Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Warum ausgerechnet ich?«, fragte ich schließlich und wandte mich von der Grabplatte ab.
Er sah schwach überrascht aus.
»Weil Ihr seid, wer Ihr seid.« Seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen, selbstironischen Lächeln. »Wenn man seine Seele verkaufen will, geziemt es sich dann nicht, die Mächte der Finsternis aufzusuchen?«
»Ihr glaubt wirklich, dass ich eine Macht der Finsternis bin?« Es war offensichtlich; er war zwar ein Meister des Spotts, doch sein Angebot war frei von jeder Ironie gewesen.
»Abgesehen von dem, was man in Paris über Euch erzählte, habt Ihr es mir selbst gesagt«, stellte er fest. »Als ich Euch in Wentworth gehen ließ.« Er verlagerte in der Dunkelheit das Gewicht auf dem Mauervorsprung.
»Das war ein großer Fehler«, sagte er leise. »Ihr hättet diesen Ort nie lebend verlassen dürfen, gefährliches Geschöpf, das Ihr seid. Und doch hatte ich keine Wahl; Euer Leben war der Preis, den er festgesetzt hat. Und ich hätte noch mehr bezahlt für das, was er mir gegeben hat.«
Ich stieß ein leises Zischen aus, das ich augenblicklich unterdrückte, jedoch zu spät, um zu verhindern, dass er mich hörte. Er saß jetzt halb auf dem Mauervorsprung und ruhte mit einer Hüfte auf dem Stein, während er das andere Bein ausgestreckt hatte, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Draußen brach der Mond durch die dahinrasenden Wolken und beleuchtete ihn von hinten durch das zerstörte Fenster. Im Zwielicht, den Kopf halb abgewandt und die grausamen Linien rings um seinen Mund von der Dunkelheit ausradiert, hätte ich ihn wie schon zuvor beinahe mit dem Mann verwechseln können, den ich geliebt hatte. Mit Frank.
Doch diesen Mann hatte ich verraten; aufgrund meiner Entscheidung würde es ihn niemals geben. Denn die Sünden der Väter sollen über die Kinder kommen … ihn an der Wurzel ausreißen, so dass sein Name unter den Stämmen Israels vergessen wird.
»Hat er es Euch erzählt?«, fragte die angenehme Stimme unbeschwert im Schatten. »Hat er Euch je von den Dingen erzählt, die zwischen uns geschehen sind, ihm und mir, in diesem Kämmerchen in Wentworth?« In meinem Schrecken und meiner Wut stellte ich fest, dass er Jamies Weisung Folge leistete; nicht ein einziges Mal benutzte er seinen Namen. »Er.« »Ihm.« Niemals »Jamie«. Das gehörte mir.
Ich hatte die Zähne fest zusammengebissen, doch ich zwang die Worte dazwischen hindurch.
»Er hat es mir erzählt. Alles.«
Er stieß ein leises Geräusch aus, fast ein Seufzer.
»Ob Euch das gefällt oder nicht, meine Liebe, wir sind verbunden, Ihr und ich. Ich kann nicht sagen, dass es mir gefällt, doch ich gestehe zumindest ein, dass es so ist. Ihr wisst genau wie ich, wie sich seine Haut anfühlt – so warm, nicht wahr? Fast so, als ob ein Feuer in ihm brennt. Ihr kennt seinen Schweißgeruch und die rauhen Härchen an seinen Oberschenkeln. Ihr kennt den Laut, den er am Ende ausstößt, wenn er sich verloren hat. Ich auch.«
»Ruhe«, sagte ich. »Seid still!« Er ignorierte mich, lehnte sich an die Wand und redete nachdenklich weiter, als führte er ein Selbstgespräch. Mit frischer Wut erkannte ich den Impuls, der ihn dazu bewegte – nicht, wie ich gedacht hatte, die Absicht, mich aus der Fassung zu bringen, sondern ein überwältigendes Bedürfnis, von einem Geliebten zu sprechen; das Vergangene laut auszusprechen und es noch einmal zu durchleben. Denn mit wem konnte er sonst auf diese Weise über Jamie sprechen?
»Ich gehe jetzt!«, sagte ich laut und fuhr auf dem Absatz herum.
»Ach ja?«, sagte die ruhige Stimme hinter mir. »Ich kann Euch General Hawley in die Hände liefern. Oder Ihr könnt zulassen, dass er die schottische Armee besiegt. Eure Entscheidung, Madam.«
Ich empfand das starke Bedürfnis zu erwidern, dass General Hawley es nicht wert war. Doch ich dachte an die schottischen Anführer, die jetzt in Holyrood einquartiert waren – Kilmarnock und Balmerino und Lochiel, nur ein paar Meter entfernt auf der anderen Seite der Klostermauer. An Jamie selbst. An die Tausende von Clan-Schotten, die ihnen folgten. War die Chance auf einen Sieg das Opfer meiner Gefühle wert? Und war dies der Wendepunkt, erneut ein Moment der Entscheidung? Wenn ich nicht zuhörte, wenn ich nicht auf den Handel einging, den Randall vorschlug, was dann?
Ich drehte mich langsam um. »Dann redet«, sagte ich. »Wenn Ihr müsst.« Meine Wut schien ihn nicht zu beeindrucken, und über die Möglichkeit, dass ich ihn abweisen könnte, schien er sich keine Sorgen zu machen. Die Stimme in der dunklen Kirche war gelassen, kontrolliert wie die eines Dozenten.
»Ich frage mich, wisst Ihr«, sagte er, »ob Ihr von ihm je genauso viel bekommen habt wie ich?« Er neigte den Kopf zur Seite, und seine Gesichtszüge nahmen scharfe Formen an, als er aus dem Schatten kam. Das flüchtige Licht fiel kurz von der Seite auf ihn und ließ seine grünbraunen Augen leuchten wie die eines Tiers, das man im Gebüsch versteckt erspäht.
Der triumphierende Unterton seiner Stimme war zwar schwach, aber unmissverständlich.
»Ich«, sagte er leise, »ich habe ihn gehabt, wie Ihr es niemals könntet. Ihr seid eine Frau; Ihr könnt das nicht verstehen, und wenn Ihr noch so sehr eine Hexe seid. Ich habe die Seele seiner Männlichkeit in meiner Hand gehalten, habe von ihm genommen, was er von mir genommen hat. Ich kenne ihn so, wie er mich jetzt kennt. Wir sind verbunden, er und ich, durch unser Blut.«
Zwei werden eins, mein Körper sei dein …
»Ihr habt eine sehr seltsame Methode gewählt, mich um Hilfe zu bitten«, sagte ich mit zitternder Stimme. Meine Hände waren in den Stoff meines Rocks gekrallt, der sich kalt zwischen meinen Fingern ballte.
»Ach ja? Ich halte es für besser, wenn Ihr mich versteht, Madam. Ich bitte Euch nicht um Mitleid, ich appelliere nicht an Eure Macht, wie ein Mann Erbarmen bei einer Frau suchen würde, indem er sich auf das beruft, was man als weibliches Mitgefühl bezeichnet. Wäre das so, würdet Ihr schließlich wohl auch um seiner selbst willen zu meinem Bruder gehen.« Eine schwarze Haarsträhne fiel ihm lose in die Stirn; er strich sie mit einer Hand zurück.
»Ich ziehe eine klare Absprache zwischen uns vor, Madam; ich bezahle für Eure Dienste – denn Ihr müsst wissen, Madam, dass meine Gefühle Euch gegenüber die gleichen sind, wie Ihr sie für mich empfinden müsst.«
Das war ein Schock. Während ich um eine Antwort rang, fuhr er fort.
»Wir sind verbunden, Ihr und ich, durch den Körper eines Mannes – durch ihn. Ich würde eine solche Verbindung nicht durch den Körper meines Bruders herstellen wollen; ich ersuche Euch um Hilfe bei der Heilung seines Körpers, doch ich riskiere es nicht, dass seine Seele Eure Beute wird. Nun sagt mir; ist der Preis, den ich Euch anbiete, akzeptabel für Euch?«
Ich wandte mich von ihm ab und schritt durch das hallende Mittelschiff. Ich zitterte so sehr, dass sich meine Schritte unsicher anfühlten und mich jede Berührung des harten Bodens unter meinen Sohlen wie ein Ruck durchfuhr. Das Rahmenwerk des großen Fensters über dem verlassenen Altar ragte schwarz vor dem Weiß der dahinrasenden Wolken auf, und dünne Schäfte aus Mondlicht erhellten meinen Weg.
Als ich mich am Ende des Mittelschiffs nicht weiter von ihm entfernen konnte, blieb ich stehen und stützte mich mit beiden Händen an der Wand ab. Es war zu dunkel, um auch nur die Buchstaben auf der Marmorplatte unter meinen Händen zu sehen, doch ich konnte die kühlen Konturen der steinernen Verzierungen deutlich spüren. Die Rundung eines kleinen Schädels, der auf gekreuzten Oberschenkelknochen ruhte, eine fromme Version der Piratenflagge. Ich ließ den Kopf vornüberfallen, Stirn an Stirn mit dem unsichtbaren Totenschädel, der meine Haut so glatt wie ein Knochen berührte.
Ich wartete mit geschlossenen Augen, bis der Brechreiz nachließ und sich der Puls, der hitzig in meinen Schläfen dröhnte, abkühlte.
Es ändert nichts, sagte ich mir. Ganz gleich, was er ist. Ganz gleich, was er sagt.
Wir sind verbunden, Ihr und ich, durch den Körper eines Mannes … Ja, aber nicht durch Jamie. Nicht durch ihn!, sagte ich hartnäckig, zu ihm, zu mir. Ja, du hast ihn genommen, du Schwein! Aber ich habe ihn zurückgeholt, ich habe ihn von dir befreit. Du hast nicht den geringsten Anteil an ihm! Doch der Schweiß, der mir über die Rippen rann, und der Klang meines schluchzenden Atems straften meine Überzeugung Lügen.