Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Er fiel so schnell zurück, daß er kaum Zeit für einen hastigen Atemzug fand.
Diesmal versank er nicht ganz so tief, und er war geistesgegenwärtig genug, hastige Schwimmbewegungen zu machen, die ihn wieder an die Oberfläche tragen sollten.
Es ging nicht.
Eine unsichtbare Kraft zerrte an seinen Beinen, riß ihn herum und weiter in die Tiefe und ließ ihn abwechselnd kopfstehen und aufrecht und mit ebenso wild wie vergebens rudernden Armen weitersinken. Ein immer stärkerer Schmerz pochte in seiner Lunge. Sein Bewußtsein begann zu schwinden. Blutiger Nebel breitete sich vor seinen Augen aus und legte sich schwer auf seine Gedanken. Das Denken fiel ihm von Sekunde zu Sekunde schwerer. Gewaltsam mußte Torian gegen den immer stärker werdenden Impuls ankämpfen, den Mund aufzureißen und nach Luft zu schnappen, was den sicheren Tod bedeutet hätte. In ein paar Augenblicken würde er es tun, das wußte er.
Der Druck auf seine Lungen wurde unerträglich. Seine Sinne begannen zu schwinden. Er spürte, wie seine Bewegungen schwächer wurden und der Sog ihn immer heftiger herumwirbelte, sah Farben und Formen in einem irrsinnigen Kaleidoskop um sich tanzen, dann ergriff irgend etwas seinen Fuß und zerrte daran. Die Wasseroberfläche glänzte wie ein zerbrochener Silberhimmel über ihm. Unendlich weit über ihm. Und sie entfernte sich immer weiter. Erst jetzt erkannte er, daß er so ziemlich das Falscheste tat, was er überhaupt tun konnte. Er verschwendete seine Kraft sinnlos damit, gegen die reißende Strömung anzukämpfen und kam deshalb nicht aus dem Strudel heraus. Er gab seinen Widerstand auf, wurde noch rascher herumgewirbelt – und dann wurde er vom Schwung der Drehbewegungen aus dem Strudel herausgeschleudert. Der unbarmherzige Sog ließ schlagartig nach.
Torian raffte die letzten Kraftreserven zusammen, die er noch aufbringen konnte, um wieder in die Höhe zu kommen; diesmal der Strömung des Wassers folgend, statt dagegen anzukämpfen.
Dann, als er glaubte, es gar nicht mehr aushaken zu können, war es vorbei. Er riß den Mund auf und schnappte gierig nach Luft. Es dauerte einen Herzschlag lang, bis er merkte, daß er kein tödliches Wasser, sondern wirklich Luft in seine gequälte Lunge sog. Keuchend atmete er den herrlichen Sauerstoff ein, spürte, wie die tödliche Klammer um seine Rippen brach und spuckte Wasser. Die Luft schien mit Eiskristallen durchsetzt zu sein und stach wie Nadeln in seine Lunge, doch er beachtete es nicht.
Aber noch war die Gefahr längst nicht vorbei.
Schäumend raste eine neue Welle heran und schlug über ihm zusammen. Erneut wurde er nach unten gedrückt, kämpfte sich wieder hoch und spie Wasser aus. Um ihn herum tanzte und brodelte der Fluß, sprudelnder Schaum und kochendes Wasser waren alles, was er sah. Löcher in der Flußoberfläche rissen auf, brüllende Strudel, die sich mit irrsinniger Geschwindigkeit drehten, bis sie von den zusammenschlagenden Wassermassen wieder eingeschlossen wurden. Gischt sprühte meterhoch in die Luft, verband sich mit den roten Kreisen vor Torians Augen zu einem dichten, blutigen Schleier. Wie mit gigantischen Fäusten schlug die Strömung ohne Unterlaß auf ihn ein. An zielgerichtete Schwimmbewegungen war gar nicht zu denken. Eine unsichtbare Kraft zerrte an seinen Beinen. Der Sog riß ihn wie eine ungeheuer starke Hand vorwärts. Konturlose Dinge tauchten vor ihm auf. Er unternahm nicht erst den Versuch, danach zu greifen, sondern ließ sich treiben.
Harter Fels schrammte an seinem Gesicht entlang. Er prallte gegen ein Hindernis und versuchte noch einmal, den blutigen Nebel vor seinen Augen mit Blicken zu durchdringen. Ein weiterer Schlag traf ihn, und er spürte, wie er sich die Haut abschürfte, ohne den Schmerz zu empfinden. Unbewußt begriff Torian, daß die gleiche Strömung, die ihn zu ersticken drohte, ihn zumindest vor den hier nur vereinzelt im Flußbett liegenden Felsen rettete, indem sie ihn, dem Weg des geringsten Widerstandes folgend, einfach zwischen den Hindernissen hindurchschleuderte. Aber er wurde sich auch klar, daß dieser Schutz trügerisch war und spätestens in ein paar Minuten enden würde, wenn das Wasser ihn bis zum Gebiet der Stromschnellen gespült hatte, wo sie erstmals auf den Fluß getroffen waren, und wo die Felsen stellenweise regelrechte steinerne Barrieren bildeten, an denen er zerschmettert würde.
Einige Sekunden lang ließ sich Torian einfach nur treiben, sammelte Kraft und versuchte, sich einigermaßen zu orientieren. Dann begann er, sich mit zielgerichteten Bewegungen auf das Ufer zuzuarbeiten. Es war ein mühsames, kräftezehrendes Unterfangen. Immer wieder riß ihn die Strömung zurück, machte in Sekundenbruchteilen die Arbeit von Minuten zunichte.
Trotzdem bekam er irgendwann etwas unangenehm Weiches, fast Schleimiges zu fassen, das zwischen seinen Fingern zerrann. Torian packte fester zu, grub seine Finger tiefer in den nachgiebigen Uferschlamm. Eine besonders mächtige Welle zerrte an ihm und versuchte ihn zurückzureißen, als spürte der Fluß, daß sein sicher geglaubtes Opfer ihm zu entkommen drohte. Mit verbissener Kraft, von der er selbst nicht mehr wußte, wo er sie hernahm, krallte sich Torian fest, stemmte seine Füße gegen den morastigen Boden und zog sich ans Ufer. Sein Körper schien plötzlich Tonnen zu wiegen, aber er ließ nicht locker, kroch Stück für Stück weiter auf den Uferstreifen hinauf.
Etwas in Torian weigerte sich beharrlich, daran zu glauben, daß er wirklich gerettet war. Auch als er selbst mit den Füßen längst aus dem Wasser heraus war, schleppte er sich noch weiter, von der panischen Furcht getrieben, der Fluß könnte ihn sogar hier noch einholen. Seine Arme und Beine bewegten sich fast von alleine.
Erst als er den Sandstreifen hinter sich gelassen hatte und mehrere Meter in das Unterholz des Waldes gekrochen war, brach er vollends zusammen und blieb zu Tode erschöpft liegen. Sekunden später schlug die Schwäche wie eine gewaltige, schwarze Woge über ihm zusammen und löschte sein Bewußtsein aus. Es war immer noch Tag, als er erwachte; und im ersten Moment dachte Torian, daß er nur kurz bewußtlos gewesen sein konnte.
Aber nur im ersten Moment. Dann bemerkte er, daß die Sonne zu hoch am Himmel stand, viel höher als zu dem Moment, in dem sie die Brücke betreten hatten, und mit eisigem Schrecken wurde ihm bewußt, daß es nicht immer noch Tag war, sondern schon wieder. Er mußte die ganze Nacht und fast einen halben Tag geschlafen haben. Erstaunlich, daß er noch am Leben war, dachte er.
Deutlich erinnerte er sich noch an die Ereignisse auf der Brücke, aber alles, was sich nach seinem Sturz ins Wasser ereignet hatte, war in einem einzigen Durcheinander aus sinnlosen Bildern und Eindrücken in seinem Gedächtnis verschwunden. Wenn er sich gegenüber ehrlich war, dann wollte er sich gar nicht genau daran erinnern.
Torian rieb sich den Schlaf aus den Augen und stand auf. Die Beine wollten ihm noch nicht richtig gehorchen, doch seine Schritte wurden mit jeder Sekunde fester. Der Schlaf, auch wenn er nicht freiwillig gewesen war, hatte ihn erfrischt.
Dafür machte sich auch der Hunger immer deutlicher bemerkbar. Torian ging zum Fluß und wusch sich das Gesicht mit dem eisigen Wasser, um die Benommenheit vollends zu vertreiben; dann trank er, so lange, bis ihm fast übel wurde. Das Wasser gab ihm das Gefühl, etwas im Magen zu haben; es stillte seinen Hunger nicht, aber half ihm für eine Weile, ihn zu vergessen.
Aufmerksam sah er sich um. Das Gelände war hier flach, von der Brücke meilenweit nichts zu sehen. Er war weiter abgetrieben worden, als er ursprünglich angenommen hatte, und noch im nachhinein konnte er kaum fassen, daß er mit dem Leben davongekommen war. In Zukunft, dachte Torian, würde er etwas ehrfurchtsvoller über Wunder sprechen.
Was war mit Shyleen und Garth? Er klammerte sich an die Hoffnung, daß auch sie überlebt hatten, und es eine Möglichkeit gab, sie zu retten. Die einzige Chance, etwas über ihr Schicksal herauszufinden, war die Brücke. Er mußte dorthin zurück. Wenn die Echsen seine Gefährten verschleppt hatten, würde er dort möglicherweise Spuren finden. Und wenn nicht...