Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
Da wurden von rückwärts viele Fackeln sichtbar, und die Trompeten schmetterten. Belisar führte sein Heer zum Sturm gegen den Mauersturz. Prokop erreichte den Präfekten: «Nun, was stockt ihr? Halten euch neue Wälle auf?»
«Ja, lebendige Wälle. Da stehen sie», und der Präfekt deutete mit dem Schwert. «Unter den noch fallenden Trümmern, diese Goten!» -
«Nun wahrlich!» rief Prokop: «si fractus illabatur orbis, impavidos ferient ruinae! Das sind mutige Männer.»
Aber jetzt war Belisar mit seinen dichten, zum Angriff bereiten Scharen heran. Einen Augenblick, - nur die Führer eilten noch, Befehle erteilend hin und wieder, - einen Augenblick noch, und ein furchtbares Morden mußte beginnen.
Da erglühte plötzlich der ganze Horizont über der Stadt. Eine Flammensäule schoß hoch empor, und zahllose Funken stoben nieder. Es schien Feuer vom Himmel zu regnen. Im roten Licht glänzte ganz Ravenna. Es war ein furchtbar herrlicher Anblick.
Die beiden Heere, im Begriff handgemein zu werden, hielten inne.
«Feuer! Feuer! Witichis! König Witichis», schrie jetzt ein Reiter, der von der Stadt herjagte, «es brennt.»
«Das sehen wir. Laß brennen, Markja! Erst fechten, dann löschen.»
«Nein, nein, Herr! Alle deine Speicher brennen! Dein Getreide fliegt in Myriaden Funken durch die Luft.»
«Die Speicher brennen!» schrien Goten und Byzantiner.
Witichis versagte die Stimme, zu fragen. «Der Blitz muß schon lange im Innern gezündet haben. Er hat von innen alles zusammengebrannt. Da sieh, sieh hin. -
Ein stärkerer Stoß des Sturmwinds fuhr in die Lohe und entfachte sie riesengroß. Die Flammen flogen auf die nächsten Dächer. Zugleich schien der hölzerne Dachfirst des hohen Gebäudes jetzt hinabzustürzen. Denn nach einem schweren Schlag schossen abermals viele, viele Tausende von Funken empor. Es war ein Flammenmeer.
Witichis wollte das Schwert erheben zum Befehclass="underline" - matt sank sein Arm herunter.
Cethegus sah's: «Jetzt», rief er, «jetzt zum Sturm!»
«Nein, haltet ein!» rief mit Löwenstimme Belisarius. «Der ist ein Feind des Kaisers, der ist des Todes, der das Schwert erhebt. Zurück ins Lager alle: jetzt ist Ravenna mein - und morgen fällt's von selbst.»
Und seine Tausende folgten ihm und zogen zurück. Cethegus knirschte. Er allein war zu schwach. Er mußte nachgeben. Sein Plan war gescheitert. Er hatte die Stadt mit Sturm nehmen wollen, um, wie in Rom, sich in ihren Hauptwerken festzusetzen.
Und er sah voraus, daß sie nun ganz in Belisars Hand werde geliefert werden. Grollend führte er die Seinen zurück.
Aber es sollte anders kommen, als Belisar und als Cethegus dachten.
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Der König hatte den Schutz der Mauerlücke am Turm des Aetius Hildebad übertragen und war sofort auf die Brandstätte geeilt.
Als er dort eintraf, fand er das Feuer im Erlöschen: - aber nur aus Mangel an Nahrung. Der ganze Inhalt, der Speicher samt deren Brettergerüsten und dem Dach, alles, was durch Feuer zerstörbar, war bis auf den letzten Splitter und das letzte Korn verbrannt. Nur die nackten, ruß und rauchgeschwärzten Steinmauern des ursprünglichen Marmorbaus, des Zirkus des Theodosius, starrten noch gen Himmel.
Ein Mal des Blitzstrahls war an ihnen nicht wahrzunehmen. Das Feuer mußte sehr lange Zeit von innen heraus, wo der Blitz den Holzbau entzündet haben mochte, unvermerkt fortgeglimmt sein und sich über alle Innenräume des Holzbaues schleichend verbreitet haben. Als Flammen und Rauch aber zu den Dachlücken herausschlugen, war alle Hilfe zu spät. Krachend war bald darauf der Rest des Holzbaues zusammengestürzt; die Einwohner hatten vollauf zu tun, die nächsten, teilweise schon vom Feuer ergriffenen Häuser zu retten. Dies gelang mit Hilfe des Regens, der kurz vor Tagesanbruch endlich einfiel und dem Sturm sowie dem Blitz und Donner ein Ende machte.
Aber statt der Speicher beleuchtete die aufgehende Sonne, als sie das Gewölk zerstreute, nur einen trostlosen Haufen Schutt und Asche in der Mitte des Marmorrundbaus.
Schweigend, mit tief gesenktem Haupt, lehnte der König lange Zeit diesen Ruinen gegenüber an einer Säule der Basilika.
Ohne Regung, nur manchmal den Mantel auf der mächtig arbeitenden Brust zusammendrückend. Im Anblick dieser Trümmer war ein schwerer Entschluß in ihm gereift. Jetzt ward es grabesstill in seinem Innern.
Jedoch um ihn her auf dem Platze wogte das Elend der verzweifelnden Armen von Ravenna betend, fluchend, weinend, scheltend. «Oh, was wird jetzt aus uns!» - «Oh, wie war das Brot so weiß, so gut, so duftend, das ich noch gestern hier erhielt.» - «Oh, was werden wir jetzt essen?»
«Bah, der König muß aushelfen.» - «Ja, der König muß Rat schaffen.» - «Der König?»
«Ach, der arme Mann, woher soll er's nehmen?» - «Hat er doch selbst nichts mehr.» - «Das ist seine Sache.» - «Er allein hat uns in all die Not gebracht.» - «Er ist an allem schuld.» -«Was hat er die Stadt nicht lang dem Kaiser übergeben.» -«Jawohl, ihrem rechtmäßigen Herrn!» - «Fluch den Barbaren!» -«Sie sind an allem schuld.» - «Nicht alle, nein, der König allein. Seht ihr's denn nicht? Es ist die Strafe Gottes!» - «Strafe? Wofür? Was hat er verbrochen? Er gab dem Volke von Ravenna Brot!» - «So wißt ihr's nicht? Wie kann der Eheschänder die Gnade Gottes haben? Der sünd'ge Mann hat ja zwei Weiber zugleich! Der schönen Mataswintha hat ihn gelüstet. Und er ruhte nicht, bis sie sein eigen war. - Sein ehelich Weib hat er verstoßen.»
Da schritt Witichis unwillig die Stufen herab. Ihn ekelte des Volkes. Aber sie erkannten seinen Schritt.
«Da ist der König! Wie finster er blickt», riefen sie durcheinander und wichen zur Seite. «Oh, ich fürchte ihn nicht. Ich fürchte den Hunger mehr als seinen Zorn. Schaff uns Brot, König Witichis. Hörst du's, wir hungern!» sprach ein zerlumpter Alter und faßte ihn am Mantel. «Brot, König!» - «Guter König, Brot!» - «Wir verzweifeln!» - «Hilf uns!» Und wild drängte sich die Menge um ihn.
Ruhig, aber kräftig machte sich Witichis frei. «Geduldet euch», sprach er ernst. «Bis die Sonne sinkt, ist euch geholfen.» Und er eilte nach seinem Gemach.
Dort warteten auf ihn mehrere Diener Mataswinthens und ein römischer Arzt.
«Herr», sprach dieser mit besorgter Miene, «die Königin, deine Gemahlin, ist sehr krank. Die Schrecken dieser Nacht haben ihren Geist verwirrt. Sie spricht wirre Fieberreden. Willst du sie nicht sehen?»