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Das Nachtvolk

Электронная книга - «Das Nachtvolk». Краткое содержание книги:

Volker von Alzey genießt als Barde und Minnesänger von Worms einen besonderen Ruf. Nicht nur, daß er die schönsten Lieder zu singen und die unglaublichsten Geschichten zu spinnen weiß - er versteht sich auch auf das weibliche Geschlecht. Als er sich mit der Frau eines sächsischen Gesandten einläßt, wird ihm dieser Fehltritt zum Verhängnis. Hagen, der über alle Dinge am Königshofe wacht, weist ihn aus der Stadt. Volker soll die Nichte König Gunthers wiederfinden, die in geheimnisvollen Sümpfen Aquitaniens lebt. Dort soll, so lautet eine Sage, das verwunschene Nachtvolk hausen, das von keinem menschlichen Heer zu besiegen ist. Keine Frage, daß Volker die Herausforderung annimmt, doch schon bald steckt er in Schwierigkeiten, die er sich auch mit seiner blühenden Phantasie nicht ausmalen konnte.
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Volker schluckte. Sein Dolch mußte den Kopf des Ungeheuers verfehlt haben. Oder... Er atmete tief durch. Ein stechender Schmerz zuckte durch seine linke Seite, als sich sein Brustkorb hob und senkte. Hatte er sich den Drachen vielleicht nur eingebildet? Er war entkräftet und erschöpft. Spielten seine Sinne ihm einen Streich?

Womöglich war sein Boot an ein fremdes Ufer gespült worden, das der Nebel vor seinen Blicken verborgen hielt? Neue Hoffnung keimte in ihm auf. Der Spielmann kroch zum Bug des Nachens, beugte sich über die Bordwand und tastete mit seinem Schwert nach festem Grund. Er mußte sich nicht tief hinunterbeugen, um mit der Klinge auf Widerstand zu stoßen. Das Wasser war hier weniger als eine Elle tief. Er war dem Sumpf ein zweites Mal entkommen! Hier an Land konnte er sich einen Lagerplatz suchen und ein Feuer machen! Er würde ein paar Tage hierbleiben, und wenn seine Kräfte zurückgekehrt waren, dann würde er sich erneut an die Verfolgung der Feen machen.

Vorsichtig ließ er sich über den Rand des Bootes gleiten. Seine Beine hatten kaum die Kraft, ihn zu tragen, und er mußte sein Schwert als Stütze nutzen. Wie ein alter Bettler kam er das Ufer hinauf. Der Boden war steinig. Nur hier und dort wuchsen einige Büschel welken Grases. Der Nebel schien noch dichter zu sein als im Sumpf. Kaum konnte man die Hand vor Augen sehen.

Humpelnd kämpfte Volker sich voran. Das Ufer stieg sanft an. Ein eigenartiger Stein schälte sich vor ihm aus dem Dunst. Der Felsblock war vielleicht einen Schritt breit, dafür aber fast so hoch wie zwei Männer. Verschlungene Spiralenmuster waren tief in seine verwitterte Oberfläche eingekerbt. War dies ein Grenzstein, der den Übergang zur Feenwelt markierte?

Volker schluckte. Er mußte sich gegen solch dummen Aberglauben verschließen! Wahrscheinlich war dieser Stein nichts weiter als ein Relikt aus den Zeiten der Heiden.

Es begann wieder zu regnen. Er sollte sich schleunigst nach einem Unterschlupf umsehen! Wenn die Kälte in seine Knochen zurückkehrte, wäre er verloren. Humpelnd plagte er sich weiter den flachen Hügel hinauf. Der felsige Untergrund wich weichem Torfboden. Er traf auf einen Weg, der in die sanften Hügelflanken einschnitt. Der Pfad war so schmal, daß dort kaum zwei Männer aneinander vorbeigekommen wären.

Je weiter er vorwärtsging, desto höher stiegen rechts und links die Hügelflanken. Fast schien es, als habe ein Riese mit einem Schwerthieb den Weg mitten zum Herzen des Hügels getrieben. Schließlich stand der Spielmann vor einem niedrigen Höhleneingang, der mit mächtigen, grauen Steinen eingefaßt war. Auch hier fanden sich wieder verschlungene Muster, so wie auf dem Grenzstein.

Der Regen wurde heftiger. Wenn er der Nässe entkommen wollte, blieb ihm keine Wahl. Vorsichtig betrat er die dunkle Höhle. Seine Glieder schienen wie aus Blei gegossen. Schleppend tastete er sich an der Wand der Höhle entlang. Die Finsternis hier war vollkommen.

Der Spielmann wußte nicht, wie lange er dem Pfad tiefer ins Innere des Hügels gefolgt war, als er strauchelte. Er hatte keine Kraft mehr, sich zu erheben, und die Kälte kehrte zurück. Seine Füße fühlten sich wie zwei Eisklötze an. Ein dumpfes Pochen breitete sich von der Wunde in seiner Brust aus. Er mußte ein Feuer entzünden! Seine Hände glitten über den Boden. Er bekam einen dünnen, von Wind und Wasser glattpolierten Stock zu fassen. Sein Messer... Er brauchte es, um Funken aus dem Feuerstein zu schlagen, den er in einem Lederbeutel an seinem Gürtel trug. Es lag irgendwo draußen vor der Höhle!

Jetzt half nur noch zu beten. Er wußte, daß er die Höhle nicht mehr verlassen konnte. Nun lag es bei Gott, ob er weiterleben oder hier in einem Erdloch am Ende der Welt sterben würde.

8. KAPITEL

Zufrieden blickte Golo zu den vier Pferden, die nur ein paar Schritt entfernt angebunden waren. Sie waren seine Zukunft, die Garanten für viele fette Jahre! Wenn nur dieser verdammte Regen nicht wäre.

Er war zu der Weggabelung vor dem Wald zurückgekehrt, wo er in der letzten Nacht noch gemeinsam mit den beiden Rittern gelagert hatte. So ohne Begleitung in der Wildnis zu sein war ihm unheimlich. Morgen würde er dem Pfad folgen, den Gwalchmai gekommen sein mußte. So würde er diesem verfluchten Sumpf entkommen.

Während er im Wald die Pferde suchte, hatte er Pläne gemacht. Zunächst würde er sich auf den Weg nach Niort begeben, jener berühmten Stadt der Troubadoure, in der er mit Volker Unterkunft genommen hatte, bevor sie die unglückselige Reise in die Sümpfe antraten. Dort würde er mit Leichtigkeit ein bequemes Quartier finden. Wenn das Wetter besser würde, könnte er dann nach Norden reiten. Die Landschaft bei Troyes hatte ihm recht gut gefallen. Vielleicht würde er sich dort Land kaufen. Ein ansehnlicher Teil der Reisekasse befand sich in einer verborgenen Tasche, die in den Packsattel des Lastpferdes eingearbeitet war. So brauchte er sich um Geld zunächst einmal keine Sorgen zu machen. Auch im Gepäck des toten Kaledoniers hatte er einen reichen Vorrat an Silbermünzen gefunden. Einen Teil davon würde er aufwenden, um für die beiden toten Ritter gleich in der Wallfahrtskirche von Niort Messen lesen zu lassen. Schließlich wollte er nicht, daß ihre rachsüchtigen Geister ihm in seinem weiteren Leben nachstellten.

Auch heute abend hatte er bereits für Volker und Gwalchmai gebetet. Golo starrte in das kleine Feuer, das er entfacht hatte, und versank in dumpfes Brüten. In wie kurzer Zeit sich sein Leben doch vollständig verändert hatte! Ob man ihm glauben würde, daß die Schlachtrösser ihm gehörten? In Niort hatte man ihn zusammen mit Volker gesehen. Was würde geschehen, wenn ihn ein eifersüchtiger Wirt bei den Stadtherren als Mörder und Dieb anzeigte? Vielleicht war es doch klüger, eine andere Route einzuschlagen als jenen Weg, den er gemeinsam mit seinem Herren genommen hatte. Und was war mit den Geistern der beiden Ritter? Würden sie ihm seinen neuen Wohlstand gönnen, oder erwarteten sie von ihm, daß er ihren Tod sühnte? Doch was konnte er schon tun? Er war ein Bauernsohn ohne Macht und Einfluß, und obendrein war er noch völlig allein in einem fremden Land.

Golo seufzte. Das Leben als ein freier und reicher Mann war anstrengender, als er gedacht hatte. Dann grinste er. Sobald er sich einen Hof gekauft hatte, würde er sich einen Knecht zulegen. Endlich könnte er dann einmal anderen sagen, was zu tun sei. Er würde morgens noch faul im Bett neben seinem hübschen Weib liegen, während der Knecht in den Stall ging, um die Tiere zu versorgen.

Er war nicht sonderlich ansehnlich, das wußte Golo genau, doch sein Geld würde ihn in den Augen der Bauernmädchen von Troyes so hübsch wie einen Prinzen erscheinen lassen. Er würde sich eins nehmen, das einen reichen Vater hatte. So konnten sie nach dessen Tod die beiden Güter vereinigen. Ja, so würde er es machen! Wenn eines Tages die Zeit gekommen wäre, seine letzte Reise anzutreten, dann würde er soviel Land wie ein Baron besitzen!

Golo rollte sich vor dem Feuer zusammen, zog sich Volkers warmen Reitmantel bis zum Kinn und gab sich seinen süßen Zukunftsträumen hin.

Als Volker erwachte, schien ein blasses Gesicht über ihm in der Finsternis zu schweben. Rotgoldene Locken rahmten das feingeschnittene Antlitz. Das mußte eine Fee oder ein Engel sein. Der Spielmann schluckte. Sein Hals war wie ausgedörrt. Die Kälte war aus seinen Gliedern gewichen. Er fieberte, und pochender Schmerz pulsierte in der Wunde an seiner Brust. Er wollte sich aufstützen, doch die Fremde legte ihm sanft eine Hand auf den Arm. »Bleib liegen, fremder Krieger, der du zwischen den Gebeinen der toten Helden erstanden bist. Ich möchte nicht auch dein Klagelied singen.«

Volker verstand den Sinn ihrer Worte nicht, doch versuchte er zu nicken. Die Fremde war gewiß eine Fee. Wäre er im Himmel, dann würde es nicht so finster wie in einem Grab sein. Nur ein kleines Öllämpchen, das in einer Nische in der Wand stand, erhellte die Dunkelheit. Jetzt konnte sich der Spielmann wieder erinnern, wo er war. Eine Höhle, tief im Herzen der Erde, die Insel... Wie Ausschnitte eines Gobelins tauchten Bilder der vergangenen Tage in seiner Erinnerung auf, doch gab es auch viele Lücken, so als seien Stücke aus dem Wandteppich herausgeschnitten.

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