, der kleine Apparat sollte Musik machen. Der Mann, der herumsprang und den anderen mit den Fäusten drohte, musste Mervin sein. Welche anderen seltsamen Dinge, welche Wunder waren von den Leuten hier in der Akademie wohl noch zu erwarten?
Als er danach fragte, wobei er noch immer die Männer bei ihrer Arbeit an dem Wagen beobachtete, schniefte Idrien laut. Als sie sprach, war nur ein Hauch Respekt für den Wiedergeborenen Drachen aus ihrer Stimme herauszuhören, und selbst der wurde schnell von Unverständnis ersetzt. »Schlimm genug, dass ich Philosophen und Historiker und Arithmetiker und dergleichen mehr Platz einräumen muss, aber Euer Befehl lautete, jeden aufzunehmen und bleiben zu lassen, wenn er Fortschritte macht. Ich schätze, Ihr hattet auf Waffen gehofft, aber jetzt habe ich Dutzende von Träumern und Tunichtguten am Hals, von denen jeder alte Bücher oder Manuskripte hat, die alle zum Vertrag der Zehn Nationen zurückdatieren, wenn nicht gleich zum Zeitalter der Legenden — zumindest behaupten sie das —, und sie alle versuchen, Pläne und Zeichnungen und Beschreibungen von Dingen zu verstehen, die sie nie gesehen haben, die möglicherweise nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Ich habe alte Manuskripte gelesen, in denen von Menschen mit Augen im Bauch die Rede ist, und von zehn Fuß hohen Tieren mit Stoßzähnen, die länger als jeder Mann sind, und Städten, in denen ...«
»Aber was machen sie, Vorsteherin Tarsin?«, wollte Rand wissen. Die Männer, die dort unten an dem Aufbau arbeiteten, bewegten sich zielgerichtet und nicht, als würden sie mit einem Fehlschlag rechnen. Und der Wagen hatte sich bewegt.
Diesmal schniefte sie lauter. »Nur Unsinn, mein Lord Drache, das machen sie. Kin Tovere hat sein großes Sehrohr konstruiert. Damit kann man den Mond so deutlich wie seine eigene Hand sehen, und andere Dinge, von denen er behauptet, es seien andere Welten, aber was soll man damit anfangen können? Und jetzt will er ein noch größeres bauen. Maryl Harke baut gewaltige Drachen, die sie Segelflieger nennt, und im kommenden Frühling wird sie sich wieder von Hügeln stürzen. Lässt einem das Herz stocken, wenn man zusieht, wie sie damit in die Tiefe segelt; ich bin fest davon überzeugt, dass sie sich das nächste Mal, wenn einer zusammenklappt, mehr als nur den Arm bricht. Jander Parentakis glaubt, er kann Flussboote mit den Wasserrädern einer Mühle antreiben, aber als er genug Männer in das Boot steckte, um die Kurbeln zu bedienen, blieb kein Platz mehr für die Ladung, und jeder Segler konnte es überholen. Ryn Anhara fängt Blitze in großen Krügen ein — und ich bezweifle stark, dass nicht mal er weiß, warum er das tut — und Niko Tokama spielt bloß mit ihrem...«
Rand drehte sich so schnell um, dass sie einen Schritt zurückwich, und selbst Dobraine veränderte seine Stellung — die Bewegung eines Schwertkämpfers. Nein, sie waren sich seiner nicht im mindesten sicher. »Er fängt den Blitz ein?«, fragte er mit sanfter Stimme.
Auf ihrem derben Gesicht zeichnete sich Begreifen ab und sie fuchtelte mit den Händen herum. »Nein, nein! Nicht so ... nicht so!« Nicht so wie Ihr, hätte sie beinahe gesagt. »Es hat mit Drähten und Rädern und großen Tonkrügen und dem Licht weiß was zu tun. Er nennt es Blitzschläge, und ich habe mal gesehen, wie eine Ratte auf einen der Krüge sprang, auf die Eisenstangen, die oben herausragen. Es sah wirklich so aus, als wenn man vom Blitz getroffen wird.« Ein hoffnungsvoller Ton schlich sich in ihre Stimme ein. »Wenn Ihr wünscht, kann ich es ihm verbieten.«
Er versuchte sich vorstellen, wie jemand mit einem Spielzeugdrachen flog, aber das Bild war lächerlich. Blitze in Krügen einzufangen lag jenseits seiner Vorstellungskraft. Und dennoch... »Lasst sie damit weitermachen, Vorsteherin. Wer weiß? Vielleicht wird sich eine dieser Erfindungen noch als bedeutsam herausstellen. Wenn eine wie behauptet funktioniert, gebt Ihr dem Erfinder eine Belohnung.«