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Ferne Ufer: Roman (German Edition)

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Ferne Ufer: Roman (German Edition)
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»Sein«, erklärte Mr. Willoughby und wischte sich achtlos das Blut und die Schuppen am Hosenbein ab. »Mein«, und er wies kopfnickend auf den halben Fisch, der jetzt reglos auf der Kiste lag.

Innerhalb einer Woche war der Pelikan vollständig zahm und konnte frei fliegen, zwar mit dem Halsband, aber ohne Leine, um seinem Herrn bei der Rückkehr eine Tasche voll glänzender Fische vor die Füße zu würgen. Wenn er nicht fischte, bezog Ping An entweder auf der Saling Position, sehr zum Leidwesen der Seeleute, die dafür verantwortlich waren, darunter das Deck zu schrubben, oder er folgte Mr. Willoughby absurd watschelnd über das Deck, die Zweieinhalb-Meter-Flügel halb ausgebreitet, um das Gleichgewicht zu wahren.

Die Mannschaft, die sowohl von Ping Ans Fischerei beeindruckt war als auch Respekt vor seinem schnappenden Schnabel hatte, wahrte den Abstand zu Mr. Willoughby, der täglich neben dem Mast seine Worte zu Papier brachte, wenn es das Wetter zuließ, sicher unter dem wohlwollenden gelben Auge seines neuen Freundes.

Eines Tages blieb ich stehen, um Mr. Willoughby bei der Arbeit zu beobachten, hielt mich aber hinter dem Mast außer Sichtweite. Einen Moment saß er da, eine Miene stiller Genugtuung im Gesicht, und betrachtete die fertige Seite. Natürlich konnte ich die Schriftzeichen nicht lesen, doch die ganze Seite sah irgendwie sehr ästhetisch aus.

Dann blickte er sich hastig um, als wollte er sich vergewissern, dass niemand kam, ergriff den Pinsel und setzte mit großer Sorgfalt ein letztes Schriftzeichen in die obere linke Ecke der Seite. Ohne zu fragen, wusste ich, dass es seine Signatur war.

Dann seufzte er und hob das Gesicht, um über die Reling hinwegzublicken. Alles andere als unergründlich, war seine Miene von einer verträumten Freude erfüllt, und was auch immer er sah, ich wusste, dass es weder das Schiff war noch der wogende Ozean jenseits der Reling.

Schließlich seufzte er erneut und schüttelte wie in Gedanken den Kopf. Er legte die Hände auf das Blatt und faltete es rasch und sanft zusammen, einmal, zweimal, noch einmal. Dann erhob er sich, trat an die Reling, hielt die Hände über das Wasser und ließ das zusammengefaltete weiße Papier fallen.

Es purzelte auf das Wasser zu. Dann fasste es der Wind und wirbelte es aufwärts, ein schwindender weißer Fleck, der sich kaum von den Möwen und Seeschwalben unterschied, die hinter dem Schiff kreischend nach Abfällen suchten.

Mr. Willoughby verweilte nicht, um es zu beobachten, sondern wandte sich von der Reling ab und ging nach unten. Der Traum stand ihm noch deutlich in das kleine, runde Gesicht geschrieben.

Kapitel 45

Mr. Willoughbys Erzählung

Je weiter uns die atlantische Strömung nach Süden trug, desto wärmer wurden die Tage und Abende, und die Besatzungsmitglieder, die keinen Dienst hatten, begannen, sich abends nach dem Essen auf dem Vorschiff zusammenzufinden, um Lieder zu singen, zu Brodie Coopers Geige zu tanzen oder sich Geschichten anzuhören. Mit demselben Instinkt, der Kinder, die im Wald kampieren, dazu treibt, sich Geistergeschichten zu erzählen, schienen die Männer eine besondere Vorliebe für grauenhafte Geschichten von Schiffbruch und den Gefahren der See zu hegen.

Als wir dann weiter nach Süden gelangten und das Reich der Kraken und Seeschlangen hinter uns ließen, schwand die Stimmung für Ungeheuer, und die Männer begannen stattdessen, sich Geschichten über ihre Heimat zu erzählen.

Als schließlich auch dieser Vorrat weitgehend erschöpft war, wandte sich Maitland, der Kajütenjunge, eines Abends an Mr. Willoughby, der wie üblich am Fuß des Mastes hockte und seinen Becher an der Brust wiegte.

»Wie ist es gekommen, dass Ihr China verlassen habt, Mr. Willoughby?«, fragte Maitland neugierig. »Ich habe im Leben nicht mehr als eine Handvoll chinesischer Seeleute gesehen, obwohl es doch heißt, dass sehr viele Menschen in China leben. Ist es dort vielleicht so schön, dass die Bewohner das Land nicht verlassen möchten?«

Nach anfänglicher Ablehnung schien sich der Chinese durch das Interesse, das diese Frage weckte, doch ein wenig geschmeichelt zu fühlen. Nach kurzem weiterem Drängen war er einverstanden, davon zu erzählen, wie er seine Heimat verlassen hatte – und bat nur darum, dass Jamie für ihn übersetzte, da sein Englisch dieser Aufgabe nicht gewachsen war. Nachdem Jamie eingewilligt hatte, setzte er sich neben Mr. Willoughby und legte den Kopf schief, um ihm zuzuhören.

»Ich war ein Mandarin«, begann Mr. Willoughby in Jamies Worten, »ein Mandarin der Worte, der die Gabe der Komposition besaß. Ich trug ein seidenes Gewand, das mit vielen Farben bestickt war, und darüber den blauen Seidenrock eines Gelehrten, der auf Brust und Rücken mit dem Wappen meines Amtes bestickt war – der Figur eines feng-huang – eines Feuervogels.«

Jamie wandte sich kurz an mich, um hinzuzufügen: »Ich glaube, er meint einen Phoenix«, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf den geduldig wartenden Chinesen richtete, der auf der Stelle wieder zu sprechen begann.

»Ich wurde in Peking geboren, der Kaiserlichen Stadt des Sohns der Himmel …«

»So nennen sie ihren Kaiser«, flüsterte mir Fergus zu. »Welche Anmaßung, ihren König mit dem Herrn Jesus zu vergleichen.«

»Schsch«, zischten mehrere Männer und wandten Fergus empört die Gesichter zu. Er bedachte Maxwell Gordon mit einer unanständigen Geste, verstummte aber und wandte sich wieder der kleinen Gestalt zu, die in der Hocke neben dem Mast saß.

»Man entdeckte früh, dass ich einige Kunstfertigkeit in der Komposition besaß, und obwohl ich zunächst nicht geschickt im Umgang mit Pinsel und Tinte war, habe ich schließlich mit großer Mühe gelernt, meinen Pinselstrichen Ähnlichkeit mit den Ideen zu verleihen, die mir wie Kraniche durch den Kopf tanzten. Und so erregte ich die Aufmerksamkeit des Wu-Xien, eines Mandarins im Kaiserlichen Haushalt, der mich bei sich aufgenommen und meine Ausbildung beaufsichtigt hat. Ich gewann rapide an Wert und Bedeutung, so dass ich vor meinem sechsundzwanzigsten Geburtstag eine rote Korallenkugel an meinem Hut tragen durfte. Und dann kam ein böser Wind und trug die Saat des Unglücks in meinen Garten. Möglich, dass ich von einem Feind verwünscht wurde oder dass ich es in meiner Arroganz unterlassen hatte, die nötigen Opfer zu bringen – denn es mangelte mir gewiss nicht an Ehrfurcht vor meinen Vorfahren, achtete ich doch darauf, alljährlich das Grabmal meiner Familie zu besuchen und stets Räucherstäbchen in der Ahnenhalle abzubrennen …«

»Wenn seine Kompositionen immer so weitschweifig waren, hat der Sohn der Himmel gewiss die Geduld verloren und ihn in den Fluss geworfen«, murmelte Fergus zynisch.

»… doch was auch immer der Grund war«, fuhr Jamies Stimme fort, »meine Dichtung fiel Wan Mei ins Auge, der Zweitfrau des Kaisers. Zweite Frau war eine Frau von großer Macht, da sie nicht weniger als vier Söhne zur Welt gebracht hatte, und als sie darum bat, mich in ihren Haushalt aufnehmen zu dürfen, wurde ihr die Bitte augenblicklich gewährt.«

»Und was war daran falsch?«, wollte Gordon wissen und beugte sich neugierig vor. »Es war doch wohl eine Chance, es in der Welt zu etwas zu bringen?«

Mr. Willoughby verstand die Frage offenbar, denn er nickte in Gordons Richtung, als er fortfuhr, und Jamies Stimme nahm den Erzählfaden wieder auf.

»Oh, die Ehre war unschätzbar; ich hätte ein großes Haus innerhalb der Palastmauern bekommen und eine Soldatengarde für meine Sänfte; man hätte einen dreifachen Schirm als Symbol meines Amtes vor mir hergetragen, und vielleicht hätte man sogar meinen Hut mit einer Pfauenfeder versehen. Mein Name wäre in goldenen Buchstaben in das Buch der Würdenträger eingetragen worden.«

Der kleine Chinese hielt inne und kratzte sich an der Kopfhaut. Auf dem rasierten Teil hatten die Haare zu sprießen begonnen, so dass er aussah wie ein Tennisball.

»Allerdings gibt es eine Bedingung für den Dienst innerhalb des Kaiserlichen Haushalts; alle Diener der kaiserlichen Gemahlinnen müssen Eunuchen sein.«

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