Dunkel ist die Zukunft
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 1997
- Язык: немецкий
- Год: Weltbild Verlag GmbH
- ISBN: 3-86047-833-8
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Dunkel ist die Zukunft». Краткое содержание книги:
»Schnell jetzt!« wisperte er. »Sie sind abgelenkt, aber Skudder und die anderen kommen bestimmt gleich wieder. Keinen Laut!«
Charity deutete ein Nicken an, blickte aber konzentriert zum Feuer hinüber.
»Ich verschwinde jetzt«, wisperte Gurk ihr ins Ohr. »Gib mir einen Augenblick Vorsprung, okay? Wir rechnen ab, wenn wir uns wiedersehen.«
»Abrechnen?« wiederholte Charity verstört. »Wieso? Was meinst du?«
Gurk lachte leise. »Mach dir keine Sorgen. Du hast unbegrenzten Kredit bei mir.«
»Warte!« sagte Charity hastig. »Du ...«
Aber Gurk hörte schon gar nicht mehr zu. Für ein, zwei Sekunden hörte sie noch seine Schritte, dann verklangen auch sie; der Zwerg war so lautlos verschwunden, wie er aufgetaucht war.
Und als sie den Kopf drehte, um nach ihm zu sehen, hatte auch Net sich davongemacht.
Entschlossen sprang auch Charity auf und schlich sich davon in die Schwärze der Nacht.
Raoul senkte das Fernglas und gab es ihm zurück, schüttelte aber rasch den Kopf, als Skudder es ansetzen wollte. »Hat keinen Zweck mehr«, sagte er halblaut. »Sie ist zwischen den Felsen verschwunden. Irgendwo dort oben.« Seine Hand machte eine vage Bewegung in die Dunkelheit hinein. »Und Kink?«
»Tot«, antwortete Raoul knapp. Nach einer kurzen Weile fügte er hinzu. »Aber das hast du ja wohl gewollt, oder?«
Skudder war nicht sicher, aber er glaubte so etwas wie einen Vorwurf aus Raouls Worten herauszuhören.
»Nein«, antwortete er grob, während er sich fragte, ob Raoul vielleicht sogar recht hatte. »Aber ich kann nicht gerade sagen, daß es mir das Herz bricht.«
Raoul sah ihn an, und obwohl Skudder nicht in seine Richtung blickte, sondern die Dunkelheit zu durchdringen versuchte, in der Laird untergetaucht war, spürte er seine Blicke fast wie eine unangenehme Berührung.
»Irgendeines Tages bricht dir dein Gerechtigkeitssinn noch den Hals«, prophezeite er düster.
Skudder antwortete gar nicht. Wenn er an dem, was passiert war, überhaupt etwas bedauerte, dann höchstens den Umstand, Kink nicht selbst den Hals aufgeschlitzt zu haben. Außerdem hatten sie wichtigere Dinge zu tun, als sich den Kopf über das Schicksal eines Psychopathen zu zerbrechen, der in seinem Leben mehr Menschen umgebracht hatte, als er Läuse auf dem Kopf gehabt hatte.
»Was ist mit dem Mädchen?«
»Die Wastelanderin« Raoul zuckte mit den Achseln. »Sieht so aus, als wäre sie in die entgegengesetzte Richtung gelaufen. Die beiden waren wohl nicht unbedingt dicke Freundinnen.« Er lächelte, griff unter seine Weste und zog einen flachen, schwarzen Kasten heraus. Auf seiner Vorderseite begann ein mattgrünes, münzgroßes Auge zu leuchten, als er einen Knopf drückte. Ein winziger roter Punkt bewegte sich über den Miniaturbildschirm. Sehr langsam, und noch nicht sehr weit von seinem Zentrum entfernt.
Skudder betrachtete den Sucher einen Moment lang nachdenklich, dann, als Raoul ihm das Gerät auffordernd hinhielt, schüttelte er den Kopf. Er mochte die Technik der Moroni so wenig wie sie selbst. Außerdem kannte er andere Mittel und Wege, einer Spur zu folgen.
»Noch nicht«, sagte er. »Gebt ihr eine Stunde Vorsprung. Die Jungs sollen ein bißchen Lärm machen, damit sie glaubt, wir suchen sie.«
Raoul nickte wortlos, steckte den Sucher wieder ein und wollte sich herumdrehen, aber Skudder hielt ihn noch einmal zurück. »Bart und ein paar Jungs sollen das Mädchen zurückholen«, befahl er. »Aber vorsichtig. Ich will sie lebend und unverletzt. Und bringt mir diesen verdammten Zwerg.«
»Auch lebend und unverletzt?« fragte Raoul.
Skudder antwortete erst nach einer Weile.
»Lebend«, sagte er.
7
Die Nacht war wie eine schwarze Wand, in die sie hineingelaufen war. Während der ersten zehn Minuten rannte sie einfach, blindlings und beinahe ziellos, stürmte durch Dickicht und dürres Geäst. Es kam Charity gar nicht richtig zu Bewußtsein, daß sie auf diese Weise früher oder später sehr wohl in eine wirkliche Schlucht stürzen konnte. Für Minuten hatte sie Panik übermannt; es war pures Glück, daß sie sich in dieser Zeit nicht selbst umbrachte oder den Sharks geradewegs wieder in die Arme lief. Aber schließlich übernahm ihr bewußtes Denken wieder die Kontrolle über ihre Handlungen. Sie lief langsamer, versuchte sich zu orientieren - ein Vorhaben, das sie rasch wieder aufgab - und blieb schließlich stehen, um zu lauschen.
Im ersten Moment hörte sie nur das Hämmern ihres eigenen Herzschlages und ihre eigenen, lauten Atemzüge, aber nach einer Weile begann sie andere Geräusche zu identifizieren - das Heulen des Windes, hier und da ein gedämpftes Knacken, das ihr verriet, daß sie nicht das einzige Lebewesen in dieser Einöde war, und ganz leise die Stimmen der Sharks.
Aufmerksam sah sie sich um, entdeckte nicht weit entfernt einen Felsen, der die Ebene wie ein einsamer Wachtturm überragte, und machte sich an den Aufstieg.
Aber sie war kaum einen Meter weit gekommen, als sie verwirrt innehielt. Was im blassen Silberlicht des Mondes wie ein Fels ausgesehen hatte, war in Wahrheit eine von Moos überwucherte, verwitterte Ruine.
Ohne es zu bemerken, war sie die ganze Zeit durch eine Ruinenlandschaft gelaufen: Schwarze Steinhaufen schimmerten im Mondlicht, alte Stahlträger stachen in den Nachthimmel. Es war eine verfallene Stadt - eine Stadt, die sie vielleicht gekannt hatte.
Diese Erkenntnis erschreckte sie, und plötzlich wußte sie, wo sie war, zweifelsfrei ... Der zerborstene Turm, vor dem sie stand, hatte einmal zu einer kleinen, weißen Kirche gehört, das Schiff war verschwunden, aber es gab keinen Zweifeclass="underline" Auf der Vorderfront des Schuttberges neben ihr hatten einmal die Buchstaben TOWN HALL gestanden.
Es war Brainsville. Drei Monate vor ihrer Flucht in den Bunker war sie hier gewesen, und dann noch einmal am Abend der Katastrophe, aber da hatte die Stadt schon gebrannt.
Der Gedanke erschreckte sie. Zum ersten Mal sah sie wirklich, was mit ihrer Welt geschehen war. Alles andere, die Berge, die Ebene, die zerfallene Farm, selbst die Sharks, gehörte zu einer völlig anderen Welt, in die sie hineingeschleudert worden war, aber Brainsville war der erste wirkliche und unleugbare Beweis, daß es sie nicht auf einen anderen Planeten oder in ein anderes Universum verschlagen hatte.
Charity schauderte. Es fiel ihr schwer, die Lähmung abzuschütteln, mit der dieses jähe Wiedererkennen sie erfüllte, und sich in Erinnerung zu rufen, warum sie eigentlich hier war.
Irgendwo in den Ruinen hörte sie ein Geräusch. Charity fuhr zusammen, griff ganz instinktiv nach dem leeren Halfter an ihrer Seite und wurde sich schmerzhaft der Tatsache bewußt, daß sie unbewaffnet war.
Wenigstens wußte sie endlich, wo sie sich befand. Sie war nur ein paar Meilen vom Haupteingang des Bunkers entfernt - fünf, sechs Meilen bergauf.
Alles andere als ein Spaziergang, aber mit etwas Glück konnte sie es schaffen, ehe es Tag wurde.
Wieder - und nicht zum letzten Mal - kamen ihr Zweifel.
Vielleicht hatte Gurk ja recht gehabt, und es war nichts als eine Legende, und vielleicht fand sie statt den sagenumwobenen Tiefen nur eine ausgebrannte Ruine - aber wenn es sie gab, dann wußte sie, wo sie sie suchen mußte. In den Ruinen von SS Nulleins.
Es wurde wirklich kein Spaziergang. Die Sharks hatten ihr auch ihre Uhr abgenommen, so daß sie nicht wußte, wie lange sie so durch die Nacht irrte, aber es waren Stunden. Charity fühlte sich bald so erschöpft, daß sie sich am liebsten einen Platz zum Schlafen gesucht hätte, ganz egal, ob sie nun von den Sharks verfolgt wurde oder nicht. Sie hatte die Ruinen durchsucht und schließlich eine rostige Eisenstange gefunden, keine besonders gute Waffe, aber besser als nichts.