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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp

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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp
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Ich wusste nicht, ob das mit dem Klauen ein Scherz war, und sagte: »Danke.«

»Keine Ursache.« Luke setzte sich neben mich und lehnte sich an die Wand. »Harten ersten Tag gehabt?«

»Ich hab hier nichts zu suchen«, sagte ich. »Ich glaub ja nicht mal an Götter.«

»Ja«, sagte er. »So haben wir alle angefangen. Und wenn du erst an sie glaubst? Dann wird es auch nicht leichter.«

Die Verbitterung in seiner Stimme überraschte mich, weil Luke mir bisher ziemlich lässig vorgekommen war. Er sah aus, als könnte er so ungefähr mit allem fertig werden.

»Dein Vater ist also Hermes?«, fragte ich.

Er zog ein Springmesser aus der Hosentasche und eine Sekunde lang dachte ich, er wollte mich damit aufschlitzen, aber er kratzte nur den Lehm von seiner Sandalensohle. »Ja. Hermes.«

»Der Bote mit den Flügelschuhen?«

»Genau. Der. Boten, Ärzte, Reisende, Händler, Diebe. Alle, die auf den Straßen unterwegs sind. Deshalb bist du hier und kannst die Gastfreundschaft von Hütte 11 genießen. Hermes nimmt es nicht so genau mit seinen Schützlingen.«

Ich ging davon aus, dass Luke mich damit nicht als Niemand bezeichnen wollte. Er hatte nur so vieles andere im Kopf.

»Hast du deinen Dad mal getroffen?«, fragte ich.

»Einmal.«

Ich wartete und dachte, wenn er es mir erzählen wollte, dann würde er es mir erzählen. Offenbar wollte er nicht. Ich hätte gern gewusst, ob diese Geschichte irgendetwas mit seiner Narbe zu tun hatte.

Luke schaute auf und brachte ein Lächeln zu Stande. »Mach dir keine Sorgen, Percy. Die Leute hier sind fast alle in Ordnung. Schließlich gehören alle zur Verwandtschaft, oder? Wir kümmern uns umeinander.«

Er schien zu begreifen, wie verloren ich mir vorkam, und dafür war ich dankbar, denn ein älterer Typ wie er – auch wenn er als Tutor fungierte – hätte doch eigentlich einen Bogen um einen uncoolen Mittelstufler wie mich machen müssen. Aber Luke hatte mich in der Hütte willkommen geheißen. Er hatte sogar Toilettensachen für mich gestohlen und das war das Netteste, was an diesem Tag irgendwer für mich gemacht hatte.

Ich beschloss, ihm meine letzte große Frage zu stellen, über die ich mir schon den ganzen Nachmittag Gedanken gemacht hatte. »Clarisse, die Tochter von Ares, hat darüber Witze gerissen, dass ich angeblich Material für die ›Großen Drei‹ bin. Und Annabeth hat … Zweimal hat sie gesagt, ich könnte der ›Richtige‹ sein. Sie hat gesagt, ich sollte mit dem Orakel sprechen. Wovon reden die alle?«

Luke ließ sein Messer zuschnappen. »Ich hasse Weissagungen.«

»Wie meinst du das?«

Sein Gesicht um die Narbe herum zuckte. »Sagen wir es so: Ich habe für alle anderen alles vermasselt. Seit zwei Jahren, seit mein Ausflug in die Gärten der Hesperiden schiefgegangen ist, hat mir Chiron keinen Auftrag mehr geben wollen. Und Annabeth will unbedingt in die Welt hinaus. Sie hat Chiron dermaßen zugesetzt, dass er ihr endlich erzählt hat, dass er ihr Schicksal bereits kennt. Es gibt da eine Weissagung des Orakels. Er will ihr nicht alles sagen, meint aber, dass für Annabeth jetzt noch kein Auftrag vorgesehen ist. Sie muss warten, bis … bis jemand ganz Besonderes ins Camp kommt.«

»Jemand ganz Besonderes.«

»Mach dir da keine Sorgen, Kleiner«, sagte Luke. »Annabeth möchte bei jedem Neuen, der hier reinschneit, glauben, dass er das Omen ist, auf das sie wartet. Und jetzt komm, wir gehen essen.«

Kaum hatte er das gesagt, als in der Ferne ein Horn erscholl. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass es sich um ein Muschelhorn handelte, obwohl ich noch nie eins gehört hatte.

Luke schrie: »Elf, los geht’s!«

Alle aus der Hütte, wir waren an die zwanzig, marschierten im Gänsemarsch auf den Hof. Wir stellten uns in einer Reihe auf: Die am längsten im Camp waren, ganz vorn, ich als Letzter. Auch aus den anderen Hütten kamen Leute, abgesehen von den drei leeren ganz vorn und von Hütte 8, die bei Tageslicht normal ausgesehen hatte, aber jetzt im Sonnenuntergang silbern zu leuchten begann.

Wir marschierten den Hang hoch zum Speisepavillon. Von der Wiese her schlossen sich uns Satyrn an. Najaden tauchten aus dem See auf. Andere Mädchen kamen aus dem Wald – und wenn ich sage, aus dem Wald, dann meine ich, direkt aus dem Wald. Ich sah eine, die vielleicht neun oder zehn Jahre alt war, sich aus einem Ahornbaum lösen und dann den Hang hochspringen.

Insgesamt waren wir vielleicht hundert Campbewohner, einige Dutzend Satyrn und ein gemischtes Dutzend Waldnymphen und Najaden.

Im Pavillon loderten Fackeln an den Marmorsäulen. In der Mitte brannte in einem Bronzebecken von Badewannengröße ein Feuer. Jede Hütte hatte ihren eigenen Tisch, mit einer weißen, lila bestickten Decke. Vier Tische waren leer, der von Hütte 11 schrecklich überfüllt. Ich musste mich auf die Kante einer Bank quetschen und eine Hinterbacke hing runter.

Ich sah Grover. Er saß mit Mr D, einigen Satyrn und ein paar molligen Knaben am Tisch, die aussahen wie Mr D. Chiron stand daneben, der Picknicktisch war viel zu klein für einen Zentauren.

Annabeth teilte ihren Tisch mit einigen anderen ernsthaft aussehenden athletischen Kindern; alle hatten ihre grauen Augen und ihre honigblonden Haare.

Clarisse saß hinter mir an Ares’ Tisch. Sie hatte die Wasserspiele offenbar heil überstanden, denn sie lachte und rülpste mit ihren Freundinnen.

Endlich schlug Chiron mit einem Huf auf den Marmorboden des Pavillons und alles verstummte. Er hob ein Glas. »Auf die Gottheiten!«

Alle anderen hoben ebenfalls ihre Gläser. »Auf die Gottheiten.«

Waldnymphen brachten Schüsseln voller Trauben, Äpfel, Erdbeeren, Käse, frischem Brot und, ja, auch Grillfleisch. Mein Glas war leer, aber Luke sagte: »Sprich mit ihm. Sag, was immer du willst – solange es nicht alkoholisch ist, natürlich.«

Ich sagte: »Cherry Coke.«

Das Glas füllte sich mit einer brausenden braunen Flüssigkeit.

Dann kam mir eine Idee. »Blaue Cherry Coke.«

Sofort nahm das Getränk ein intensives Kobaltblau an.

Ich nippte vorsichtig daran. Perfekt.

Ich trank auf meine Mutter.

Sie hat mich nicht verlassen, dachte ich. Nicht für immer jedenfalls. Sie ist in der Unterwelt. Und wenn das ein echter Ort ist, dann, irgendwann …

»Bitte sehr, Percy«, sagte Luke und reichte mir eine Schüssel mit geräucherter Geflügelbrust.

Ich lud mir den Teller voll und wollte gerade einen großen Bissen nehmen, als alle aufstanden und mit ihren Tellern zum Feuer in der Mitte des Pavillons gingen. Es sah aus, als ob sie sich ein Dessert holen wollten.

»Na los«, sagte Luke zu mir.

Als ich näher kam, sah ich, dass alle etwas von ihrem Teller nahmen und ins Feuer warfen, die reifste Erdbeere, das saftigste Stück Fleisch, das wärmste, knusprigste Brötchen.

Luke murmelte mir ins Ohr: »Brandopfer für die Gottheiten. Der Geruch gefällt ihnen.«

»Du machst Witze.«

Sein Blick mahnte mich, die Sache ernst zu nehmen, aber ich fragte mich ernstlich, warum ein unsterbliches, allmächtiges Wesen sich über den Geruch verbrannten Essens freuen sollte.

Luke trat an das Feuer heran, senkte den Kopf und warf eine Dolde dicker roter Trauben hinein. »Hermes.«

Dann kam ich an die Reihe.

Ich hätte gern gewusst, welchen Gott ich nennen könnte.

In Gedanken betete ich ein Stoßgebet. Wer immer du bist, sag es mir. Bitte.

Ich warf eine dicke Scheibe Brustfleisch in die Flammen.

Als ich den Geruch wahrnahm, wurde mir nicht schlecht. Es roch überhaupt nicht wie verbranntes Essen. Es duftete nach heißem Kakao und frischen Plätzchen, nach gegrillten Hamburgern und Wiesenblumen und hundert anderen guten Dingen, die eigentlich nicht zueinander passten, hier aber harmonisch vereint waren. Ich konnte mir fast vorstellen, dass die Gottheiten sich von diesem Geruch ernährten.

Als alle wieder saßen und ihre Mahlzeit fast verzehrt hatten, klopfte Chiron abermals mit dem Huf auf den Boden, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen.

Mr D erhob sich mit tiefem Seufzen. »Ja, also, ich sollte euch Gören wohl allen guten Tag sagen. Also, guten Tag. Unser Animateur, Chiron, sagt, dass wir am Freitag wieder die Flagge erobern werden. Der Lorbeer gebührt derzeit Hütte 5.«

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