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Ferne Ufer: Roman (German Edition)

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Ferne Ufer: Roman (German Edition)
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Ich stand immer noch am Fenster, als sich die Tür öffnete und Jamie hereinkam.

»Bist du noch wach?«, fragte er überflüssigerweise.

»Der Regen hat mich wach gehalten.« Ich ging auf ihn zu und umarmte ihn, froh über seine greifbare Wärme, die die kalte Finsternis der Nacht vertrieb.

Er drückte mich und legte die Wange an mein Haar. Er roch ganz schwach nach Seekrankheit und sehr viel stärker nach Kerzenwachs und Tinte.

»Hast du etwas geschrieben?«, fragte ich.

Er blickte erstaunt auf mich hinunter. »Ja, aber woher wusstest du das?«

»Du riechst nach Tinte.«

Er lächelte schwach und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. »Du hast eine Nase wie ein Trüffelschwein, Sassenach.«

»Oh, danke, was für ein elegantes Kompliment«, sagte ich. »Was hast du denn geschrieben?«

Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht, und er sah erschöpft und müde aus.

»Einen Brief an Jenny«, sagte er. Er ging zum Tisch, wo er seinen Rock ablegte und Halsbinde und Rüschenkragen zu lösen begann. »Ich wollte ihr erst schreiben, nachdem wir mit Jared gesprochen hatten und ich ihr sagen konnte, was wir vorhaben und wie die Aussichten sind, Ian gesund nach Hause zu bringen.« Er verzog das Gesicht und zog sich das Hemd über den Kopf. »Weiß Gott, was sie tun wird, wenn sie den Brief bekommt – und Gott sei Dank, dass ich dann auf See sein werde«, fügte er ironisch hinzu, als er aus den Leinenmassen auftauchte.

Es konnte nicht leicht gewesen sein, diesen Brief zu verfassen, doch ich hatte das Gefühl, dass es ihn erleichtert hatte. Er setzte sich, um sich die Schuhe und Strümpfe auszuziehen, und ich trat hinter ihn, um seinen strengen Flechtzopf zu lösen.

»Zumindest bin ich froh, dass ich es hinter mir habe«, griff er meinen Gedanken auf. »Ich hatte mehr Angst davor, es ihr zu sagen, als vor allem anderen.«

»Du hast ihr die Wahrheit gesagt?«

Er zuckte mit den Schultern. »Mein Leben lang.«

Außer über mich. Diesen Gedanken sprach ich jedoch nicht aus, sondern begann, ihm die Schultern zu massieren und die verknoteten Muskeln zu kneten.

»Was hat Jared mit Mr. Willoughby gemacht?«, fragte ich, weil mich die Massage an den Chinesen erinnerte. Er hatte uns auf der Überfahrt begleitet und war Jamie gefolgt wie ein kleiner Schatten aus blauer Seide. Jared, der durch seine häufigen Aufenthalte im Hafen jeden Anblick gewohnt war, hatte keinerlei Aufhebens um Mr. Willoughby gemacht, sondern sich würdevoll vor ihm verbeugt und ihn mit einigen Worten auf Mandarin begrüßt, doch seine Haushälterin hatte den ungewöhnlichen Gast mit deutlich größerem Argwohn betrachtet.

»Ich glaube, er ist im Stall schlafen gegangen.« Jamie gähnte und räkelte sich genüsslich. »Mathilde hat gesagt, sie hätte sonst auch keine Heiden im Haus, und sie würde jetzt nicht damit anfangen. Sie hat die Küche mit Weihwasser besprenkelt, nachdem er dort zu Abend gegessen hatte.« Als er den Kopf hob, fiel sein Blick auf das Herz, das ich auf die Fensterscheibe gemalt hatte, schwarz auf dem beschlagenen Glas, und er lächelte.

»Was ist denn das?«

»Nur eine Albernheit«, sagte ich.

Er streckte den Arm aus, nahm meine rechte Hand und strich liebevoll über die kleine Narbe an meiner Daumenwurzel, den Buchstaben »J«, den er mit der Spitze seines Messers dort hineingeritzt hatte, kurz bevor ich ihn verlassen hatte, vor Culloden.

»Ich habe dich gar nicht gefragt«, sagte er, »ob du überhaupt mitkommen willst. Ich könnte dich hierlassen; du könntest bei Jared bleiben und wärst ihm willkommen, hier oder in Paris. Oder du könntest zurück nach Lallybroch gehen, wenn du wolltest.«

»Nein, du hast mich nicht gefragt«, sagte ich. »Weil du verdammt genau weißt, wie die Antwort lauten würde.«

Wir sahen uns an und lächelten. Die Furchen des Schmerzes und der Erschöpfung waren aus seinem Gesicht gewichen. Der Kerzenschein fiel weich auf seinen bronzefarbenen Scheitel, als er sich über meine Handfläche beugte, um sie sanft zu küssen.

Auch jetzt heulte der Wind im Kamin, und der Regen lief außen über das Glas wie Tränen, doch es spielte keine Rolle mehr. Jetzt konnte ich schlafen.

Am Morgen war der Himmel aufgeklart. Ein heftiger, kalter Wind ließ die Fensterscheiben in Jareds Studierzimmer klappern, konnte aber nicht in das gemütliche Innere eindringen. Das Haus in Le Havre war viel kleiner als seine luxuriöse Residenz in Paris, doch auch sein hiesiges, komfortables Fachwerkhaus hatte immerhin zwei Stockwerke.

Ich schob meine Füße näher an das knisternde Feuer heran und tauchte meinen Federkiel in das Tintenfass. Ich war dabei, eine Liste aller Dinge zu verfassen, von denen ich glaubte, dass sie auf einer zweimonatigen Seereise medizinisch notwendig werden könnten. Reiner Alkohol war sowohl am wichtigsten als auch am leichtesten zu bekommen; Jared hatte versprochen, mir in Paris ein Fass zu besorgen.

»Am besten etikettieren wir es aber anders«, hatte er zu mir gesagt. »Sonst haben es die Seeleute leer getrunken, ehe ihr aus dem Hafen ausgelaufen seid.«

Gereinigtes Schmalz, notierte ich sorgfältig, Johanniskraut; Knoblauch, zehn Pfund; Schafgarbe. Ich schrieb Borretsch, dann schüttelte ich den Kopf und strich das Wort durch, um es durch den Namen zu ersetzen, unter dem das Kraut in dieser Zeit vermutlich eher bekannt war, Rauhblatt.

Ich kam nur langsam voran. Einst war ich mit der medizinischen Anwendung der gebräuchlichen – und einer ganzen Reihe ungebräuchlicher – Heilkräuter vertraut gewesen. Es war unabdingbar gewesen; etwas anderes gab es ja nicht.

Außerdem waren viele von ihnen überraschend wirksam. Trotz der Skepsis – und des offenen Entsetzens – meiner Vorgesetzten und Kollegen in der Klinik in Boston hatte ich sie hin und wieder mit gutem Erfolg bei meinen Patienten der Moderne angewendet. (»Haben Sie gesehen, was Dr. Randall getan hat?«, hallte der schockierte Ausruf eines Assistenzarztes in meinen Gedanken wider, und ich musste lächeln, während ich weiterschrieb. »Sie hat dem Magen in 134B gekochte Blumen verabreicht!«)

Das änderte natürlich nichts daran, dass man eine Verletzung nicht mit Schafgarbe und Beinwell behandelte, wenn man Jod zur Verfügung hatte, und bei einer Entzündung lieber Penizillin als den gewöhnlichen Wasserschlauch verwendete.

Ich hatte vieles vergessen, doch als ich nun die Namen der Kräuter aufschrieb, kehrte die Erinnerung an ihr Aussehen und ihren Geruch zurück – das dunkle, pechartige Aussehen und der angenehm flüchtige Duft von Birkenöl, der scharfe Geruch der Minze-Familie, die staubige Süße der Kamille und die Strenge des Knöterichs.

Auf der anderen Seite des Tischs kämpfte Jamie mit seinen eigenen Listen. Mühsam schrieb er mit der verkrüppelten rechten Hand und hielt hin und wieder inne, um sich die heilende Wunde über seinem linken Ellbogen zu reiben und leise zu fluchen.

»Hast du Limettensaft auf deiner Liste, Sassenach?«, erkundigte er sich und hob den Kopf.

»Nein. Sollte ich das?«

Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte stirnrunzelnd auf sein Blatt Papier.

»Das kommt darauf an. Eigentlich wäre es Sache des Schiffsarztes, für den Limettensaft zu sorgen, aber auf einem Schiff von der Größe der Artemis gibt es normalerweise keinen Schiffsarzt, also ist der Zahlmeister auch für den Proviant zuständig. Doch es gibt auch keinen Zahlmeister; uns bleibt keine Zeit, einen verlässlichen Mann zu finden, also werde ich dieses Amt ebenfalls ausüben.«

»Nun, wenn du der Zahlmeister und der Supercargo bist, werde ich wohl das sein, was einem Schiffsarzt am nächsten kommt«, sagte ich mit einem kleinen Lächeln. »Ich besorge den Limettensaft.«

»Gut.« Wir begaben uns wieder an unser kameradschaftliches Gekritzel, bis wir durch das Eintreten des Hausmädchens unterbrochen wurden, Josephine, die das Eintreffen einer Person verkündete. Dabei zog sie unbewusst die Nase kraus.

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