Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
In stolzen, vollen Atemzügen hob sich darum in dieser Stunde seine Brust: er, der Eisigkalte, erglühte in dem Gedanken, daß er über die beiden großen feindlichen Mächte der Zeit, Goten und Römer, heute mit einem Zucken seiner Wimper gebot: und aus diesem Wonnegefühl der Herrschaft stieg ihm mit dämonischer Gewalt die Überzeugung empor, daß es für ihn und seinen Ehrgeiz nur noch ein Ziel gab, welches das Leben der Mühe des Lebens wert machen könne, nur noch ein Ziel, ein sonnenfernes, jedem andern unerreichbares: er glaubte gern an seine Abkunft von Julius Cäsar, und er fühlte das Blut Cäsars aufwallen in seinen Adern bei dem Gedanken: Cäsar, Imperator des Abendlandes, Kaiser der römischen Welt! - - - -
Als vor Monaten dieser Blitz zum erstenmal seine Seele durchzuckt hatte - kein Gedanke - kein Wunsch - nur ein Schatten, ein Traum - erschrak er und lächelte zugleich über seine unermeßliche Kühnheit. Er, Kaiser und Wiederaufrichter des römischen Weltreichs! Und Italien bebte unter dem Schritt von dreimalhunderttausend gotischen Kriegern! Und der größte aller Barkarenkönige, dessen Ruhm die Erde erfüllte, saß gewaltig herrschend zu Ravenna. Und wenn die. Macht der Goten gebrochen war, so streckten die Franken über die Alpen, die Byzantiner übers Meer die gierigen Hände nach der italienischen Beute, zwei große Reiche gegen ihn, den einzelnen Mann!
Denn wahrlich, einsam stand er in seinem Volk! Wie genau kannte, wie bitter verachtete er seine Landsleute, die unwürdigen Enkel großen Ahnen! Wie lachte er der Schwärmerei eines Licinius oder Scävola, die mit diesen Römern die Tage der Republik erneuern wollten!
Er stand allein.
Aber gerade dies reizte seinen stolzen Ehrgeiz. Und gerade in diesem Augenblick, da ihn die Verschworenen verlassen hatten, da seine Überlegenheit gewaltiger als je ihnen und ihm selbst klar geworden war, gerade jetzt schoß in seiner Brust, was früher ein schmeichelnd Spiel seiner träumenden Stunden gewesen, mit Blitzesschnelle zum klaren Gedanken, zum festen Entschluß empor.
Die Arme über der mächtigen Brust gekreuzt, mit starken Schritten, wie ein Löwe seinen Käfig, das Gemach durchmessend, sprach er in abgerissenen Sätzen zu sich selbst:
«Mit einem tüchtigen Volk hinter sich die Goten hinaustreiben, Griechen und Franken nicht hereinlassen: das wäre nicht schwer, das könnte ein andrer auch. Aber allein, ganz allein, von diesen Männern ohne Mark und Willen mehr gehemmt als getragen, das Ungeheure vollenden, und diese Memmen erst wieder zu Helden, diese Sklaven zu Römern, diese Knechte der Pfaffen und Barbaren wieder zu Herren der Erde machen: das, das ist der Mühe wert. Ein neues Volk, eine neue Zeit, eine neue Welt schaffen, allein, ein einziger Mann, mit der Kraft seines Willens und der Macht seines Geistes: - das hat noch kein Sterblicher vollbracht: das ist größer als Cäsar: er führte Legionen von Helden! Und doch, es kann getan werden, denn es kann gedacht werden. Und ich, der's denken konnte, ich kann's auch tun. Ja, Cethegus, das ist ein Ziel, dafür verlohnt sich's zu denken, zu leben, zu sterben. Auf und ans Werk, und von nun an: keinen Gedanken mehr und kein Gefühl als für dies eine.»
Er stand still vor der Kolossalstatue Cäsars auf weißem parischem Marmor, die, das Meisterwerk des Arkesilaos und der edelste Schmuck, ja nach der Familientradition von Julius Cäsar selbst dem Sohne geschenkt, das Heiligtum dieses Hauses, gegenüber dem Schreibdiwan stand:
«Hör' es, göttlicher Julius, großer Ahnherr, es lüstet deinem Enkel, mit dir zu ringen: es gibt noch ein Höheres, als du erreicht: schon fliegen nach einem höheren Ziel als du, ist unsterblich, und fallen, fallen aus solcher Höhe: das ist der herrlichste Tod, Heil mir, daß ich wieder weiß, warum ich lebe.»
Er schritt an der Bildsäule vorbei und warf einen Blick auf die auf dem Tisch aufgerollte Militärkarte des römischen Weltreichs:
«Erst diese Barbaren zertreten - : Rom! - Dann den Norden wieder unterwerfen -: Paris! - Dann zum alten Gehorsam unter die alte Cäsarenstadt das abtrünnige Ostreich zurückheischen -: Byzanz! Und weiter, immer weiter: an den Tigris, an den Indus, weiter als Alexandros - und zurück nach Westen, durch Skythien und Germanien, an den Tiber - die Bahn, welche dir, Cäsar, der Dolch des Brutus durchgeschnitten. - Und so größer als du, größer als Alexander - o halt, Gedanke, halt ein!»
Und der eisige Cethegus loderte und glühte; mächtig pochten seine Adern an den Schläfen: er drückte die brennende Stirn an die kalte Marmorbrust Julius Cäsars, der majestätisch auf ihn niederschaute.
Drittes Kapitel
Aber nicht nur für Cethegus wurde dieser Tag von entscheidender Bedeutung, auch für die Verschwörung in den Katakomben, für Italien und das Reich der Goten.
Hatten die Umtriebe der Patrioten, geleitet von mehreren Häuptern, die über die Mittel, ja sogar über die Zwecke ihrer Pläne nicht immer einig waren, bisher nur langsame und unsichre Fortschritte gemacht, so ward dies anders von dem Augenblick an, da der weitaus begabteste Mann dieser Partei, da Cethegus die Führung in die kräftige Hand nahm.
Unbedingt hatten sich die bisherigen Häupter des Bundes -sogar, wie es schien, Silverius dem Präfekten untergeordnet, der seine Überlegenheit so mächtig bewährt und das Leben ihrer Sache gerettet hatte.
Erst von jetzt an wurde der Geheimbund den Goten wahrhaftig gefährlich.
Unermüdlich war Cethegus beschäftigt, die Macht und Sicherheit ihres Reiches auf allen Seiten zu untergraben: mit seiner großen Kunst, die Menschen zu durchschauen, zu gewinnen und zu beherrschen, wußte er die Zahl bedeutender Mitglieder und die Mittel der Partei von Tag zu Tag zu vermehren.
Aber er wußte auch mit kluger Vorsicht einerseits jeden Verdacht der gotischen Regierung zu vermeiden, anderseits jede unzeitige Erhebung der Verschworenen zu verhindern. Denn ein leichtes wär' es freilich gewesen, plötzlich an einem Tage in allen Städten der Halbinsel die Barbaren zu überfallen, die Erhebung zu beginnen und die Byzantiner. die längst hierauf lauerten, zur Vollendung des Sieges ins Land zu rufen. Aber damit hätte der Präfekt seine geheimen Pläne nicht hinausgeführt. Er hätte nur an die Stelle der gotischen Herrschaft die byzantinische Tyrannei gesetzt.
Und wir wissen, er verfolgte ein ganz andres Ziel.
Um dies zu erreichen, mußte er sich zuvor in Italien eine Machtstellung schaffen, wie sie kein andrer besaß.
Er mußte, wenn auch nur im stillen, der mächtigste Mann im Lande sein, ehe der Fuß eines Byzantiners es betrat, ehe der erste Gote fiel. Die Dinge mußten so weit vorbereitet sein, daß die Barbaren von Italien, das hieß von Cethegus allein, mit möglichst geringer Nachhilfe von Byzanz, vertrieben würden, so daß nach dem Siege der Kaiser gar nicht umhin konnte, die Herrschaft über das befreite Land seinem Befreier, wenn auch zunächst nur als Statthalter, zu überlassen. Alsdann hatte er Zeit und Anlaß gewonnen, den Nationalstolz der Römer gegen die Herrschaft der «Griechlein», wie man die Byzantiner verächtlich nannte, aufzureizen.