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18 Geisterstories

Электронная книга - «18 Geisterstories». Краткое содержание книги:

Schaurige Geschichten von klassischen und modernen Gespenstern.
Ausgewählt und herausgegeben von Manfred Kluge.
Inhalt:
Laertes
Karl Hans Strobl
Vier Geister in ›Hamlet‹
Fritz Leiber
Das arme alte Gespenst
Heinrich Seidel
Die Klausenburg
Ludwig Tieck
Der Geisterberg
Gustav Adolf Becquer
Gäste zur Nacht
Alexander Puschkin
Der schwarze Schleier
Charles Dickens
Das weiße Tier
Ein Nachtstück
Georg von der Gabelentz
Das geheimnisvolle Telegramm
Anonymus
Der geraubte Arm
Vilhelm Bergsöe
Die Nacht von Pentonville
Jean Ray
Das Gespenst
Knut Hamsun
Der Geist
Frederic Boutet
Die Kleinodien des Tormento
Paul Busson
Altersstarrsinn
Robert Bloch
Der Spuk von Rammin
Hanns Heinz Ewers
Reitet, Colonel!
Mary-Carter Roberts
Die Stimme aus dem Jenseits
Werner Gronwald
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Der Graf hielt sich für den Wohltäter des Landes. Wie gekränkt mußte er sich also fühlen, als seine Neider und Verleumder gerade diese Umstände benutzten, ihn der schwärzesten Verbrechen, der abscheulichsten Unbilden zu beschuldigen. Diesem Undank wußte er nichts als einen stillen Zorn und eine vielleicht zu großmütige Verachtung entgegenzusetzen. Denn, wenn der edle Mann immer schweigt, so gewinnt bei Einfältigen und Charakterlosen Verleumdung und Lüge um so mehr Glauben. Konnte er sein Herz nicht zwingen, seinen Gegnern durch Gespräch, Erzählung, Auseinandersetzung der Umstände in den Weg zu treten, so fühlte er sich ganz entwaffnet, als er entdeckte, wie sehr er in seiner eignen Familie und von dem Wesen, was ihm am nächsten stand, verkannt wurde. Er hatte spät erst sich vermählt, und die Gattin lag jetzt krank, weil sie ihm vor einigen Tagen einen Sohn geboren hatte. Mit der leidenden Frau konnte er nicht streiten oder ihr heftig antworten, als sie ihm wegen seiner Grausamkeit Vorwürfe machte, die er gegen schuldlose arme Menschen ausübe, die wohl sein Mitleiden, aber keine unmenschliche Verfolgung verdienten. Als ihm im Vorzimmer einige Basen dasselbe, nur in gemeineren Ausdrücken sagten, mochte er seinen lange verhaltenen Grimm nicht länger zurückhalten, seine zornig scheltenden Antworten, seine Flüche waren so heftig, die Gebärden des gereizten Mannes so übermenschlich, daß die alten schwatzenden Weiber alle Fassung verloren und einer Ohnmacht nahe waren. Er ließ sie, damit die kranke Gattin nicht alles von ihnen sogleich wieder erführe, mit Gewalt auf ein andres Gut bringen und ritt dann in das tiefe Gebirge hinein, teils um sich am Anblicke der erhabenen Natur zu zerstreuen und zu stärken, teils um sich wieder zu seinem Streifzuge zu begeben und als Anführer gegen die Bande der Zigeuner zu ziehen. Wie erstaunte er aber, als er vom Oberförster erfuhr, daß jene Edelleute, die sich mit ihm diesem Kriege gegen die Landstreicher unterzogen hatten, alle ohne weitere Anzeigen entwichen und auf ihre Schlösser zurückgekehrt seien.

Er ließ sich nicht irren, und es gelang ihm, wieder einige der Bösewichter zu fangen, die sich grober Missetaten schuldig gemacht hatten. Er befahl, sie gefesselt in einen sichern Kerker zu werfen. Als er, da er alle Leute entfernt hatte, einsam und gedankenvoll nach der Klausenburg zurückritt, empfing ihn am Tore des Schlosses sein alter Kastellan und übergab ihm ein großes Schreiben, welches aus der Stadt und von der Regierung eingelaufen war. Mit ahndendem Verdruß öffnete er das Paket, war aber doch von dem Inhalte desselben überrascht, so daß sich sein Zorn bis zur Wut, ja fast bis zur Raserei steigerte. Die Briefe enthielten nichts weniger als eine peinliche Anklage auf Mord und Hochverrat, indem der Graf sich durch Willkür und Anführung einer bewaffneten Schar, der Regierung als Rebell gegenübergestellt habe. Fast bewußtlos ließ er diese unsinnigen Briefe fallen, sammelte sich dann mit Gewalt und ging nach seinem Zimmer, um nach einiger Zeit diese Anklage ruhiger zu überlesen und zu bedenken, wie er sich ihr entgegenstellen solle. Indem er vor dem Schlafzimmer seiner Gemahlin vorbeiging, hörte er drinnen reden und ihm unbekannte Stimmen. Hastig öffnete er die Tür, und was er jetzt erblickte, darauf war er freilich nicht vorbereitet. Zwei schmutzige, in Lumpen gekleidete alte Zigeunerinnen saßen an dem Bett der Kranken, und prophezeiten dieser ihr Schicksal, indem sie widerlich ihre häßlichen Gesichter verzerrten. Mit Recht entsetzte sich die Wöchnerin, als sie ihren Gemahl eintreten sah, denn was er jetzt tat, war unmenschlich. Wut ergriff ihn, und er wußte nicht, was er tat. Bei den greisen langen Haaren faßte er die Prophetinnen, riß sie zur Tür und warf sie die hohe steile Treppe hinab. Seine Leute liefen zusammen. Diesen befahl er, sie unten an der steinernen Säule festzubinden, ihnen den Rücken zu entblößen und sie so lange und so heftig mit Peitschen zu züchtigen, bis den Dienern seiner Grausamkeit die Kräfte entwichen. So geschah es. Er hatte sich in sein Zimmer eingeschlossen, und als er zu sich kam, erstarrte er selbst über sich, zu welcher Unmenschlichkeit er sich habe hinreißen lassen. Durch ein lautes Pochen an der Tür wurde er aus seinen Gedanken aufgeschreckt. Er öffnete, und mit allen Zeichen der Angst trat ein Diener herein, welcher sagte: O mein gnädiger Graf, ich fürchtete, Sie seien krank, wohl gar tot, denn ich klopfe schon lange, und Sie müssen mich nicht gehört haben. – Was willst du? – Die älteste, antwortete der Diener, von den garstigen Hexen will Sie durchaus auf eine Minute sprechen, bevor sie das Schloß verläßt. Sie läßt sich durchaus nicht abweisen, und die härtesten Drohungen und Flüche fruchten bei dem alten Weibe nichts. – So ließ der Graf denn die Gemißhandelte in sein Zimmer heraufsteigen. Der Anblick der Armen war zum Entsetzen: der Graf selbst schauderte zurück. Ganz mit Blut beronnen, Gesicht und Arme zerschlagen, eine tiefe Wunde am Kopfe, die man noch nicht verbunden hatte: so trat sie vor ihn. Ich danke dir, so fing sie an zu sprechen, mein gütiger Bruder, für deine christliche Freundlichkeit, die ich in deinem Schlosse genossen habe. Ja wohl bist du ein tugendhafter Mann, ein Verfolger des Lasters, ein unparteiischer Richter und Bestrafer der Untaten. Nicht wahr, ein Racheengel im Dienst deines Gottes? Ist es dir denn bekannt, weichherziger Mensch, weshalb wir am Bette deines Weibes saßen? Ja, wir hatten ihr gewahrsagt, aber eigentlich wollten wir dich sprechen, und du warst nicht in deinem gastlichen Hause. Wir hatten den Wunsch, uns von der Bande zu trennen, und ein bescheidenes ehrliches Unterkommen zu suchen. Wir kennen den Schlupfwinkel, wo sich der Haupt-Anführer versteckt hält, jener so weit berüchtigte Mordbrenner, den du so lange vergeblich gesucht hast: den wollten wir dir verraten. Aber du bist ärger, als der Verruchteste in unserer Bande, und da du uns so viele Liebe heute bewiesen hast, so wird auch dafür der Fluch auf dich und deine Familie fallen, und auf deine Nachkommen bis in das dritte und vierte Glied hinab! –

Der Graf, der schon längst seinen Jähzorn und seine Übereilung bereute, wollte die furchtbare Alte besänftigen, er sprach ihr gütlich zu und reichte ihr, um sie zu versöhnen, seine Börse, die mit Gold angefüllt war. Einen giftigen Blick tat die Alte wie gierig auf das Gold, und warf dann mit den Zähnen knirschend den Beutel dem Grafen vor die Füße. Der Mammon da, schrie sie, hätte mich und meine arme Schwester glücklich gemacht, aber jetzt nach dem Mittagsmahle, das du uns gegeben hast, will ich lieber die Rinde der Bäume nagen, als von deiner vermaledeiten Hand diesen Reichtum nehmen. – So fuhr sie fort und war sinnreich und erfinderisch in Flüchen, die sie aussprach, und in Qualen und Unglücksfällen, die sie ihm und seinem Hause verkündigte. Als sie geendigt hatte, ging sie wankend die steinerne Treppe wieder hinunter, und alles Gesinde floh vor ihr wie vor einem Gespenst.

Von diesem Augenblicke war der Graf ein verwandelter Mann. Seine Kraft war gebrochen. Er lebte seitdem wie ein Träumender, der keinen Willen hat oder einen Entschluß fassen kann. Seine Umgebung konnte nicht erfahren, ob es ihn tief erschütterte, als seine Gemahlin in der Mitternacht nach diesem verhängnisvollen Tage starb. Selten hörte man ihn von jetzt an sprechen oder einen Laut, selbst Seufzer oder Klagen ausstoßen. Er kümmerte sich um nichts mehr, und es schien ihm gleichgültig, als die Regierung sein größtes Gut einzog, um ihn als Rebellen und Übeltäter zu bestrafen. In dieser Stimmung seines Gemütes gab er sich ganz in die Hände jener Priester, die er vorher so auffallend vermieden hatte; er besuchte die Kirche fleißig und betete mit Inbrunst. Er sah sich nicht um, wenn die andern hinter ihm herriefen: Da kriecht der alte Bösewicht, der Landesverräter, der Mörder und Rebell wieder in das Gotteshaus hinein! So benutzten denn einige Verwandte seinen Blödsinn, um ihm in einem Prozeß ein zweites großes Gut zu entreißen, und es hatte fast den Anschein, als wenn seinem einzigen Erben, einem schönen Knaben, nichts von den großen Besitzungen seiner Vorfahren übrigbleiben würde, wenn sich nicht ein verständiger Vormund des Kindes mit aller Kraft angenommen hätte.

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