Lichtenstein
- Автор: Гауф Вильгельм
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Gondrom-Verlag
- ISBN: 978-3-8112-0267-2
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Lichtenstein». Краткое содержание книги:
Dieser erste bedeutende historische Roman der deutschen Literatur erschien 1826, in der Biedermeierzeit, und handelt vor allem von der Herrschaft des Herzogs Ulrich von Württemberg, die Hauff nicht ohne romantische Verklärung beschreibt. Der historische Roman ist schon als Gattung, von Walter Scott herkommend, konservativ ausgerichtet; darin trifft er sich mit der Restaurationszeit.
Der Truchseß zog die dunkeln, buschigen Augenbrauen zusammen, und schoß einen durchdringenden Blick auf den Jüngling, der so kühn war, anderer Meinung zu sein als er. »Was fällt Euch ein, Junker!« rief er; »Eure Reden helfen Euch jetzt nichts, es handelt sich nicht darum, ob es sich mit Eurem kindischen Gewissen verträgt was wir Euch auftragen; es handelt sich um Gehorsam, wir wollen es, und Ihr müßt!«
»Und ich will nicht!« entgegnete ihm Georg mit fester Stimme. Er fühlte, daß mit dem Zorn über Waldburgs beleidigenden Ton sein Mut von Minute zu Minute wachse, er wünschte sogar, der Truchseß möchte noch weiter in seinen Reden fortfahren, denn jetzt glaubte er sich jeder Entscheidung gewachsen.
»Ja freilich, freilich!« lachte Waldburg in bitterem Grimm, »das Ding hat Gefahr, so allein in Feindesland herumzureiten. Ha! Ha! Da kommen die Junker von Habenichts und Binnichts und bieten mit großen Worten und erhabenen Gesichtern ihren Kopf und ihren tapferen Arm an, und wenn es drauf und dran kommt, wenn man etwas von ihnen haben will, so fehlt es am Herz. Doch Art läßt nicht von Art, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – und wo nichts ist: da hat der Kaiser das Recht verloren.«
»Wenn dies eine Beleidigung für meinen Vater sein soll«, antwortete Georg erbittert, »so sitzen hier Zeugen, die ihm bezeugen können, daß er in ihrem Gedächtnisse als ein Tapferer lebt. Ihr müßt viel getan haben in der Welt, daß Ihr Euch herausnehmt auf andere so tief herabzusehen!«
»Soll ein solcher Milchbart mir vorschreiben was ich reden soll?« unterbrach ihn Waldburg; »was braucht es da das lange Schwatzen? ich will wissen, Junkerlein, ob Ihr morgen Euer Pferd satteln, und Euch nach unseren Befehlen richten wollet oder nicht!«
»Herr Truchseß«, antwortete Georg mit mehr Ruhe als er sich selbst zugetraut hatte; »Ihr habt durch Eure scharfe Reden nichts gezeigt, als daß Ihr wenig wisset, wie man mit einem Edelmann, der dem Bunde seine Dienste anbot, wie man mit dem Sohn meines tapfern Vaters sprechen müsse. Ihr habt aber als Oberster dieses Rates im Namen des Bundes zu mir gesprochen und mich so tief beleidigt, als ob ich Euer ärgster Feind wäre, darum kann ich nichts tun, als wie Ihr selbst befehlt, mein Roß satteln, aber gewiß nicht zu Eurem Dienst. Es ist mir nicht länger Ehre, diesen Fahnen zu folgen, nein, ich sage mich los und ledig von Euch für immer; gehabt Euch wohl!«
Der junge Mann hatte mit Nachdruck und Festigkeit gesprochen, und wandte sich, zu gehen.
»Georg!« rief Frondsberg, indem er aufsprang, »Sohn meines Freundes! –«
»Nicht so rasch, Junker«, riefen die übrigen, und warfen mißbilligende Blicke auf Waldburg; aber Georg war, ohne sich umzusehen, aus dem Gemach geschritten, die eiserne Klinke schlug klirrend ins Schloß und die gewaltigen Flügel der eichenen Pforte lagerten sich zwischen ihn und den wohlmeinenden Nachruf der besser gesinnten Männer; sie schieden Georg von Sturmfeder auf ewig von dem Schwäbischen Bunde.
X
O wenn die Nacht des Grames dich umschlinget,
Mit schwerem Leid dein wundes Herz oft ringet,
Wenn nur der Stern, der nach der Sonne stehet,
Der Liebe Stern in dir nicht untergehet.