Das Kind der Prärie
- Автор: Treller Franz
- Язык: немецкий
- Жанр: Приключения про индейцев
Электронная книга - «Das Kind der Prärie». Краткое содержание книги:
Der Text der hier vorliegenden digitalen Ausgabe wurde nach der ersten Buchfassung von 1901 erfasst. Die alte Schreibweise wurde beibehalten, einzig offensichtliche Fehler wurden korrigiert und unterschiedlich geschriebene Eigennamen vereinheitlicht. Die vier Farbtafeln der Buchausgabe sind im Text enthalten.
Der Indianer antwortete nicht, sondern richtete einen starren Blick in die Ferne.
Das Auge Pucks folgte ihm und gewahrte, was nur einem ungewöhnlich scharfen Auge möglich war, in weiterer Entfernung eine Lanze, die hin und her bewegt wurde.
Die Lanze verschwand, und Cayugas sagte ruhig: "Es kommen sieben Kiowas heran. Es wäre gut, wenn der Medizinmann und sein junger Freund ein Versteck suchen wollten, damit die Cheyennes allein mit den Kiowas reden."
"Gut, wir werden verschwinden."
Dieser Teil der Prairie war reich an Erdanschwellungen und Vertiefungen, und Puck zwang sein Pferd in eine solche, worin ihm Paul, welcher schweigend der Unterredung gelauscht hatte, nachahmte. Sie ließen die Tiere sich legen und umwanden ihnen zu größerer Sicherheit die Füße mit den Lassos.
Cayugas hatte seine lange Lanze aufgenommen und verschiedene Bewegungen mit ihr ausgeführt.
Hierauf erschienen bald zwei Reiter in geringerer und weiterer Entfernung, welche auf den Cheyennehäuptling zu galoppierten.
Paul beobachtete das mit Staunen, Puck mit ernster Aufmerksamkeit.
"Es wird gut sein", sagte Cayugas, "wenn der Medizinmann und das Blaßgesicht sich am Boden niederlassen und die Gewehre fertig machen, für den Fall die Kiowas Verrat üben wollen."
"Gut. Verlaß dich auf mich, Häuptling", entgegnete Puck, der nun vollständig begriff, "ich liege mit meiner Doppelbüchse im Hinterhalte und werde sie mit Bedacht brauchen; wie ich schieße, weißt du ja."
"Der Medizinmann wird weise handeln. Die Cheyennes dürfen das Kriegsbeil nicht ausgraben, die Kiowas müssen es thun."
"Ich verstehe dich und werde kaltblütig sein."
Er ließ sich mit Paul, unweit des Cheyenne, im Grase nieder.
Der junge Indianer veranlaßte sein Pferd, sich zu erheben, ergriff die lange Lanze und stieg in den reichgeschmückten Sattel.
Die beiden Reiter, narbige Krieger, waren kaum bei Cayugas angelangt, als auf einer wohl eine Meile entfernten Erdwelle sieben Indianer erschienen, die sich scharf am Horizont abzeichneten; gleich den Cheyennes hoch zu Roß, führten sie wie diese die lange Lanze.
Sie hielten wohl eine Minute, wie es schien, sich beratend, und kamen dann, sich in langer Linie ausbreitend, in leichtem Galopp herangeritten.
Cayugas hatte die Lanze auf den Boden gestützt und erwartete ihr Nahen; seine beiden Krieger hielten neben ihm.
Puck und Paul lagen gut versteckt, die Büchsen schußfertig. Der Zwerg hatte seinem Gefährten eingeschärft, nicht eher zu schießen, bis er gefeuert habe.
Die sieben Indianer kamen bis auf fünfzig Schritte heran und hielten. Wie sich jetzt zeigte, waren einige von ihnen auch mit Büchsen bewaffnet.
Als sie so vor der gedrängten Gruppe der Cheyennes hielten, überflügelten sie dieselben auf beiden Seiten in leicht geschwungenem Bogen. Diese, im Falle eines feindlichen Zusammentreffens für die Minderzahl bedrohliche Stellung war geschickt und mit scheinbarer Absichtslosigkeit erlangt.
Der durch seinen Federschmuck als Häuptling bemerkliche Kiowa ritt einige Schritte vor und grüßte mit der Hand, was Cayugas höflich erwiderte.
"Mein junger Freund", begann der Kiowa, ein kräftiger Mann von mittleren Jahren, "weiß gewiß nicht, daß er auf den Jagdgründen der Kiowas weilt."
Cayugas, der hinreichend verstand, was jener sagte, entgegnete: "Ich weiß nicht, was mein Bruder unter den Jagdgründen der Kiowas versteht. Die Prairie gehört den roten Männern, welches Stammes sie auch seien."
"Und welchem Stamme gehört der Fremde an?"
Stolz erwiderte Cayugas: "Meine Adlerfeder und meine Lanze haben dir bereits gesagt, daß du einen Häuptling des großen Cheyennevolks vor dir siehst."
"Mein junger Bruder sagt gewiß die Wahrheit, und es freut mich, ihn hier zu treffen. Er wird mir gern zu den Häuptlingen meines Stammes folgen, damit er ihnen mitteile, was ihn auf das Jagdgebiet der Kiowas geführt hat."
Langsam, um seinen Worten Nachdruck zu geben, erhob Cayugas die rechte Hand. "Häuptling der Kiowas", sagte er ernst, "dein Volk und das meine haben Frieden, und es ist nicht gut, wenn die Streitaxt ausgegraben wird zwischen den Leuten roter Farbe. Die Dunkle Wolke, der große Häuptling der Cheyennes, hat mir und allen seinen Kriegern anbefohlen, freundlich den Kiowas zu begegnen, ob wir sie diesseits oder jenseits des Verdigris oder des Arkansas treffen; hast du nicht gleichen Befehl von den Häuptlingen deines Volkes erhalten?"
"So ist es", entgegnete jener mit einem Lächeln, welches jedem Hofmann Ehre gemacht haben würde, "und deshalb bitten wir die Cheyennes, uns zum Lager des Volkes zu folgen, damit wir ihnen Gastfreundschaft erweisen."
"Mein Weg liegt nach Süden, Kiowa, wo mich die Jäger der Cheyennes erwarten."
"Der junge Häuptling thut nicht gut, sich zu weigern, mir zu folgen", entgegnete jetzt drohend der andre, "meine Krieger könnten ungeduldig werden und die Cheyennes mit Gewalt fortführen."
Die sieben Kiowas waren in einem Bogen aufgestellt, dessen Zentrum ungefähr die drei Cheyennes bildeten. Es war klar, daß diese einem konzentrischen Anlaufe erliegen, oder wenn sie sich zur Flucht wendeten, durch die an den Enden des Bogens vorgeschobenen Reiter eingeholt werden mußten.
"Der Häuptling der Kiowas", klang Cayugas tiefe Stimme wieder, "bedenke, was er thut, und lasse die Cheyennes friedlich ihres Weges ziehen. Fließt hier Blut, so wird sich die ganze Steppe mit Blut röten."
Puck, der die Vorgänge mit scharfem Auge und kaltblütig verfolgte, flüsterte Paul zu: "Es wird gleich zum Kampfe kommen. Ich nehme die beiden am Flügel, du nimmst den dritten."
"Ja", entgegnete der in großer Aufregung leise.
Cayugas, so unbeweglich er auf seinem Rosse hielt, ließ sich nicht die kleinste Bewegung der Kiowas entgehen. Er hatte seinen Kriegern, die dicht neben ihm weilten, befohlen, sobald die Kiowas ihre Pferde in Bewegung setzten, geschlossen mit ihm ihre Reihe zu durchbrechen.
Der Kiowahäuptling hielt den Zeitpunkt für gekommen, den Verhandlungen Thaten folgen zu lassen.
Im barschen Tone rief er: "Wollen die Cheyennes mit uns kommen, oder soll ich nur ihre Skalpe nach den Wigwams der Kiowas bringen?"
"Hole sie!" rief mit dem Ausdruck der Verachtung Cayugas und hob die Lanze.
Ein gellender Schrei der Kiowas folgte, und mit eingelegter Lanze sprengten die sieben Krieger heran.
Cayugas stieß machtvoll den Schlachtruf seines Volkes aus, gab seinem Pferde die Fersen und rannte, seine Krieger neben sich, die Lanzen vorgestreckt, auf die Gegner zu.
Hierauf waren diese augenscheinlich nicht vorbereitet; sie mußten erwartet haben, daß die Cheyennes die Flucht ergreifen würden, denn nun war es augenscheinlich, daß diese die ausgedehnte Reihe ihrer Gegner durchbrechen mußten, so gewandt auch die Kiowareiter waren.
Doch ehe sie noch zusammentrafen, fuhren aus dem Grase zwei Feuerströme empor, denen sich der Donner der Büchse zugesellte, und die beiden Kiowas auf dem rechten Flügel des Feindes stürzten von den Pferden.
Die so tödlich überraschten Angreifer stutzten schreckensvoll; von neuem krachte eine Büchse, es war die Pauls, und das Pferd des dritten Kiowa stieg, in die Brust getroffen, hoch auf und fiel dann nieder, das Bein des Reiters, der nicht rasch genug aus dem Sattel konnte, unter sich begrabend.