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Das Geheimnis des goldenen Salamanders

Электронная книга - «Das Geheimnis des goldenen Salamanders». Краткое содержание книги:

England, 1619: Als Junge verkleidet macht sich die zwölfjährige Alyss auf den Weg nach London, um das Herrenhaus ihres verschollenen Vaters vor ihrem gierigen Onkel zu retten. Nie hätte sie sich träumen lassen, welch Abenteuer sie dort erwarten – und welch besondere Freundschaften...
Die Autorin
Renée Holler wurde 1956 in Würzburg geboren. Mit acht Jahren entdeckte sie die Bücher von Enid Blyton. Von diesem Augenblick an wollte sie unbedingt Detektivin und Schriftstellerin werden. Ebenso gerne hätte sie aber auch als Archäologin nach Schätzen gegraben. Jahre später, nach ihrem Abitur, half sie tatsächlich auf einer archäologischen Ausgrabung, fand aber keine Schätze. Auf zahlreichen Reisen um die Welt lernte sie ferne Länder und Kulturen kennen. Bald darauf gelang es ihr dann auch, ihren Kindheitstraum zu verwirklichen: Sie veröffentlichte ihre ersten Kinderbücher. Detektivin wurde sie nie, stattdessen denkt sie sich spannende Krimis und Abenteuergeschichten aus. Heute lebt sie in Oxford, England.
Der Illustrator
Bernd Lehmann wurde 1982 in Köln geboren. Seine Leidenschaft fürs Zeichnen entdeckte er während des Architekturstudiums in Aachen. Er zog nach Münster und studierte dort von 2003 bis 2009 Design, mit Schwerpunkt Illustration. 2007 verbrachte er zwei Semester an der Duksung Women’s University in Seoul, Südkorea. Sein Comic Unter uns wurde von der Jury der Kinderbuchmesse in Bologna ausgewählt und ist in deren Annual 2009 zu finden.
Nach einigen Jahren in Berlin lebt Bernd Lehmann nun verheiratet und glücklich als Illustrator und Druckgrafiker in Köln.
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Alle Zuschauer, selbst die beiden vorlauten Männer, hatten sich inzwischen Master Tubneys Warnung zu Herzen genommen und gaben keinen Laut mehr von sich. Sie blickten erwartungsvoll zur Bühne, nur ein kleiner Junge in der ersten Reihe hatte seinen Kopf im Schoß seiner Mutter vergraben.

Und wo war Prinzessin Aurelia? Zunächst konnte Alyss die Fee nicht sehen. Erst als sie ihren Kopf durch den Vorhang steckte, entdeckte sie die winzige Gestalt auf der anderen Seite der Bühne. Sie war an eine runde Schießscheibe gefesselt, die ringsum von Fackeln erleuchtet war. Master Tubney stand einige Schritte entfernt. Sassa blickte in Richtung Scheibe und begann die Axt mehrmals in hohem Bogen um seine Schulter kreisen zu lassen, bevor er sie plötzlich losließ. Das Kriegsbeil sauste, um sich selbst rotierend, auf die Prinzessin zu, und die scharfe Kante versank dicht neben ihrem Kopf im Holz. In rascher Folge flogen weitere Äxte auf Aurelia zu. Gleichzeitig fing Master Tubney an, die Drehscheibe anzustoßen. Schneller und schneller wirbelte sie, während Sassa ein Geschoss nach dem anderen über die Bühne jagte. Dann kam die Scheibe langsam zum Stillstand. Sassa verbeugte sich vor dem Publikum und befreite die zierliche Frau. Aurelia machte einen kleinen Knicks. Die jubelnden Zuschauer applaudierten.

Weitere Vorführungen folgten, doch Alyss fand keine so atemberaubend wie Sassa und seine fliegenden Kriegsbeile. Als Nächstes wurde Hector von Master Tubney als stärkster Mann der Welt angepriesen. Er hob den Direktor des Raritätenkabinetts mit einer Hand hoch, als sei er ein Fliegengewicht. Zum Abschluss flog Aurelia singend über die Bühne. Die Zuschauer hielten staunend den Atem an. Selbst der kleine Junge in der ersten Reihe folgte mit offenem Mund der Vorführung. Da der obere Teil der Bühne nur schlecht beleuchtet war, konnte man vom Zuschauerraum sicher nicht sehen, was Alyss sah. Am Rücken der Fee war ein Seil befestigt, das durch einen Eisenring an der Decke führte. Unsichtbar, hinter einer Trennwand, die mit goldenen Sternen bemalt war, stand Hector. Wenn er am Seil zog, begann Aurelia zu schweben. Als sie ihr Lied beendet hatte und wieder sicher auf beiden Beinen stand, folgte abermals brausender Applaus. Danach war die Vorführung zu Ende. Der Direktor und seine Schausteller verbeugten sich, und die Zuschauer begannen, auf den Ausgang der Bude zuzuströmen. Dabei konnte Alyss einige Gesprächsfetzen aufschnappen.

»Das war den Penny wert«, erklärte ein junger Mann.

»Und ob«, erwiderte ein anderer. »Viel besser als die Meerjungfrau in der Bude neben der Wahrsagerin. Ihr Schwanz war nur angeklebt.«

»Tatsächlich?«

Der andere nickte. »Ich habe sie nach der Schau mit zwei Beinen herumspazieren sehen. Zwar hatte sie ihre grüne Perücke abgelegt, doch ich habe ihr Gesicht erkannt.«

»Du solltest dein Geld zurückverlangen«, war das Letzte, was Alyss den jungen Mann noch sagen hörte, bevor seine Stimme vom Gemurmel der anderen Besucher verschluckt wurde.

»Ich gehe noch kurz in die Schenke«, kündigte Tubney gleich darauf seinem Personal an. »Räumt auf und richtet die Bühne für morgen her. Meine liebe Gattin hat mal wieder Kopfweh und hat sich bereits schlafen gelegt. Stört sie nicht.« Er drängte sich an den Zuschauern vorbei auf die Straße hinaus.

Obwohl noch nicht alle Besucher den Raum verlassen hatten, fingen die drei Schausteller an, die Bühne aufzuräumen. Alyss erwog gerade, ob sie ihnen helfen oder sich lieber in den Seitenraum zurückziehen sollte, als sie im Gedränge am Ausgang einen roten Haarschopf entdeckte. Der Junge, der sie gestern angerempelt und ihren Beutel gestohlen hatte, hatte die gleichen feuerroten Haare. Aber London war eine große Stadt. Der Zufall wäre zu groß, ihn hier wiederzusehen. Jetzt schob er sich dicht hinter den Mann, der seinem Freund von der falschen Meerjungfrau erzählt hatte. Zuerst sah es so aus, als ob er sich an ihm vorbeidrängen wollte, doch dann erkannte Alyss, was der Junge vorhatte. Zwischen seinen Fingern, kaum sichtbar von den langen Hemdärmeln verborgen, sah sie die Spitze eines Messers blinken. Der Dieb! Er war schon wieder dabei, einen ehrlichen Menschen zu bestehlen. Und bevor es dem Jungen gelang, den Beutel des Mannes abzuschneiden, war sie durch den Perlenvorhang in den Raum gestürzt. Obwohl jeder Schritt schmerzhaft war, hinkte sie so schnell sie konnte um die Bänke herum auf den Jungen zu.

»Haltet den Dieb!«, rief sie. »Haltet den Dieb!«

In der Patsche

Sonntag, 8. September 1619

Das war nun wirklich das Allerletzte. Wie konnte er nur so unvorsichtig sein und sich schnappen lassen? Wie eine Fliege im Spinnennetz saß Jack jetzt hier im Zelt hinter der Bude fest. Wenn es doch nur einen Fluchtweg gäbe. Doch der hässliche Riese mit dem schiefen Mund hatte sich vor dem Rückausgang aufgebaut, und der halbnackte Wilde stand vor dem Perlenvorhang, durch den sie ihn vom Zuschauerraum in den rückwärtigen Teil der Schaubude geschleppt hatten. Vermutlich lief dem Menschenfresser bereits das Wasser im Mund zusammen. Knuspriges Jungenfleisch, aufgespießt und über dem Feuer gebraten, genau wie die Spanferkel, die sie überall auf dem Jahrmarkt anboten, mochte er sicher besonders gern. Er musste um jeden Preis so schnell wie möglich hier raus.

So unauffällig wie möglich blickte sich Jack im Zelt um. Die Wände bestanden zwar nur aus Leinwand, doch man hatte die Bahnen miteinander vernäht und sicher mit Pflöcken von außen im Boden verankert. Nur eine schmale Stelle, die mit einer Plane verhängt war, hatte man offen gelassen, doch davor stand der Riese. Es gab keinen Zweifel, hier würde er nicht entkommen. Wieso hatte er sich auch von dem Anführer der Hafenbande dazu verleiten lassen, in diese Schaubude zu gehen.

Zunächst war alles planmäßig abgelaufen. Nachdem sie ihren Penny Eintrittsgeld bezahlt hatten, verbrachten Kit und er den ganzen Nachmittag in der Bude des Menschenfressers. Kit hatte recht behalten, denn es war tatsächlich ein Kinderspiel gewesen, die Leute im Publikum zu bestehlen. Männer, Frauen und Kinder hatten für nichts anderes Augen als für das, was sich auf der Bühne abspielte. Dass ihnen währenddessen die Taschen geleert und die Beutel abgeschnitten wurden, bemerkten sie nicht. Die Ledertasche, die um Jacks Schulter hing, war schon nach der zweiten Vorstellung prall gefüllt gewesen. Münzen, eine Anstecknadel, seidene Tücher, eine Taschenuhr an einer silbernen Kette ...

Erst nach der dritten Vorstellung lief alles schief. Die Schau war zu Ende und die Zuschauer strömten dem Ausgang zu. Alles wäre gut ausgegangen, wenn Jack nicht den nagelneuen Geldbeutel, der am Gürtel eines jungen Mannes dicht vor ihm baumelte, entdeckt hätte. Er konnte nicht widerstehen. Doch er kam nicht einmal dazu, ihn abzuschneiden. Genau in dem Augenblick, als er sein Messer zückte, war auf einmal die Hölle los. Ein Junge war wie aus dem Nichts aufgetaucht und stürzte laut schreiend auf ihn zu. Normalerweise hätte Jack ihn leicht abgehängt, immerhin war er um einen halben Kopf größer und sicherlich viel schneller, doch der Fluchtweg war blockiert. Die anderen Leute drängten sich alle auf einmal durch den Ausgang, er hatte nicht die geringste Chance zu entwischen. Gleichzeitig stand plötzlich der Riese neben ihm, packte ihn am Nacken und hob ihn vom Boden hoch. Sosehr er sich auch wehrte, mit den Armen um sich schlug und mit den Beinen kickte, jeder Widerstand war zwecklos. Der kleine, dicke Mann auf der Bühne hatte nicht umsonst den Hünen zuvor als den stärksten Mann der Welt angepriesen. Kit hatte sich so unauffällig wie möglich aus dem Staub gemacht, anstatt ihm beizustehen. Auch die anderen Leute hatten es sehr eilig. Menschenfresser und Riesen waren allen unheimlich. Was mit dem gefangenen Taschendieb geschehen würde, interessierte sowieso niemanden. Es war ausweglos, und jetzt saß Jack in der Klemme.

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