Herr des Chaos
- Автор: Джордан Роберт
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Herr des Chaos». Краткое содержание книги:
»Ich fürchte, dazu ist es schon zu spät«, sagte Elayne niedergeschlagen. »Die Nachricht macht bereits die Runde.«
Larissa Lyndel und Zenare Ghodar schössen wie Falken aus unterschiedlichen Richtungen auf Nynaeve zu. Larissa war eine grobknochige Frau, deren Unansehnlichkeit die Alterslosigkeit der Aes Sedai fast überwog. Zenare war ein wenig rundlich und ausreichend stolz für zwei Königinnen, aber beide machten eifrige und erwartungsvolle Gesichter. Sie gehörten der Gelben Ajah an, obwohl sie beide nicht im Raum gewesen waren, als sie Siuan und Leane geheilt hatte.
»Ich möchte Euch den ganzen Vorgang Schritt für Schritt durchführen sehen, Nynaeve«, sagte Larissa und ergriff ihren Arm.
»Nynaeve«, sagte Zenare, während sie ihren anderen Arm ergriff, »ich wette, daß ich hundert Dinge finden kann, an die Ihr niemals gedacht habt, wenn Ihr das Gewebe oft genug wiederholt.«
Salita Toranes, Tairenerin und fast so dunkel wie eine Angehörige des Meervolks, schien aus dem Nichts zu kommen. »Wie ich sehe, sind mir andere schon zuvorgekommen. Nun, verbrenne meine Seele, wenn ich mich anstellen werde.«
»Ich war zuerst hier, Salita«, sagte Zenare bestimmt und ergriff Nynaeves Arm fester.
»Ich war zuerst hier«, widersprach Larissa und griff ebenfalls fester zu.
Nynaeve warf Elayne einen Blick reinen Entsetzens zu und bekam Mitleid und ein Achselzucken als Antwort. Das hatte Elayne mit ihrer Bemerkung gemeint, es sei schon zu spät. Sie würde nach dieser Geschichte keinen wachen Moment mehr für sich haben.
»...wütend?« sagte Zenare gerade. »Ich weiß auf Anhieb fünfzig Arten, sie wütend genug zu machen, um Felsen zu sprengen.«
»Ich weiß hundert Arten«, erwiderte Larissa. »Ich beabsichtige, ihre Blockade zu lösen, und wenn es das letzte ist, was ich tue.«
Magla Daronos bahnte sich gewaltsam ihren Weg zu der Gruppe. Sie wirkte, als führe sie ein Schwert oder einen Schmiedehammer. »Du willst sie nur lösen, Larissa? Ha! Ich weiß mehrere Arten, sie ihr ganz zu nehmen.«
Nynaeve hätte am liebsten geschrien.
Siuan gelang es nur mühsam, Saidar nicht zu umarmen und festzuhalten, aber sie dachte, sie würde sonst vielleicht wieder weinen. Das hätte keinen Sinn. Außerdem würde es den Frauen im Aufenthaltsraum gegenüber wie die Zurschaustellung einer törichten Novizin erscheinen. Jeder Ausdruck der Verwunderung und Freude, jedes herzliche Willkommen, als wäre sie jahrelang fort gewesen, war Balsam für ihre Seele, besonders von jenen, die schon ihre Freunde gewesen waren, bevor sie Amyrlin wurde, bevor die Zeit und die Pflichten sie auseinanderrissen. Lelaine und Delana schlangen ihre Arme um sie wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Moiraine war die einzige, die ihr noch nahestand.
die einzige neben Leane, die sie als Freundin behalten hatte, nachdem sie die Stola umgelegt hatte, und die Pflichten hatten dabei geholfen, sie zusammenzuhalten.
»Es tut gut, dich wiederzuhaben«, lachte Lelaine.
»Sehr gut«, murmelte Delana herzlich.
Siuan lachte und mußte sich gleichzeitig Tränen von den Wangen wischen. Licht, was war mit ihr los? Sie hatte selbst als Kind nicht so schnell geweint!
Vielleicht war es einfach die Freude darüber, Saidar wiedererlangt zu haben, und wegen all der Herzlichkeit um sie herum. Das Licht wußte, daß das alles zusammengenommen genügte, um jedermann aus der Fassung zu bringen. Sie hatte niemals zu träumen gewagt, daß dieser Tag kommen würde, und jetzt, da er gekommen war, hatte sie gegen keine dieser Frauen mehr etwas einzuwenden, nicht wegen ihrer früheren abweisenden Kälte und nicht wegen ihres Beharrens darauf, daß sie sich auf ihren Platz besinnen sollte. Die Linie zwischen Aes Sedai und anderen war eindeutig — sie hatte darauf bestanden, bevor sie einer Dämpfung unterzogen wurde —, und sie wußte, wie sie zu ihrem eigenen Nutzen und dem Nutzen jener, die noch immer die Macht lenken konnten mit, gedämpften Frauen umgehen mußte. Wie sie mit ihnen hatte umgehen müssen. Wie seltsam es war, daß das niemals wieder so sein würde.
Aus den Augenwinkeln sah sie Gareth Bryne die Stufen seitlich des Raumes herauftrotten. »Entschuldigt mich einen Moment«, sagte sie und eilte ihm nach.
Aber sie mußte alle zwei Schritte stehenbleiben, um auf dem ganzen Weg zur Treppe Glückwünsche entgegenzunehmen, wodurch sie ihn nicht erreichte, bis er bereits einen Gang im zweiten Stock hinablief. Sie eilte voran und pflanzte sich vor ihm auf. Sein überwiegend graues Haar war windzerzaust und sein kantiges Gesicht und der abgetragene Ledermantel staubig. Er wirkte zuverlässig wie ein Fels.
Er hob ein Bündel Papiere hoch, sagte: »Ich muß dies abliefern, Siuan«, und versuchte, um sie herumzugehen.
Sie stellte sich ihm erneut in den Weg. »Ich wurde geheilt. Ich kann die Macht wieder lenken›«
Er nickte. Er nickte nur! »Ich habe Gerüchte darüber gehört. Das bedeutet vermutlich, daß du meine Hemden von jetzt an durch das Lenken der Macht säubern wirst. Vielleicht werden sie dann wirklich sauber. Ich habe es bereits bedauert, Min so einfach gehen gelassen zu haben.«
Siuan sah ihn an. Der Mann war kein Narr. Warum gab er vor, nicht zu verstehen? »Ich bin wieder eine Aes Sedai. Erwartest du wirklich von einer Aes Sedai, daß sie deine Hemden wäscht?«
Nur um es ihm noch besser zu verdeutlichen, umarmte sie Saidar — dieses lange vermißte Wohlgefühl war so wunderbar, daß sie erschauderte — hüllte ihn in Stränge aus Luft und hob ihn an. Versuchte ihn anzuheben. Sie versuchte es keuchend stärker, bis das Wohlgefühl sie wie mit tausend Haken stach. Seine Stiefel hoben sich keinen Millimeter vom Boden.
Das war unmöglich. Die eigentlich einfache Handlung, etwas hochzuheben, war zugegebenermaßen eines der schwierigsten Dinge beim Lenken der Macht, aber sie hatte bereits ihr dreifaches Körpergewicht anheben können.
»Soll mich das beeindrucken oder erschrecken?« fragte Bryne ruhig. »Sheriam und ihre Freunde haben ihr Wort gegeben, der Saal hat sein Wort gegeben, und, was noch wichtiger ist, du hast dein Wort gegeben, Siuan. Ich würde dich selbst dann nicht entkommen lassen, wenn du wieder die Amyrlin wärst. Jetzt mach rückgängig, was immer du getan hast, oder ich werde dich, wenn ich mich selbst daraus befreit habe, auf den Kopf stellen und dich wegen deines kindischen Verhaltens schütteln. Du bist sehr selten kindisch, also brauchst du nicht zu denken, daß ich dich jetzt damit anfangen lasse.«
Benommen ließ sie die Quelle los. Nicht wegen seiner Drohung — er war dessen fähig; er hatte es schon früher getan, aber es war dennoch nicht deshalb — und nicht aus Entsetzen darüber, daß sie ihn nicht hatte anheben können. Tränen schienen wie ein Springbrunnen in ihr aufzuwallen. Sie hoffte, daß das Loslassen Saidars sie aufhalten würde. Einige Tränen liefen dennoch ihre Wangen hinab, wie fest sie auch blinzelte.
Gareth umschloß ihr Gesicht mit beiden Händen, bevor sie auch nur bemerkte, daß er sich bewegt hatte. »Licht, Frau, erzähl mir nicht, daß ich dich erschreckt habe. Ich habe geglaubt, du würdest nicht einmal Angst bekommen, wenn du in eine Löwengrube fielst.«
»Ich bin nicht erschreckt«, sagte sie steif. Gut, sie konnte noch immer lügen. Tränen, die sich innerlich aufbauten.
»Wir müssen einen Weg finden, dem anderen nicht ständig an die Kehle zu gehen«, sagte er leise.
»Es gibt keinen Grund, warum wir einen Weg für etwas finden müßten.« Sie kamen. Sie kamen. Oh, Licht, sie durfte es ihn nicht sehen lassen. »Laß mich einfach allein. Bitte, geh einfach.« Verwunderlicherweise zögerte er nur einen Moment, bevor er ihrer Aufforderung nachkam.
Als sie schließlich Stiefelgeräusche hinter sich hörte, konnte sie gerade noch um die Ecke in den Quergang fliehen, bevor der Damm brach und sie auf die Knie sank und jämmerlich weinte. Sie wußte jetzt, was es war. Alric, ihr Behüter. Ihr verstorbener Behüter, der ermordet wurde, als Elaida sie absetzte. Sie konnte lügen — die Drei Eide waren noch unwirksam —, aber ein Teil ihres Bundes mit Alric, eines Bundes von Fleisch zu Fleisch und von Geist zu Geist, war wieder zum Leben erweckt worden. Der Schmerz über seinen Tod, der zunächst durch das Entsetzen über das, was Elaida beabsichtigt hatte, verdeckt worden war —dieser Schmerz füllte sie jetzt vollkommen aus. Weinend an der Wand kauernd, war sie nur froh, daß Gareth dies nicht sah. Ich habe keine Zeit, mich zu verlieben, verdammt sei er!