Die Feuer des Himmels
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #5
- Год: 2010
- Язык: немецкий
- Переводчик: Uwe Luserke
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Feuer des Himmels». Краткое содержание книги:
Überrascht richtete er sich halb auf und verschob aus Versehen das Fernrohr. Dann riß er es in die Ausgangsstellung zurück und betrachtete die Stadtmauer Cairhiens. Dieser Speer, oder was es auch immer sein mochte, war von dort gekommen. Da war er sicher. Wie — das war eine ganz andere Sache. Aus dieser Entfernung war er schon froh, wenigstens gelegentlich erkennen zu können, wie sich jemand auf der Mauer oder einem der Türme bewegte.
Rand hob den Kopf und sah, daß Rhuarc gerade von dem anderen Fernrohr zurücktrat und Han Platz machte. Das war der ganze Grund für den Bau des Turms und die Fernrohre gewesen. Kundschafter brachten wohl alles mit, was sie über die Aufstellung der Shaido um die Stadt herausfinden konnten, aber auf diese Weise waren die Häuptlinge selbst in der Lage, das Terrain zu beobachten, auf dem die Schlacht ausgefochten werden würde. Sie hatten bereits einen Plan zusammen ausgearbeitet, aber ein weiterer Blick auf die Umgebung der Stadt konnte nie schaden. Rand verstand nicht viel von Schlachtplänen, aber Lan hatte ihr Vorhaben für gut befunden. Jedenfalls was seinen ureigenen Verstand betraf, hatte er keine Ahnung davon, aber manchmal schlichen sich diese anderen Erinnerungen ein, und dann schien er mehr zu wissen, als ihm lieb war.
»Habt Ihr das gesehen? Diese ... Speere?« Rhuarc blickte genauso verblüfft drein wie Rand selbst, aber der Aiel nickte. »Der letzte traf einen anderen Shaido, der aber noch wegkriechen konnte. Schade, daß er nicht Couladin erwischt hat.« Er deutete auf das Fernrohr, und Rand machte ihm Platz, damit er noch einmal hindurchschauen konnte.
War es wirklich so schade darum? Couladins Tod würde die Bedrohung Cairhiens oder anderer nicht beenden. Jetzt, da sie sich auf dieser Seite der Drachenmauer befanden, würden die Shaido nicht brav zurückkehren, weil der Mann gestorben war, den sie für den wahren Car'a'carn gehalten hatten. Sein Tod würde sie wohl erschüttern, aber kaum so nachhaltig. Und nach allem, was Rand gesehen hatte, verdiente Couladin auch kein derart einfaches Ende. Ich kann so hart sein, wie es sein muß, dachte er und streichelte das Heft seines Schwertes. In seinem Fall kann ich es.
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Vor dem Pfeil
Die Innenseite eines Zeltdachs dürfte wohl der langweiligste Anblick der Welt sein, aber trotzdem legte sich Mat in Hemdsärmeln auf den Kissen mit roten Quasten zurück, die Melindhra erworben harte, und musterte den graubraunen Stoff eingehend. Oder genauer, er blickte durch ihn hindurch. Einen Arm hatte er hinter dem Kopf, und in der freien Hand schwenkte er einen gehämmerten Silberpokal voll guten Weins aus dem Süden Cairhiens. Ein kleines Faß hatte ihn genausoviel gekostet wie zwei gute Pferde — oder soviel, wie zwei gute Pferde gekostet hätten, stünden nicht die Welt und alles darin kopf —, er aber betrachtete es als geringen Preis für etwas wirklich Gutes. Gelegentlich spritzten ein oder zwei Tropfen auf seine Hand, doch er bemerkte es nicht und trank auch überhaupt nicht.
So, wie er es sah, war die Lage mittlerweile für ihn mehr als nur ernst zu nennen. Ernst war sie gewesen, als er noch in der Wüste festsaß, ohne den Weg hinaus zu finden. Ernst war sie, als Schattenfreunde überall auftauchten, wo er sie am wenigsten erwartet hatte, wenn Trollocs in der Nacht angriffen und gelegentlich Myrddraal ihm das Blut mit ihrem augenlosen Blick in den Adern gefrieren ließen. Diese Art von Gefahr erschien schnell und war gewöhnlich vorüber, bevor man überhaupt eine Gelegenheit zum Nachdenken bekam. Es war auch sicher nichts, was er von sich aus suchte, aber wenn es sein mußte, konnte er damit leben, soweit er es überlebte. Aber jetzt wußte er bereits seit Tagen, wohin sie zogen und warum. Diesmal gab es nichts Überraschendes. Tage, um darüber nachzudenken.
Ich bin kein verdammter Held, dachte er grimmig, und ich bin kein verdammter Soldat. Wild entschlossen unterdrückte er eine Erinnerung daran, über Festungsmauern zu wandeln und seine letzten Reserven an einen Punkt zu schicken, an dem eine weitere Gruppe Trollocs mit Leitern die Mauer zu erklimmen versuchten. Das war ich nicht, und verdammt sei der, dessen Erinnerungen ich herumschleppe! Ich bin... Er wußte selbst nicht, was er war — ein unangenehmer Gedanke —, aber was er auch sein mochte, hatte immer mit Spielen zu tun, mit Tavernen, Frauen und Tanz. Dessen war er sicher. Außerdem brauchte er nur ein gutes Pferd, dann standen ihm alle Straßen der Welt offen; statt dessen saß er hier und wartete darauf, daß irgend jemand Pfeile auf ihn abschoß oder sich nach besten Kräften bemühte, ihm ein Schwert oder einen Speer in die Rippen zu rammen. Wäre es anders, müßte er sich als reinen Narren betrachten, und den wollte er auf keinen Fall spielen, nicht für Rand oder Moiraine oder sonst jemanden.
Als er sich aufsetzte, rutschte das silberne Medaillon in Form eines Fuchskopfes an seiner Lederschnur aus dem offenen Hemd. Er steckte es zurück und nahm dann doch endlich einen langen Zug aus dem Pokal. Das Medaillon sorgte dafür, daß er vor Moiraine und jeder anderen Aes Sedai sicher war, solange sie es ihm nicht abnahmen — was irgendwann die eine oder andere bestimmt versuchen würde —, aber nur sein eigener Verstand konnte ihn davor bewahren, von irgendeinem Idioten zusammen mit ein paar tausend anderer Idioten umgebracht zu werden. Oder von Rand, oder von der Tatsache, daß er ein Ta'veren war.
Ein Mann sollte doch in der Lage sein, Profit daraus zu schlagen, wenn sich die Ereignisse um ihn herum durch seinen Einfluß veränderten. Auf gewisse Weise hatte Rand es ausgenützt. Er selbst hatte an sich nie etwas davon bemerkt, außer beim Würfelspiel. Er würde sich vor einigen der Dinge bestimmt nicht drücken, die in den Legenden einem Ta'veren passierten. Reichtum und Ruhm fielen ihm buchstäblich in den Schoß, Männer, die ihn töten wollten, entschieden sich plötzlich, ihm statt dessen als Anführer zu folgen, und Frauen mit Eis im Blick schmolzen plötzlich vor ihm dahin.
Nicht, daß er sich wirklich über das beklagte, was er erreicht hatte. Und ganz bestimmt wollte er mit Rand nicht tauschen, denn der Preis, an diesem Spiel teilzunehmen, war ihm einfach zu hoch. Es lag eben nur daran, daß er mit allen Nachteilen behaftet war, die mit der Rolle eines Ta'veren einhergingen, aber keinen der Vorteile genoß.
»Es ist Zeit, zu gehen«, sagte er dem leeren Zelt, und dann schwieg er nachdenklich und nippte an dem Pokal. »Es ist an der Zeit, auf Pips zu steigen und davonzureiten. Vielleicht nach Caemlyn?« Keine schlechte Stadt, solange er den königlichen Palast mied. »Oder nach Lugard.« Er hatte Gerüchte über Lugard gehört. Das sollte ein feiner Aufenthaltsort für Männer wie ihn sein. »Es ist höchste Zeit, mich von Rand abzusetzen. Er hat ein verdammtes Aielheer und mehr Töchter des Speers, als er zählen kann, die sich um ihn kümmern. Er braucht mich nicht.«
Das letztere entsprach nicht ganz der Wahrheit. Auf eine seltsame Art und Weise war er an den Erfolg oder Mißerfolg Rands in Tarmon Gai'don gebunden, Perrin und er, genauer gesagt, also drei Ta'veren, die alle miteinander verstrickt waren. Die Geschichtsschreiber würden eines Tages vermutlich nur Rand erwähnen. Die Chance, daß er oder Perrin Eingang in deren Erzählungen finden würden, war ziemlich gering. Und dann war ja da noch das Horn von Valere. Darüber wollte und würde er nicht nachdenken. Nicht, bevor es nicht unabdingbar notwendig war. Vielleicht gab es auch noch einen Ausweg aus diesem speziellen Dilemma. Wie er es auch betrachtete, das Horn war jedenfalls im Moment kein Problem. Das hatte noch viel Zeit. Mit etwas Glück würde man ihm all diese Rechnungen erst eines sehr fernen Tages präsentieren. Nur würde er wahrscheinlich mehr Glück brauchen, als ihm gegeben war.