Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Annekjes Blick huschte von Leonard zu meinem Gesicht, und sie begriff sofort, was schiefgegangen war. Sie stand still und ließ den Tadel des Kapitäns mit gesenktem Kopf über sich ergehen, dann marschierte sie auf die Luke zu, die in den Frachtraum mit den Ziegen führte, ihr Zicklein fest im Arm. Im Vorübergehen kniff sie mir feierlich ein Auge. Wir würden es erneut versuchen. Nur wie?
Von Schuldgefühlen geplagt und von widrigen Winden gequält, ging mir Kapitän Leonard aus dem Weg und suchte Zuflucht auf seinem Quarterdeck, während wir vorsichtig an Acklin Island und Samana Cay vorübersegelten. Das Wetter unterstützte ihn bei diesem Ausweichmanöver; es blieb zwar sonnig, doch seltsame, leichte Brisen wechselten sich mit plötzlichen Windböen ab, so dass unablässig die Segel korrigiert werden mussten – keine leichte Aufgabe auf einem Schiff mit derart reduzierter Besatzung.
Es geschah vier Tage später, als wir gerade den Kurs wechselten, um in die Caicospassage einzufahren – ein plötzlicher, donnernder Windstoß traf das Schiff aus dem Nichts und erwischte es völlig unvorbereitet.
Ich war an Deck, als die Bö zuschlug. Auf ein plötzliches Wusch, das mir die Röcke blähte und mich über das Deck fliegen ließ, folgte ein scharfes, lautes Krack! irgendwo über mir. Ich prallte kopfüber mit Ramsdell Hodges zusammen, der zur Besatzung des Vorschiffs gehörte, und wir drehten gemeinsam eine wilde Pirouette, ehe wir miteinander verschlungen auf das Deck stürzten.
Überall herrschte Verwirrung; Matrosen rannten umher, und Befehle wurden gebrüllt. Ich setzte mich auf und versuchte, meinen zerstreuten Verstand zu sammeln.
»Was ist?«, wollte ich von Hodges wissen, der sich jetzt aufrappelte und die Hand ausstreckte, um mich hochzuziehen. »Was ist passiert?«
»Der verdammte Hauptmast ist gebrochen«, sagte er knapp. »Verzeihung, Ma’am. Aber so ist es nun einmal. Und das wird uns höllisch teuer zu stehen kommen.«
Die Porpoise dümpelte langsam nach Süden, denn ohne Hauptsegel wagte sie sich nicht zwischen die Sandbänke und Untiefen der Passage. Stattdessen ging Kapitän Leonard am nächsten geeigneten Ort an Land, um Reparaturen durchführen zu lassen – Bottle Creek auf North Caicos Island.
Diesmal durften wir an Land gehen, doch es nützte mir nicht viel. Die Inselchen der Turks- und Caicosgruppe waren winzig und trocken, verfügten kaum über Süßwasser und hatten nicht viel mehr zu bieten als zahlreiche kleine Buchten, die einem Schiff im Sturm Schutz gewähren konnten. Und die Vorstellung, mich auf einem Eiland ohne Nahrung und Wasser zu verstecken und auf einen passenden Hurrikan zu warten, der ein Schiff in meine Richtung wehte, kam mir nicht verlockend vor.
Für Annekje jedoch ergab sich durch unseren Kurswechsel ein neuer Plan.
»Ich kenne diese Insel«, sagte sie und nickte wissend. »Wir fahren Bogen jetzt, Grand Turk, Mouchoir. Nicht Caicos.«
Ich sah sie verständnislos an, und sie hockte sich hin und zeichnete mit dem stumpfen Zeigefinger auf den gelben Sand des Strandes.
»Da – Caicos Passage«, sagte sie und zeichnete zwei Striche. Oben zeichnete sie das kleine Dreieck eines Segels zwischen die Striche. »Durchfahren«, sagte sie und zeigte auf ihre Caicospassage, »aber Mast ist fort. Jetzt –« Mit flinken Fingern zeichnete sie mehrere unregelmäßige Kreise auf die rechte Seite der Passage. »North Caicos, South Caicos, Caicos, Grand Turk«, sagte sie und stieß nacheinander mit dem Finger in jeden Kreis. »Jetzt herumfahren – Riffe. Mouchoir.« Und sie zeichnete ein weiteres Paar Striche, um eine Passage südöstlich der Insel Grand Turk anzudeuten.
»Mouchoir-Passage?« Ich hatte gehört, wie die Seeleute davon sprachen, doch ich hatte keine Ahnung, was das mit meiner möglichen Flucht von der Porpoise zu tun hatte.
Annekje nickte strahlend, dann zeichnete sie ein Stück unterhalb ihrer bisherigen Illustrationen eine lange Wellenlinie. Sie wies stolz mit dem Finger darauf. »Hispaniola. St. Domingue. Große Insel mit Städten, viele Schiffe.«
Immer noch verblüfft, zog ich die Augenbrauen hoch. Sie seufzte, denn sie begriff, dass ich sie nicht verstand. Sie überlegte einen Moment, dann stand sie auf und klopfte sich den Sand von den kräftigen Oberschenkeln. Wir hatten in einem flachen Topf auf den Felsen Purpurschnecken gesammelt. Sie nahm den Topf, schüttete die Schnecken aus und füllte ihn mit Meerwasser. Dann stellte sie ihn in den Sand und winkte mir zuzusehen.
Sie rührte langsam in dem Wasser, so dass es sich im Kreis bewegte, dann hob sie den Finger heraus, der vom Blut der Schnecken dunkel gefärbt war. Das Wasser kreiste weiter an den Blechwänden entlang.
Annekje zog einen Faden aus ihrem ausgefransten Rocksaum, biss ein kurzes Stückchen ab und spuckte es ins Wasser. Es schwamm und folgte dem Wasser in trägen Kreisen durch den Topf.
»Ihr«, sagte sie und zeigte darauf. »Wasser bewegt Euch.« Dann zeigte sie wieder auf ihre Zeichnung im Sand. Ein neues Dreieck in der Mouchoir-Passage. Eine Linie, die sich von dem winzigen Segel nach links schwang und den Kurs des Schiffes anzeigte. Und dann rettete sie den Faden, der mich symbolisierte, aus dem Wasser. Sie legte ihn neben das kleine Segel, das die Porpoise repräsentierte, dann zog sie ihn von dort durch die Passage auf die Küste Hispaniolas zu.
»Springen«, sagte sie schlicht.
»Ihr seid verrückt!«, sagte ich entsetzt.
Sie gluckste zutiefst zufrieden, weil ich begriff. »Ja«, sagte sie. »Aber es geht. Wasser bewegt Euch.« Sie zeigte zum Ende der Mouchoir-Passage, zur Küste Hispaniolas und rührte noch einmal in dem Topf mit Wasser. Wir standen nebeneinander und sahen zu, wie die Wellen ihrer künstlichen Strömung verebbten.
Annekje warf mir einen nachdenklichen Seitenblick zu. »Versuchen, nicht zu ertrinken, ja?«
Ich holte tief Luft und strich mir das Haar aus den Augen.
»Ja«, sagte ich. »Ich versuche es.«
Kapitel 50
Ich begegne einem Priester
Für ein Meer war das Wasser bemerkenswert warm; im Vergleich mit Schottlands eisiger Brandung war es wie ein warmes Bad. Trotzdem war es aber ausgesprochen nass. Nachdem ich zwei oder drei Stunden dahingetrieben war, waren meine Füße taub, und meine Finger klammerten sich eiskalt an die Seile meines improvisierten Rettungsfloßes, das aus zwei leeren Fässern bestand.
Doch die Frau des Kanoniers hatte recht gehabt. Der lange Umriss, den ich auf der Porpoise undeutlich erspäht hatte, kam unablässig näher, und flache Hügel zeichneten sich dunkel wie schwarzer Samt vor dem Silberhimmel ab. Hispaniola – Haiti.
Es war mir zwar nicht möglich, die genaue Uhrzeit zu bestimmen, und doch hatte ich nach zwei Monaten an Bord eines Schiffes mit seinen regelmäßigen Glasen und Wachwechseln ein ungefähres Gefühl für das Verstreichen der Nachtstunden. Es musste ungefähr Mitternacht gewesen sein, als ich die Porpoise verließ; jetzt war es vermutlich etwa vier Uhr morgens, und immer noch trennte mich mehr als eine Meile vom Ufer. Meeresströmungen sind zwar stark, aber sie lassen sich Zeit.
Erschöpft vor Anstrengung und Sorge, schlang ich mir umständlich das Seil um mein Handgelenk, um nicht aus dem Rettungsgeschirr zu rutschen, legte meine Stirn auf eins der Fässer und schlief mit kräftigem Rumgeruch in der Nase ein.
Ich erwachte, weil etwas meinen Fuß streifte. Die Morgenröte war wie ein Opal; Meer und Himmel leuchteten in den Farben aus dem Inneren einer Muschel. Jetzt, da ich kalten Sand unter den Füßen hatte, konnte ich die Stärke der vorüberfließenden Strömung spüren, die an den Fässern zerrte. Ich befreite mich aus dem Seilgeschirr und ließ die hinderlichen Fässer mit großer Erleichterung ans Ufer treiben.
Dunkelrote Einkerbungen schnitten mir in die Schultern. Das Handgelenk, das ich in das Seil gewickelt hatte, war wund gescheuert; ich war durchgefroren, erschöpft und sehr durstig, und meine Beine fühlten sich gummiartig an wie gekochter Tintenfisch.