Das Schwert des Königs
- Автор: Berberick Nancy Varian
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #2
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Schwert des Königs». Краткое содержание книги:
Stanach wollte ihm das Schwert zurückgeben, doch der Elf war schneller. Da erst sah er es, und für einen langen Augenblick verschlug es ihm den Atem.
Feuriges Licht zog sich durch das Blut auf dem Stahl.
Großer Reorx, dachte er benommen. Das ist es! Sturmklinge!
Dann war Tyorl aufgesprungen und Sturmklinge fort, hoch erhoben in der Hand des Elfen und außer Reichweite von Stanach.
Auf der Straße hatte Lavim dem Madchen einen Stein aus der Hand gerissen und damit fest auf den Schädel seines Gegners geschlagen. Knochen knackten, der Soldat schrie, und Lavim schlug sicherheitshalber noch einmal zu.
Der Elf war außer Atem. Stanach sah ihn zweifelnd an. Er blutete aus einer Schulterwunde, seine Augen waren trübe, fast leer. Wenn du hier stirbst, dachte Stanach kalt, dann habe ich, wonach ich gesucht habe, Freund, und ich werde dir dafür dankbar sein. Oh, ich werde dir wahrlich dankbar sein!
Der Elf fiel nicht. Er hob das Kinn, wischte sich das Blut vom Gesicht und sah Stanach mit großer Willensanstrengung direkt an: »Ich bin in Ordnung.«
Stanach schnaubte. »Aber kannst du auch laufen?« Der Elf zuckte kaum. »Laufen? Wenn ich muß.« Stanach zeigte zurück zur Stadt. Wie befürchtet, kamen die vier Drakonier um die Ecke. »Du mußt«, sagte er finster. Genau, dachte er, du mußt. Du und Sturmklinge, ihr müßt mit mir laufen, mein Freund. Sie rannten los.
8
Es gab kein Licht. Es hatte keins gegeben, seit ihm bewußt war, daß er an diesem Ort war. Hauk hatte keine Ahnung, wie lange das her war. Er war weder gefesselt noch angekettet, aber er konnte sich nicht bewegen. Er lag auf feuchtem Stein, und die Kälte sickerte in ihn ein und umfing seine Knochen wie Schüttelfrost.
Es kam ihm so vor, als ob ihm noch nie warm gewesen wäre. Alle seine Erinnerungen drehten sich um einen Schrecken, der durch Mark und Bein ging, um das Sterben – und um eine endlos wiederholte Frage.
Wo ist das Schwert mit den Saphiren?
Er war zweimal gestorben, seit er hier gelandet war. Sein erster Tod war schnell und schmerzhaft gewesen, mit kaltem Stahl im Bauch. Das Blut war aus ihm herausgeströmt. Beim zweiten Mal hatte er in der ewigen Dunkelheit gelegen und gespürt, wie der Tod näher kam. Er hatte gespürt, wie er sich unaufhaltsam wie ein Jäger heranpirschte, hatte ihn kommen gehört wie ein Sommergewitter, das durch ein Tal rollt. Obwohl er nicht gefesselt war, hatte er sich nicht bewegen können. Er hatte im Dunkeln gelegen und auf das Nahen des Todes gelauscht. Stumm hatte er zu jedem Gott gebetet, der vielleicht zuhören würde. Dennoch kam der Tod. Mit Schritten wie Donner, einer Stimme wie einer Totenklage, die seinen Namen rief.
Zwischen den beiden Toden schwebte die eine Frage: Wo ist das Schwert mit den Saphiren?
Hauk antwortete nicht. Er erlaubte sich nicht einmal, die Antwort zu denken oder sich an das Schwert oder das Schankmädchen zu erinnern, dem er es gegeben hatte. Wer ihn zweimal töten konnte, konnte auch das Leuchten in den grünen Augen des Mädchens ausblasen, wie ein Mann, der eine Kerze löscht.
Wer ihn zweimal töten konnte, konnte ihr Herz nur mit seinem Willen durchbohren. Wie ein Dolch, der silbern durch den dicken, blauen Rauch einer Taverne zischte.
Warum jemand das Schwert mit den Saphiren so dringend brauchte, wußte er nicht.
Darum lebte er in einer Einöde aus Warten und Schrecken. Er wußte nicht, wann er schlief oder wann er wach war. Die Dunkelheit verursachte ihm Alpträume, und die gleichen bösen Träume, die ihn im Schlaf plagten, verfolgten ihn im Wachzustand.
Doch jetzt, mitten in der Einöde, wurde Hauk langsam bewußt, daß er nicht allein war. Die Luft fühlte sich plötzlich anders an. Es war nur eine Ahnung, daß sich jemand in der Nähe bewegte.
Da atmete jemand in der Finsternis. Kurze Atemzüge hallten um ihn herum wider, und er erkannte, daß er an einem Ort mit Wänden war. Eine Stimme murmelte vor sich hin. Angst beschlich Hauk und nistete sich kalt und schwer in seinem Herzen ein.
Das war nicht die gnadenlose Stimme, die nach dem Schwert gefragt hatte. Jene Stimme war hart und scharf wie Stahl gewesen. Diese hier war anders: dünner, gebrochener.
Oder war es sein eigenes Murmeln, sein eigenes Geflüster?
Licht explodierte in der Finsternis, das Schatten die Wände hochlaufen ließ und feurige Pfeile in seine Augen schoß. Hauk brüllte vor Schmerz. Er konnte weder den Kopf wegdrehen noch die Augen schließen. Das Licht wurde abgeblendet.
Hinter Hauks schmerzenden Augen brannte das feuerumrahmte Bild eines Zwerges, der mit hoch erhobener Laterne bei seinen Füßen auf dem Boden kauerte.
»Wer…?« stöhnte er. Es kam keine Antwort, sondern ein kurzes Luftholen und das leise Huschen von Füßen in Stiefeln, die über Stein liefen.
»Wer bist du!« Ein Schluchzen. Ein langes, gequältes Stöhnen. Stille. Hauk war wieder allein in der Einöde.
9
Der kalte Wind verfolgte sie bis direkt an den Waldrand und ließ erst nach, als sie unter das Dach der Bäume getreten waren. Stanach zitterte, als sich der kühle Schauer des Aberglaubens seinen Rücken entlangschlich. Nie hätte er gedacht, daß er je nach Qualinesti kommen würde, und es half nichts, daß er erst eine Viertel-Tagesreise in den Elfenwald eingedrungen war. Ob am Rand des Waldes oder in seinem Herzen, Stanach war sicher, daß der Ort sich überall gleich anfühlen würde: bewacht, behütet, beschützt.
Sein Leben lang hatte Stanach Geschichten von Reisenden gehört, die nach Qualinesti gewandert waren. Diese Geschichten wurden nie von den Reisenden selbst erzählt. Niemand, der den Elfenwald ungebeten betreten hatte, war je wieder herausgekommen. Wenn es nicht um Sturmklinge und sein Gelübde gegangen wäre, hätte Stanach sich am Rand des Waldes verabschiedet und sich lieber den Drakoniern gestellt. Aber er hatte seinem Lehnsherrn beim Namen des Schwertes geschworen, es zurückzubringen.
Er, Lavim und Kelida hatten nach Tyorl den Wald betreten. Der Elf hinkte und kam nur langsam voran, aber keiner widersprach ihm, als er ihnen versicherte, daß kein Drakonier ihnen ins sagenhafte Qualinesti folgen würde.
Auch wenn er keinen Widerspruch einlegte, war Stanach keinesfalls glücklich darüber, daß sie im Wald in Richtung Westen liefen, während Pfeifer in den Hügeln im Südosten auf ihn wartete. Vor zwei Tagen hatte er den Zauberer in den Hügeln südlich von Langenberg seinem Schicksal überlassen. War Pfeifer seinen Verfolgern entkommen? Vier gegen einen, das konnte böse enden!
Trotzdem, dachte er, als er sich durch dorniges Unterholz arbeitete, wir hatten keine Wahl. Einer von uns mußte nach Langenberg. Einer mußte das Schwert finden.
Stanachs Herz wurde schwer. Schlingpflanzen wanden sich um abgebrochene Äste. Dichtes Unterholz bedeckte den Boden, als hätte man ihm befohlen, den Pfad zu verdecken. Er folgte Sturmklinge blindlings in den Elfenwald und kam sich vor wie ein Eindringling.
Aber einer hatte das Schwert finden müssen, einer mußte beweisen, daß Kyan Rotaxt nicht umsonst gestorben war. Er würde Sturmklinge folgen, einen Weg finden, es zu bekommen, und darauf vertrauen, daß Pfeifer am Treffpunkt wartete.
Kelida hatte Sturmklinge getragen, seit sie in den Wald gekommen waren. Tyorl hatte ihr angeboten, es zu nehmen, doch sie hatte abgelehnt. Stanach wußte nicht, warum sie darauf bestand, das Schwert zu schleppen. Die Klinge schlug ihr bei fast jedem Schritt gegen das Bein. Große Blutergüsse waren die unangenehme Folge.
Der Zwerg fragte sich, wie sie zu dem Schwert gekommen war. Letzten Endes war es gleichgültig, wie Kelida es erworben hatte; jetzt ging es nur darum, daß er einen Weg fand, es zurück nach Thorbardin zu bringen.
Er wußte nicht, wie er das machen sollte. Zwar war es wahr, daß er keine Skrupel hätte, Sturmklinge zu stehlen, aber es war auch so, daß er nicht das Risiko eingehen würde, in Qualinesti einen Elfen zu bestehlen. Stanach wußte nicht, wie das Mädchen und der Elf zueinander standen, aber ihm war klar, daß es egal war, ob er Kelida oder Tyorl bestahl.