Zwischen Nacht und Dunkel
- Автор: Кинг Стивен Эдвин
- Год: 2010
- Язык: немецкий
- Год: Heyne Verlag
- ISBN: 978-3-641-05216-4
- Жанр: Мистика
Электронная книга - «Zwischen Nacht und Dunkel». Краткое содержание книги:
»Und welche Rolle spiele ich dabei? Ich habe eine, sonst wärst du wohl nicht hier.«
»Verscheißerst du mich, Wilf? Ich weiß, dass du ein schwieriges Jahr hinter dir hast, aber ich lasse mich trotzdem nicht von dir verscheißern.«
»Ich verscheißere dich nicht, aber du musst erkennen, dass du nicht als Einziger aufgebracht und beschämt bist. Sag mir einfach, was du willst, dann können wir vielleicht Freunde bleiben.«
Das einzigartig kalte Lächeln, mit dem er darauf reagierte - nur ein Zucken der Lippen und flüchtig auftauchende Grübchen in den Mundwinkeln -, sagte sehr viel darüber aus, wie wenig Hoffnung er darauf hatte.
»Ich weiß, dass du nicht reich bist, aber du musst trotzdem vortreten und deinen Teil der Verantwortung übernehmen. Ihre Zeit im Heim - die Schwestern nennen sie Geburtsvorbereitung - wird mich 300 Dollar kosten. Schwester Camilla hat am Telephon von einer Spende gesprochen, aber ich erkenne eine Gebühr, wenn ich von einer höre.«
»Wenn du vorschlagen willst, halbe-halbe zu machen…«
»Ich weiß, dass du keine 150 Dollar aufbringen kannst, aber du wirst hoffentlich die 75 aufbringen können, die eine Privatlehrerin kostet. So eine soll Shan helfen, schulisch auf dem Laufenden zu bleiben.«
»Das kann ich nicht. Arlette hat jeden Cent mitgenommen, als sie abgehauen ist.« Aber ich fragte mich erstmals, ob sie nicht vielleicht irgendwo ein paar Scheine versteckt hatte. Diese Sache mit den 200 Dollar, mit denen sie durchgebrannt sein sollte, war eine reine Lüge gewesen, aber sogar etwas Nadelgeld wäre in dieser Situation hilfreich gewesen.
»Nimm wieder einen Kurzkredit bei der Bank auf«, sagte er. »Wie ich höre, hast du den letzten bereits ganz zurückgezahlt.«
Natürlich hatte er das gehört. An sich fallen solche Dinge zwar unters Bankgeheimnis, aber Männer wie Harlan Cotterie haben lange Ohren. Ich fühlte eine Woge des Widerwillens gegen ihn. Er hatte mir für die Maisernte seinen Mähdrescher geliehen und nur 20 Dollar dafür genommen? Na und? Er verlangte diesen Betrag und noch mehr, als hätte seine kostbare Tochter nie die Beine breit gemacht und gesagt: Komm rein und streich die Wände an.
»Ich hatte Erntegeld, um ihn zurückzuzahlen«, sagte ich. »Das habe ich jetzt nicht mehr. Ich habe mein Land und mein Haus, aber das ist so ziemlich alles.«
»Lass dir was einfallen«, sagte er. »Nimm eine Hypothek auf das Haus auf, wenn’s sein muss. 75 Dollar sind dein Anteil, und wenn dein Junge dafür nicht mit fünfzehn Windeln wechseln muss, kommst du billig davon, finde ich.«
Er stand auf. Ich ebenfalls. »Und wenn mir nichts einfällt? Was dann, Harl? Schickst du dann den Sheriff her?«
Er verzog die Lippen zu einem verächtlichen Ausdruck, der meinen Widerwillen gegen ihn in Hass verwandelte. Das Ganze geschah sekundenschnell, und ich spüre diesen Hass noch heute, wo so viele andere Gefühle aus meinem Herzen ausgebrannt worden sind. »Wegen einer Sache wie dieser würde ich nie zur Justiz gehen. Aber wenn du dich davor drückst, deinen Teil der Verantwortung zu übernehmen, sind wir geschiedene Leute.« Er blinzelte ins abnehmende Tageslicht. »Ich fahre jetzt. Das sollte ich auch, wenn ich noch vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein
In Gedanken stieß ich ihn von der Veranda und sprang mit beiden Beinen auf seinen harten gewölbten Bauch, während er sich aufzurappeln versuchte. Dann holte ich meine Sichel aus der Scheune und stach ihm damit ein Auge aus. In Wirklichkeit blieb ich mit einer Hand auf dem Geländer stehen und sah zu, wie er die Stufen hinunterstapfte.
»Willst du nicht mit Henry reden?«, fragte ich. »Ich kann ihn rufen. Ihm tut das Ganze so leid wie mir.«
Harlan kam nicht aus dem Tritt. »Sie war rein, und dein Junge hat sie beschmutzt. Würdest du ihn herholen, würde ich ihn vielleicht niederschlagen. Ich könnte mich vielleicht nicht beherrschen.«
Da hatte ich so meine Zweifel. Henry war fast ausgewachsen, er war stark, und vor allem wusste er, wie man mordet. Und davon hatte Harl Cotterie nicht die geringste Ahnung.
Er brauchte den Nash nicht anzukurbeln, sondern musste nur auf einen Knopf drücken. Wohlhabend zu sein war auf alle mögliche Arten angenehm. »75 brauche ich, um diese Sache zum Abschluss zu bringen!«, rief er laut, um das Hämmern und Knattern des Motors zu übertönen. Dann beschrieb er einen engen Kreis um den Hackklotz, trieb George und seinen Harem in die Flucht und fuhr auf seine Farm mit dem großen Stromgenerator und dem fließenden Wasser zurück.
Als ich mich umdrehte, stand Henry blass und zornig neben mir. »Sie dürfen sie nicht einfach so wegschicken!«
Er hatte also gelauscht. Ich kann nicht behaupten, dass mich das überraschte.
»Sie können und werden es tun«, sagte ich. »Und wenn du jetzt unbesonnen etwas Dummes tust, machst du eine schlimme Situation nur noch schlimmer.«
»Wir könnten durchbrennen. Uns würde niemand erwischen. Wenn wir mit … mit dem davongekommen sind, was wir getan haben … dann traue ich mir auch zu, mit meinem Mädchen nach Colorado durchzubrennen, ohne geschnappt zu werden.«
»Das würdest du nicht schaffen«, sagte ich, »so ganz ohne Geld. Mit Geld lässt sich alles richten, sagt er. Und ich sage dir: Kein Geld verdirbt alles. Das weiß ich genau, und Shannon wüsste es auch. Sie muss jetzt auf ihr Baby aufpassen …«
»Nicht wenn sie gezwungen wird, es herzugeben!«
»Das ändert nichts daran, was eine Frau empfindet, wenn sie einen kleinen Kerl im Bauch hat. Das macht sie auf eine Weise lebensklug, die Männer nicht verstehen. Weder bist du noch ist sie in meiner Achtung gesunken, nur weil sie ein Kind bekommt - ihr seid nicht die Ersten, und ihr werdet nicht die Letzten sein, auch wenn Mr. Großmächtig glaubt, sie würde das, was sie zwischen den Beinen hat, nur auf dem Wasserklosett benutzen. Aber wenn du ein im fünften Monat schwangeres Mädchen bedrängen würdest, mit dir durchzubrennen … und wenn sie dazu bereit wäre … würde ich die Achtung vor euch beiden verlieren.«
»Was weißt du denn schon?«, sagte er mit unendlicher Verachtung. »Du konntest nicht mal eine Kehle durchschneiden, ohne Pfusch zu machen.«
Ich war sprachlos. Er sah meine Verwirrung und ließ mich so stehen.
Am nächsten Tag fuhr er zwar in die Schule, aber ich ahnte, dass er nicht mehr lange hingehen würde, seit sein Schatz nicht mehr dort war. Vermutlich lag das an dem Lastwagen. Einem Jungen ist jede Ausrede recht, wenn er einen Wagen fahren darf.
Sobald er fort war, ging ich in die Küche. Ich kippte Zucker, Mehl und Salz aus ihren Blechdosen und rührte darin herum. In den Häufchen war nichts zu finden. Ich ging ins Schlafzimmer und durchsuchte ihre Kleidung. Wieder nichts. Ich sah in ihren Schuhen nach, ohne fündig zu werden. Aber jeder Misserfolg verstärkte meine Gewissheit, irgendwo gebe es etwas.
Ich hatte Arbeit im Garten, aber statt sie zu tun, ging ich nach draußen hinter den Stall, wo der alte Brunnen gewesen war. Auf ihm wuchs jetzt Unkraut: Quecken, dazwischen vereinzelt Goldruten. Elpis war dort unten, Arlette auch. Arlette mit ihrem verschobenen Unterkiefer. Arlette mit ihrem Clownsgrinsen. Arlette mit ihrem Haarnetz.
»Wo ist es, du widerborstige Schlampe?«, fragte ich sie. »Wo hast du es versteckt?«
Ich bemühte mich, möglichst an gar nichts zu denken, so wie es mir mein Vater immer geraten hatte, wenn ich ein Werkzeug oder eines meiner wenigen kostbaren Bücher verlegt hatte. Kurze Zeit später ging ich zurück ins Haus, zurück ins Schlafzimmer, zurück an den Kleiderschrank. Im oberen Fach standen zwei Hutschachteln. In der ersten fand ich nur einen Hut - den weißen, den sie in der Kirche getragen hatte (wenn sie sich die Mühe machte, zum Gottesdienst zu gehen, was ungefähr einmal im Monat vorkam). Der Hut in der zweiten Schachtel war rot, und ich hatte sie nie damit gesehen. Mir kam er wie ein Nuttenhut vor. Unter dem Innenband aus Satin steckten zwei zu winzigen Quadraten in Pillengröße zusammengefaltete 20-Dollar-Scheine. Während ich hier in diesem schäbigen Hotelzimmer