Herr des Chaos
- Автор: Джордан Роберт
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Herr des Chaos». Краткое содержание книги:
Er fragte sich, welchen Ausweg es gäbe, und erkannte, daß er noch immer den Brief in Händen hielt, den Sulin gebracht hatte. Er steckte ihn in die Tasche, löste seinen Schwertgürtel, legte ihn auf das Drachenszepter und nahm das Pergament wieder hervor. Wer würde ihm eine Nachricht durch einen Reiter schicken, der nicht einmal zum Frühstück rastete? Ihm fiel niemand ein. Nur der jetzt bereits wieder verschwundene Bote hätte sagen können, auf wen er verwies. Er kannte auch dieses Siegel nicht, eine in purpurfarbenes Wachs gepreßte Blume, aber das Pergament selbst war schwer, von der kostspieligsten Sorte. Der Inhalt, in einer hübschen, zarten Handschrift geschrieben, ließ ihn nachdenklich lächeln.
Cousin,
Es herrschen ungewisse Zeiten, aber ich hatte das Gefühl, Dir schreiben zu müssen, um Dich meines Wohlwollens zu versichern und meiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, daß dies auch im umgekehrten Falle gelten möge. Fürchte nichts: Ich kenne Dich und ich erkenne Dich an, aber es gibt jene, die niemanden belächeln würden, der sich Dir außer durch sie näherte. Ich bitte um nicht mehr, als daß du mein Geheimnis in den Feuern Deines Herzens verschließt.
Alliandre Maritha »Worüber lächelst du?« fragte Aviendha, die neugierig auf den Brief spähte. Um ihren Mund lag noch immer ein leichter Zug der Verärgerung wegen dem, was er ihr zugemutet hatte.
»Es ist einfach ein Vergnügen, von jemand Unkompliziertem zu hören«, belehrte er sie. Das Spiel der Häuser war leicht mit Ji'e'toh zu vergleichen. Der Name sagte ihm genug, um ihn wissen zu lassen, wer den Brief sandte, aber wenn das Pergament in die falschen Hände fiele, schiene es wie eine Nachricht für einen Freund oder vielleicht eine herzliche Antwort für einen Bittsteller. Alliandre Maritha Kigarin, vom Licht Gesegnete, Königin von Ghealdan, würde einen Brief an jemanden, den sie noch niemals gesehen hatte, sicherlich niemals so vertraut unterzeichnen, vor allem nicht einen Brief an den Wiedergeborenen Drachen. Sie sorgte sich offensichtlich wegen der Weißmäntel in Amadicia und wegen des Propheten Masema. Er würde wegen Masema etwas unternehmen müssen. Alliandre wurde vorsichtig, wagte nicht mehr zu schreiben als notwendig. Und sie erinnerte ihn daran, den Brief zu verbrennen. Die Feuer seines Herzens. Es war dennoch das erste Mal, daß ein Herrscher an ihn herantrat, ohne daß er sein Schwert an die Kehle seines Volkes angelegt hatte. Wenn er nur Elayne finden und ihr Andor übergeben könnte, bevor er hier einen weiteren Kampf ausfechten müßte.
Die Tür öffnete sich leise, und er schaute auf, sah aber nichts und wandte sich daher wieder dem Brief zu, wobei er sich fragte, ob er alles erkannt hatte, was der Brief enthielt. Er las ihn erneut und rieb sich dabei über die Nase. Lews Therin und sein Gerede vom Tod. Rand konnte sich dieses unreinen Gefühls nicht erwehren.
»Jalani und ich werden draußen unsere Plätze einnehmen«, sagte Nandera.
Er nickte abwesend, ohne den Blick von dem Brief zu wenden. Thom würde wahrscheinlich auf den ersten Blick noch sechs Dinge finden, die er übersehen hatte.
Aviendha legte ihm eine — Hand auf den Arm und nahm sie dann ruckartig wieder fort. »Rand al'Thor, ich muß ernstlich mit dir sprechen.«
Plötzlich fügte sich in seinem Geist alles zusammen.
Die Tür hatte sich tatsächlich geöffnet. Er roch Unreinheit, spürte sie nicht nur, aber es war kein wirklicher Geruch. Er ließ den Brief sinken und schob Aviendha ausreichend heftig von sich fort, daß sie mit erschrecktem Aufschrei stürzte — jedoch außer seiner Reichweite, außer Gefahr. Alles schien sich verlangsamt zu haben. Er ergriff Saidin, während er herumfuhr.
Nandera und Jalani wandten sich gerade um, um nachzuschauen, warum Aviendha geschrien hatte. Rand mußte genau hinsehen, um den großen Mann im grauen Umhang zu erkennen, den keine der Töchter des Speers nicht einmal sahen, als er an ihnen vorüberglitt, die dunklen, leblosen Augen auf Rand gerichtet. Auch wenn er sich konzentrierte, hatte Rand den Eindruck, daß sein Blick an dem Grauen Mann vorbeischwenken wollte. Dieser war, was er war: einer der Schattenmörder. Als der Brief zu Boden flatterte, erkannte der Graue Mann, daß Rand ihn gesehen hatte. Aviendhas Schrei hing noch immer in der Luft, und sie prallte gerade auf dem Boden auf, als ein tief gehaltenes Messer in der Hand des Grauen Mannes erschien und er vorwärtsstürzte. Rand umgab ihn fast verächtlich mit Luftspiralen. Ein handgelenkdicker Feuerbalken schoß zwischen seine Schulter und brannte ein Loch durch die breite Brust des Grauen Mannes, durch das eine Faust gepaßt hätte. Der Mörder starb, bevor er auch nur zusammenzucken konnte. Sein Kopf fiel vornüber, und diese Augen, die jetzt noch lebloser als zuvor wirkten, starrten Rand an.
Tot, was auch immer man dem Grauen Mann angetan hatte, daß er es nicht mehr ertragen konnte auszuharren. Tot war er plötzlich genauso sichtbar wie alle anderen. Aviendha, die gerade wieder hatte aufstehen wollen, keuchte entsetzt, und Rand spürte die Gänsehaut, die ihm anzeigte, daß er Saidar berührt hatte. Nanderas Hand zuckte zu ihrem Schleier, während sie unterdrückt aufschrie, und Jalani hob den ihren halbwegs an.
Rand ließ den leblosen Körper fallen, hielt aber weiterhin an Saidin fest, während er sich Taim zuwandte, der im Eingang seines Schlafzimmers stand. »Warum habt Ihr ihn getötet?« Nur ein Teil der kalten Härte in seiner Stimme entstammte dem Nichts. »Ich hatte ihn gefangen. Er hätte mir womöglich etwas sagen können, vielleicht sogar, wer ihn geschickt hat. Was tut Ihr überhaupt hier? Warum seid Ihr durch mein Schlafzimmer hereingeschlichen?«
Taim trat vollkommen ruhig ein. Er trug einen schwarzen Umhang mit einem in Blau und Gold um die Ärmel gewundenen Drachen. Aviendha rappelte sich auf, und ihr Blick drückte aus, daß sie, trotz Saidar, genauso bereit war, ihr blankgezogenes Gürtelmesser gegen Taim zu richten, wie es wieder einzustecken. Nandera und Jalani hatten ihre Schleier wieder gesenkt und wippten mit angriffsbereiten Speeren auf Zehenspitzen. Taim beachtete sie nicht. Rand spürte die Macht den Mann verlassen. Taim schien nicht einmal beunruhigt, daß Rand noch immer von Saidin erfüllt war. Dieses eigenartige unmerkliche Lächeln verzog seine Lippen, während er den toten Grauen Mann betrachtete.
»Häßliche Wesen, diese Seelenlosen.« Jeder andere wäre erschaudert, aber nicht Taim. »Ich bin durch das Wegetor auf Euren Balkon gekommen, weil ich dachte, Ihr wolltet die Neuigkeiten sofort erfahren.«
»Jemand, der zu schnell lernt?« warf Rand ein, und Taim zeigte erneut dieses unmerkliche Lächeln.
»Nein, kein verkleideter Verlorener, nicht wenn er es nicht geschafft hat, sich als Junge von kaum über zwanzig Jahren zu verkleiden. Sein Name ist Jahar Narishma, und er hat das Talent, obwohl es sich noch nicht gezeigt hat. Bei Männern zeigt es sich gewöhnlich später als bei Frauen. Ihr solltet zur Schule zurückkehren. Ihr wärt überrascht, wie sie sich verändert hat.«
Das bezweifelte Rand nicht. Jahar Narishma war niemals ein andoranischer Name. Das Schnelle Reisen beinhaltete keine ihm bekannten Grenzen, aber Taim hatte sich bei seiner Suche nach geeigneten Schülern anscheinend noch viel weiter vorangewagt. Er sagte nichts, sondern betrachtete nur den Körper auf dem Teppich.
Taim verzog das Gesicht, aber nicht, weil ihn der Anblick aus der Fassung brachte, sondern nur aus Verärgerung. »Glaubt mir, ich wünschte, er wäre noch genauso lebendig wie Ihr. Ich habe ihn gesehen und gehandelt, ohne nachzudenken. Das letzte, was ich will, ist, Euch tot zu sehen. Ihr habt ihn in dem Moment ergriffen, als ich die Macht lenkte, aber es war zu spät innezuhalten.«
Ich muß ihn töten, murmelte Lews Therin, und die Macht strömte in Rand ein. Er kämpfte erstarrt darum, Saidin fahren zu lassen, und es war wirklich ein Kampf, denn Lews Therin versuchte, es festzuhalten, versuchte, die Macht zu lenken. Schließlich verging die Eine Macht wie Wasser, das aus einem Loch in einem Eimer sickert.