Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
Kein Zuruf, kein Gruß erfreute den wackern König auf seinem schmerzensreichen Gang: kaum daß sie die müden Augen aufschlugen bei dem Schall der nahenden Schritte.
Aus dem Innern der Zelte drang das laute Stöhnen der Kranken, der Sterbenden, die den Wunden, dem Mangel, den Seuchen erlagen. Kaum fand man die hinlängliche Zahl von Gesunden, die nötigsten Posten zu beziehen. Die Wachen schleppten die Speere hinter sich her, zu matt, sie aufrecht oder auf der Schulter zu tragen.
Die Heerführer kamen an die Schanzen vor dem aurelischen Tor; im Wallgraben lag ein junger Schütz und kaute an dem bittern Gras. Hildebad rief ihm zu: «Beim Hammer! Gunthamund, was ist das? Deine Sehne ist ja gesprungen, was ziehst du keine andre auf?» - «Kann nicht, Herr, die Sehne sprang gestern bei meinem letzten Schuß. Und ich und die drei Burschen neben mir, haben die Kraft nicht, eine neue aufzuziehen.» Hildebad gab ihm einen Trunk aus seiner Lederflasche: «Hast du auf einen Römer geschossen?» - «O nein, Herr», sagte der Mann, «eine Ratte nagte dort an der Leiche. Ich traf sie glücklich, und wir teilten sie zu viert.»
«Iffaswinth, wo ist dein Oheim Iffamer?» fragte der König. «Tot, Herr.»
«Er fiel hinter dir, als er dich hinwegtrug. Vor dem verfluchten Marmorgrab.»
«Und dein Vater Iffamut?» - «Auch tot. Er vertrug's nicht mehr, das giftige Wasser aus den Pfützen. Der Durst, König, brennt noch heißer als der Hunger. Und es will ja nicht regnen aus diesem bleiernen Himmel.» - «Ihr seid alle aus dem Athesistal?» - «Ja, Herr König, vom Iffinger-Berg. Oh, welch köstlich Quellwasser dort daheim!»
Teja sah in einiger Entfernung einen andern Krieger aus einer Sturmhaube trinken. Seine Züge verfinsterten sich noch mehr. «He, du, Arnulf!» rief er ihm zu, «du scheinst nicht Durst zu leiden?»
«Nein, ich trink oft», sprach der Mann. «Was trinkst du?» -«Das Blut von den Wunden der Frischgefallenen. Anfangs ekelt's sehr: aber man gewöhnt's in der Verzweiflung.»
Schaudernd schritt Witichis weiter. «Schick all meinen Wein ins Lager, Hildebad. Die Wachen sollen ihn teilen.» - «All deinen Wein? O König, mein Schenkamt ist gar leicht geworden. Du hast noch anderthalb Krüge. Und Hildebrand, dein Arzt, sprach, du sollst dich stärken.»
«Und wer stärkt diese, Hildebad? Die Not macht sie zu wilden Tieren!»
«Komm mit nach Hause», mahnte Totila, des Königs Mantel ergreifend. «Hier ist nicht gut sein.»
Im Zelt des Königs angelangt, setzten sich die Freunde schweigend um den schönen Marmortisch, der auf goldnen Gefäßen steinhartes verschimmeltes Brot aufwies und wenige Stücke Fleisch. «Es war das letzte Pferd aus den königlichen Ställen», sagte Hildebad, - «bis auf Boreas.» - «Boreas wird nicht geschlachtet! - mein Weib, mein Kind sind auf seinem Rücken gesessen.»
Und er stützte das müde Haupt auf die beiden Hände: eine neue schwere Pause trat ein. «Freunde», hob er endlich an, «das geht nicht länger also. Unser Volk verdirbt vor diesen Mauern. Mein Entschluß ist schwer und schmerzlich gereift.»
«Sprich's noch nicht aus, o König!» rief Hildebad. «In wenig Tagen trifft Graf Odiswinth von Cremona ein mit der Flotte, und wir schwelgen in allem Guten.»
«Er ist noch nicht da!» sprach Teja.
«Und unser Verlust an Menschen, so schwer er ist», ermutigte Totila, «wird er nicht durch frische Mannschaft ersetzt, wenn Graf Ulithis von Urbinum eintrifft, mit den Besatzungen, die der König aus den Festen von Ravenna bis Rom weggezogen hat, unsre leeren Zelte zu füllen?»
«Auch Ulithis ist noch nicht da», sprach Teja. «Er soll noch in Picenum stehen. Und kommt er glücklich an, so wird der Mangel im Lager noch größer.»
«Doch auch die Römerstadt muß fasten!» meinte Hildebad, das harte Brot mit der Faust auf dem Steintisch zerschlagend. «Laß sehn, wer's länger aushält!»
«Oft hab' ich's überdacht in schweren Tagen und schlummerlosen Nächten», fuhr der König langsam fort.
«Warum? Warum das alles so kommen mußte? Nach bestem Gewissen hab' ich immer wieder Recht und Unrecht abgewogen, zwischen diesen Feinden und uns: und ich kann's nicht anders finden, als daß Recht und Treue auf unsrer Seite stehen. Und wahrlich, an Kraft und Mut haben wir's nicht fehlen lassen.»
«Du am wenigsten», sagte Totila.
«Und an keinem schwersten Opfer!» seufzte der König. «Und wenn nun doch, wie wir alle sagen, ein Gott im Himmel waltet, gerecht und gut und allgewaltig, warum läßt er all dies ungeheure, unverdiente Elend zu? Warum müssen wir erliegen vor Byzanz?»
«Wir dürfen aber nicht erliegen», schrie Hildebad. «Ich habe nie viel gegrübelt über unsern Herrgott. Aber wenn er das geschehen ließe, müßte man Sturm laufen gegen den Himmel und ihm seinen Thron mit Keulen zerschlagen.»
«Lästre nicht, mein Bruder!» sprach Totila. «Und du, mein edler König, Mut und Vertrauen.
Ja, es waltet ein gerechter Gott dort über den Sternen. Drum muß zuletzt die gute Sache siegen. Mut, mein Witichis, und Hoffnung, bis ans Ende.»
Aber der Tiefgebeugte schüttelte das Haupt. «Ich gestehe es euch, ich habe aus diesem Irrsal, aus den schrecklichen Zweifeln an Gottes Gerechtigkeit, nur einen Ausweg gefunden. Es kann nicht sein, daß wir all dies schuldlos leiden. Und da unsres Volkes Sache zweifellos gerecht, so muß verborgne Schuld an mir, an eurem König haften. Wiederholt, erzählen unsre Lieder aus der Heidenzeit, hat sich ein König für sein Volk selbst den Göttern geopfert, wenn Unsieg, Seuche, Mißwachs jahrelang den Stamm verfolgte. Er hat die verborgne Schuld auf sich genommen, die auf den Volksgenossen zu lasten schien, und sie durch den Tod gebüßt, oder indem er ohne die Krone ins Elend ging, ein friedloser Landflüchtiger. - Laßt mich die Krone abtun von diesem Haupt ohne Glück noch Stern. Wählt einen andern, dem Gott nicht zürnt: wählt Totila, oder -»
«Das Wundfieber faselt noch aus dir!» unterbrach ihn der alte Waffenmeister. «Du mit Schuld beladen! Du, der Treueste von uns allen! Nein, ich will's euch sagen, ihr Kinder allzujunger Tage, die ihr der Väter alte Kraft mit der Väter altem Glauben verloren habt und nun keinen Trost wißt für eure Herzen. Mich erbarmt eurer Reden ohne Zuversicht.» - Und seine grauen Augen leuchteten in seltnem Glanze über die Freunde hin. «Alles, was hier auf Erden erfreut und schmerzt, ist kaum der Freude noch des Schmerzes wert. Nur auf eines kommt es hier unten an: ein treuer Mann gewesen sein, kein Neiding, und den Schlachttod sterben, nicht den Strohtod. Den treuen Helden aber tragen die Walküren aus dem blutigen Feld auf roten Wolken hinauf in Odins Saal, wo die Einheriar mit vollen Bechern ihn begrüßen. Dann reitet er alltäglich mit ihnen hinaus zur Jagd und Waffenspiel beim Morgenlicht und wieder herein zu Trunk und Skaldensang in goldner Halle beim Abendlicht. Und schöne Schildjungfrauen kosen mit den Jungen: und weise Vorzeitrunen raunen wir Alten mit den alten Helden der Vorzeit. Und ich werde sie alle wiederfinden, die starken Gesellen meiner Jugend, den kühnen Winithar und Herrn Waltharis von Aquitanien und Guntharis, den Burgunden. Und schauen werd' ich auch ihn, dessen Anblick ich lange begehrt: Herrn Beowulf, den Geaten, und aus grauen Urtagen den Cherusken, der zuerst die Römer schlug, von dem noch die Sänger der Sachsen singen und sagen. Und wieder trag' ich Schild und Speer meinem Herrn, dem König mit den Adleraugen. Und so leben wir fort in alle Ewigkeit in Licht und heller Freude, vergessen der Erde hier unten und alles ihres Wehs.»